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Studentin Marlene aus Lüneburg | Quelle: Facebook/Der Spiegel
Studentin Marlene aus Lüneburg | Quelle: Facebook/Der Spiegel

Lüneburger Studentin Marlene stirbt in der Türkei, nachdem sie merkwürdige Nachrichten in der WhatsApp-Gruppe ihrer Mitbewohner geschrieben hat: Details

Maren Z.
12. Jan. 2026
19:24

Marlene war 21 Jahre alt, als sie im Herbst für ein Auslandssemester nach Istanbul ging. Für die Psychologiestudentin aus Lüneburg war es ein lang gehegter Traum. Doch dieser Traum sollte in einer Tragödie enden.

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Nutzer-Kommentar zu dem tragischen Vorfall | Quelle: Facebook/Der Spiegel

Nutzer-Kommentar zu dem tragischen Vorfall | Quelle: Facebook/Der Spiegel

Es beginnt mit einem Foto auf einem Fenstersims. Eine junge Frau lächelt in die Kamera, umgeben von Freunden, die Sonnenbrille locker im Haar. Marlene wirkt unbeschwert, voller Pläne. Wer dieses Bild sieht, ahnt nicht, dass ihre Eltern nur wenige Wochen später vor genau diesem Foto sitzen würden – auf der Suche nach Antworten, die sie bis heute nicht haben.

Marlene war 21 Jahre alt, als sie im Herbst für ein Auslandssemester nach Istanbul ging. Für die Psychologiestudentin aus Lüneburg war es ein lang gehegter Traum. Die Stadt, die Kultur, das Leben am Bosporus – all das wollte sie kennenlernen.

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Sie zog in eine Wohngemeinschaft im Stadtteil Kadıköy, gemeinsam mit zwei Kommilitonen, die sie aus Deutschland kannte. Ihr Alltag schien gut organisiert: Lernen in Cafés, Sport im Fitnessstudio, Ausflüge mit Freunden. Für ihre Familie klang alles nach einem gelungenen Start.

Doch Anfang November änderte sich der Ton ihrer Nachrichten. Am 2. November schrieb Marlene ihrer Familie, sie fühle sich krank, habe Fieber, Schwindel und müsse sich übergeben. Auch ihren Mitbewohnern gehe es schlecht. Noch machten sich die Eltern keine großen Sorgen.

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Sie rieten ihr, am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen, falls es nicht besser werde. Doch da soll es bereits zu spät gewesen sein, auch wenn dies zu jenem Zeitpunkt niemand geahnt hat. Am nächsten Tag war Marlene tot.

In der Nacht auf den 3. November wurde einer ihrer Mitbewohner, Gianluca, von starken Schmerzen geweckt. Ihm war übel, er musste sich mehrfach übergeben. Sein Zustand erschien ihm ungewöhnlich, beinahe bedrohlich.

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Er fuhr in die Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses, wurde untersucht und nach einigen Stunden wieder entlassen. Seine Beschwerden besserten sich. Marlene jedoch blieb in der Wohnung.

Gegen Mittag schrieb sie merkwürdige Nachrichten in die WhatsApp-Gruppe der WG. Sie bat darum, ihr Wasser und Tee zu „bewegen“. Die Texte enthielten Fehler, wirkten verwirrt. Gianluca ging in ihr Zimmer – und alarmierte sofort den Notruf. Marlene reagierte nicht mehr.

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Ihre Eltern erfuhren am selben Tag von dem Notfall und flogen nach Istanbul. Sie kamen zu spät. Trotz intensivmedizinischer Behandlung starb Marlene am Abend des 3. November. Für Astrid und Göran, ihre Eltern, begann in diesem Moment ein Albtraum, der bis heute anhält.

Schon kurz nach ihrem Tod tauchten erste Fragen auf. Einsatzkräfte, die in der WG ermittelten, klagten über tränende Augen und Atemprobleme. Am folgenden Tag stießen Ermittler im Badezimmer auf einen Lüftungsschacht mit auffälligem Geruch.

