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04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) im Landgericht. | Quelle: Getty Images
04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) im Landgericht. | Quelle: Getty Images

„Ich bin die Schuldige": Abgehörtes Telefonat enthüllt Gina H.s Absicht, die Polizei zu kontaktieren

Olha Patsora
Von Olha Patsora
05. Juni 2026
21:32

Ein abgehörtes Telefonat hat am neunten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow für Aufsehen gesorgt. Im Gerichtssaal wurde ein Mitschnitt eines Gesprächs zwischen der Angeklagten Gina H. und ihrem Nachbarn Olaf K. vom 17. Oktober 2025 abgespielt.

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Die Aufnahme lieferte neue Einblicke darin, wie sich die 30-Jährige wenige Tage nach dem Fund des Leichnams gegenüber Vertrauten geäußert hatte – und welche Gedanken sie in dieser Zeit beschäftigten.

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images

„Solange werde ich die Schuldige für alle sein"

Im abgehörten Gespräch vom 17. Oktober 2025 äußerte sich Gina H. gegenüber ihrem Nachbarn über den öffentlichen Druck, dem sie ausgesetzt war. Sie berichtete, dass sie auf TikTok von sogenannten Trovato-Detektiven thematisiert worden sei. Anschließend beklagte sie, dass ein Bekannter sich ihr gegenüber so verhalte, als hätte sie Fabian getötet – und dass ihr vorgeworfen werde, gewusst zu haben, wo der Leichnam lag.

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„So lange nicht jemand gefunden ist, werde ich für alle die Schuldige sein."

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und geht zu ihrem Platz neben Anwalt Thomas Löcker im Landgericht. | Quelle:  Getty Images

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und geht zu ihrem Platz neben Anwalt Thomas Löcker im Landgericht. | Quelle: Getty Images

Gina H. wies außerdem den Vorwurf zurück, sie hätte wissen müssen, wo der Leichnam lag.

„Er tut ja so, als ob ich Fabian umgebracht hätte. Woher soll ich wissen, dass er da liegt? Auch wenn sich das gerade alles so hingedreht wird, als hätte ich das wissen müssen."

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images

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Olaf K. antwortete darauf: „Es sieht ja irgendwie gezielt aus, sagen wir es mal so."

Gina H. reagierte mit Sarkasmus und erklärte, sie habe schließlich Wichtigeres zu tun, als einen Jungen umzubringen – und drohte ironisch damit, sich selbst bei der Polizei als Schuldige zu melden, damit endlich Ruhe einkehre.

„Ja genau, ich habe auch nichts Besseres zu tun als Fabian umzubringen? Weißt du, ich rufe morgen gleich bei der Polizei an und sage: ‚Ich bin die Schuldige.' Dann haben sie alle, was sie wollen und dann hat der ganze [Schimpfwort] ein Ende."

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Polizeiautos stehen vor einem Haus in Reimershagen. Nach zahlreichen Hinweisen in „Aktenzeichen XY“ durchsucht die Polizei erneut mehrere Grundstücke in Reimershagen und dem Nachbardorf Rum Koge | Quelle: Getty Images

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Polizeiautos stehen vor einem Haus in Reimershagen. Nach zahlreichen Hinweisen in „Aktenzeichen XY“ durchsucht die Polizei erneut mehrere Grundstücke in Reimershagen und dem Nachbardorf Rum Koge | Quelle: Getty Images

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Angst vor Spuren im Auto

Im selben Gespräch äußerte Gina H. ihre Sorge darüber, dass bei der Untersuchung ihres Fahrzeugs belastende Spuren gefunden werden könnten.

„Ich bin diejenige, die am Arsch ist, weil sie mir irgendeinen [Schimpfwort] anhängen wollen. Weil sie von ihm irgendwas im Auto gefunden haben … Wo nichts ist, kann ich auch nichts wegwischen."

