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Der verstorbene Fabian auf einer Wiese | Quelle: Facebook/Güstrow Kleinanzeigen
Der verstorbene Fabian auf einer Wiese | Quelle: Facebook/Güstrow Kleinanzeigen

„Ich sag' nur Abschluss der Ermittlungen“, sagt ein Sprecher der Ermittlungsbehörde und gibt ein Update zum Fall Fabian

Maren Z.
09. März 2026
19:00

Der Fall des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat viele Menschen in Deutschland tief erschüttert. Wochenlang suchten Ermittler nach Antworten, Monate später warten Angehörige, Freunde und eine ganze Region noch immer auf Klarheit. Nun deutet sich ein entscheidender Schritt an: Die Ermittlungen sollen abgeschlossen worden sein.

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Fast fünf Monate sind vergangen, seit das Verschwinden des Jungen bundesweit Schlagzeilen machte. In dieser Zeit haben Polizei und Staatsanwaltschaft zahlreiche Spuren verfolgt, Zeugen befragt und Beweise ausgewertet. Jetzt signalisiert die Rostocker Staatsanwaltschaft, dass die Untersuchungen endlich beendet sein könnten.

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images

Der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Harald Nowack, erklärte, dass bereits in dieser Woche eine wichtige Mitteilung erfolgen würde. Ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest, doch die Richtung scheint klar: „Also diese Woche sollte es passieren.“ Ob damit automatisch eine Anklage verbunden sein wird, ließ er allerdings offen.

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„Das sage ich noch nicht. Ich sag' nur Abschluss der Ermittlungen“, betonte Nowack. Mit dieser knappen Formulierung bleibt vieles weiterhin unklar – und dennoch zeichnet sich ab, dass die Ermittler ihre Arbeit bald offiziell abschließen könnten.

Der Fall reicht zurück bis in den Herbst des vergangenen Jahres. Am 10. Oktober 2025 verschwand Fabian aus Güstrow. Vier Tage später wurde seine Leiche südlich der Stadt gefunden. Die Nachricht verbreitete sich schnell und löste bundesweite Bestürzung aus.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: Ganz in der Nähe von der Stelle, wo der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, suchen Polizisten im Gebüsch am Straßenrand. | Quelle: Getty Images

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: Ganz in der Nähe von der Stelle, wo der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, suchen Polizisten im Gebüsch am Straßenrand. | Quelle: Getty Images

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Seit November sitzt eine 29-jährige Frau in Untersuchungshaft. Sie wurde in einem Dorf in der Nähe von Güstrow festgenommen. Die Ermittler sehen in ihr die Hauptverdächtige. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen sie davon aus, dass sie den Jungen aus seinem Umfeld gelockt und anschließend getötet haben könnte.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten Mord aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen vor. Nach Angaben der Ermittler soll sie Fabian mit einem Auto in ein Waldgebiet gebracht haben. Dort sei es zu der tödlichen Tat gekommen. Anschließend wurde die Leiche des Kindes in der Nähe eines Tümpels bei Klein Upahl entdeckt.

Auch nach der Anklageerhebung gilt jedoch weiterhin die Unschuldsvermutung für die Beschuldigte. Sie selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert.

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, leitender Staatsanwalt und Pressesprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, erzählt bei einer Pressekonferenz vier Wochen nach dem gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow von neuen Ermittlungsergebnissen. | Quelle: Getty Images

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, leitender Staatsanwalt und Pressesprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, erzählt bei einer Pressekonferenz vier Wochen nach dem gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow von neuen Ermittlungsergebnissen. | Quelle: Getty Images

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Während die juristischen Schritte ihren Lauf nehmen, versuchen die Angehörigen des Jungen mit dem Verlust umzugehen. Besonders für Fabians Mutter Dorina L. sind die vergangenen Monate eine schwere Zeit gewesen.

Eine Freundin der Familie beschreibt, wie belastend die lange Phase der Ungewissheit gewesen sei. Erst jetzt, da sich der Fall juristisch weiterentwickelt, könne Dorina beginnen, sich mental auf einen möglichen Prozess vorzubereiten.

Einen großen Teil ihrer Zeit verbringt sie inzwischen am Grab ihres Sohnes. Dort findet sie nach eigenen Worten einen Ort der Nähe zu dem Kind, das sie verloren hat. Sie besucht ihn regelmäßig, bringt Kerzen mit und sorgt dafür, dass das Grab gepflegt bleibt.

6. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Ein Ermittler geht während einer Hausdurchsuchung in Reimershagen mit Plastiktüten voller Sportschuhe über die Straße. | Quelle: Getty Images

6. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Ein Ermittler geht während einer Hausdurchsuchung in Reimershagen mit Plastiktüten voller Sportschuhe über die Straße. | Quelle: Getty Images

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„Mir gibt das auch ganz viel, dass ich ihn hier wenigstens noch besuchen kann [...] Ich sprech‘ mit ihm und denk‘ halt auch viel nach“, [sic] sagte sie in einem Interview. Das Grab sei für sie ein Platz, an dem sie mit ihrem Sohn sprechen und ihre Gedanken sortieren könne. Sie hege nach eigenen Angaben nur eine tiefe Hoffnung:

„Es wird hoffentlich die gerechte Strafe geben“

5. November 2025, Güstrow: Grablichter und Grabengel stehen vor der Marienkirche, um an den ermordeten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

5. November 2025, Güstrow: Grablichter und Grabengel stehen vor der Marienkirche, um an den ermordeten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Am Grab selbst versucht sie, sich nur auf das Positive für ihren Sohn zu konzentrieren. Sie verriet:

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„Ich versuche immer, ihm nur schöne Sachen zu sagen [...] Ich sag immer nur: Ich hoffe, dass er nicht noch mehr Leid mitkriegen muss.“

Deshalb stelle sie auch stets sicher, dass immer ein Licht auf seinem Grab brenne. „Er hat so gerne gekuschelt und ich hab‘ jedes Mal das Gefühl, als wenn er mich hier wieder umarmt“, fügte sie an.

29. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Vor der Marienkirche in Güstrow werden Kerzen aufgestellt, um an den achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

29. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Vor der Marienkirche in Güstrow werden Kerzen aufgestellt, um an den achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Der bevorstehende nächste Schritt im Verfahren bringt deshalb nicht nur juristische Bedeutung mit sich. Für die Familie ist er auch ein Moment, in dem sich Hoffnung mit Sorge mischt. Hoffnung darauf, dass die Umstände des Todes ihres Kindes vollständig aufgeklärt werden – und Sorge vor den emotionalen Belastungen, die ein Prozess mit sich bringen könnte.

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Die Schwurgerichtskammer wird nun prüfen müssen, ob die Anklage zugelassen wird. Erst danach kann ein Gerichtsverfahren beginnen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnte ein möglicher Prozess bereits in den kommenden Monaten starten.

Bis dahin bleibt der Fall Fabian für viele Menschen ein Symbol für einen Verlust, der kaum zu begreifen ist – und für die Hoffnung, dass die Justiz Antworten auf die offenen Fragen finden wird.

19. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der Marienkirche, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

19. Oktober 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der Marienkirche, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Wir berichteten über den tragischen Fall, der ganz Deutschland bestürzte:

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Der traurige Fall von Fabian aus Güstrow beschäftigt seit Monaten ganz Deutschland. Nun äußerte sich eine Familienpsychologin und sprach über den Fall – vor allem auch über die Gefühlswelt der Eltern in einer solch schwierigen Situation.

Nach außen wirkte alles vertraut. Fabian fühlte sich wohl bei der neuen Partnerin seines Vaters, ging in ihrem Zuhause ein und aus und verstand sich gut mit ihrem Sohn.

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Für den Achtjährigen aus Güstrow schien sich eine zweite kleine Welt zu öffnen, die Sicherheit und Nähe versprach. Umso unbegreiflicher ist das, was heute im Raum steht: Die frühere Freundin seines Vaters steht unter Verdacht, Fabian getötet zu haben.

Während die Ermittlungen andauern, versuchen Fachleute einzuordnen, was in einer solchen familiären Konstellation emotional geschehen kann.

Fabians Vater war mehrere Jahre mit der Beschuldigten liiert. Die Beziehung galt als wechselhaft, nicht nur zwischen den Erwachsenen, sondern auch im Zusammenspiel mit dem Kind.

Die Polizei sucht den achtjährigen Fabian in einem Waldstück neben einem Industriegebiet. | Quelle: Getty Images

Die Polizei sucht den achtjährigen Fabian in einem Waldstück neben einem Industriegebiet. | Quelle: Getty Images

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In Patchworkfamilien entstehen häufig neue Rollen, Erwartungen und Unsicherheiten – ein Nährboden für Konflikte, wie Familienpsychologen erklären.

Eine neue Partnerin ist plötzlich nicht nur Gefährtin, sondern auch Bezugsperson für ein Kind, das aus einer früheren Beziehung stammt. Gleichzeitig bleibt die leibliche Mutter präsent. Dieses Spannungsfeld kann alle Beteiligten überfordern.