Nachbarn berichteten, dass die Wohnung unterhalb der WG wenige Tage zuvor wegen Bettwanzen behandelt worden war.

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Monate später bestätigte ein türkisches Gutachten den Verdacht: Marlene starb an einer Vergiftung durch ein Insektizid, das Aluminiumphosphid enthält. Der Stoff ist hochgiftig und eigentlich nicht für den Einsatz in Wohnhäusern vorgesehen.

In Kontakt mit Feuchtigkeit entsteht ein Gas, das Organe schädigt und Zellen ersticken lässt. Nachweise im Körper sind schwierig, da sich das Gift schnell zersetzt – doch die Umstände sprechen eine deutliche Sprache.

Auch andere Bewohner der WG wurden krank, überlebten jedoch nach Krankenhausaufenthalten. Marlenes Eltern sind überzeugt, dass ihre Tochter eine besonders hohe Dosis abbekam, weil sie mit geschlossenem Fenster schlief und ihr Zimmer nahe am Bad lag, über das sich das Gas vermutlich ausbreitete.

Symbolbild | Quelle: Getty Images

Symbolbild | Quelle: Getty Images

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Ein Jahr nach Marlenes Tod warten Astrid und Göran noch immer auf Konsequenzen. Ermittlungen laufen sowohl in der Türkei als auch in Deutschland, doch Fortschritte sind schleppend. Astrid stellt die Frage: „Wir können uns gar nicht um die eigene Trauer kümmern, sondern es geht immer darum: Wann geschieht Gerechtigkeit?“

Beschuldigt werden bislang der Wohnungseigentümer und ein Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Festgenommen wurde bislang niemand.

Für Marlenes Mutter steht fest: „Die Menschen, die Marlenes Tod verursacht haben, sollen zur Verantwortung gezogen werden.“ Und sie fügte an: „Es ist schreiend ungerecht, dass da zu wenig passiert.“

Symbolbild | Quelle: Getty Images

Symbolbild | Quelle: Getty Images

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Marlenes Eltern geben nicht auf, wollen unbedingt Gerechtigkeit für den Tod ihrer Tochter, und es bleibt nur zu hoffen, dass sie diese auch irgendwann erfahren. Für Marlenes Vater steht fest, dass sie, sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen, ohne zu zögern in die Türkei fliegen würden.

Wir berichteten vor gar nicht allzu langer Zeit über einen ähnlichen ganz ähnlichen Vorfall:

Der Türkei-Urlaub einer vierköpfigen deutschen Familie aus Hamburg endet in einer Tragödie. Zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren sind in Istanbul mutmaßlich an einer schweren Lebensmittelvergiftung gestorben. Die Eltern liegen weiterhin auf der Intensivstation. Die Behörden in der Türkei sowie deutsche Stellen haben umfangreiche Ermittlungen eingeleitet.

Der Vorfall ereignete sich während einer Familienreise nach Istanbul, die Berichten zufolge am Sonntag begonnen hatte. Die Familie übernachtete in einem Hotel im historischen Stadtteil Fatih. Medien in Deutschland und der Türkei berichten übereinstimmend, dass sich alle vier Familienmitglieder kurz nach dem Verzehr von Speisen im Stadtgebiet plötzlich stark unwohl fühlten.

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Panorama von Istanbul und dem Bosporus bei Sonnenuntergang | Quelle: Getty Images

Panorama von Istanbul und dem Bosporus bei Sonnenuntergang | Quelle: Getty Images

Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministeriums wurden die Kinder am Dienstag aufgrund von Erbrechen und Übelkeit in ein Krankenhaus eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung.

Die behandelnden Ärzte entließen die Familie zunächst wieder. Wenige Stunden später mussten Rettungskräfte jedoch erneut ausrücken: Mutter und Tochter wurden im Hotelzimmer reglos aufgefunden. Die ganze Familie kam ein zweites Mal in eine Klinik – für die beiden Kinder kam jede Hilfe zu spät.

