Jasmin Gerat spricht über ihre Arbeit im Kinderhospiz: "Man weiß nie, ob man sich wiedersieht"

Jasmin Gerat hat eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin absolviert. Nun arbeitet sie in einem Kinderhospiz.

Die Schauspielerin hat mit ihrem Job vor der Kamera schon so einiges um die Ohren. Doch nun hat sie noch eine zusätzliche Arbeit aufgenommen, um Kindern zu helfen. 

Die 42-Jährige engagiert sich mittlerweile in einem Kinderhospiz in Berlin. In einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" sprach sie über ihre Erfahrungen dort.

Die Idee, Sterbebegleiterin zu werden, kam ihr nach der Geburt ihrer ersten Tochter im Jahr 2007. Ihr sei das erste mal der Kreislauf von Leben und Tod bewusst geworden, sowie die Tatsache, dass beides unabdingbar miteinander verwoben ist.

Ich bin davon überzeugt, dass wir den Schrecken vor bestimmten Themen verlieren können, wenn wir über sie reden und unsere Erfahrungen miteinander teilen.

Diese Erkenntnis hat die Schauspielerin nachhaltig geprägt und schließlich dazu geführt, dass sie sich mehr mit dem Thema auseinandersetzt. Sie suchte nach einer Möglichkeit, ihre Zeit sinnvoller nutzen zu können und hat sich außerhalb ihrer Schauspielerei nach einer Tätigkeit umgeschaut, die dieses Bedürfnis erfüllte.

2009 begann sie eine sechsmonatige Ausbildung, die sie beim Deutschen Roten Kreuz machte. Während dieser Zeit kam sie mit vielen fremden Menschen in Kontakt, die einsam in ihren Wohnungen sterben und niemanden haben, der sich um sie kümmert.

Allein ein offenes Ohr, eine helfende Hand, oder einfach nur die Präsenz eines anderen Menschen fehlen vielen. Gerat sagte:

"Mir war nicht bewusst, wie viele Menschen alleine sterben und erst mal lange nicht in ihren Wohnungen gefunden werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir den Schrecken vor bestimmten Themen verlieren können, wenn wir über sie reden und unsere Erfahrungen miteinander teilen."

Der Tod ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, und doch gilt er in vielen Köpfen als Tabuthema. Gerat sei es wichtig, das Thema Tod und Sterben aus dieser Tabu-Ecke herauszuholen und mehr in unsere Kultur zu integrieren.

Wer Trauer zulasse, der komme sich selbst näher, glaubt die Schauspielerin. Ein bewusstes Abschiednehmen sei wichtig, damit die Wunden, die durch den Schmerz des Verlustes geschlagen wurden, anfangen können, zu heilen. 

Für sie bedeutet dies auch, wie sie im Interview verriet, auch Kinder schon an dieses bedrückende Thema heranzuführen und sie beispielsweise mit zu Beerdigungen und in Hospize zu nehmen.

So schwierig das Thema rund um den Tod und das Sterben auch für viele Menschen ist, so sei der Tod auch Teil des Lebens. Dies sei ein Deal, den wir mit der Geburt eingegangen seien, findet sie.

Als besondere Herausforderung gelte es, im Hier und Jetzt zu leben und nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft zu sein. Berührungsängste soll sie von Anfang an keine gehabt haben, jedoch großen Respekt. 

Das Hospiz in Berlin, in dem sie mittlerweile regelmäßig tätig ist, bezeichnete sie als einen der schönsten Orte der Stadt für sie. Dort herrsche nach Angaben Gerats eine besondere Energie.

Eine Vielzahl von Gefühlen gebe es darin, doch diese hätten nichts mit Traurigkeit zu tun. Sie sagte:

"Das Leben ist so unglaublich fragil. Es muss gelebt werden, es muss gepackt werden. Wir haben erst mal kein anderes. Ich kam glückselig, erfüllt und dankbar raus."

Auch ihre Familie musste im letzten Jahr mit dem Thema Tod Bekanntschaft machen, als die Tante von Jasmin Gerat verstarb. Für sie sei von Beginn an klar gewesen, dass sie ihre Kinder mitnehmen wollte. Berührungsängste sollen auch ihre Kinder nicht gehabt haben, der Abschied schien viel mehr natürlich gewesen zu sein.

Ihren Töchtern möchte sie keine Ängste vermitteln. Viel mehr möchte sie sie stärken. Egal wie lange sie ihre Familie nicht sieht, ob nun für Dreharbeiten oder eine andere Reise, und sei es auch nur für wenige Tage oder Wochen,

Gerat verabschiedet sich nach eigenen Angaben stets gut von ihren Liebsten. Denn es sei nie gewiss, dass man sich wiedersehe, so die mehrfache Mutter. Es gebe weder einen hektischen Abschied zwischen Tür und Angel, noch einen Abschied in Streit. 

An ein Leben nach dem Tod glaube sie, da ihr dieser Gedanke Halt gebe. Als klassisch gläubig bezeichnete sie sich nicht unbedingt, dennoch besäße sie ihren ganz eigenen spirituellen Glauben. Jeden Tag bete sie für den Schutz ihrer Familie.

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