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Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr, und Martin Seiler, DB-Vorstand für Personal, sowie Bahnmitarbeiter | Quelle: Getty Images
Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr, und Martin Seiler, DB-Vorstand für Personal, sowie Bahnmitarbeiter | Quelle: Getty Images

Das persönliche Leben eines deutschen Schaffners, der wegen einer Fahrkarte getötet wurde – alleinerziehender Vater von zwei Kindern und Philanthrop

Edita Mesic
05. Feb. 2026
17:43

Der gewaltsame Tod von Serkan C. hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Doch jenseits der nüchternen Berichte über eine eskalierte Fahrkartenkontrolle rückt vor allem ein anderes Bild in den Vordergrund: das eines Mannes, der als Vater, Freund und Kollege ein Leben führte, das von Fürsorge, Verantwortungsgefühl und außergewöhnlicher Herzenswärme geprägt war.

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Seit über 15 Jahren arbeitete der 36-Jährige als Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. In dieser Zeit galt er als verlässliche Konstante im Regionalverkehr. Kollegen beschreiben ihn als ruhig, deeskalierend und stets respektvoll im Umgang mit Fahrgästen – selbst in schwierigen Situationen. Wer mit ihm Dienst hatte, wusste: Serkan blieb besonnen, auch wenn andere laut wurden. Konflikte versuchte er zu entschärfen, nicht zu verschärfen.

Das Logo der Deutschen Bahn | Quelle: Getty Images

Das Logo der Deutschen Bahn | Quelle: Getty Images

Sein enger Freund und Kollege Yunus erinnert sich: „Als Mensch würde ich ihn als einzigartig beschreiben. Er war sehr sympathisch. Wenn ich Probleme hatte, habe ich sie mit ihm geteilt. Wenn er Probleme hatte, hat er sie mit mir geteilt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt bei der Bahn.“

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BERLIN, DEUTSCHLAND – 4. FEBRUAR: Der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder spricht vor der Presse, nachdem er an einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof teilgenommen hat, um des 36-jährigen türkischen Zugbegleiters Serkan C. zu gedenken, der in einem Zug von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen wurde | Quelle: Getty Images

BERLIN, DEUTSCHLAND – 4. FEBRUAR: Der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder spricht vor der Presse, nachdem er an einer Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof teilgenommen hat, um des 36-jährigen türkischen Zugbegleiters Serkan C. zu gedenken, der in einem Zug von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen wurde | Quelle: Getty Images

Diese gegenseitige Loyalität sei typisch für Serkan gewesen. Er hörte zu, gab Ratschläge und stellte sich schützend vor andere – besonders vor jüngere Kollegen. Privat war seine größte Identität jedoch die des Vaters. Seine beiden Söhne Erdal (13) und Ali Ekber (11) waren sein Lebensmittelpunkt.

Als alleinerziehender Vater strukturierte er sein gesamtes Leben um sie herum. Früh aufstehen, Frühstück machen, Schule organisieren, arbeiten, danach Hausaufgaben, Einkaufen, Kochen – Freunde berichten, dass er diese Mehrfachbelastung nie als Bürde darstellte, sondern als Selbstverständlichkeit.

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Er galt als liebevoll, geduldig und humorvoll im Umgang mit seinen Kindern. Er wollte ihnen Stabilität geben, Sicherheit – und Perspektive. Viele beschreiben ihn als „Kämpfer für seine Jungs“. Die Brutalität seines Todes trifft die Familie deshalb umso härter. Cousin Ergin C. schildert die dramatischen Stunden nach der Tat:

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„Die Deutsche Bahn rief an und sagte, dass Serkan angegriffen wurde. Seit Montag war die Familie bei ihm im Krankenhaus.“

Auch seine beiden Jungs wachten am Krankenbett. „Sie haben ihren Vater sterben sehen, es war furchtbar.“ Diese Erfahrung habe die Familie tief erschüttert.

