
Gericht enthüllt: Schuhabdrücke nahe Fabians Leiche gefunden – gehören sie Gina H.?
Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Schuhabdrücke und das Verhalten der Angeklagten am Fundort in den Mittelpunkt. Was ein Polizist vor Gericht schilderte, ließ aufhorchen.
Der achte Prozesstag
Am Dienstag, 2. Juni 2026, fand vor dem Landgericht Rostock der achte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian statt. Über 150 Fotos vom Fundort der Leiche unweit von Klein Upahl wurden gezeigt – darunter auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams.
Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vorab vor den belastenden Bildern. Wer dies nicht ertragen könne, solle den Saal besser verlassen.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Als der Leichnam Fabians auf den Fotos zu sehen war, vergrub die Angeklagte zeitweise ihr Gesicht in ihren Händen.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor"
Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussage des Polizisten, der am 14. Oktober 2025 als erster Beamter am Fundort der Leiche war. Gina H. hatte an diesem Tag die Polizei informiert, dass sie den Leichnam des Achtjährigen zufällig bei einem Spaziergang mit einer Freundin entdeckt habe.
Der Beamte schilderte vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleitung aufgeregt gewesen seien.
„Beide wirkten nicht tief betroffen", ergänzte er. Das habe ihn gewundert.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Doch ein Detail ließ den Polizisten nicht los: Gina H. habe vor Ort mehrfach ungefragt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tümpel zu finden seien – weil sie dort das Kind gefunden habe.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt", zitiert Bild.de den Beamten aus dem Gerichtssaal laut merkur.de.
Ein weiteres Detail: die Begleitung mit Krücken
Ein zweites Detail beschäftigte die Ermittler ebenfalls. Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Der Polizist berichtete dem Gericht jedoch, dass die zweite Frau „nicht gut zu Fuß" gewesen sei.
Schuhabdrücke nahe der Leiche
Am Nachmittag wurde Gutachter Hans-Joachim L., Experte für Schuhabdrücke, aufgerufen. Die Spurensicherung hatte rund um den Tümpel Abdrücke festgestellt, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Besonders auffällig: rosa-weiße Sportschuhe der Marke „Pammys" – deren mutmaßliche Abdrücke sich nahe des Leichnams fanden.
Allerdings waren die Abdrücke zu undeutlich für eine eindeutige Zuordnung.
„Das ist ein Allerweltsschuh und lässt keine Rückschlüsse auf die Angeklagte zu", so ein Pflichtverteidiger.
Insgesamt untersuchte Gutachter L. fünf Schuhpaare. Zwei Paare der Größe 43 wiesen keine individuellen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung erlaubt hätten.
Anders verhielt es sich bei einem schwarzen Paar Gummistiefel mit Profil – deren abgelaufene Sohlen passten laut Gutachter genau zu den Abdrücken. Diese fanden sich jedoch nur im Feld rund um den Tümpel, nicht in der Nähe des Leichnams.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Fabian kam lebend am Tümpel an
Auch mehrere Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten, wurden am Tümpel gefunden. Da die Schuhe des Jungen fast vollständig verbrannt waren, hatten die Ermittler neue Exemplare bestellt und mit den Abdrücken im Ufersaum verglichen.
Die Staatsanwaltschaft schloss daraus, dass Fabian noch am Tümpel herumgelaufen ist – und keineswegs bereits tot von einem anderen Tatort dorthin gebracht wurde.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Dass die Angeklagte am Tümpel war, stellte auch die Verteidigung nicht in Abrede. Einen konkreten Zeitpunkt ließen die Spuren aber nicht erkennen.
Prozess wird verlängert – bricht Gina H. ihr Schweigen?
Der Prozesstag endete mit einer unerwarteten Ankündigung: Die Verteidigung schloss nicht aus, dass Gina H. noch in diesem Monat ihr Schweigen brechen könnte – allerdings erst, nachdem sie weitere Zeugenaussagen abgewartet hat.
Richter Holger Schütt hatte bereits zuvor angekündigt, dass mindestens zehn weitere Verhandlungstermine nötig seien – nun sollen zusätzliche Termine bis Anfang September festgelegt werden.
Am Donnerstag soll der Gerichtsmediziner den Obduktionsbericht vorstellen. Die Anwältin von Fabians Mutter beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Verweis auf die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Jungen. Das Gericht wird erst zu Beginn des neunten Prozesstages darüber entscheiden.

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Wie wir bereits zum achten Verhandlungstag berichteten: Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte – und eine Angeklagte, die sich wegdrehte, aber auf eine Art, die auffiel.
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