
„Kommt es auf die nächsten Stunden an“: Ganzes deutsches Dorf evakuiert – Was ist passiert?
Eine gewaltige Feuerwand hat in der Nacht die Menschen im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald in Atem gehalten. Der Waldbrand ist noch immer nicht unter Kontrolle: Die Einsatzkräfte kämpfen weiterhin gegen die Flammen und versuchen, ein Übergreifen auf bewohnte Gebiete zu verhindern. Für die Menschen im Ortsteil Gey bedeutet das, dass sie ihre Häuser vorerst verlassen mussten.
Rund 1800 Menschen sind von der Evakuierung betroffen. Während Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr gegen den Brand vorgehen, bleibt die Lage angespannt. Besonders schwierig sind die Bedingungen im Wald, denn im Boden befinden sich zahlreiche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg.

Rauchwolken steigen vom Waldbrand auf | Quelle: Getty Images
Ganzes Dorf muss evakuiert werden
Die Flammen tobten in der Nacht nur rund 500 Meter von Hürtgenwald entfernt. Besonders bedrohlich war die Situation für den Ortsteil Gey: Das Feuer breitete sich in Richtung der Ortschaft aus. Am nördlichen Rand des Ortes sollen zeitweise nur noch etwa zehn Meter zwischen verlassenen Häusern und den Flammen gelegen haben.
Deshalb wurde das gesamte Dorf bereits zuvor evakuiert. Rund 1800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Landkreis Düren berief einen Krisenstab ein und forderte die Bewohner auf, nur die notwendigsten persönlichen Dinge mitzunehmen – etwa Ausweisdokumente und Medikamente.
Die Polizei Köln koordiniert seit den frühen Morgenstunden die polizeilichen Maßnahmen rund um den Waldbrand. Dazu gehören auch die Unterstützung der Feuerwehr und die Organisation der notwendigen Evakuierungen.

Waldbrand im Landkreis Düren am 14. August 2026 | Quelle: Getty Images
Nach Angaben von Landrat Ralf Nolten hätten die Einwohnerinnen und Einwohner die Maßnahme mit Verständnis aufgenommen. Angesichts der sichtbaren Gefahr habe es wenig Anlass für Diskussionen gegeben.
„Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben - die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone - wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren“, so Nolten.
Feuerwehr kämpft weiter gegen die Flammen
Der Einsatz ist noch nicht beendet. Die Feuerwehr versucht weiterhin, die Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern. Dabei wird an mehreren Stellen gleichzeitig mit unterschiedlichen Taktiken gearbeitet.
Bereits rund 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Zusätzlich wurden nach Berichten weitere 150 Einsatzkräfte angefordert. Die große Zahl an Helfern soll dabei helfen, den großen Brand effektiv zu bekämpfen und die Ortschaften zu schützen.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei landet auf dem Einsatzgebiet für den Waldbrand im Hürtgenwald | Quelle: Getty Images
Auch die Bundeswehr ist in den Einsatz eingebunden. Ein Panzer schafft nach Angaben der Polizei Zufahrtswege für die Einsatzkräfte im Wald. Auf einem von der Deutschen Presse-Agentur verbreiteten Foto sind zwei Räumpanzer der Bundeswehr zu sehen.
Die Fahrzeuge können dort eingesetzt werden, wo normale Einsatzfahrzeuge wegen des schwierigen Geländes nicht ohne Weiteres vorankommen. Außerdem sind fünf Hubschrauber aus mehreren Bundesländern im Einsatz
Weltkriegsmunition macht Löscharbeiten gefährlich
Eine besondere Gefahr stellen die zahlreichen Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg dar, die im Hürtgenwald noch immer im Boden liegen. Die Hinterlassenschaften machen es den Einsatzkräften erheblich schwerer, direkt an einzelne Brandstellen vorzurücken.

Ein Polizeihubschrauber, der mit einem externen Wassertank ausgestattet ist | Quelle: Getty Images
Landrat Ralf Nolten erklärte: „Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken.“
Die Gefahr ist dabei nicht nur theoretisch. Bereits während der Nacht kam es im Brandgebiet zu Detonationen. „Wir haben auch die Schläge gehört“, berichtete Nolten.
Für die Feuerwehr bedeutet das, dass sie bei den Löscharbeiten besonders vorsichtig vorgehen muss. Gleichzeitig darf keine wertvolle Zeit verloren gehen, weil sich die Flammen weiter ausbreiten könnten.
„Die Zeit bis Mittag ist für uns die entscheidende“
Besonders wichtig ist nun der Kampf gegen die Glutnester. Selbst wenn offene Flammen an einzelnen Stellen zurückgedrängt werden können, können verbliebene Glutstellen den Brand erneut entfachen und weitertragen.
Genau deshalb blickt der Landrat auf die kommenden Stunden. „Wenn wir in Gey gelöscht haben, kommt es auf die nächsten Stunden an, ob wir die Hauptglutnester erkennen und auch ablöschen können“, sagte Nolten. „Die Zeit bis Mittag ist für uns die entscheidende.“

Aufnahme des Waldbrandes im Hürtgenwald | Quelle: Getty Images
Damit ist die Lage weiterhin dynamisch. Der Feuerwehreinsatz läuft, und eine Entwarnung für die betroffenen Bewohner gibt es noch nicht.
Häuser liegen gefährlich nah am Feuer
Wie bedrohlich die Situation zeitweise war, zeigt der Abstand zwischen den Flammen und den Häusern am Rand von Gey. Dort soll das Feuer bis auf wenige Meter an die verlassenen Gebäude herangekommen sein.
Die Einsatzkräfte konzentrieren sich deshalb darauf, das Feuer daran zu hindern, in Richtung der Ortschaft weiterzulaufen. Gleichzeitig müssen sie die großflächigen Waldgebiete im Blick behalten.
Hürtgenwald ist von großen und alten Waldflächen geprägt. Bei einem Feuer dieser Größe kann sich die Situation zudem schnell verändern. Trockenheit begünstigt die Ausbreitung der Flammen und erschwert die Löscharbeiten zusätzlich.
Auch der Verkehr ist betroffen
Die Auswirkungen des Waldbrandes beschränken sich inzwischen nicht mehr nur auf die unmittelbar betroffenen Orte. Aufgrund des Feuers wurden zwei Anschlussstellen der Autobahn A4 gesperrt.
Die Sperrungen dienen unter anderem dazu, den Einsatz der Rettungs- und Löschkräfte zu ermöglichen und den Verkehr aus dem betroffenen Bereich herauszuhalten. Unterdessen bleibt die Polizei gemeinsam mit den anderen Einsatzkräften vor Ort, um die Maßnahmen rund um den Waldbrand und die Evakuierung zu koordinieren.
Trockenheit sorgt derzeit für weitere Waldbrände
Der Brand in Hürtgenwald ist Teil einer angespannten Situation in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der derzeitigen Trockenheit kommt es auch an anderen Orten im Bundesland zu Waldbränden.
Für die Einsatzkräfte in Hürtgenwald steht allerdings zunächst die Sicherung der unmittelbar gefährdeten Bereiche im Mittelpunkt. Rund 1800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, während Feuerwehr und weitere Helfer gegen das Feuer kämpfen.
Noch ist nicht absehbar, wann die Bewohner wieder zurückkehren können. Entscheidend ist zunächst, ob es gelingt, die Flammen weiter zurückzudrängen und die Hauptglutnester vollständig unter Kontrolle zu bringen. Der Einsatz dauert daher weiterhin an.