
"Wut in mir hoch aufgestiegen": Fabians Mutter gibt nach erstem Prozesstag Interview
Der Mord am 8-jährigen Fabian aus Güstrow erschütterte ganz Deutschland – und stellt eine Mutter vor eine Prüfung, die kaum auszuhalten ist. Monate nach der Tat steht nun die Tatverdächtige vor Gericht. Für Fabians Mutter beginnt damit ein neuer, schmerzhafter Abschnitt auf der Suche nach Antworten.
Der Fall Fabian sorgte bereits im Herbst 2025 für bundesweite Bestürzung. Am 10. Oktober verschwand der Achtjährige, vier Tage später wurde er tot an einem Teich bei Klein Upahl entdeckt. Einige Zeit darauf nahmen Ermittler eine Tatverdächtige fest: Gina H., die frühere Lebensgefährtin von Fabians Vater, die seit Anfang November in Untersuchungshaft sitzt.

Der Rostocker Oberstaatsanwalt Harald Nowack gibt am 6. November bei einer Pressemitteilung die Verhaftung einer Tatverdächtigen im Fall Fabian bekannt. | Quelle: Getty Images
Die Staatsanwaltschaft wirft der heute 30-jährigen Angeklagten Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Nach bisherigen Erkenntnissen soll sie den Jungen mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt haben.
Ein mögliches Motiv wurde nun ebenfalls genannt: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte die Tat begangen haben, um die Streitigkeiten mit Fabians Vater zu beenden und die Beziehung mit ihm fortsetzen zu können.

Fabians Mutter Dorina L. durchlebt eine unglaublich schwierige Zeit, erfährt aber glücklicherweise viel Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld. | Quelle: youtube.com/@rtl_aktuell
„Ich finde das maßlos, was sie dort getan hat, wie sie sich verhalten hat.”
Am 28. April 2026 begann vor dem Landgericht Rostock schließlich der Prozess – unter großem öffentlichen Interesse und hohen Sicherheitsvorkehrungen. Der Auftakt fand am Dienstagvormittag in einem besonders großen Gerichtssaal statt und markiert den Beginn von insgesamt 17 angesetzten Verhandlungstagen bis Anfang Juli.
Im Zentrum steht die Frage, was genau an jenem Oktobertag geschah und ob die Angeklagte für den Tod des Kindes verantwortlich ist.

Die Angeklagte verbirgt ihr Gesicht beim Prozessauftakt am 28. April 2026 in Rostock ihr Gesicht hinter einem roten Ordner. | Quelle: Getty Images
Für Fabians Mutter Dorina L. wurde dieser erste Prozesstag zu einer emotionalen Grenzerfahrung. Sie saß der Frau gegenüber, die beschuldigt wird, ihrem Sohn heimtückisch das Leben genommen zu haben – ein Moment, der tiefe Spuren hinterließ. „Ich habe gemerkt, dass Wut in mir hoch aufgestiegen ist”, schilderte sie nach dem Termin.
Trotz der enormen Belastung suchte sie die Konfrontation bewusst. „Ich wollte sie halt die ganze Zeit angucken. Sie konnte mir nicht mal ins Gesicht gucken”, sagte Dorina L. und beschrieb damit einen Augenblick, der für sie besonders schwer wog.

Die Angeklagte verbirgt ihr Gesicht beim Prozessauftakt am 28. April 2026 in Rostock ihr Gesicht hinter einem roten Ordner. | Quelle: Getty Images
Was sie dabei beobachtete, lässt sie anscheinend nicht mehr los:
„Sie hat gleich nach unten geschaut. Und sie hat einmal hoch geguckt, hat mich gesehen und hat gleich nach unten geschaut. Und auch während der Verlesung hat sie nach unten geschaut und, so wie es für mich ausgesehen hat, auch zwischendurch nicht mal zugehört. Ich finde das maßlos, was sie dort getan hat, wie sie sich verhalten hat.”
Diese Wahrnehmung traf die Mutter offenbar besonders hart – nicht nur wegen der Situation selbst, sondern auch wegen des Eindrucks, die Angeklagte entziehe sich der direkten Auseinandersetzung mit dem schwerwiegenden Vorwurf.

Fußfesseln an den Beinen der Angeklagten beim Prozessauftakt am 28. April 2026 in Rostock | Quelle: Getty Images
Schon im Vorfeld hatte Dorina L. deutlich gemacht, wie schwer ihr die bevorstehenden Tage fallen würden. Der Prozess bedeutet für sie nicht nur juristische Aufarbeitung, sondern auch die erneute Konfrontation mit dem Verlust ihres Kindes. Dennoch war für sie klar, dass sie diesen Weg gehen will – auch wenn jeder einzelne Termin Kraft kostet.
Dabei versucht sie, sich innerlich aufrecht zu halten, so gut es geht:
„Ich habe versucht, stark zu bleiben, und mir sind auch die Tränen gelaufen. Aber ich werde es schaffen, für Fabi.”

Die Angeklagte verbirgt ihr Gesicht beim Prozessauftakt am 28. April 2026 in Rostock ihr Gesicht hinter einem roten Ordner. | Quelle: Getty Images
Die kommenden Wochen dürften für die Mutter nicht weniger belastend werden. Insgesamt sind bis Anfang Juli zahlreiche weitere Verhandlungstage angesetzt, darunter auch Termine, an denen Zeugen gehört werden sollen. Einer dieser Tage hat für Dorina L. eine besondere Bedeutung, da sie selbst aussagen soll – ein Moment, der laut einer Freundin bereits im Vorfeld große Angst in ihr auslöst.
Der Prozess wird am Landgericht Rostock fortgesetzt und soll klären, ob die Vorwürfe gegen die Angeklagte Bestand haben. Für Fabians Mutter bleibt jeder Verhandlungstag ein weiterer Schritt hin zur Beantwortung der noch offenen Fragen.
Für die Angeklagte gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
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