
„Wer ist Addi?": Gericht enthüllt den schockierenden Spitznamen, den Gina H. für Fabians Vater benutzte
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sorgt ein einziger Spitzname für erschrockene Blicke im Gerichtssaal. Was als beiläufige Frage des Richters beginnt, offenbart eine verstörende Seite der Angeklagten.
Es war der elfte Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock – und der Andrang war so groß wie nie. Zum ersten Mal war der Besucherbereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle 150 Plätze besetzt, auch im Pressebereich blieb kaum Raum. Rund 50 Menschen mussten draußen bleiben.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Grund für das große Interesse: An diesem Tag sagte einer der wichtigsten Zeugen aus. Christian D., 36 Jahre alt, war als Erster gemeinsam mit der Angeklagten Gina H. an Fabians Fundort. Zudem hatte der Jäger rund um den Tattag viel Kontakt zu ihr.
Doch bevor es um den dramatischen Fund der Leiche ging, lenkte der Richter den Blick auf die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R.
Christian D. und die Angeklagte kannten sich aus dem Dorf seit rund zehn Jahren. Etwa einen Monat vor der Tat intensivierte sich der Kontakt – über Facebook, später per WhatsApp und Handy. Gina H. habe ihm dabei viel Privates anvertraut.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (von links nach rechts), der Verteidiger, und die Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sie habe ihm von ihrer Beziehung erzählt, von Streit und Handgreiflichkeiten. Auch dunkle Details kamen zur Sprache. Doch ein Detail ließ den ganzen Saal aufhorchen.
Der Richter fragte den Zeugen, worüber er und Gina H. sich denn ausgetauscht hätten. Über Pferde, über Gina H.s Sohn – und über „Addi", antwortete Christian D.
Ein Name, der zunächst harmlos klingt. Doch dann hakte der Richter nach.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Oliver Schley (von links nach rechts), Staatsanwalt, und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
„Wer ist Addi?", wollte Richter Holger Schütt wissen. Die Antwort des Zeugen sorgte für hörbares Raunen und erschrockene Blicke im Publikum:
„Na, Mathias R. Gina hat ihn immer so genannt, weil er am selben Tag Geburtstag hat wie der 'Führer'."
Den Spitznamen vergab sie Fabians Vater, wie der Zeuge glaubt, weil er am selben Tag Geburtstag habe „wie der Führer im Zweiten Weltkrieg”. Gina H. grinst bei dieser Aussage.
Doch die Schilderungen des Zeugen gingen noch weiter – und wurden zunehmend bedrückender.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. berichtete von dem, was Gina H. ihm über ihre Beziehung erzählt hatte. Es sei um Alkoholkonsum, Gewalt und Streitigkeiten gegangen. Eine Geschichte habe sich ihm besonders eingeprägt.
„Eine Sache ist mir besonders im Kopf geblieben: Sie hat erzählt, dass sie schwanger war und Mathias R. sie die Treppe runtergeschubst hat. Dadurch hat sie das Kind verloren", sagte der Zeuge vor Gericht.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper, Sachverständiger, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Trotz dieser belastenden Schilderungen über Fabians Vater hatte Christian D. einen ganz anderen Eindruck von Gina H.s Gefühlen. Zum damaligen Zeitpunkt seien die beiden bereits getrennt gewesen – und dennoch sagte der Zeuge:
„Ich hatte aber den Eindruck, sie will ihn zurück".
Genau dieser Punkt ist im Verfahren von zentraler Bedeutung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. die Beziehung zu Matthias R. um jeden Preis retten wollte – und in Fabian ein Hindernis sah.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper (von links nach rechts), Sachverständiger; Oliver Schley, Staatsanwalt; und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Auch über das Verhältnis zu dem Jungen sprach der Zeuge. Gina H. habe ihm erzählt, dass Fabian versuche, „einen Keil" zwischen sie und Matthias R. zu treiben. Dass Fabians Vater sich nach der Trennung wieder mehr um seinen Sohn kümmern wollte, habe sie schnippisch kommentiert:
„Jetzt macht er einen auf Super-Daddy."
Während der Zeuge aussagte, schaute Gina H. überwiegend nach unten, schüttelte manchmal den Kopf und stützte ihr Gesicht in die Hand.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. gilt als einer der Hauptbelastungszeugen. Er ist einer von mehreren Männern, die die Angeklagte zu Fabians Fundort führte, bevor sie die Polizei alarmierte. Im Nachhinein, so sagte er vor Gericht, habe er sich benutzt gefühlt – er sei bewusst von der Angeklagten zu dem Tümpel geführt worden.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Holger Schütt, Richter, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn Ende April. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Der Prozess wird fortgesetzt – und schon der elfte Verhandlungstag zeigte, dass weiterhin mit erschütternden Details zu rechnen ist.
Wie bereits berichtet:
Was tat Gina H. in den Stunden, bevor Fabian verschwand? Am zehnten Verhandlungstag werteten die Ermittler ihr Handy aus – und förderten Suchanfragen und Nachrichten zutage, die einen Schatten auf den Abend zuvor werfen.
Über 33.000 Ereignisse hatten die Ermittler auf dem Smartphone von Gina H. in nur viereinhalb Tagen protokolliert – darunter rund 1.100 Sprachnachrichten, vor allem an Fabians Vater Matthias R. Ein Kriminalbeamter wertete diese gewaltige Datenmenge aus und präsentierte sie am zehnten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v.l.n.r.), Andreas Ohm, Anwalt, und Thomas Löcker, Anwalt, warten im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Mittelpunkt: der 9. Oktober 2025 – der Abend, bevor Fabian verschwand.
An diesem Tag war Fabian morgens in der Schule, am Vormittag zu Hause. Gina H. traf sich mit einem Freund am Krebssee. Am Nachmittag war Fabian bei einem Freund und im Jugendclub. Soweit ein normaler Tag.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Doch dann verschickte Gina H. am Abend eine Nachricht an einen Freund, die das Gericht aufhorchen ließe:
„Sie muss einen Weg finden für die komplette Zukunft."
Kurz darauf folgten Suchanfragen, die im Kontext des nächsten Tages eine düstere Bedeutung bekommen. Gina H. googelte am Abend des 9. Oktober nach „Testament aufsetzen", „Testament schreiben ohne Notar" und „Testament verfassen".
Am selben Abend schrieb Fabians Vater ihr eine Nachricht, die im Rückblick schwer zu ertragen ist:
„Es gibt auch Dinge wie Fabian, die mir bisschen Hoffnung und Kraft schenken."
Am nächsten Tag, dem 10. Oktober, verschwand Fabian. Laut Anklage wurde er an diesem Tag getötet.
Die Handyauswertung zeichnet auch die Tage danach detailliert nach. Am Morgen nach Fabians Tod googelte Gina H., ob Wildschweine tote Menschen fressen – zuvor hatte sie nach „Polizei" und „Polizei news" gesucht. Mit einem Freund schrieb sie immer wieder über Spuren und Ermittlungen.
In einer Nachricht schrieb sie: „Ich wünschte, ich hätte es nie gefunden." Bemerkenswert: Sie nannte Fabian dabei nicht beim Namen, obwohl sie ihn am Fundort selbst identifiziert hatte. In anderen Nachrichten sprach sie beim Fund der Leiche immer wieder von einem Zufall.
Der Ermittler beschrieb das Kommunikationsverhalten der Angeklagten als auffällig empathielos. Es sei in den Nachrichten fast ausschließlich um ihre eigenen Sorgen und Probleme gegangen – um Finanzen, um Eifersucht, um Fabians Mutter. Mitgefühl für das getötete Kind habe er kaum gefunden.
Als besonders empathielos hob der Beamte eine Sprachnachricht vom 2. November an Fabians Vater hervor:
„Du bist derjenige, der traurig ist. Du bist derjenige, der sein Kind verloren hat. Du bist derjenige, der arme, arme Matthias. Wie es mir geht mit der ganzen Situation, interessiert weder dich, noch sonst wen!"
Auch andere Details kamen zur Sprache: Gina H. hatte nach Fabians Tod eine Trauerrede von der KI ChatGPT verfassen lassen und an Fabians Vater geschickt – mit dem Hinweis, dass eines ihrer großen Talente das Schreiben sei.
Gina H. und Fabians Vater waren bis August 2025 rund vier Jahre lang ein Paar. Er trennte sich einen Tag vor Fabians Verschwinden von ihr. Acht Wochen später waren beide wieder zusammen. Der Vater glaubt an ihre Unschuld.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Wie bereits berichtet:
Am neunten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Grillanzünder und abgehörte Telefonate in den Fokus – und brachten die Angeklagte schwer in Bedrängnis.
Der Gerichtsmediziner nannte Verbluten infolge von sechs massiven Stichverletzungen als Todesursache. Abwehrspuren gab es keine. Ein chemischer Gutachter stellte fest, dass die Brandrückstände am Tatort Ähnlichkeit mit einem „JA!"-Grillanzünder aufwiesen, der im Carport der Angeklagten sichergestellt worden war. Aus der Flasche fehlen 500 bis 600 Milliliter.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Besonders belastend waren abgehörte Telefonate vom 17. und 18. Oktober 2025. Darin sprach Gina H. selbst über mögliche Spuren in ihrem Auto, über Fußmatten und über eine Brandbeschleuniger-Flasche – zu einem Zeitpunkt, als öffentlich noch gar nicht bekannt war, dass die Leiche verbrannt worden war. Staatsanwalt Oliver Schley hält das nicht für einen Zufall:
„Als der breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt war, ging es in den Gesprächen der Angeklagten um Grillanzünder."

