
Fotos des 8-jährigen Fabian vor Gericht gezeigt – Wie hat Gina H. darauf reagiert?
Der achte Verhandlungstag im Mordprozess um Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte. Und eine Angeklagte, die sich wegdrehte – aber auf eine Art, die auffiel.
Richter Holger Schütt hatte schon am Vortag gewarnt. Am Dienstagmorgen warnte er erneut: Die Bilder, die heute gezeigt würden, seien schwer zu ertragen. Wer das nicht aushält, solle den Saal verlassen. Einige taten es. Andere blieben – und sahen, wie Gina H. reagierte.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Als die Detailaufnahmen von Fabians Leiche auf den Leinwänden und Bildschirmen im Gerichtssaal erschienen, schaute die Angeklagte unter sich. Sie sah die Bilder nicht an. Kurz darauf beugte sie sich nach vorn und vergrub den Kopf in den Händen.
Fabians Mutter Dorina L. war nicht da. Sie bleibt dem Verfahren fern, solange solche Aufnahmen gezeigt werden. Auch am Donnerstag wird sie fehlen – dann soll ein Rechtsmediziner aussagen.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der achte Verhandlungstag stand ganz im Zeichen des Tatorts. Polizeibeamte und Sachverständige schilderten, was sie am 14. Oktober 2025 vorfanden.
Ein Kriminaltechniker erläuterte die 3D-Dokumentation des Fundorts mit einem Hochleistungsscanner, der mit bis zu zwei Millionen Lasermessungen in einem 360-Grad-Umkreis arbeitete. Drohnenaufnahmen zeigten Fußspuren am Tatort – Gummistiefelabdrücke und Schuhabdrücke der Marke „Pammy", die Gina H. zugeordnet werden. Direkt neben Fabians Spuren.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Textilgutachter reichte noch ein Bild des Pullovers nach, von dem die Faser unter Fabians Daumennagel stammen soll – ein blauer Pullover mit weißem Aufdruck „M" auf der linken Brust. Er gehört Gina H.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack fasste die Erkenntnisse am Ende des Verhandlungstages zusammen:
„Fabian hat vor einem relativ hohen Strauch von etwa 90 Zentimeter Höhe in einer Senke gelegen. Unter den aufgefundenen Schuhspuren wurde eine Vielzahl der Fußspuren der Schuhmarke Pammy gefunden, die auch bei der Angeklagten aufgefunden werden konnte. Auch gemeinsam mit den anderen Spuren des Fabian. Weg vom Auffindeort, weg vom Weg. Es hat also eindeutig eine Bewegung stattgefunden."

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Justizbeamter (v. l. n. r.) begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gina H.s Anwalt Andreas Ohm hielt dagegen:
„Es hat nichts Überraschendes ergeben. Es gibt kein geschlossenes Gangbild, keine Rückschlüsse auf das Alter der Spuren. Pammys sind kein No-Name-Schuh, sondern ein Allerweltsschuh. Das lässt keine einfachen Schlüsse auf meine Mandantin zu."
Doch nicht nur die Spuren am Boden beschäftigten das Gericht. Auch das Verhalten von Gina H. an jenem 14. Oktober – als sie die Polizisten zum Fundort führte – wurde am Dienstag zum Thema.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der erste Zeuge des Tages, ein Polizeibeamter vom Polizeirevier Güstrow, hatte sie damals persönlich erlebt. Er war mit seiner Kollegin zur Vermisstensuche beauftragt, als über die Leitstelle der Auftrag kam, nach Klein Upahl zu verlegen. Gina H. traf er am Ortsrand – und führte ihn zum Tümpel.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Richter Schütt fragte den Beamten, wie Gina H. und ihre Begleitung auf ihn gewirkt hätten. „Wie wirkten die auf Sie?“, fragte er. Die Antwort kam klar:
„Ich hatte eher den Eindruck, dass das eine Aufgeregtheit dort vor Ort sei. Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt."
