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Die Angeklagte | Quelle: Getty Images
Die Angeklagte | Quelle: Getty Images

„Ich kann dir nur eins sagen“: Sprachnachrichten geben Einblick in Gina H.s emotionalen Zustand, bevor Fabian verschwand

Edita Mesic
22. Mai 2026
13:21

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wurden am fünften Verhandlungstag Sprachnachrichten abgespielt, die die letzten Tage vor seinem Verschwinden aus einer neuen Perspektive zeigen.

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Der Prozess gegen Gina H. am Landgericht Rostock fördert Woche für Woche neue Details zutage. Die 30-Jährige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Was stattdessen spricht, sind die Sprachnachrichten – Dutzende davon, zwischen ihr und Fabians Vater Matthias R. in den Wochen und Tagen vor dem 10. Oktober 2025. Sie zeichnen das Bild einer Beziehung, die längst am Ende war – und zweier Menschen, die das noch nicht wahrhaben wollten.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Rechtsanwältin Christine Habetha und die Mutter des ermordeten Achtjährigen warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Rechtsanwältin Christine Habetha und die Mutter des ermordeten Achtjährigen warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

Die Trennung zwischen Gina H. und Matthias R. lag im August 2025. Doch der Kontakt riss nicht ab. Chats, Anrufe, Sprachnachrichten – die beiden blieben miteinander verstrickt, voller gegenseitiger Vorwürfe und sporadischer Versöhnungsversuche.

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Anfang Oktober 2025 trafen sie sich sogar noch einmal für zwei Tage. Dann begann das letzte Kapitel.

Am 8. Oktober – zwei Tage vor Fabians Verschwinden – bat Gina H. Matthias R. um ein Treffen. Sie schickte ihm um 14.53 Uhr eine Sprachnachricht:

„Wenn ich mich nicht mit dir treffen wollen würde, würde ich dich ja nicht fragen. Es geht auch nicht darum, dass wir in der Kiste landen. Einfach reden. Und nicht streiten. Und inwieweit Kompromisse aussehen, wie auch immer."

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Matthias R. kam. Das Gespräch verlief nicht gut.

In der Nacht, nachdem er wieder nach Hause gefahren war, schickte Gina H. erneut eine Nachricht. Sie schilderte, was sie sich von dem Treffen erhofft hatte:

„Woher sollte ich wissen, dass du mir noch was sagen wolltest? Ich habe dich weggeschickt, weil es mir gerade wehtat. Ich hätte einfach von dir in den Arm genommen werden wollen, oder vielleicht auch mit dir schlafen wollen oder vielleicht einfach nur von dir geküsst werden."

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13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images

Dann erklärte sie, warum das Gespräch so schwer gewesen sei:

„Aber ich habe einfach gemerkt in dem Gespräch, wie du einfach wieder diese negativen Punkte hochgeholt hast, immer wieder, immer wieder. Es tat gerade einfach nur noch weh und deswegen habe ich dich weggeschickt."

In mehreren weiteren Nachrichten schilderte sie, wie schlecht es ihr gehe und wie viel sie zuletzt geweint habe. Die Nachrichten zeigen eine Frau in emotionaler Not – kurz vor dem 10. Oktober, an dem Fabian verschwand.

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21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

Am Abend des 9. Oktober schickte Matthias R. um 20.06 Uhr eine Sprachnachricht an Gina H. Er erinnerte sie an einen Moment, der sich gut angefühlt hatte:

„Ich kann dir nur eins sagen: Das, was wir Sonntag/Montag hatten, das hat sich so richtig angefühlt. Ich habe das einfach genossen. Sonntag, dieses Kuscheln, dieses Reden, dieses einfach füreinander Dasein. Dieses Reden, ohne dass jemand gleich böse ist, ich fand das wirklich wunderschön."

Was dann folgte, gibt dem Gericht zu denken.

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Um 21.09 Uhr blockierte Gina H. Matthias R. auf WhatsApp. Nur 27 Minuten später, um 21.36 Uhr, kaufte sie über das Portal Rechtsdokument.de für 15 Euro eine Testamentvorlage. Am nächsten Morgen war Fabian verschwunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 getötet zu haben. Als mutmaßliches Motiv gilt die Überzeugung, das Kind stehe einer Wiedervereinigung mit Matthias R. im Weg.

Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am 27. Mai fortgesetzt.

Wie bereits berichtet:

Der fünfte Prozesstag im Mordfall Fabian hielt mehrere überraschende Momente bereit – darunter eine Zeugin, die das Gericht mit ihren Antworten fassungslos zurückließ, und eine Polizistin, deren Aussagen Fabians Mutter zu Tränen rührten.

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Am Landgericht Rostock wird seit dem 28. April 2026 der Mordprozess gegen Gina H. verhandelt. Die 30-Jährige soll den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet haben. Als mutmaßliches Motiv gilt die Eifersucht auf das Kind nach der Trennung von Fabians Vater. Gina H. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte im Mordprozess wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte im Mordprozess wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images

Der fünfte Prozesstag brachte eine kurzfristige Planänderung. Statt der ursprünglich vorgesehenen Polizistin wurde zunächst die Mutter von Fabians Vater, Monika R., als erste Zeugin in den Stand gerufen.