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker erheben sich beim Eintreten des Gerichts, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Imageseck/picture alliance via Getty Images)
Verteidiger Andreas Ohm widersprach:
„Auch wenn das mit dem Brand möglicherweise nicht bekannt war: Zumindest war es der Angeklagten bekannt. Sie hat Fabian gefunden."
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am 9. Juni fortgesetzt.
Ein abgehörtes Telefonat hat am neunten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow für Aufsehen gesorgt. Im Gerichtssaal wurde ein Mitschnitt eines Gesprächs zwischen der Angeklagten Gina H. und ihrem Nachbarn Olaf K. vom 17. Oktober 2025 abgespielt.
Die Aufnahme lieferte neue Einblicke darin, wie sich die 30-Jährige wenige Tage nach dem Fund des Leichnams gegenüber Vertrauten geäußert hatte – und welche Gedanken sie in dieser Zeit beschäftigten.

Hauptsitz der Staatsanwaltschaft in Rostock. | Quelle: Getty Images
„Solange werde ich die Schuldige für alle sein"
Im abgehörten Gespräch vom 17. Oktober 2025 äußerte sich Gina H. gegenüber ihrem Nachbarn über den öffentlichen Druck, dem sie ausgesetzt war. Sie berichtete, dass sie auf TikTok von sogenannten Trovato-Detektiven thematisiert worden sei. Anschließend beklagte sie, dass ein Bekannter sich ihr gegenüber so verhalte, als hätte sie Fabian getötet – und dass ihr vorgeworfen werde, gewusst zu haben, wo der Leichnam lag.
„So lange nicht jemand gefunden ist, werde ich für alle die Schuldige sein."

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und geht zu ihrem Platz neben Anwalt Thomas Löcker im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Gina H. wies außerdem den Vorwurf zurück, sie hätte wissen müssen, wo der Leichnam lag.
„Er tut ja so, als ob ich Fabian umgebracht hätte. Woher soll ich wissen, dass er da liegt? Auch wenn sich das gerade alles so hingedreht wird, als hätte ich das wissen müssen."

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images
Olaf K. antwortete darauf: „Es sieht ja irgendwie gezielt aus, sagen wir es mal so."
Gina H. reagierte mit Sarkasmus und erklärte, sie habe schließlich Wichtigeres zu tun, als einen Jungen umzubringen – und drohte ironisch damit, sich selbst bei der Polizei als Schuldige zu melden, damit endlich Ruhe einkehre.
„Ja genau, ich habe auch nichts Besseres zu tun als Fabian umzubringen? Weißt du, ich rufe morgen gleich bei der Polizei an und sage: ‚Ich bin die Schuldige.' Dann haben sie alle, was sie wollen und dann hat der ganze [Schimpfwort] ein Ende."