Abtransport von Gina H.s Fahrzeug bei Hausdurchsuchung in Reimershagen, November 2025 | Quelle: Getty Images

Abtransport von Gina H.s Fahrzeug bei Hausdurchsuchung in Reimershagen, November 2025 | Quelle: Getty Images

Sie erklärte außerdem, dass sie die Fußmatten im Nachhinein lieber herausgenommen und entsorgt hätte – besonders die hintere linke, auf der möglicherweise etwas sein könnte.

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„Naja, doch, ich hätte die Fußmatten rausgenommen. Die kleinen hätte ich höchstens rausgenommen und entsorgt. Davor habe ich ein bisschen Schiss, dass hinten auf der linken Fußmatte irgendwas sein könnte."

Symbolbild | Quelle: Getty Images

Symbolbild | Quelle: Getty Images

Olaf K. versuchte sie zu beruhigen und meinte, eventuelle Blutspuren ließen sich erklären:

„Selbst wenn, das ist doch erklärbar. Das mit dem Blut, das hab ich gesagt, dass er sich da irgendwann verletzt hat.

Symbolbild | Quelle: Getty Images

Symbolbild | Quelle: Getty Images

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Gina H. lenkte das Gespräch daraufhin auf eine Flasche Brandbeschleuniger, die sie eigenen Angaben zufolge schon länger in ihrem Auto liegen hatte – und von der sie nicht wusste, ob sie noch dort sei.

„Dann fängt's an mit der Brandbeschleunigerflasche, die ich irgendwo mal im Auto liegen hatte. Ich weiß nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht."

„Ich bete, dass der nicht im Auto ist"

Am 18. Oktober 2025 führte Gina H. ein weiteres, rund zweistündiges Telefonat mit einem anderen Bekannten. Auch davon spielte das Gericht Ausschnitte vor. In dem Gespräch beteuerte sie ihre Unschuld – und äußerte erneut die Befürchtung, dass der Brandbeschleuniger noch in ihrem Fahrzeug gefunden werden könnte.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan … [Schimpfwort], nicht dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist, sonst hängen die mir doch gleich den [Schimpfwort] an …"

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle:  Getty Images

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle: Getty Images

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Der Bekannte reagierte bestürzt auf ihre Aussagen.

„Und lag er noch im Auto? Oh Gina, Gina. Bete."

Staatsanwalt sieht kein Zufall

Staatsanwalt Oliver Schley betonte, dass Gina H. in ihren Gesprächen über Grillanzünder gesprochen habe, als der breiten Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt worden war. Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen, dass Gina H. den Leichnam selbst entdeckt hatte und dies daher gewusst haben könnte.

Symbolbild | Quelle: Getty Images

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Im Carport der Angeklagten wurde eine Flasche Grillanzünder der Marke „JA!" sichergestellt, aus der rund 500 bis 600 Milliliter fehlten – laut Sachverständigem genug, um den festgestellten Effekt zu erzielen. Der nächste Verhandlungstag ist für den 9. Juni angesetzt.

Wie bereits berichtet:

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wurden am neunten Verhandlungstag abgehörte Sprachnachrichten der Angeklagten Gina H. vorgespielt – darunter Aufnahmen, die Einblick in ihre damalige Beziehung zu Fabians Vater geben.

Die Nachrichten stammen aus dem Januar und Februar 2024 und wurden vom Gericht als Beweismittel zugelassen. Sie beleuchten die Persönlichkeit der Angeklagten sowie die Dynamik ihrer damaligen Beziehung zu Matthias R., dem Vater des ermordeten Fabian.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) beim Landgericht während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) beim Landgericht während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Eifersucht bei der Beerdigung

Am 15. Januar 2024 berichtete Matthias R. in einer Sprachnachricht über die bevorstehende Seebestattung seines Vaters. Gina H. antwortete mit der Bemerkung, sie könnte bei der Zeremonie seekrank werden – und stellte dabei eine deutlich eifersüchtige Frage darüber, wer ihm bei dem Anlass wichtiger sein würde: sie oder seine Ex-Freundin.

