
Gina H.s Schwester bricht in Tränen aus, als dieser Zeuge aufgerufen wird
Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian ist es am Landgericht Rostock erneut zu emotionalen Szenen gekommen. Während am 20. Verhandlungstag eigentlich die Aussage von Gina H.s jüngerer Schwester im Mittelpunkt stand, sorgte später ein anderer Moment für besonders bewegende Bilder: Als ein bestimmter Zeuge aufgerufen wurde, brach die Schwester der Angeklagten im Gerichtssaal in Tränen aus.
Der Prozess dreht sich um den Tod des achtjährigen Fabian. Am aktuellen Verhandlungstag sollten eigentlich vor allem weitere Angehörige des Jungen gehört werden. Im Mittelpunkt standen dabei Fabians Großeltern mütterlicherseits, Doris L., und ihr Lebensgefährte Torsten. Die beiden waren erst nachträglich auf Antrag der Anwältin von Fabians Mutter Dorina L. als Zeugen geladen worden.
Fabians Vater Matthias R. (35) soll auch nach der Trennung von Dorina L. engen Kontakt zu seinen ehemaligen Schwiegereltern gepflegt haben. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung feierte die Familie sogar weiterhin gemeinsam Weihnachten.
Doch noch bevor deren Aussagen für Aufmerksamkeit sorgten, rückte die Aussage von Gina H.s jüngerer Schwester in den Fokus.
Schwester schildert schwieriges Familienverhältnis
Die beiden Schwestern haben nach Angaben der Zeugin seit rund acht Jahren keinen Kontakt mehr. Trotzdem sagte sie vor Gericht aus und zeichnete das Bild eines von Konflikten und familiären Zerwürfnissen geprägten Verhältnisses.
Auf Nachfrage des Richters erklärte sie, die Entfremdung hänge mit der Familiengeschichte rund um ihre Mutter zusammen. Den Kindern sei über Jahre gesagt worden, ihre Mutter wolle keinen Kontakt zu ihnen.
Vor Gericht sagte die Schwester: „Wenn die ganze Kindheit auf eine Lüge aufgebaut ist und die eigene Schwester von der Wahrheit gar nichts wissen möchte.“
Mit 18 Jahren sei sie schließlich aus dem Haus der Großeltern ausgezogen, während Gina H. dort geblieben sei. Bereits damals sei das Verhältnis zwischen den beiden belastet gewesen.
„Vertrauensvoll war das Verhältnis meiner Meinung nach da schon nicht mehr. Das hat sehr schnell nachgelassen“, erklärte die Zeugin.
Sie schilderte außerdem, Gina H. habe ihrer Ansicht nach eigentlich nie richtig arbeiten wollen. Zwar könne ihre Schwester liebevoll sein, zugleich sei sie aber schnell aufbrausend und beleidigend geworden. Außerdem habe sie schon als Kind immer wieder zum eigenen Vorteil gelogen.
Diese Aussagen sorgten für eine heftige Reaktion der Angeklagten. Als ihre Schwester sie belastete, rief Gina H. quer durch den Gerichtssaal: „Hast du einen Dachschaden oder was?“ Richter Holger Schütt verwarnte die Angeklagte daraufhin deutlich.
Schwester bricht bei Zeugenaufruf in Tränen aus
Besonders emotional wurde es jedoch später während der weiteren Befragung. Die Anwältin Christine Habetha sprach den Großvater der beiden Schwestern an, über den die Zeugin zuvor mehrfach liebevoll gesprochen hatte.
Auf die Frage, weshalb sie inzwischen auch zu ihrem Großvater keinen Kontakt mehr habe, antwortete sie unter Tränen: „Ich habe Opa jedes Jahr zu seinem Geburtstag einen Brief geschrieben.“ Eine Antwort habe sie jedoch nie erhalten.

Die Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock | Quelle: Getty Images
Nach Angaben war der Großvater ursprünglich selbst als Zeuge geladen worden. Vor Gericht machte er jedoch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sagte deshalb nicht aus.
Auch deshalb dürfte der Moment für die Schwester besonders belastend gewesen sein. Als sein Name im Gerichtssaal fiel, konnte sie ihre Gefühle nicht länger zurückhalten und brach in Tränen aus.
Während der Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian weitergeht, zeigen die Aussagen der Angehörigen, wie tief die familiären Konflikte reichen. Neben der Aufarbeitung der Tat rücken dabei zunehmend auch die komplizierten Beziehungen innerhalb der Familie in den Mittelpunkt der Verhandlung.