06. November 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow: Polizeiautos stehen vor einem Haus in Reimershagen. Nach zahlreichen Hinweisen in „Aktenzeichen XY“ durchsucht die Polizei erneut mehrere Grundstücke in Reimershagen und dem Nachbardorf Rum Koge | Quelle: Getty Images
Angst vor Spuren im Auto
Im selben Gespräch äußerte Gina H. ihre Sorge darüber, dass bei der Untersuchung ihres Fahrzeugs belastende Spuren gefunden werden könnten.
„Ich bin diejenige, die am Arsch ist, weil sie mir irgendeinen [Schimpfwort] anhängen wollen. Weil sie von ihm irgendwas im Auto gefunden haben … Wo nichts ist, kann ich auch nichts wegwischen."

Abtransport von Gina H.s Fahrzeug bei Hausdurchsuchung in Reimershagen, November 2025 | Quelle: Getty Images
Sie erklärte außerdem, dass sie die Fußmatten im Nachhinein lieber herausgenommen und entsorgt hätte – besonders die hintere linke, auf der möglicherweise etwas sein könnte.
„Naja, doch, ich hätte die Fußmatten rausgenommen. Die kleinen hätte ich höchstens rausgenommen und entsorgt. Davor habe ich ein bisschen Schiss, dass hinten auf der linken Fußmatte irgendwas sein könnte."

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Olaf K. versuchte sie zu beruhigen und meinte, eventuelle Blutspuren ließen sich erklären:
„Selbst wenn, das ist doch erklärbar. Das mit dem Blut, das hab ich gesagt, dass er sich da irgendwann verletzt hat.

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Gina H. lenkte das Gespräch daraufhin auf eine Flasche Brandbeschleuniger, die sie eigenen Angaben zufolge schon länger in ihrem Auto liegen hatte – und von der sie nicht wusste, ob sie noch dort sei.
„Dann fängt's an mit der Brandbeschleunigerflasche, die ich irgendwo mal im Auto liegen hatte. Ich weiß nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht."
„Ich bete, dass der nicht im Auto ist"
Am 18. Oktober 2025 führte Gina H. ein weiteres, rund zweistündiges Telefonat mit einem anderen Bekannten. Auch davon spielte das Gericht Ausschnitte vor. In dem Gespräch beteuerte sie ihre Unschuld – und äußerte erneut die Befürchtung, dass der Brandbeschleuniger noch in ihrem Fahrzeug gefunden werden könnte.
„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan … [Schimpfwort], nicht dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist, sonst hängen die mir doch gleich den [Schimpfwort] an …"

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (l.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter im Landgericht. | Quelle: Getty Images
Der Bekannte reagierte bestürzt auf ihre Aussagen.
„Und lag er noch im Auto? Oh Gina, Gina. Bete."
Staatsanwalt sieht kein Zufall
Staatsanwalt Oliver Schley betonte, dass Gina H. in ihren Gesprächen über Grillanzünder gesprochen habe, als der breiten Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt war, dass der Leichnam verbrannt worden war. Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen, dass Gina H. den Leichnam selbst entdeckt hatte und dies daher gewusst haben könnte.

Symbolbild | Quelle: Getty Images
Im Carport der Angeklagten wurde eine Flasche Grillanzünder der Marke „JA!" sichergestellt, aus der rund 500 bis 600 Milliliter fehlten – laut Sachverständigem genug, um den festgestellten Effekt zu erzielen. Der nächste Verhandlungstag ist für den 9. Juni angesetzt.
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wurden am neunten Verhandlungstag abgehörte Sprachnachrichten der Angeklagten Gina H. vorgespielt – darunter Aufnahmen, die Einblick in ihre damalige Beziehung zu Fabians Vater geben.
Die Nachrichten stammen aus dem Januar und Februar 2024 und wurden vom Gericht als Beweismittel zugelassen. Sie beleuchten die Persönlichkeit der Angeklagten sowie die Dynamik ihrer damaligen Beziehung zu Matthias R., dem Vater des ermordeten Fabian.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte steht zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.) beim Landgericht während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Eifersucht bei der Beerdigung
Am 15. Januar 2024 berichtete Matthias R. in einer Sprachnachricht über die bevorstehende Seebestattung seines Vaters. Gina H. antwortete mit der Bemerkung, sie könnte bei der Zeremonie seekrank werden – und stellte dabei eine deutlich eifersüchtige Frage darüber, wer ihm bei dem Anlass wichtiger sein würde: sie oder seine Ex-Freundin.
„Ich bin ja mal gespannt, wer dir dann wichtiger ist: Deine Ex oder ich?"

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Matthias R. zeigte sich darüber sichtlich irritiert und betonte, dass es bei der Veranstaltung ausschließlich um seinen verstorbenen Vater gehe – nicht um seine frühere Beziehung:
„Es geht doch nicht um meine Ex. Es geht doch um meinen Vater. Um die Beerdigung. Um nichts anderes."
Finanzielle Sorgen und Streit am Valentinstag
Wenige Wochen später, am 6. Februar 2024, schilderte Gina H. in einer weiteren Sprachnachricht ihre finanzielle Lage. Darin schilderte sie, dass ihr Geld knapp geworden sei:
„Nur das Problem ist, ich hab kein Geld mehr … ich muss jetzt erstmal tanken und dann habe ich auch kein Geld mehr in der Tasche."

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Am Valentinstag, dem 14. Februar 2024, beschwerte sie sich in einer weiteren Nachricht, dass Matthias R. an diesem Tag lieber arbeite, als Zeit mit ihr zu verbringen. Er antwortete darauf sarkastisch, dass das Geld irgendwo herkommen müsse.
Unter Druck und Beobachtung
Bereits kurz nach dem Fund des Leichnams wurde Gina H. von der Polizei überwacht – unter anderem wurde ihr Telefon abgehört. Die 30-Jährige sorgte sich in dieser Zeit sehr darum, dass ihr etwas „angehängt" werden könnte. Schließlich war sie es gewesen, die am 14. Oktober den Fundort des Leichnams bei der Polizei gemeldet hatte – ein Umstand, der sie in der Öffentlichkeit schnell in den Fokus des Verdachts rückte.

