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08. Juli 2021

Tragödie in Würzburg: Anwalt des Täters wird beschimpft, er verteidige "eine Bestie"

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Der Anschlag in der Würzburger Innenstadt im vergangenen Monat hält die Stadt weiterhin in Atem. Der Schock ist groß und die Emotionen weiterhin aufgewühlt. Dies bekommt auch Rechtsanwalt Dr. Hans-Jochen Schrepfer zu spüren. Er ist der Pflichtanwalt des mutmaßlichen Täters und erhält täglich Hassbotschaften und Drohungen.

Am 26. Juni griff in der Würzburger Innenstadt ein Täter mehrere Opfer mit einem aus einem Kaufhaus entwendeten Messer an. Drei von ihnen verstarben, eine 39-jährige Mutter, sowie eine 24 Jährige und eine 82 Jährige. Bei dem Täter soll es sich um den 24-jährigen Somalier Abdirahman J. A. handeln.

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Gegen ihn laufen umfangreiche Ermittlungen, in die auch die Nachrichtendienste eingeschaltet wurden. Der mutmaßliche Täter selbst konnte aufgrund seines labilen geistigen Zustandes noch nicht befragt werden. Ihm wurde ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt.

Dr. Schrepfer hat schon viele Täter*innen vertreten. Von der stark aufgeheizten Stimmung in diesem Fall ist er trotz seiner langjährigen Erfahrung überrascht. "So eine Haftvorführung mit so einer Emotionalität unter allen Beteiligten, die in diesem Raum gesessen sind, habe ich noch nie miterlebt. Selbst der Dolmetscher hat sich schwer getan, den Haftbefehl zu übersetzen," so der Jurist.

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Aber nicht nur im Gerichtssaal geht es emotional hoch her. Dr. Schrepfer führte ein Interview mit "FOCUS Online" und sprach dabei über Hassbotschaften, die ihn täglich ereilten. Darin würde ihm vorgeworfen, er vertrete "eine Bestie". Außerdem wünsche man ihm, ihn solle dasselbe Schicksal ereilen wie die Opfer des Anschlags.

"Für viele Menschen bin ich Projektionsfläche des Hasses," erklärt der Verteidiger, aber das Ausmaß übersteige sein Vermögen für Verständnis. Rechtliche Schritte hat er bisher nicht eingeleitet – auch wenn er dies könnte, schließlich würde sein Leben bedroht.

Bisher sammele er die Nachrichten und stehe auch mit der Polizei in engem Austausch. Es sei nicht das erste Mal, dass er mit Konflikten wegen seiner Rolle als Verteidiger zu kämpfen habe. So schlimm habe er es jedoch noch nie erlebt.

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Die Motive des mutmaßlichen Täters sind bisher noch ungeklärt. Einstweilige Vermutungen, er könne mit islamistischem Motiv gehandelt haben, hätten sich nicht bestätigt und seien mittlerweile eher unwahrscheinlich, gab Dr. Schrepfer bekannt.

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Ein Fokus liege auf der psychischen Gesundheit des jungen Mannes, der im Januar bereits in stationärer Behandlung war und sich im Juni selbst aus psychischer Behandlung entließ. Da nach deutschem Recht niemand gegen seinen Willen festgehalten werden darf und es keine ausreichende medizinische Grundlage gab, ihn auf der Station zu behalten, hatte er jede Berechtigung, zu gehen.

Die Ermittlungen dauern an. Es bleibt zu hoffen, dass die aufgeheizte Stimmung nicht weiter eskaliert und es nicht zu weiteren Opfern in Verbindung mit dem Messerangriff kommt.

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