„Ich bin ja mal gespannt, wer dir dann wichtiger ist: Deine Ex oder ich?"

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Matthias R. zeigte sich darüber sichtlich irritiert und betonte, dass es bei der Veranstaltung ausschließlich um seinen verstorbenen Vater gehe – nicht um seine frühere Beziehung:

„Es geht doch nicht um meine Ex. Es geht doch um meinen Vater. Um die Beerdigung. Um nichts anderes."

Finanzielle Sorgen und Streit am Valentinstag

Wenige Wochen später, am 6. Februar 2024, schilderte Gina H. in einer weiteren Sprachnachricht ihre finanzielle Lage. Darin schilderte sie, dass ihr Geld knapp geworden sei:

„Nur das Problem ist, ich hab kein Geld mehr … ich muss jetzt erstmal tanken und dann habe ich auch kein Geld mehr in der Tasche."

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Am Valentinstag, dem 14. Februar 2024, beschwerte sie sich in einer weiteren Nachricht, dass Matthias R. an diesem Tag lieber arbeite, als Zeit mit ihr zu verbringen. Er antwortete darauf sarkastisch, dass das Geld irgendwo herkommen müsse.

Unter Druck und Beobachtung

Bereits kurz nach dem Fund des Leichnams wurde Gina H. von der Polizei überwacht – unter anderem wurde ihr Telefon abgehört. Die 30-Jährige sorgte sich in dieser Zeit sehr darum, dass ihr etwas „angehängt" werden könnte. Schließlich war sie es gewesen, die am 14. Oktober den Fundort des Leichnams bei der Polizei gemeldet hatte – ein Umstand, der sie in der Öffentlichkeit schnell in den Fokus des Verdachts rückte.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben ihrem Anwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben ihrem Anwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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In einem der abgehörten Gespräche äußerte sie sich auch über den öffentlichen Druck, der durch Medien und Internetplattformen gegen sie aufgebaut wurde. Sie befürchtete, so lange unter Druck gesetzt zu werden, bis sie schließlich eine Aussage mache, die sie eigentlich nicht meine – und dass damit dann für alle ein Ende hätte.

Der Prozess

Die Mutter von Fabian, die auch als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, hatte gefordert, den Obduktionsbericht nicht öffentlich zu verlesen. Das Gericht wies diesen Antrag zurück – das Recht der Öffentlichkeit auf Information wurde höher gewichtet.

Wie bereits berichtet:

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Rostock – Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian sind am neunten Verhandlungstag weitere Erkenntnisse zur Tat und zu den Ermittlungen bekannt geworden. Im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Landgericht Rostock standen am Donnerstag die Aussagen von Sachverständigen sowie die öffentliche Präsentation des rechtsmedizinischen Gutachtens.

Zu Beginn des Prozesstages hatte die Mutter des getöteten Jungen beantragt, die Öffentlichkeit während der Verlesung des Obduktionsberichts auszuschließen. Ihre Anwältin begründete dies mit dem Schutz der Menschenwürde und dem postmortalen Persönlichkeitsrecht des Kindes. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch nach kurzer Beratung ab.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten sich zuvor gegen einen Ausschluss ausgesprochen. Oberstaatsanwalt Oliver Schlex erklärte im Gerichtssaal: „Das gilt nicht, wenn öffentliches Interesse überwiegt“. Die Inhalte des Gutachtens seien für die Aufklärung des Falls von wesentlicher Bedeutung.

