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Die Angeklagte | Quelle: Getty Images
Die Angeklagte | Quelle: Getty Images

Fabians Vater vor Gericht: Am vierten Verhandlungstag kommen neue Details über ihn und Gina H. ans Licht

Edita Mesic
14. Mai 2026
17:35

Der vierte Verhandlungstag im Mordprozess um Fabian brachte Aufnahmen, Zeugenaussagen und Sprachnachrichten ans Licht – und zeichnete das Bild einer Beziehung, die von Kontrolle, Verzweiflung und Abhängigkeit geprägt war.

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Fabians Vater Matthias R. erschien auch am vierten Verhandlungstag im Landgericht Rostock – diesmal nicht als Zeuge, sondern als Zuschauer. Anwälte von Gina H. hatten zuvor durchblicken lassen, dass sie seine Anwesenheit nicht wünschen, da er möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt erneut als Zeuge geladen wird. Dennoch war er im Saal – und wurde fotografiert.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Rechtsanwalt Andreas Ohm und der Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Rechtsanwalt Andreas Ohm und der Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

Fabians Mutter Dorina L. verfolgte den Prozess ebenfalls vor Ort. Sie sitzt seit Beginn des Verfahrens nahezu bei jedem Termin im Saal – direkt gegenüber der Angeklagten. Für sie ist jeder Verhandlungstag eine Tortur, die sie nach eigenen Worten für ihren Sohn auf sich nimmt.

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Der Tag begann mit der Vernehmung von Fabians Spielkameraden, die per Videoübertragung aus einem Nebenraum aussagten. Richter Schütt wollte unter anderem wissen, was die Kinder über Fabians familiäre Situation wussten. Ein elfjähriger Freund schilderte:

„Er hat mir nur gesagt, dass er wieder Kontakt mit seinem Vater hat. Irgendwas war mal, dass die lange Zeit keinen Kontakt hatten. Er hat irgendwas mal mit Streit gesagt."

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack (l), leitender Staatsanwalt, Christine Habetha (M), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack (l), leitender Staatsanwalt, Christine Habetha (M), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

Auf Nachfrage, ob Fabians Vater eine Freundin gehabt habe, antwortete der Junge: „Ja. Er hat irgendwas gesagt, dass er sich nicht so gut mit seiner Freundin versteht und deshalb der Kontakt so ein bisschen abgebrochen ist." Auf die Frage des Richters, ob Fabian mit einem Fremden mitgegangen wäre, antwortete er klar: „Das hätte er nicht gemacht."

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Auch wurden die besten Freunde des Jungen gehört. Sie beschrieben Fabian als lebhaften, warmherzigen Jungen, der gerne Roblox spielte und regelmäßig mit Freunden unterwegs war. Die Aussagen der Kinder zeigten, wie normal Fabians Alltag kurz vor seinem Verschwinden war – und wie plötzlich er endete.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts | Quelle: Getty Images

Anschließend wurde ein Augenzeuge gehört, der Gina H.s auffälligen orangefarbenen Ford Ranger bereits am 9. Oktober 2025 – einen Tag vor Fabians Verschwinden – in der Nähe seiner Wohnung gesehen hatte. Zeuge Franz H. schilderte, er habe gegen 14.30 Uhr parken wollen, als ihm das Fahrzeug auffiel: „Ich habe nur geschimpft. Der stand über zwei Parklücken. Ich dachte, derjenige will zu dem Tierarzt dahinten." Als ihm Fotos des Fahrzeugs gezeigt wurden, war er sicher: „Das ist er!"

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Dieser Fund ist für die Staatsanwaltschaft bedeutsam. Das Fahrzeug wurde demnach nicht nur am Tattag in der Nähe von Fabians Wohnung gesichtet, sondern bereits am Vortag. Ermittler hatten im Auto zudem Faserspuren gesichert, die von einem Pullover Fabians stammen könnten.

Den emotionalen Kern des Verhandlungstages bildeten jedoch die Sprachnachrichten von Gina H. an Fabians Vater – Aufnahmen aus den Wochen nach der Trennung im August 2025. Allein am 18. August versuchte Gina H. Matthias R. 40-mal anzurufen. In mehreren Sprachnachrichten vom 17. August flehte sie ihn weinend an:

„Es tut mir alles so leid. Bitte, bitte Matthias. Ich liebe dich doch über alles und das habe ich schon immer getan. Bitte. Bitte komm her. Bitte. Ich brauch dich. Bitte. Bitte."

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Weitere Nachrichten wurden abgespielt. In einer davon machte Gina H. ihre Ansprüche an die Beziehung deutlich: „Du weißt, dass ich in deinem Leben im Mittelpunkt stehen möchte. Nur für dich." In einer anderen: „Wenn du sagst, dass du mich liebst, dann geht man nicht. Dann kämpft man weiter."

Besonders erschütternd war eine Nachricht, in der sie ihre finanzielle Abhängigkeit thematisierte. Nach der Trennung beklagte sie sich:

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„Bin nur noch auf fremde Hilfe angewiesen. Weil du mir alles weggenommen hast. Alles."

Auch eine Sprachnachricht von Matthias R. selbst wurde abgespielt. Er berichtete darin, dass er für das gemeinsame Leben bis zu 14 Stunden täglich gearbeitet habe. Gina H. soll darauf reagiert haben: „Hör auf zu jammern, stell dich nicht so an, andere machen das auch!" Als die Nachricht vor Gericht abgespielt wurde, beugte sich die Angeklagte zu ihrem Verteidiger und raunte: „Das hab ich nicht gesagt. Das hat er sich eingeredet."

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (v. l. n. r.), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten Achtjährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (v. l. n. r.), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten Achtjährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

Der Richter terminierte zehn weitere Verhandlungstage bis zum 10. September – ursprünglich war der letzte Termin für den 2. Juli geplant gewesen. Inzwischen steht fest: Der Prozess wird deutlich länger dauern als zunächst angenommen. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

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