Familienpsychologin Nina Grimm beschreibt, dass Gefühle wie Neid oder Eifersucht in solchen Konstellationen keine Ausnahme seien. „Eifersucht ist in Patchworkfamilien die Regel“, erklärt sie. Sie fügte an:

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„Patchworkmodelle sind für Kinder und Erwachsene eine emotionale Herausforderung. Man ist nicht mehr nur Partnerin, sondern auch die Bonusmama. Oder man ist nicht mehr nur Mama, sondern plötzlich auch Konkurrentin. Da entstehen emotionale Unsicherheit und Unklarheit. Es gibt viel Konfliktpotenzial, da hilft nur glasklare Kommunikation.“

Kinder können – bewusst oder unbewusst – als Konkurrenz wahrgenommen werden, etwa wenn die Sorge entsteht, sie könnten die Paarbeziehung belasten oder Aufmerksamkeit binden. Ohne klare Kommunikation und stabile Grenzen könne sich emotionale Unsicherheit verstärken.

Freunde der Familie berichten, dass Fabian und die Partnerin seines Vaters ein gutes Verhältnis hatten. Gleichzeitig soll es Spannungen gegeben haben, weil der Vater weiterhin Kontakt zur Mutter des Jungen hielt.

Klein Upahl: An der Stelle, wo der achtjährige Fabian aus Güstrow tot in einem kleinen Teich bei Klein Upahl gefunden wurde, pumpt die Feuerwehr das Wasser ab, während ein Polizist mit einem Detektor unterwegs ist. | Quelle: Getty Images

Klein Upahl: An der Stelle, wo der achtjährige Fabian aus Güstrow tot in einem kleinen Teich bei Klein Upahl gefunden wurde, pumpt die Feuerwehr das Wasser ab, während ein Polizist mit einem Detektor unterwegs ist. | Quelle: Getty Images

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In dieser Phase sei der Kontakt zwischen Vater und Sohn zeitweise eingeschränkt gewesen, was für alle Beteiligten belastend gewesen sein dürfte. Dennoch blieb der Kontakt zwischen der Frau und Fabian bestehen – ein Umstand, der heute viele Fragen aufwirft.

Wie lässt sich ein möglicher Gewaltakt mit der Rolle einer vertrauten Bezugsperson vereinbaren? Aus psychologischer Sicht gibt es dafür keine einfachen Antworten.

Fachleute weisen darauf hin, dass Nähe nicht immer aus echter Zuneigung entstehen muss. In manchen Fällen könne Bindung auch strategisch eingesetzt werden, etwa um eine Beziehung zum Partner zu sichern. Solche Dynamiken seien für Außenstehende kaum zu erkennen. Grimm verriet dazu:

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

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„Es kann sein, dass eine Partnerin von vornherein manipulativ handelt. Sie sorgt etwa dafür, das Kind an sich zu binden – aber nicht, weil sie es liebt, sondern weil sie von Anfang an eine Agenda verfolgt. Nämlich, den Mann für sich zu gewinnen.“

Besonders schwer ist die Situation für Fabians Vater. Er befindet sich nach Einschätzung der Psychologin in einem inneren Konflikt, der kaum auszuhalten ist: Die Frau, die er geliebt hat, steht unter Verdacht, seinem Kind etwas angetan zu haben. Trauer, Schuldgefühle und Zweifel überlagern sich. Grimm gab Einblicke:

„Er steckt im Zwiespalt. Eine Person, die er geliebt hat, steht in Verdacht, sein Kind getötet zu haben. Das ist ein Spannungszustand, den man sich kaum vorstellen kann“

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

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Manche Betroffene ziehen sich in solchen Situationen vollständig zurück, andere suchen aktiv den Austausch – beides seien normale Reaktionen auf ein extremes Trauma.

Auch Fabians Mutter geht anders mit der Situation um als der Vater. Während er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzieht, spricht sie wiederholt über ihre Gefühle und die Ermittlungen.

Psychologisch betrachtet seien diese Unterschiede typisch. Nach einem traumatischen Verlust funktioniere der Mensch zunächst im Überlebensmodus, später brechen Trauer, Wut und quälende Schuldfragen auf – unabhängig davon, ob tatsächlich Verantwortung bestand.

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

Grablichter, Blumen und Kuscheltiere stehen vor der St. Mary's Church, um an den vermissten achtjährigen Fabian zu erinnern. | Quelle: Getty Images

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Für die Familie bedeutet der Verlust eine Zäsur, die sich nicht einfach überwinden lässt. „Das ist ein maximaler Kontrollverlust, jegliches Gerechtigkeitsprinzip wird außer Acht gelassen, wenn ein Kind ermordet wird. Das löst ein komplexes Trauma aus“, sagt Grimm und betont, dass der Tod eines Kindes ein komplexes Trauma auslöse. Heilung brauche Zeit – und manchmal bedeute sie nicht, dass der Schmerz verschwindet, sondern dass man lernt, mit ihm zu leben.

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