04. Juni 2026, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben ihrem Anwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts während der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
In einem der abgehörten Gespräche äußerte sie sich auch über den öffentlichen Druck, der durch Medien und Internetplattformen gegen sie aufgebaut wurde. Sie befürchtete, so lange unter Druck gesetzt zu werden, bis sie schließlich eine Aussage mache, die sie eigentlich nicht meine – und dass damit dann für alle ein Ende hätte.
Der Prozess
Die Mutter von Fabian, die auch als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, hatte gefordert, den Obduktionsbericht nicht öffentlich zu verlesen. Das Gericht wies diesen Antrag zurück – das Recht der Öffentlichkeit auf Information wurde höher gewichtet.
Wendepunkt im Fall Fabian: Ermittlungen enthüllen, wie seine letzten Lebensmomente aussahen
Rostock – Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian sind am neunten Verhandlungstag weitere Erkenntnisse zur Tat und zu den Ermittlungen bekannt geworden. Im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Landgericht Rostock standen am Donnerstag die Aussagen von Sachverständigen sowie die öffentliche Präsentation des rechtsmedizinischen Gutachtens.
Zu Beginn des Prozesstages hatte die Mutter des getöteten Jungen beantragt, die Öffentlichkeit während der Verlesung des Obduktionsberichts auszuschließen. Ihre Anwältin begründete dies mit dem Schutz der Menschenwürde und dem postmortalen Persönlichkeitsrecht des Kindes. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch nach kurzer Beratung ab.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten sich zuvor gegen einen Ausschluss ausgesprochen. Oberstaatsanwalt Oliver Schlex erklärte im Gerichtssaal: „Das gilt nicht, wenn öffentliches Interesse überwiegt“. Die Inhalte des Gutachtens seien für die Aufklärung des Falls von wesentlicher Bedeutung.
Richter Holger Schütt erklärte anschließend, dass die Öffentlichkeit trotz der emotionalen Belastung Zugang zu den Ausführungen behalten müsse. Gleichzeitig warnte er Zuschauer und Medienvertreter ausdrücklich vor den Bildern und Inhalten, die während der Sitzung gezeigt würden. Die Stimmung im Gerichtssaal galt während des gesamten Prozesstages als angespannt und emotional.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Während der Präsentation verließ ein Journalist plötzlich den Gerichtssaal. Beobachtern zufolge litt er offenbar unter Kreislaufproblemen. Gerichtsbeamte unterstützten ihn und führten ihn aus dem Saal. Die Verhandlung wurde anschließend fortgesetzt.
Der Gerichtsmediziner erläuterte danach seine Erkenntnisse zur Tat. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die hohe Gewaltintensität Rückschlüsse auf den möglichen Täter zulasse. Verteidiger Thomas Löcker hatte gefragt, ob eine solche Tat eher einem Mann zuzutrauen sei.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images
Der Sachverständige widersprach dieser Annahme deutlich. „Mit dem gewissen Wollen kann das nahezu jeder aufbringen, der nicht hochgradig gelähmt ist“, sagte er. Es gebe keine objektiven Grenzen, die eine Frau als Täterin ausschließen würden.
Zur Verdeutlichung schilderte der Gerichtsmediziner ein Beispiel aus einem früheren Versuch, bei dem selbst mit einem stumpfen Gegenstand erst durch erhöhten Kraftaufwand ein Erfolg erzielt worden sei. Damit wollte der Gutachter erklären, dass körperliche Kraft allein keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Geschlecht einer tatverdächtigen Person zulasse.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images
Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Zudem erklärte der Sachverständige, dass die Verletzungen von der Vorderseite des Körpers zugefügt worden seien.
Auch ein Brandsachverständiger sagte vor Gericht aus. Demnach habe sich das Feuer am Tatort bereits in einer fortgeschrittenen Phase befunden, als ein entsprechendes Foto aufgenommen wurde. Eine exakte zeitliche Einordnung sei jedoch nicht möglich.
Außerdem erklärte der Gutachter, dass ein konkretes Zündmittel nicht mehr festgestellt werden konnte. Auch mögliche Rückstände eines Brandbeschleunigers seien nur eingeschränkt nachweisbar gewesen. Nach Angaben des Sachverständigen könnten entsprechende Stoffe nach mehreren Tagen nur noch schwer festgestellt werden, insbesondere wenn nur geringe Mengen verwendet worden seien.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Gerichtssaal wurde zudem darüber gesprochen, dass Ermittler zunächst auch andere Szenarien geprüft hatten. Diese Möglichkeiten seien jedoch im Laufe der Untersuchungen verworfen worden. Die Aussagen der Sachverständigen stützten nach Ansicht der Ermittler den bisherigen Stand der Anklage.
Fabian war laut Anklage am 10. Oktober 2025 nahe eines Tümpels bei Klein Upahl getötet und anschließend angezündet worden. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt und in der Region große Betroffenheit ausgelöst. Viele Menschen verfolgen den Prozess seit Wochen mit großem Interesse. Vor dem Gerichtsgebäude versammeln sich regelmäßig Zuschauer und Medienvertreter, um die Entwicklungen im Verfahren zu verfolgen.
Der Prozess wird fortgesetzt. In den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere Sachverständige und Ermittler aussagen.
Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Schuhabdrücke und das Verhalten der Angeklagten am Fundort in den Mittelpunkt. Was ein Polizist vor Gericht schilderte, ließ aufhorchen.
Der achte Prozesstag
Am Dienstag, 2. Juni 2026, fand vor dem Landgericht Rostock der achte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian statt. Über 150 Fotos vom Fundort der Leiche unweit von Klein Upahl wurden gezeigt – darunter auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams.
Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vorab vor den belastenden Bildern. Wer dies nicht ertragen könne, solle den Saal besser verlassen.

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Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Als der Leichnam Fabians auf den Fotos zu sehen war, vergrub die Angeklagte zeitweise ihr Gesicht in ihren Händen.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor"
Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussage des Polizisten, der am 14. Oktober 2025 als erster Beamter am Fundort der Leiche war. Gina H. hatte an diesem Tag die Polizei informiert, dass sie den Leichnam des Achtjährigen zufällig bei einem Spaziergang mit einer Freundin entdeckt habe.
Der Beamte schilderte vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleitung aufgeregt gewesen seien.
„Beide wirkten nicht tief betroffen", ergänzte er. Das habe ihn gewundert.