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Die Nebenklage hat beantragt, die Öffentlichkeit für die Aussage des Gerichtsmediziners auszuschließen – darüber wird zu Beginn des nächsten Verhandlungstages entschieden. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Wie bereits berichtet:
Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow geht weiter – und er wird mit jedem Verhandlungstag schwerer zu ertragen. Am siebten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock wurden Gutachter und Ermittler gehört.
Ein zentrales Thema des siebten Verhandlungstages war ein Textilgutachten. Die 30-jährige Angeklagte soll Fabian laut Staatsanwaltschaft am 10. Oktober 2025 mit ihrem Auto abgeholt und später getötet haben – sie ist des Mordes angeklagt. Unter dem rechten Daumennagel des Kindes wurde eine lila-blau eingefärbte Baumwollfaser gefunden, die Übereinstimmungen mit einem Pullover der Angeklagten aufweist.
Außerdem entdeckten die Ermittler an einem Ärmelbündchen des Opfers eine grau-grünliche Polyesterfaser, die von einer Reiterhose der Angeklagten stammen könnte. Der Sachverständige machte jedoch deutlich klar, dass eine eindeutige Bewertung dieser Funde kaum möglich sei – wie es zu einer Spurenübertragung gekommen sein könnte, lasse sich nicht sagen.

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten im Gerichtssaal, Rostock, 13. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Am Tattag, dem 10. Oktober 2025, war die SIM-Karte der Angeklagten zwischen 11:21 Uhr und 12:42 Uhr nicht nachweisbar – weder in Güstrow noch am späteren Tatort. Das Gerät sei in dieser Zeit entweder ausgeschaltet oder in den Flugmodus gesetzt worden.
Ein Problem dabei: Die Mobilfunkanbieter erheben solche Daten in erster Linie für ihre Abrechnung – nicht für Ermittlungszwecke. Der zuständige Polizeibeamte bezeichnete die Datenlage deshalb als „extrem lückenbehaftet".
Die Staatsanwaltschaft wertet dies als bewusstes Handeln: Die Angeklagte soll ihr Smartphone aktiv deaktiviert haben, bevor sie laut Anklage mit Fabian in ihrem Auto in Richtung Klein Upahl fuhr. Dort soll sie den Jungen an einem Tümpel mit einem Messer getötet haben. Der angenommene Todeszeitraum liegt laut Anklage zwischen 10:50 und 13:00 Uhr.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Es war die Angeklagte selbst, die am 14. Oktober die Kinderleiche bei der Polizei meldete – und sich laut Funkzellenauswertung an diesem Tag auch tatsächlich am Fundort befand.
Privatermittler nutzte Fabians Online-Account
Ein Online-Account des Kindes wurde auch nach dem 10. Oktober noch aktiv genutzt. Die Hoffnung der Polizei, dass Fabian vielleicht noch am Leben sein könnte, zerschlug sich jedoch schnell. Wie die Ermittler feststellten, handelte es sich am 12. und 13. Oktober nicht um Fabian selbst, sondern um einen Privatermittler, dem die Mutter oder ihr Umfeld die Zugangsdaten weitergegeben hatte.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Warum Fabians Mutter nicht kommen konnte
Fabians Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, fehlte an diesem Tag zum ersten Mal. Der Richter hatte sie bereits am Vortag gewarnt:
„Wir werden morgen Bilder zu sehen bekommen, die auch etwas schwieriger zu ertragen sind."
Wer das nicht aushalte, habe die Möglichkeit, den Saal zu verlassen.
Der Grund, warum sie fernblieb, ist herzzerreißend: Im Gerichtssaal wurden Fotos des getöteten Jungen gezeigt – Bilder, die zeigten, in welchem Zustand Fabians Leiche gefunden worden war. Fabians Leiche wies starke Verbrennungen auf. Der Prozess ist noch nicht vorbei.
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