04. Februar 2026, Berlin: Ein Text an der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof erinnert an den verstorbenen Zugbegleiter „Serkan C.“ | Quelle: Getty Images

04. Februar 2026, Berlin: Ein Text an der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof erinnert an den verstorbenen Zugbegleiter „Serkan C.“ | Quelle: Getty Images

Auch im erweiterten Freundeskreis wird Serkan als außergewöhnlicher Mensch beschrieben. Sein Cousin Engin und Freund Yunus nannten ihn häufig ihren „Bruder“. Nicht nur wegen der familiären Verbindung, sondern wegen seiner Loyalität. Engin sagt:

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„Er war ein glücklicher Mensch, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte.“

Dieses Lächeln wird immer wieder erwähnt. Es sei ehrlich gewesen, nie aufgesetzt. Selbst nach langen Schichten habe er Humor gehabt, andere aufgemuntert, statt über Müdigkeit zu klagen.

Was viele besonders hervorheben: seine Selbstlosigkeit. Serkan stellte seine eigenen Bedürfnisse oft zurück. Ein Beispiel, das Freunde bewegt schildern: Zu einem seiner letzten Geburtstage wünschte er sich keine Geschenke – stattdessen sammelte er Spenden für die Krebshilfe. Für ihn war Helfen selbstverständlich, nicht außergewöhnlich.

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Seine Großzügigkeit zeigte sich auch im Alltag. Er half Nachbarn, unterstützte Freunde finanziell, wenn es nötig war, und engagierte sich im Kleinen – ohne Öffentlichkeit, ohne Aufmerksamkeit.

04. Februar 2026, Bayern, Nürnberg: Martin Burkert (M), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft EVG, mit Mitgliedern der EVG und anderen Mitarbeitern der Deutschen Bahn während der Schweigeminute für einen getöteten Zugbegleiter. | Quelle: Getty Images

04. Februar 2026, Bayern, Nürnberg: Martin Burkert (M), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft EVG, mit Mitgliedern der EVG und anderen Mitarbeitern der Deutschen Bahn während der Schweigeminute für einen getöteten Zugbegleiter. | Quelle: Getty Images

Die emotionale Wucht seines Verlusts wird in den Worten seiner Familie besonders deutlich. Engin beschreibt die Situation der Kinder: „Die zwei Kinder waren auch im Krankenhaus und sahen ihren eigenen Vater im Sterbebett. Noch schlimmer geht das nicht.“ Und weiter:

„Die Oma ist bei ihnen, die ganze Familie ist bei ihnen. Es ist schwer, weil wir den Vater nicht ersetzen können. Weil der Vater mit 36 Jahren gestorben ist. Wegen eines Tickets ist er gestorben. Wegen 60 Euro ist er gestorben. Das ist so sinnlos.“

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Auch Yunus erinnert sich an den Moment, als er informiert wurde: „Das war für mich schrecklich. Ich war im Schock. Ich wusste nicht, wie ich das weiterleiten soll.“ Diese Aussagen zeigen, wie eng Serkan mit seinem Umfeld verbunden war. Er war nicht nur Kollege – er war Vertrauensperson, Zuhörer, Ratgeber.

Für seine Freunde steht fest, dass sein Andenken bewahrt werden muss. Gleichzeitig fordern sie Konsequenzen: „Wir wünschen uns, dass er hart bestraft wird. Wir wollen Gerechtigkeit“, so die Familie.

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Doch jenseits juristischer Fragen bleibt vor allem die Erinnerung an einen Mann, der durch seine Persönlichkeit geprägt hat: ein ruhiger Vermittler im Beruf, ein aufopferungsvoller Vater zu Hause, ein Freund mit großem Herzen.

Serkan C. hinterlässt zwei Söhne – und eine Geschichte, die zeigt, wie viel Menschlichkeit hinter einer Uniform stecken kann. Sein Leben war geprägt von Verantwortung, Mitgefühl und stiller Großzügigkeit. Eigenschaften, die ihn für viele unersetzlich machen.

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