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Doch ein Detail ließ den Polizisten nicht los: Gina H. habe vor Ort mehrfach ungefragt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tümpel zu finden seien – weil sie dort das Kind gefunden habe.
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt", zitiert Bild.de den Beamten aus dem Gerichtssaal laut merkur.de.
Ein weiteres Detail: die Begleitung mit Krücken
Ein zweites Detail beschäftigte die Ermittler ebenfalls. Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Der Polizist berichtete dem Gericht jedoch, dass die zweite Frau „nicht gut zu Fuß" gewesen sei.
Schuhabdrücke nahe der Leiche
Am Nachmittag wurde Gutachter Hans-Joachim L., Experte für Schuhabdrücke, aufgerufen. Die Spurensicherung hatte rund um den Tümpel Abdrücke festgestellt, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Besonders auffällig: rosa-weiße Sportschuhe der Marke „Pammys" – deren mutmaßliche Abdrücke sich nahe des Leichnams fanden.
Allerdings waren die Abdrücke zu undeutlich für eine eindeutige Zuordnung.
„Das ist ein Allerweltsschuh und lässt keine Rückschlüsse auf die Angeklagte zu", so ein Pflichtverteidiger.
Insgesamt untersuchte Gutachter L. fünf Schuhpaare. Zwei Paare der Größe 43 wiesen keine individuellen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung erlaubt hätten.
Anders verhielt es sich bei einem schwarzen Paar Gummistiefel mit Profil – deren abgelaufene Sohlen passten laut Gutachter genau zu den Abdrücken. Diese fanden sich jedoch nur im Feld rund um den Tümpel, nicht in der Nähe des Leichnams.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Fabian kam lebend am Tümpel an
Auch mehrere Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten, wurden am Tümpel gefunden. Da die Schuhe des Jungen fast vollständig verbrannt waren, hatten die Ermittler neue Exemplare bestellt und mit den Abdrücken im Ufersaum verglichen.
Die Staatsanwaltschaft schloss daraus, dass Fabian noch am Tümpel herumgelaufen ist – und keineswegs bereits tot von einem anderen Tatort dorthin gebracht wurde.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images
Dass die Angeklagte am Tümpel war, stellte auch die Verteidigung nicht in Abrede. Einen konkreten Zeitpunkt ließen die Spuren aber nicht erkennen.
Prozess wird verlängert – bricht Gina H. ihr Schweigen?
Der Prozesstag endete mit einer unerwarteten Ankündigung: Die Verteidigung schloss nicht aus, dass Gina H. noch in diesem Monat ihr Schweigen brechen könnte – allerdings erst, nachdem sie weitere Zeugenaussagen abgewartet hat.
Richter Holger Schütt hatte bereits zuvor angekündigt, dass mindestens zehn weitere Verhandlungstermine nötig seien – nun sollen zusätzliche Termine bis Anfang September festgelegt werden.
Am Donnerstag soll der Gerichtsmediziner den Obduktionsbericht vorstellen. Die Anwältin von Fabians Mutter beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Verweis auf die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Jungen. Das Gericht wird erst zu Beginn des neunten Prozesstages darüber entscheiden.

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Der achte Verhandlungstag im Mordprozess um Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte. Und eine Angeklagte, die sich wegdrehte – aber auf eine Art, die auffiel.
Richter Holger Schütt hatte schon am Vortag gewarnt. Am Dienstagmorgen warnte er erneut: Die Bilder, die heute gezeigt würden, seien schwer zu ertragen. Wer das nicht aushält, solle den Saal verlassen. Einige taten es. Andere blieben – und sahen, wie Gina H. reagierte.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Als die Detailaufnahmen von Fabians Leiche auf den Leinwänden und Bildschirmen im Gerichtssaal erschienen, schaute die Angeklagte unter sich. Sie sah die Bilder nicht an. Kurz darauf beugte sie sich nach vorn und vergrub den Kopf in den Händen.
Fabians Mutter Dorina L. war nicht da. Sie bleibt dem Verfahren fern, solange solche Aufnahmen gezeigt werden. Auch am Donnerstag wird sie fehlen – dann soll ein Rechtsmediziner aussagen.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der achte Verhandlungstag stand ganz im Zeichen des Tatorts. Polizeibeamte und Sachverständige schilderten, was sie am 14. Oktober 2025 vorfanden.
Ein Kriminaltechniker erläuterte die 3D-Dokumentation des Fundorts mit einem Hochleistungsscanner, der mit bis zu zwei Millionen Lasermessungen in einem 360-Grad-Umkreis arbeitete. Drohnenaufnahmen zeigten Fußspuren am Tatort – Gummistiefelabdrücke und Schuhabdrücke der Marke „Pammy", die Gina H. zugeordnet werden. Direkt neben Fabians Spuren.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Textilgutachter reichte noch ein Bild des Pullovers nach, von dem die Faser unter Fabians Daumennagel stammen soll – ein blauer Pullover mit weißem Aufdruck „M" auf der linken Brust. Er gehört Gina H.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack fasste die Erkenntnisse am Ende des Verhandlungstages zusammen:
„Fabian hat vor einem relativ hohen Strauch von etwa 90 Zentimeter Höhe in einer Senke gelegen. Unter den aufgefundenen Schuhspuren wurde eine Vielzahl der Fußspuren der Schuhmarke Pammy gefunden, die auch bei der Angeklagten aufgefunden werden konnte. Auch gemeinsam mit den anderen Spuren des Fabian. Weg vom Auffindeort, weg vom Weg. Es hat also eindeutig eine Bewegung stattgefunden."

