
Ein im Kongo mit Ebola infizierter US-amerikanischer Arzt wurde zur Notfallbehandlung in die Charité nach Berlin geflogen
Mitten in der Nacht landet ein Spezialflugzeug am BER – an Bord: ein mit Ebola infizierter US-Arzt. Was folgt, ist ein Großeinsatz, der Deutschland in den Mittelpunkt einer internationalen Gesundheitskrise rückt.
Es ist kurz vor 3 Uhr nachts, als ein Konvoi aus Polizeimotorrädern, Feuerwehr und Krankenwagen durch Berlin fährt. An Bord eines speziell ausgestatteten Transportfahrzeugs: Peter Stafford, ein US-amerikanischer Arzt, der sich im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebolavirus infiziert hat. Sein Ziel ist die Sonderisolierstation der Berliner Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum.

BERLIN, DEUTSCHLAND – 24.07.2018: Ein Labortechniker bei der Arbeit während einer Pressebesichtigung im neuen Hochsicherheitslabor S4 im Büro- und Laborgebäude des RKI, das 2015 eingeweiht wurde. | Quelle: Getty Images
Stafford arbeitet für die christliche Hilfsorganisation „Serge" im Nyankunde Hospital im Kongo – einem der Gebiete, in denen sich der aktuelle Ebola-Ausbruch besonders schnell ausbreitet. Er infizierte sich bei der Behandlung von Patienten. Zusammen mit sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko – darunter vermutlich seine Familie – wurde er von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten nach Deutschland geflogen.
Die USA hatten Deutschland um Hilfe gebeten – wegen der kürzeren Flugzeiten von Uganda nach Berlin und wegen der bewährten Erfahrung der Charité mit der Versorgung von Ebola-Infizierten. Bereits 2014 hatte Deutschland drei Ebola-Patienten erfolgreich behandelt.

19. Mai 2026, Berlin: An einem Zaun am Eingang zur Seestraße auf dem Charité-Gelände ist ein Schild mit der Aufschrift „Charité“ angebracht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat aufgrund des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. | Quelle: Getty Images
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellte sich klar hinter die Entscheidung: „Für die Bundesregierung ist es selbstverständlich, dass wir unseren Partnern helfen." Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges Versorgungsnetzwerk, auch für hochinfektiöse Krankheiten. „Sie werden bestmöglich versorgt – und wir wahren dabei die höchsten Sicherheitsvorkehrungen." Und: „Dem Patienten wünsche ich alles erdenklich Gute für seine Gesundheit."
Die Sonderisolierstation der Charité ist eine geschlossene und geschützte Einheit, vollständig getrennt vom regulären Klinikbetrieb. Sie verfügt über eigene Zugangswege, Schleusensysteme, Lüftungs- und Filteranlagen mit Unterdrucktechnik sowie eine geschlossene Abwasseraufbereitung. Gleichzeitig können dort bis zu 20 Personen isoliert behandelt werden. Für die Berliner Bevölkerung und für andere Patientinnen und Patienten der Charité bestehe keinerlei Gefahr, versicherte das Gesundheitsministerium.
Der aktuelle Ebola-Ausbruch begann vermutlich in der dritten Aprilwoche in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo – einer Region mit rund acht Millionen Menschen, die teils unter der Kontrolle von Rebellengruppen steht. Inzwischen meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 513 Verdachtsfälle und 134 Todesfälle. Auch im benachbarten Uganda wurden zwei Fälle bestätigt.
Verantwortlich für den Ausbruch ist die seltene Bundibugyo-Variante des Virus – für die es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine etablierte Therapie gibt. Die WHO rief aufgrund der Lage ihren Notfallausschuss ein und erklärte eine internationale Gesundheitsnotlage. Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region Zentral- und Ostafrika gilt als hoch.
Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg sagte in den Tagesthemen, er glaube nicht, dass das Virus schnell eingedämmt werden könne – die Fallzahlen seien bereits zu hoch. Es werde „Monate oder noch länger dauern." Ein zentrales Problem sei der Mangel an Personal und Schutzausrüstung vor Ort.
Deutschland reagiert auch auf humanitärer Ebene. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) kündigte konkrete Hilfsmaßnahmen an: „500 Schutzanzüge für medizinisches Personal sollen nächste Woche ausgeliefert werden, ein Schulungsmarathon zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen ist in Vorbereitung."
Zudem bereite sich eine Expertengruppe auf einen Einsatz vor Ort vor. Die Lage bleibt ernst. Was mit dem Ebola-Ausbruch im Kongo begann, ist längst mehr als eine regionale Krise.
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