
„Tiger Queen“ bricht ihr Schweigen, nachdem ihr 280 kg schwerer Tiger entkommen ist und einen Menschen angegriffen hat – „Ich hab’ nichts falsch gemacht!“
Nach dem dramatischen Vorfall in einem Gewerbegebiet bei Leipzig meldet sich Carmen Zander erstmals selbst zu Wort. Die Frau, die öffentlich als „Tiger Queen“ auftritt, steht seit dem Wochenende im Mittelpunkt eines Falls, der Fragen nach Verantwortung, Sicherheit und privater Wildtierhaltung neu entfacht hat.
Ein 72-jähriger Helfer wurde in einem Tigergehege schwer verletzt, der Tiger Sandokan entkam kurz darauf aus der Anlage – und wurde später von der Polizei erschossen.
Noch ist vieles ungeklärt. Die Ermittlungen laufen, der verletzte Mann ist nach den vorliegenden Informationen bislang nicht vernehmungsfähig. Fest steht jedoch: Der Vorfall hat weit über die Region hinaus Entsetzen ausgelöst. Und er hat den Blick erneut auf eine Haltung gelenkt, die schon seit Jahren umstritten ist.

Die Tigerbändigerin Carmen Zander im engen Kontakt mit dem Bengal-Tiger Kiara in ihrem Sommerquartier in Seebenisch bei Leipzig, Deutschland, am 3. Juli 2014. | Quelle: Getty Images
Carmen Zander selbst war nach eigenen Angaben nicht vor Ort, als es zu dem Angriff kam. Im Interview mit RTL schildert sie den Moment, in dem sie von dem Geschehen erfuhr, als einen Schockzustand. Sie habe zunächst vor allem gehofft, dass der verletzte Helfer überlebt und später erklären kann, was genau passiert ist.
Zugleich verteidigt sie sich entschieden gegen die Vorwürfe, die nun im Raum stehen. „Ich hab’ nichts falsch gemacht!“, sagt Zander. Ihre Mitarbeiter und Helfer seien vollständig instruiert worden. Sie verriet:
„Ich bin kein Dummchen, was hier plötzlich meint, mit Raubtieren arbeiten zu müssen [...] Ich habe gedacht, ich bin im Albtraum
Mit dieser klaren Haltung versucht sie, die Deutung des Geschehens nicht anderen zu überlassen. Sie betont, sie wisse, was sie tue, und arbeite nicht leichtfertig mit Raubtieren. Die Sicherheit sei aus ihrer Sicht immer gewährleistet gewesen. Gerade deshalb, so klingt es bei ihr, könne sie selbst kaum fassen, wie es überhaupt zu diesem Ablauf kommen konnte.
Im Zentrum steht dabei Tiger Sandokan, ein neun Jahre altes Tier mit einem Gewicht von rund 280 Kilogramm. Im RTL-Interview nennt Zander ihn ihren „Kuschelbär“. Gleichzeitig ergibt sich aus früheren Beschreibungen auf ihrer eigenen Internetseite ein differenzierteres Bild.
Dort wurde Sandokan als unsicheres Tier beschrieben, das in unklaren Situationen schnell überfordert sein könne. Auch die Möglichkeit eines plötzlichen Angriffs wurde in diesem Zusammenhang erwähnt. Genau dieser Widerspruch dürfte nun mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet werden.
Nach dem Angriff auf den Helfer soll Sandokan aus der Anlage entkommen sein. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte rückten mit einem Großaufgebot an. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Später wurde der Tiger in einer nahegelegenen Gartenanlage entdeckt.
Weil sich das Tier nach Angaben der Polizei in unmittelbarer Nähe zu einem stark frequentierten Bereich befand, entschieden die Einsatzkräfte, es zu erschießen. Zuvor sei geprüft worden, ob eine Betäubung möglich sei. Dazu sei es in der konkreten Lage aber nicht mehr gekommen.

Die Tigerbändigerin Carmen Zander im engen Kontakt mit dem Bengal-Tiger Kiara in ihrem Sommerquartier in Seebenisch bei Leipzig, Deutschland, am 3. Juli 2014. | Quelle: Getty Images
Für Carmen Zander ist damit nicht nur ein schwerer Zwischenfall eingetreten, sondern auch der Verlust eines Tieres, zu dem sie offenbar eine enge Bindung hatte. Gleichzeitig verschärft sich der Druck auf sie und ihre Anlage nun erheblich. Die Staatsanwaltschaft teilte laut RTL mit, dass unter anderem geprüft werde, wie genau es zu dem Vorfall kam, welche Rolle der verletzte Helfer spielte und ob Sicherheitsvorschriften verletzt wurden.
Auch politisch und gesellschaftlich hat der Fall sofort Folgen. Der Oberbürgermeister von Schkeuditz fordert, dass die Tiger weg müssten. Tierschutzorganisationen verlangen erneut ein Verbot privater Wildtierhaltung.
Der Deutsche Tierschutzbund sieht sich durch den Vorfall in seiner Kritik bestätigt. Zudem verweist das zuständige Landratsamt darauf, dass die Großkatzenhaltung von Carmen Zander schon seit Jahren umstritten sei und es immer wieder Vorwürfe wegen möglicher Verstöße gegen Auflagen gegeben habe.
Was nun mit den übrigen acht Tigern in Dölzig geschieht, ist offen. Das Landratsamt erklärte, ohne Ergebnisse zu den Ursachen des Vorfalls könne diese Frage derzeit nicht beantwortet werden.
Die Informationen in diesem Artikel stellen keinen Ersatz für professionellen ärztlichen Rat, eine Diagnose oder eine Behandlung dar. Alle Inhalte, inklusive Text und Bildern, die in AmoMama.de enthalten sind oder durch AmoMama.de zugänglich sind, dienen lediglich der allgemeinen Information. AmoMama.de übernimmt keinerlei Verantwortung für jegliche Handlungen, die als Resultat des Lesens dieses Artikels unternommen werden. Bevor Sie sich irgendeiner Behandlung unterziehen, konsultieren Sie ihren medizinischen Leistungsanbieter.
AmoMama.de unterstützt und fördert keine Formen von Gewalt, Selbstbeschädigung oder anderes gewalttätiges Verhalten. Wir machen unsere LeserInnen darauf aufmerksam, damit sich potentielle Opfer professionelle Beratung suchen und damit niemand zu Schaden kommt. AmoMama.de setzt sich gegen Gewalt, Selbstbeschädigung und gewalttätiges Verhalten ein, AmoMama.de plädiert deshalb für eine gesunde Diskussion über einzelne Fälle von Gewalt, Missbrauch, oder sexuelles Fehlverhalten, Tiermissbrauch usw. zum Wohl der Opfer. Wir ermutigen in diesem Sinne alle LeserInnen, jegliche kriminelle Vorfälle, die wider diesen Kodex stehen, zu melden.