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Justizbeamter (v. l. n. r.) begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gina H.s Anwalt Andreas Ohm hielt dagegen:
„Es hat nichts Überraschendes ergeben. Es gibt kein geschlossenes Gangbild, keine Rückschlüsse auf das Alter der Spuren. Pammys sind kein No-Name-Schuh, sondern ein Allerweltsschuh. Das lässt keine einfachen Schlüsse auf meine Mandantin zu."
Doch nicht nur die Spuren am Boden beschäftigten das Gericht. Auch das Verhalten von Gina H. an jenem 14. Oktober – als sie die Polizisten zum Fundort führte – wurde am Dienstag zum Thema.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der erste Zeuge des Tages, ein Polizeibeamter vom Polizeirevier Güstrow, hatte sie damals persönlich erlebt. Er war mit seiner Kollegin zur Vermisstensuche beauftragt, als über die Leitstelle der Auftrag kam, nach Klein Upahl zu verlegen. Gina H. traf er am Ortsrand – und führte ihn zum Tümpel.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Richter Schütt fragte den Beamten, wie Gina H. und ihre Begleitung auf ihn gewirkt hätten. „Wie wirkten die auf Sie?“, fragte er. Die Antwort kam klar:
„Ich hatte eher den Eindruck, dass das eine Aufgeregtheit dort vor Ort sei. Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt."
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Die Nebenklage hat beantragt, die Öffentlichkeit für die Aussage des Gerichtsmediziners auszuschließen – darüber wird zu Beginn des nächsten Verhandlungstages entschieden. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Er war einer der Ersten, der Gina H. an jenem Oktobertag traf. Er führte ihn zum Fundort, zeigte ihm die Leiche – und verhielt sich dabei auf eine Weise, die dem Polizisten bis heute nicht aus dem Kopf geht. Am achten Prozesstag sagt er es endlich vor Gericht.
Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückte das Gericht noch näher an den Tatort heran. Polizeibeamte und Sachverständige schilderten, was sie am 14. Oktober 2025 vorfanden – dem Tag, an dem Fabians Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt wurde.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Fabians Mutter Dorina L. fehlte erneut. Sie bleibt dem Verfahren fern, solange Bilder vom Tatort gezeigt werden. Auch am nächsten Termin wird sie nicht dabei sein – dann soll ein Rechtsmediziner aussagen.
Der erste Zeuge des Tages war ein Polizeibeamter vom Polizeirevier Güstrow. Er war gemeinsam mit seiner Kollegin mit der Vermisstensuche beauftragt, als über die Leitstelle der Auftrag kam, nach Klein Upahl zu verlegen. Eine Frau hatte einen leblosen Kinderkörper gemeldet.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (vorne von links nach rechts) und Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Am Ortsrand traf der Beamte auf Gina H. und ihre Begleitung. Sie führte die Polizisten zum Fundort der Kinderleiche. Was er dort erlebte, beschäftigt ihn bis heute.
Gina H. hatte von sich aus erwähnt, dass ihre Spuren am Fundort zu finden sein würden – weil sie das Kind dort gefunden habe. Für den Polizisten war das auffällig:
„Sie hat vorher gesagt, dass ihre Spuren da unten sind, weil sie mit ihrem Hund den Körper gefunden hat. Das ist so hängen geblieben, aber erst im Nachhinein irgendwie aufgefallen."

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Justizbeamter (v. l. n. r.) begleitet die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Richter Schütt fragte nach, wie die Angeklagte und ihre Begleitung auf ihn gewirkt hätten. Die Antwort des Polizisten war klar:
„Ich hatte eher den Eindruck, dass das eine Aufgeregtheit dort vor Ort sei. Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt."

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Auch der Weg zum Fundort selbst ließ den Beamten aufhorchen. Eine der Begleitpersonen war offenbar nicht gut zu Fuß – und dennoch hatten sie es durch den Wald zum Tümpel geschafft:
Das hatte für mich auch so ein Geschmäckle, weil Frau M. halt nicht so gut zu Fuß war. Ich weiß nicht, ob sie mit dem Auto gehalten sind und die Hunde da laufen lassen haben oder ob sie durch den Wald gelaufen sind. Das hätte ich für mich jetzt erstmal ausgeschlossen."

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Und noch etwas fiel ihm auf – dass Gina H. ihre Spuren so frühzeitig erwähnte:
„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt."
Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages wurden 3D-Rekonstruktionen des Tatorts gezeigt. Ein Kriminaltechniker erläuterte, wie der Fundort mit einem Hochleistungsscanner dokumentiert wurde – mit bis zu zwei Millionen Lasermessungen in einem 360-Grad-Umkreis. Die Aufnahmen ermöglichten es dem Gericht, Entfernungen und Positionen exakt nachzuvollziehen.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Drohnenaufnahmen zeigten zudem Fußspuren am Tatort: Gummistiefelabdrücke, die Gina H. zugeordnet werden, führten direkt zum Tümpel.
Nahe der Leiche und eines Jäger-Hochstands fanden sich außerdem Abdrücke von Schuhen der Marke „Pammy" – ebenfalls ihr zugeordnet. Auch Fabians Fußspuren waren in der Nähe des Fundorts erkennbar.

2. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v. l. n. r.), Andreas Ohm, Rechtsanwalt, und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gegen Mittag wurden Fotos vom Handy der Angeklagten gezeigt, die sie am Tattag an einen Bekannten geschickt hatte. Eines zeigt sie in ihrem Auto mit einem Peace-Zeichen, ein weiteres ihr Lenkrad. Kurz darauf Aufnahmen ihres Autos von außen – mit geöffneten Türen, zu verschiedenen Uhrzeiten.
Was all diese Bilder über ihren Aufenthaltsort und ihre Handlungen an jenem Tag aussagen, wird das Gericht noch weiter zu klären haben. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Sie ist kaum mit dem bloßen Auge zu erkennen – und könnte dennoch zu einem der wichtigsten Indizien im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow werden.
Am siebten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock standen keine Zeugen im Mittelpunkt, sondern Spuren. Winzige, unsichtbare, aber möglicherweise entscheidende Spuren – die nun unter dem Mikroskop eines Sachverständigen analysiert wurden.

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Mehrere Experten wurden an diesem Donnerstag gehört, darunter ein Spezialist für Textilfaseranalyse. Für sein Gutachten untersuchte er Kleidung vom Leichnam Fabians, Kleidungsstücke der Angeklagten Gina H. sowie deren Fahrzeug auf Textilfasern.
Es ist mühsame, kleinteilige Arbeit – und dennoch kann sie in einem Indizienprozess wie diesem den Ausschlag geben. Das Ergebnis ließ den Saal aufhorchen.