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Die Todesfälle wurden vom Gesundheitsdirektor der Provinz Istanbul, Dr. Abdullah Emre Güner, offiziell bestätigt. Auf X erklärte er, man sei „zutiefst erschüttert“ über das Schicksal der Familie. Er führte weiter aus, dass beide Kinder trotz aller medizinischen Maßnahmen verstorben seien und dass Mutter und Vater weiterhin intensivmedizinisch betreut würden. Die Gesundheitsbehörde habe eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.

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Nach Informationen mehrerer türkischer Medien hatte die Familie am Montag Muscheln und gefüllte Kartoffeln („Kumpir“) bei einem Straßenhändler im Stadtteil Ortaköy gegessen. Das berichten die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu sowie verschiedene Fernsehberichte. Auch FOCUS und RTL beziehen sich auf diese Angaben. Ob die Muscheln tatsächlich die Ursache der tödlichen Vergiftung waren, ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Porträt einer Gruppe von Kindern, die am Strand laufen | Quelle: Getty Images

Porträt einer Gruppe von Kindern, die am Strand laufen | Quelle: Getty Images

Mehrere Behörden verfolgen nun unterschiedliche Ermittlungsstränge. Der Justizminister der Türkei, Yilmaz Tunc, teilte mit, dass vier Verdächtige festgenommen wurden. Laut dem Staatssender TRT handelt es sich um Verkäufer verschiedener Street-Food-Produkte, darunter gefüllte Muscheln, Süßwaren und das traditionelle Gericht Kokoreç aus Kalbsdärmen.

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Die Stadtverwaltung von Beşiktaş ließ außerdem ein Lokal schließen, das möglicherweise im Zusammenhang mit dem Vorfall steht. Die Schließung erfolgte „zum Schutz der öffentlichen Gesundheit“, wie die Zeitung Cumhuriyet berichtet.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass es sich bei den Kindern um deutsche Staatsangehörige handelt. Das Generalkonsulat in Istanbul steht der betroffenen Familie zur Seite. Deutsche Medien wie der NDR berichten übereinstimmend, dass die Familie aus Hamburg stammt und sich auf einem Kurzurlaub in Istanbul befand.

Kleines Mädchen sitzt auf einem Krankenhausbett, neben ihr liegt ihr Teddybär, und sie schaut zum Fenster hinaus. | Quelle: Getty Images

Kleines Mädchen sitzt auf einem Krankenhausbett, neben ihr liegt ihr Teddybär, und sie schaut zum Fenster hinaus. | Quelle: Getty Images

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Noch ist unklar, warum die Familie nach dem ersten Krankenhausbesuch entlassen wurde und warum gerade die beiden Kinder so schwer betroffen waren. Die Ermittlungen sollen klären, welche Speisen genau verzehrt wurden, ob sie verunreinigt waren und ob möglicherweise mehrere Quellen infrage kommen. Türkische Gesundheitsbehörden prüfen zudem, ob weitere Personen nach dem Verzehr ähnlicher Produkte erkrankt sind – bislang wurde darüber aber nichts bekannt.

Die Tragödie sorgt international für Erschütterung und Mitgefühl. In Deutschland diskutieren Nutzer in den sozialen Netzwerken den Fall mit Bestürzung. Ein Nutzer kommentierte:

„Das ist wieder so schlimm, alles Gute den Eltern, mit den Kindern tut mir so leid.“

Ein anderer zeigte sich irritiert über den bisherigen Ermittlungsstand: „Eine etwas mysteriöse Geschichte. Mich verwundert es ein wenig, dass sich nicht noch weitere Menschen vergiftet haben.“

Muscheln | Quelle: Getty Images

Muscheln | Quelle: Getty Images

Während die Todesursache weiterhin offiziell untersucht wird, hoffen Angehörige und Freunde der Familie in Deutschland vor allem darauf, dass die Eltern die schwere Vergiftung überleben. Die türkischen Behörden betonen, man werde alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die Hintergründe des Vorfalls vollständig aufzuklären.

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