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Regionalzug | Quelle: Getty Images
Regionalzug | Quelle: Getty Images

„Bestürzt und fassungslos“: Schaffner in Homburg von einem Fahrgast ermordet

Edita Mesic
04. Feb. 2026
14:55

Ein Routineeinsatz mit tödlichen Folgen: Nach einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress ist ein 36-jähriger Zugbegleiter gestorben. Der Familienvater Serkan C. erlag am frühen Mittwochmorgen (4. Februar 2026) seinen schweren Verletzungen, nachdem Ärztinnen und Ärzte seit Montagabend um sein Leben gekämpft hatten.

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Nach bisherigem Stand der Ermittlungen spielte sich die Attacke auf der Strecke zwischen Landstuhl und Homburg ab. Serkan C. kontrollierte demnach am Montagabend eine Gruppe von vier Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

In der Kontrolle soll es zum Streit gekommen sein, weil ein Mann keinen gültigen Fahrschein vorweisen konnte. Als der Zugbegleiter den Fahrgast schließlich aus dem Zug verweisen wollte, eskalierte die Situation.

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Der Tatverdächtige wurde noch am Tattag festgenommen. Laut Behörden handelt es sich um einen 26-jährigen griechischen Staatsbürger ohne Wohnsitz in Deutschland. Ein Haftrichter erließ Haftbefehl; die Ermittlungen laufen inzwischen wegen des dringenden Verdachts auf Totschlag.

Die Deutsche Bahn reagierte mit Bestürzung – und mit deutlichen Worten. DB-Chefin Evelyn Palla erklärte: „Der tragische Tod macht mich fassungslos und traurig. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Serkan C., seinen Freunden und seinen Kolleginnen und Kollegen.“

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Weiter fügte sie hinzu: „Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen aufs Schärfste diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen. Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum kommt es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen? Wir, die Politik, die Gesellschaft, müssen Antworten geben. Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land. Wir bei der Bahn trauern.“

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Bereits kurz nach der Attacke hatte Palla in einem weiteren Statement die Dimension des Vorfalls betont:

„Der Kollege hat nur seinen Job gemacht und ist dabei auf brutalste Weise angegriffen worden.“

Dass Serkan C. im Dienst getötet wurde, verleiht dem Fall eine zusätzliche Schwere – zumal er eine Frau und Kinder hinterlässt.

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Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) findet klare Worte. EVG-Chef Martin Burkert sagte: „Wir sind bestürzt und fassungslos. Vor allem sind wir aber wütend.“ In den Gewerkschaften wächst seit Jahren die Sorge, dass Zugpersonal zunehmend zur Zielscheibe wird – gerade bei Ticketkontrollen, wenn Konflikte um Schwarzfahren, Personalien oder Platzverweise entstehen.

In diesem Zusammenhang richtet sich der Blick erneut auf die Sicherheitslage im Nahverkehr. Immer wieder wird diskutiert, ob mehr Präsenz von Sicherheitspersonal, zusätzliche Zugbegleiter, technische Maßnahmen (etwa Bodycams) oder schnellere Unterstützung durch die Bundespolizei erforderlich sind. Für viele Beschäftigte ist es die Angst vor der nächsten Eskalation, die den Arbeitsalltag überschattet – und die Frage, wie Kontrolle und Schutz überhaupt noch zusammengehen sollen.

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Als Zeichen des Gedenkens soll es nach Angaben aus Bahnkreisen am Mittwochnachmittag um 15 Uhr eine bundesweite Schweigeminute an deutschen Bahnhöfen geben – begleitet von Durchsagen in Zügen und Stationen. Es ist ein stilles, aber eindringliches Signal: Ein Kollege kommt nicht nach Hause zurück, weil eine Kontrolle, die zum Berufsbild gehört, in Gewalt endete.

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Der Fall aus der Region Kaiserslautern/Homburg zeigt dabei vor allem eines: Die Debatte über Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst – ob im Zug, im Krankenhaus, im Rettungsdienst oder in Behörden – ist längst keine abstrakte mehr. Wenn eine einzelne Begegnung innerhalb weniger Minuten zur Katastrophe wird, geht es nicht nur um Strafverfolgung, sondern auch um Prävention, Schutzkonzepte und gesellschaftliche Grenzen.

Für die Angehörigen von Serkan C. sind politische Forderungen jedoch nur Hintergrundrauschen. Im Vordergrund steht ein Verlust, der nicht zu begreifen ist: Ein Familienvater ist tot, weil er im Zug kontrollierte, ob ein Ticket vorhanden ist. Und ein Berufsstand steht unter Schock – „bestürzt und fassungslos“, wie es die EVG formuliert.

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