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Die 62-Jährige sollte Erkenntnisse über das familiäre Umfeld des Jungen liefern – über seine Beziehung zum Vater, zu Gina H. und über den Wiederaufbau des Kontakts in den Monaten vor seinem Tod.

Was dann folgte, überraschte den gesamten Saal.

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Monika R. antwortete auf die meisten Fragen mit Schweigen, mit Erinnerungslücken oder mit schlichten Verneinungen. Ihr Auftritt verlief so ungewöhnlich, dass sogar Richter Holger Schütt mehrfach innehalten musste. Dabei trug sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Don't worry, beer happy."

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Schütt fragte die Zeugin direkt: „Wissen Sie, was mit Fabian passiert ist?"„Nein", antwortete die Oma. „Würden Sie gerne wissen, was mit ihm passiert ist?"„Nein." Der Richter schwieg für einen Moment.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Gerichtsvollzieher sichern den Gerichtssaal des Landgerichts zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Gerichtsvollzieher sichern den Gerichtssaal des Landgerichts zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images

Er versuchte es erneut, sanfter:

„Ich möchte gerne wissen, warum eine Oma, die ihren Enkel geliebt hat, nicht wissen möchte, was passiert ist. Vielleicht wollen Sie uns einfach helfen. Denn wir wollen wissen, was passiert ist. Dann beantworten Sie einfach meine Fragen. Denken Sie einfach noch mal kurz darüber nach."

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Die Antwort der Zeugin: „Nö."

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

Reporterin Isabel Pfannkuche, die den Prozess für BILD vor Ort verfolgt, kommentierte den Verlauf des Prozesstages:

„Es ist nicht zu glauben, dass sich die halbe Familie plötzlich an nichts mehr erinnern möchte. Mir fehlen wirklich die Worte. Wenn eine Oma behauptet, sie wolle nicht wissen, was ihrem Enkel passiert ist."

Der Verlauf der ersten Hälfte des Prozesstages macht die Bild-Reporterin sprachlos.

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13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images

Staatsanwalt Oliver Schley äußerte den Verdacht, Fabians Vater Matthias R. könnte seiner Mutter vorab gesagt haben, wie sie sich vor Gericht verhalten solle.

Die Zeugin widersprach zunächst: „Nein. Er hat nur gesagt, ich soll sagen, wenn ich mich erinnern kann." Auf eine weitere Frage des Staatsanwalts schwieg sie minutenlang. Anschließend wurde sie als Zeugin entlassen.

Im Laufe des Nachmittags wurde dann die Polizistin gehört, die nach Fabians Verschwinden zu dem Fall ermittelt hatte. Sie berichtete über ihre Begegnungen mit Gina H. in den Tagen rund um das Verschwinden des Kindes sowie über den Fundort der Leiche. Fabians Mutter Dorina L. verließ während der Aussage weinend den Gerichtssaal – sie konnte die Schilderungen nicht ertragen.

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Auf die Frage, wie Gina H. sich am 13. und 14. Oktober verhalten habe, antwortete die Beamtin:

„Frau H. hat nicht viel Gefühlsregung gezeigt. Im Nachgang fragt man sich natürlich, was hat man übersehen an dem Tag. Sie war relativ gleichbleibend in ihrer Stimmung und in ihrer Mimik auch. Sehr kontrolliert."

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Als Gina H.s Anwalt Thomas Löcker fragte, wie lange die Beamtin schon in ihrem Beruf tätig sei, antwortete sie klar: „Ich arbeite 25 Jahre in dem Beruf. Ich weiß, was Sie mit der Frage erreichen wollen. Sie wollen meine Aussage unglaubwürdig machen oder meine Arbeit infrage stellen." Zudem wurden bei Gina H. zwei Kanister mit Benzin sichergestellt, wie die Beamtin ausführte.

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Auch das Alibi von Fabians Vater war am Donnerstag Gegenstand der Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft grenzt den Tatzeitraum auf die Zeit zwischen 10.50 und 13 Uhr ein.

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Matthias R. hatte bereits am zweiten Prozesstag ausgesagt, er sei in dieser Zeit mit seinem Auto in einer Werkstatt gewesen, habe gemeinsam mit einem Förster ein Waldstück besucht und sich zwischen 12 und 13 Uhr an seinem Arbeitsplatz aufgehalten. Eine Polizistin wurde gehört, die dieses Alibi überprüft hatte.

Der Vater selbst bleibt eine der umstrittensten Figuren des Verfahrens. Beim dritten Prozesstag hatte er vor Gericht erklärt:

„Wir sind wieder ein Paar. Das hat sich im Gefängnis im Januar ergeben."

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M

Auf die Frage des Richters zu seiner Haltung gegenüber der Angeklagten sagte er: „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Matthias R. wegen des Verdachts auf Falschaussage. Der Prozess wird mit weiteren Verhandlungstagen bis mindestens September fortgesetzt.

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