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Unter Fabians rechtem Daumennagel wurde eine lila-blaue Baumwollfaser gesichert. Der Sachverständige erklärte, dass diese Faser mit einem Pullover aus dem Haushalt von Gina H. übereinstimme.
Eine zweite Spur verstärkt das Bild: Am Ärmelbündchen des Jungen fand sich eine grau-grünliche Polyesterfaser – die laut dem Experten von einer Reithose der Angeklagten stammen könnte.
Gina H. ist bekannte Reiterin. Bereits in früheren Verhandlungstagen wurde erwähnt, dass am Fundort der Leiche Spuren einer Reithose gesichert worden waren. Die neue Faser am Ärmelbündchen könnte diesen Befund stützen.
Sofort stellte sich die Frage, die auch eine Schöffin laut stellte: Wie kam die Faser unter Fabians Daumennagel? Der Sachverständige konnte das nicht eindeutig beantworten. Abhängig sei es vor allem von der Körperhygiene. Ob die Faser erst am Tattag unter den Nagel gelangte, sei vollkommen unklar. Eine Übertragung könnte auch durch früheren Kontakt entstanden sein.
Der Experte betonte ausdrücklich, dass eine abschließende Bewertung kaum möglich sei. Es lasse sich nicht sagen, wie es zu einer Spurenübertragung gekommen sei. Die Fasern sind Indizien – keine Beweise. In einem Prozess, der bislang stark auf Indizien beruht, ist das ein wichtiger Unterschied.

27. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Neben den Faserspuren wurden im Laufe des Verhandlungstages auch Funk- und Verbindungsdaten von Gina H.s Mobiltelefon ausgewertet. Ein Kriminalpolizist erklärte: Das Gerät sei am Tattag weder in Güstrow noch am Tatort festgestellt worden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Gina H. ihr Handy während der mutmaßlichen Tat ausgeschaltet hatte – eine Praxis, die in den Ermittlungen bereits mehrfach thematisiert worden war.
Bevor die technischen Details präsentiert wurden, warnte Richter Holger Schütt die Anwesenden im Saal ausdrücklich. Für die Analyse seien Fotos notwendig, die nur schwer zu ertragen seien. Wer das nicht aushalte, habe jetzt die Möglichkeit, den Saal ohne Störung zu verlassen.

Die Angeklagte wartet mit Handschellen im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Fabians Mutter Dorina L., die seit Beginn des Prozesses nahezu jeden Verhandlungstag verfolgt hat, blieb am Donnerstag erstmals dem Gerichtssaal fern. Sie konnte diese Bilder nicht ertragen. Es war das erste Mal seit Prozessbeginn, dass sie fehlte.
Der Sachverständige analysierte anhand der Aufnahmen auch die Kleidung, die Fabian am Tag seiner Ermordung getragen hatte. Demnach trug der Junge ein grau-meliertes Sweatshirt und eine blaue Jeans aus dem Discounter Lidl. Kleidung eines normalen Schultages – für ein Kind, das an diesem Morgen krank zu Hause geblieben war.

Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, erheben sich im Gerichtssaal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian den Saal betritt. | Quelle: Getty Images
Insgesamt wurden zahlreiche Spuren aus verschiedenen Bereichen untersucht: vom Fundort der Leiche, aus dem Auto von Gina H., aus ihrer Wohnung in Reimershagen sowie aus den Wohnungen zweier Bekannter. Auch Gegenstände aus dem Umfeld von Fabian wurden sichergestellt – darunter eine Kapuzenjacke des Jungen und ein Hundekorb.
Ob und wie all diese Spuren am Ende zur Wahrheitsfindung beitragen, wird sich im weiteren Verlauf des Prozesses zeigen. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Ein Urteil soll Ende August oder Anfang September fallen.
6 Fotos vom 6. Prozesstag im Fall Fabian: Gina H. trägt ein dunkelblaues Seidenoutfit, während ihr Alibi durch ihre eigene Sprachnachricht widerlegt wird
In einer Sprachnachricht sprach Gina H. mit einem Bekannten darüber, was sie als Alibi angeben soll — und das schon einen Tag nach Fabians Verschwinden.
Am sechsten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock wurde eine Sprachnachricht von Gina H. abgespielt. Sie schickte die Nachricht am 11. Oktober um 17:58 Uhr an ihren Bekannten Christian D.:
"Ich hab Olaf gefragt, ob schon irgendwas in Reimershagen los ist. Und zum Thema Alibi, wo ich war … ich wollte nicht sagen, dass wir zusammen waren, sonst wirst du mit reingezogen. Ich hab Olaf gesagt, ich war mit Leo spazieren. Und er hat gesagt wir sollen einfach sagen, dass wir den ganzen Tag zusammen waren.“

Die Angeklagte Gina wartet mit Fußfessel im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Als die Suche nach dem achtjährigen Fabian aus Güstrow im Oktober 2025 auf Hochtouren lief, gab Gina H. der Polizei offenbar nur eine lückenhafte Version ihres Tagesablaufs. Eine Polizeibeamtin sagte vor Gericht aus, dass sie die 30-Jährige damals in Reimershagen aufsuchte — da Gina H. als ehemalige Partnerin von Fabians Vater den Jungen persönlich kannte.
Damals soll Gina H. gesagt haben, als Fabian am 10. Oktober verschwand, habe sie den ganzen Tag in ihrem Pferdestall gearbeitet. Ob die Polizistin damals aktiv nach einem Alibi gefragt hatte oder ob Gina H. von sich aus zu erzählen begann — daran konnte sie sich vor Gericht nicht mehr erinnern.

