
16-jährige deutsche Schülerin verschwindet nach dem Einsteigen in ein Flugzeug
Seit Anfang Januar fehlt von der 16-jährigen Laura L. jede Spur. Die deutsche Jugendliche lebte mit ihrer Familie im griechischen Patras, doch seit dem 8. Januar gilt sie offiziell als vermisst. Was den Fall so beunruhigend macht: Nach Einschätzung der Ermittler handelt es sich nicht um ein spontanes Verschwinden, sondern um eine bewusst organisierte Flucht – mit einer Spur, die bis nach Deutschland führt.
Nach aktuellem Stand soll Laura am Tag ihres Verschwindens ihre Schultasche weggeworfen und von der Schule aus ein Taxi bestellt haben. Die Fahrt führte sie demnach von der Region Rio/Aktaio nach Athen. Dort soll sie nicht nur weitere Wege organisiert, sondern auch kurzfristig ein Flugticket gekauft haben.

Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt. | Quelle: Getty Images
Überwachungskameras zeigen sie laut Angaben in einem Reisebüro; außerdem gibt es eine Aufzeichnung eines Telefonats mit einem Taxiunternehmen. Die Polizei geht daher davon aus, dass Laura die Ausreise selbst geplant und durchgeführt hat.
Besonders auffällig: Um keine technischen Spuren zu hinterlassen, soll die 16-Jährige ihr Handy verkauft haben – laut Polizei für 200 Euro. Damit wäre ein Ortungs- oder Kontaktweg gekappt gewesen. Nach den Ermittlungen soll sie anschließend mit einer Lufthansa-Maschine von Athen nach Frankfurt geflogen sein.
Dort verliert sich jedoch die Spur. Der Frankfurter Flughafen gilt als letzter gesicherter Punkt: Die Maschine, in der Laura gesessen haben soll, landete – und ab diesem Moment fehlt jeder belastbare Hinweis darauf, wohin sie weiterging oder mit wem sie Kontakt hatte.
Der Zeitpunkt erhöht die Dramatik: Als die Eltern am Abend in Griechenland eine Vermisstenanzeige aufgaben, könnte Laura nach Ermittlerangaben bereits in Deutschland gelandet gewesen sein. Ob sie am Flughafen abgeholt wurde, öffentliche Verkehrsmittel nutzte oder sich in eine andere Richtung bewegte, ist bislang ungeklärt. Auch der Verdacht, sie könne zu ihrem in Deutschland lebenden Bruder gereist sein, soll sich nicht bestätigt haben.

Passagiere warten am Flughafen. | Quelle: Getty Images
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen inzwischen auch Hinweise aus dem Umfeld und aus sozialen Medien. Dort soll Laura über Angst und Missbrauch geschrieben haben. Griechische Medien berichteten zudem von einer Anzeige gegen den Vater. In diesem Zusammenhang steht auch die Information, Laura sei bereits in Deutschland in einem Frauenhaus untergebracht gewesen.
Offiziell bestätigt ist vor allem: Die Ermittler werten die Posts als möglicherweise relevant, weil sie Hinweise auf Motive, Kontaktpersonen oder einen geplanten Zufluchtsort liefern könnten.

Griechenland, Kykladen, Sifnos, Kapelle | Quelle: Getty Images
Medien beschreiben außerdem, dass Laura sich in ihrem Wohnort Aktaio offenbar fremd gefühlt habe: dörfliche Strukturen, wenig Möglichkeiten, dazu Sprachbarrieren – sie soll kein Griechisch gesprochen haben. Eine Rezeptionistin vergleicht das Lebensgefühl drastisch, als würde man „aus Manhattan in ein kleines Dorf“ ziehen. Auch Mitschülerinnen sollen den Eindruck gehabt haben, dass Laura mit ihrer Lebensrealität dort haderte.
Im Ort selbst glauben einige, dass Laura ihr Verschwinden bewusst taktisch nutzte. Ein Bäcker wird mit einem Satz zitiert, der im Dorf hängen geblieben ist:
„Laura hat den Ort offenbar sehr gut gekannt und alles perfekt geplant.“

Teenagerin in Kapuzenpulli, verzweifelt den Kopf in den Händen | Quelle: Getty Images
In einem Umfeld, in dem morgens viel Betrieb herrscht, könne man leichter „untertauchen“, ohne aufzufallen. Die Eltern weisen Vorwürfe gegen sich zurück. In einer Stellungnahme heißt es:
„Wir haben in den letzten Tagen dramatische Momente erlebt, da wir uns große Sorgen um unsere Laura machen. Wir haben von Anfang an die Polizei informiert, mit der wir in direktem Kontakt stehen.“

Unterstützender Ehemann umarmt seine verstörte, depressive Frau | Quelle: Getty Images
Gewalt hätten sie nie angewendet, schreiben sie: „Der einzige Grund, warum wir sie vielleicht ermahnt haben, betraf ihre schulischen Leistungen, und nichts weiter. Alles, was wir gehört haben, ist haltlos und entspricht nicht der Realität.“
Ihr Hauptanliegen sei, dass Laura sicher gefunden wird: „… dass unsere Laura gefunden wird und nach Hause zurückkehrt“. Und weiter: „Wir bitten jeden, der sie findet, die Behörden umgehend zu informieren, denn sie ist ein 16-jähriges Mädchen, dessen Leben in Gefahr sein könnte.“

Vermisste Person | Quelle: Getty Images
Auch die griechische Hilfsorganisation „The Smile of the Child“ betont, die Suche laufe weiter, bis sicher sei, dass die Minderjährige in Sicherheit ist. Europol ist eingeschaltet. Eine weitere Wendung: Laut Berichten soll der Vater inzwischen nach Deutschland gereist sein – sein Anwalt habe dies mit „neuen Entwicklungen“ begründet.
Was bleibt, ist ein rätselhafter Fall zwischen Griechenland und Deutschland: eine 16-Jährige, die offenbar alles daransetzte, nicht gefunden zu werden – und eine Spur, die ausgerechnet dort endet, wo viele Menschen täglich im Strom der Reisenden verschwinden können: am Flughafen.
