
„Die Menschen im hinteren Teil saßen in einer Todesfalle“: Busbrand in Kerzers fordert sechs Todesopfer und wird von einer Kamera aufgezeichnet – Experten analysieren das Filmmaterial
Die Bilder aus Kerzers erschüttern die Schweiz. Was am Dienstagabend in einem Postauto im Kanton Freiburg geschah, entwickelte sich innerhalb weniger Sekunden zu einer Katastrophe, aus der es für viele Passagiere kein Entkommen mehr gab.
Sechs Menschen starben bei dem Brand, fünf weitere wurden verletzt. Unter den Todesopfern befindet sich auch der mutmassliche Täter. Besonders tragisch: Das jüngste Opfer war erst 16 Jahre alt.

Feuerwehrleute arbeiten neben den Überresten des Busses, der am Abend des 10. März 2026 in Kerzers, Schweiz, in Brand geraten ist. | Quelle: Getty Images
Leservideos, die kurz nach dem Brandausbruch entstanden, zeigen das Ausmass des Dramas. Zunächst ist nur Rauch zu sehen, der aus dem Fahrzeug dringt. Doch dann geht alles rasend schnell. Nicht einmal eine Minute später schlagen bereits Flammen aus dem Bus, kurz darauf steht das Postauto lichterloh in Brand.
Gerade diese Aufnahmen machen deutlich, warum die Lage für viele Menschen im Inneren so ausweglos wurde. Der Brandherd befand sich offenbar in der Mitte des Fahrzeugs – also genau dort, wo sich auch eine Tür befand. Im hinteren Bereich dieses Busmodells gab es hingegen keine weitere Ausstiegsmöglichkeit. Für die Passagiere dort wurde der Bus binnen Sekunden zur Falle.
Der pensionierte Postautounternehmer Hans Hutter zeigte sich angesichts der Aufnahmen tief erschüttert. „Die Menschen im hinteren Teil saßen in einer Todesfalle“, sagte er. Noch deutlicher wurde er mit Blick auf die Sitzordnung und die Brandentwicklung: „Die Passagiere im hinteren Teil des Busses hatten überhaupt keine Chance. Nicht wenn das Fahrzeug in der Mitte zu brennen beginnt! Sie saßen in einer Todesfalle.“
Auch der dichte Rauch spielte laut Experten eine entscheidende Rolle. Hutter erklärte, dass sich der Innenraum extrem schnell mit Rauch und Feuer gefüllt habe. „Das Fahrzeug füllt sich rasend schnell mit Rauch und Flammen. In einer solchen Situation richtig zu reagieren, den Hammer zu finden, zu greifen und dann eine Scheibe einzuschlagen, ist fast unmöglich“, sagte der langjährige Chauffeur. Gerade unter Schock, in Panik und ohne entsprechendes Training sei eine Flucht über Notfallhämmer oder Fenster kaum realistisch.

Feuerwehrleute legen Blumen nieder, um während einer Gedenkfeier in Kerzers in der Westschweiz am 11. März 2026 ihren Respekt zu zollen. Am Tag zuvor waren sechs Menschen bei einem Busbrand ums Leben gekommen, der offenbar von einem psychisch gestörten Mann an Bord ausgelöst worden war, der sich selbst in Brand gesetzt hatte | Quelle: Getty Images
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der deutsche Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. Nach seiner Einschätzung beschleunigte der mutmasslich eingesetzte Brandstoff die Entwicklung so stark, dass kaum Zeit zum Handeln blieb. „So sind innert sehr kurzer Zeit, vielleicht 30 Sekunden, Temperaturen von weit über 1000 Grad und giftige Rauchgase im ganzen Bus entstanden“, sagte Brockmann. Und er fügte hinzu: „In diesen Temperaturen kann kein Mensch 30 Sekunden überleben.“
Die Wucht der Hitze und die giftigen Rauchgase dürften damit ein zentraler Grund gewesen sein, warum insbesondere die Menschen in unmittelbarer Nähe des Brandherds keine Chance mehr hatten. Für die Passagiere im vorderen Teil des Busses bestand Experten zufolge nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um noch durch die vordere Tür ins Freie zu gelangen.

Ein Postbus fährt am 11. März 2026 in Kerzers in der Westschweiz an Blumen vorbei, einen Tag nachdem ein Bus desselben öffentlichen Unternehmens am 10. März 2026 in Brand geraten war. Dabei kamen mindestens sechs Menschen ums Leben und fünf weitere wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei könnte es sich um eine vorsätzliche Tat handeln. | Quelle: Getty Images
Die Behörden bestätigten inzwischen, dass alle Opfer identifiziert werden konnten. Neben dem mutmasslichen Brandstifter starben auch der 63-jährige Busfahrer portugiesischer Herkunft sowie vier weitere Personen aus der Region: zwei Frauen im Alter von 25 und 39 Jahren und zwei Männer im Alter von 16 und 29 Jahren. Zwei der Verletzten befinden sich weiterhin im Spital.
Nach bisherigem Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass sich ein 65-jähriger Schweizer mit Wohnsitz im Kanton Bern im Bus selbst in Brand setzte und so das Feuer auslöste. Ein terroristischer Hintergrund wird derzeit nicht angenommen, die These einer vorsätzlichen Brandstiftung steht jedoch im Vordergrund.

Feuerwehrleute arbeiten am 10. März 2026 am Ort des tödlichen Busbrandes in Kerzers, Schweiz. | Quelle: Getty Images
Bundespräsident Guy Parmelin gedachte der Opfer am Tag nach der Tragödie in Kerzers. Blumen, Schweigeminuten und stilles Entsetzen prägen seither das Bild im Ort. Die Videos vom Brand zeigen nicht nur das Tempo des Feuers, sondern auch die brutale Realität eines Geschehens, das sich für viele Menschen im Bus innerhalb weniger Augenblicke von einer Alltagsfahrt in ein tödliches Inferno verwandelte.
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