Richter Holger Schütt erklärte anschließend, dass die Öffentlichkeit trotz der emotionalen Belastung Zugang zu den Ausführungen behalten müsse. Gleichzeitig warnte er Zuschauer und Medienvertreter ausdrücklich vor den Bildern und Inhalten, die während der Sitzung gezeigt würden. Die Stimmung im Gerichtssaal galt während des gesamten Prozesstages als angespannt und emotional.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Während der Präsentation verließ ein Journalist plötzlich den Gerichtssaal. Beobachtern zufolge litt er offenbar unter Kreislaufproblemen. Gerichtsbeamte unterstützten ihn und führten ihn aus dem Saal. Die Verhandlung wurde anschließend fortgesetzt.

Der Gerichtsmediziner erläuterte danach seine Erkenntnisse zur Tat. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die hohe Gewaltintensität Rückschlüsse auf den möglichen Täter zulasse. Verteidiger Thomas Löcker hatte gefragt, ob eine solche Tat eher einem Mann zuzutrauen sei.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

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Der Sachverständige widersprach dieser Annahme deutlich. „Mit dem gewissen Wollen kann das nahezu jeder aufbringen, der nicht hochgradig gelähmt ist“, sagte er. Es gebe keine objektiven Grenzen, die eine Frau als Täterin ausschließen würden.

Zur Verdeutlichung schilderte der Gerichtsmediziner ein Beispiel aus einem früheren Versuch, bei dem selbst mit einem stumpfen Gegenstand erst durch erhöhten Kraftaufwand ein Erfolg erzielt worden sei. Damit wollte der Gutachter erklären, dass körperliche Kraft allein keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Geschlecht einer tatverdächtigen Person zulasse.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

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Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Zudem erklärte der Sachverständige, dass die Verletzungen von der Vorderseite des Körpers zugefügt worden seien.

Auch ein Brandsachverständiger sagte vor Gericht aus. Demnach habe sich das Feuer am Tatort bereits in einer fortgeschrittenen Phase befunden, als ein entsprechendes Foto aufgenommen wurde. Eine exakte zeitliche Einordnung sei jedoch nicht möglich.

Außerdem erklärte der Gutachter, dass ein konkretes Zündmittel nicht mehr festgestellt werden konnte. Auch mögliche Rückstände eines Brandbeschleunigers seien nur eingeschränkt nachweisbar gewesen. Nach Angaben des Sachverständigen könnten entsprechende Stoffe nach mehreren Tagen nur noch schwer festgestellt werden, insbesondere wenn nur geringe Mengen verwendet worden seien.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Im Gerichtssaal wurde zudem darüber gesprochen, dass Ermittler zunächst auch andere Szenarien geprüft hatten. Diese Möglichkeiten seien jedoch im Laufe der Untersuchungen verworfen worden. Die Aussagen der Sachverständigen stützten nach Ansicht der Ermittler den bisherigen Stand der Anklage.

Fabian war laut Anklage am 10. Oktober 2025 nahe eines Tümpels bei Klein Upahl getötet und anschließend angezündet worden. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt und in der Region große Betroffenheit ausgelöst. Viele Menschen verfolgen den Prozess seit Wochen mit großem Interesse. Vor dem Gerichtsgebäude versammeln sich regelmäßig Zuschauer und Medienvertreter, um die Entwicklungen im Verfahren zu verfolgen.

Der Prozess wird fortgesetzt. In den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere Sachverständige und Ermittler aussagen.

Wie bereits berichtet:

Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Schuhabdrücke und das Verhalten der Angeklagten am Fundort in den Mittelpunkt. Was ein Polizist vor Gericht schilderte, ließ aufhorchen.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Bereich für Zeugenaussagen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Bereich für Zeugenaussagen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Der achte Prozesstag

Am Dienstag, 2. Juni 2026, fand vor dem Landgericht Rostock der achte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian statt. Über 150 Fotos vom Fundort der Leiche unweit von Klein Upahl wurden gezeigt – darunter auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams.

Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vorab vor den belastenden Bildern. Wer dies nicht ertragen könne, solle den Saal besser verlassen.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Als der Leichnam Fabians auf den Fotos zu sehen war, vergrub die Angeklagte zeitweise ihr Gesicht in ihren Händen.

„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor"

Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussage des Polizisten, der am 14. Oktober 2025 als erster Beamter am Fundort der Leiche war. Gina H. hatte an diesem Tag die Polizei informiert, dass sie den Leichnam des Achtjährigen zufällig bei einem Spaziergang mit einer Freundin entdeckt habe.

Der Beamte schilderte vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleitung aufgeregt gewesen seien.

„Beide wirkten nicht tief betroffen", ergänzte er. Das habe ihn gewundert.

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Doch ein Detail ließ den Polizisten nicht los: Gina H. habe vor Ort mehrfach ungefragt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tümpel zu finden seien – weil sie dort das Kind gefunden habe.

„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt", zitiert Bild.de den Beamten aus dem Gerichtssaal laut merkur.de.

Ein weiteres Detail: die Begleitung mit Krücken

Ein zweites Detail beschäftigte die Ermittler ebenfalls. Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Der Polizist berichtete dem Gericht jedoch, dass die zweite Frau „nicht gut zu Fuß" gewesen sei.

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Schuhabdrücke nahe der Leiche

Am Nachmittag wurde Gutachter Hans-Joachim L., Experte für Schuhabdrücke, aufgerufen. Die Spurensicherung hatte rund um den Tümpel Abdrücke festgestellt, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Besonders auffällig: rosa-weiße Sportschuhe der Marke „Pammys" – deren mutmaßliche Abdrücke sich nahe des Leichnams fanden.

Allerdings waren die Abdrücke zu undeutlich für eine eindeutige Zuordnung.

„Das ist ein Allerweltsschuh und lässt keine Rückschlüsse auf die Angeklagte zu", so ein Pflichtverteidiger.

Insgesamt untersuchte Gutachter L. fünf Schuhpaare. Zwei Paare der Größe 43 wiesen keine individuellen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung erlaubt hätten.

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Anders verhielt es sich bei einem schwarzen Paar Gummistiefel mit Profil – deren abgelaufene Sohlen passten laut Gutachter genau zu den Abdrücken. Diese fanden sich jedoch nur im Feld rund um den Tümpel, nicht in der Nähe des Leichnams.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Fabian kam lebend am Tümpel an

Auch mehrere Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten, wurden am Tümpel gefunden. Da die Schuhe des Jungen fast vollständig verbrannt waren, hatten die Ermittler neue Exemplare bestellt und mit den Abdrücken im Ufersaum verglichen.

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Die Staatsanwaltschaft schloss daraus, dass Fabian noch am Tümpel herumgelaufen ist – und keineswegs bereits tot von einem anderen Tatort dorthin gebracht wurde.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Dass die Angeklagte am Tümpel war, stellte auch die Verteidigung nicht in Abrede. Einen konkreten Zeitpunkt ließen die Spuren aber nicht erkennen.

Prozess wird verlängert – bricht Gina H. ihr Schweigen?

Der Prozesstag endete mit einer unerwarteten Ankündigung: Die Verteidigung schloss nicht aus, dass Gina H. noch in diesem Monat ihr Schweigen brechen könnte – allerdings erst, nachdem sie weitere Zeugenaussagen abgewartet hat.

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Richter Holger Schütt hatte bereits zuvor angekündigt, dass mindestens zehn weitere Verhandlungstermine nötig seien – nun sollen zusätzliche Termine bis Anfang September festgelegt werden.

Am Donnerstag soll der Gerichtsmediziner den Obduktionsbericht vorstellen. Die Anwältin von Fabians Mutter beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Verweis auf die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Jungen. Das Gericht wird erst zu Beginn des neunten Prozesstages darüber entscheiden.

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Wie wir bereits zum achten Verhandlungstag berichteten: Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte – und eine Angeklagte, die sich wegdrehte, aber auf eine Art, die auffiel.

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