Angeklagte Gina.H und ihr Anwalt Andreas Ohm im Mordprozess im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Fabians Vater bekam von ihr später eine detailliertere Version: Sie sei nicht nur im Stall gewesen, sondern auch in Güstrow auf dem Weg zur Bank — und habe danach einen Bekannten getroffen. Als sie bereits in Untersuchungshaft saß, schilderte sie ihm noch eine weitere Version der Ereignisse.
Das Messer vom Parkplatz ist nicht die Tatwaffe
Monatelang sorgte ein Messer, das in einem Mülleimer auf einem Parkplatz in Güstrow gefunden wurde, für Aufsehen. Nach Abschluss der kriminaltechnischen Untersuchung durch das Landeskriminalamt stand fest: Weder Spuren von Fabian noch von der Angeklagten Gina H. wurden auf dem Messer gefunden.
Dass das Messer zunächst von der Polizei ignoriert wurde, hatte im Gerichtssaal für Streit gesorgt. Verteidiger Thomas Löcker warf den Ermittlungsbehörden mangelnde Sorgfalt vor.

Die Angeklagte Gina wartet im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., sah das anders — sie kommentierte den Fund trocken:
„Nicht einmal eine Nebelkerze, sondern ein Nebelteelicht."

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker erheben sich beim Eintreten des Gerichts, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Imageseck/picture alliance via Getty Images)
Der achtjährige Fabian wurde am 10. Oktober 2025 mit mindestens sechs Messerstichen getötet. Anschließend wurde sein Körper in Brand gesetzt — laut Staatsanwaltschaft, um Spuren zu beseitigen. Die eigentliche Tatwaffe bleibt bis heute verschwunden.
Geheimnisvolles Foto vom Tatort-Feuer
Eine unbekannte Person hat am Tatort ein Foto des Feuers gemacht. Am sechsten Prozesstag sollen laut Gerichtssprecherin Anne Kruse zwei Zeuginnen aussagen, „die Beobachtungen zu Rauch bzw. Feuer am späteren Fundort tätigten." Auf BILD-Anfrage bestätigte die Sprecherin, dass auch das Feuer-Foto Thema sein wird.
Das Foto tauchte erstmals am 5. November 2025 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst" auf. Laut Staatsanwaltschaft wurde es von einer Zeugin aufgenommen, die sich am 10. Oktober zwischen 11 und 15 Uhr in der Nähe des Tümpels aufgehalten haben soll — also genau dann, als Fabian gestorben sein soll. Wer diese Frau ist und warum sie das Feuer fotografierte, ist bisher unklar.
Was kommt als nächstes?
Der nächste Verhandlungstag am 28. Mai bringt mehrere Gutachten: Untersucht werden unter anderem Textilspuren, Verbindungsdaten sowie die digitalen Aufzeichnungen des Ford Rangers der Angeklagten. Zudem analysiert ein Sachverständiger die Blutspuren am Tatort.
Gina H. hat sich bislang nicht vor Gericht geäußert. Bis zu einem möglichen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung. Inzwischen ist sie erneut mit Fabians Vater zusammen.

Die Angeklagte Gina mit ihren Anwälten Andreas Ohm und Thomas Löcker im Mordprozess im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Der Fall Fabian
Wir berichteten über den Fall: Alles, was man über den Tod des achtjährigen Jungen aus Güstrow wissen muss — vom Verschwinden bis zur Anklage.

Die Angeklagte Gina wartet im Gerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, Rostock, 27. Mai 2026. | Quelle: Getty Images
Der fünfte Prozesstag im Mordfall Fabian hielt mehrere überraschende Momente bereit – darunter eine Zeugin, die das Gericht mit ihren Antworten fassungslos zurückließ, und eine Polizistin, deren Aussagen Fabians Mutter zu Tränen rührten.
Am Landgericht Rostock wird seit dem 28. April 2026 der Mordprozess gegen Gina H. verhandelt. Die 30-Jährige soll den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet haben. Als mutmaßliches Motiv gilt die Eifersucht auf das Kind nach der Trennung von Fabians Vater. Gina H. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte im Mordprozess wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images
Der fünfte Prozesstag brachte eine kurzfristige Planänderung. Statt der ursprünglich vorgesehenen Polizistin wurde zunächst die Mutter von Fabians Vater, Monika R., als erste Zeugin in den Stand gerufen.
Die 62-Jährige sollte Erkenntnisse über das familiäre Umfeld des Jungen liefern – über seine Beziehung zum Vater, zu Gina H. und über den Wiederaufbau des Kontakts in den Monaten vor seinem Tod.
Was dann folgte, überraschte den gesamten Saal.

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M
Monika R. antwortete auf die meisten Fragen mit Schweigen, mit Erinnerungslücken oder mit schlichten Verneinungen. Ihr Auftritt verlief so ungewöhnlich, dass sogar Richter Holger Schütt mehrfach innehalten musste. Dabei trug sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Don't worry, beer happy."
Schütt fragte die Zeugin direkt: „Wissen Sie, was mit Fabian passiert ist?" – „Nein", antwortete die Oma. „Würden Sie gerne wissen, was mit ihm passiert ist?" – „Nein." Der Richter schwieg für einen Moment.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Gerichtsvollzieher sichern den Gerichtssaal des Landgerichts zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Er versuchte es erneut, sanfter:
„Ich möchte gerne wissen, warum eine Oma, die ihren Enkel geliebt hat, nicht wissen möchte, was passiert ist. Vielleicht wollen Sie uns einfach helfen. Denn wir wollen wissen, was passiert ist. Dann beantworten Sie einfach meine Fragen. Denken Sie einfach noch mal kurz darüber nach."
Die Antwort der Zeugin: „Nö."

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Reporterin Isabel Pfannkuche, die den Prozess für BILD vor Ort verfolgt, kommentierte den Verlauf des Prozesstages:
„Es ist nicht zu glauben, dass sich die halbe Familie plötzlich an nichts mehr erinnern möchte. Mir fehlen wirklich die Worte. Wenn eine Oma behauptet, sie wolle nicht wissen, was ihrem Enkel passiert ist."
Der Verlauf der ersten Hälfte des Prozesstages macht die Bild-Reporterin sprachlos.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images
Staatsanwalt Oliver Schley äußerte den Verdacht, Fabians Vater Matthias R. könnte seiner Mutter vorab gesagt haben, wie sie sich vor Gericht verhalten solle.
Die Zeugin widersprach zunächst: „Nein. Er hat nur gesagt, ich soll sagen, wenn ich mich erinnern kann." Auf eine weitere Frage des Staatsanwalts schwieg sie minutenlang. Anschließend wurde sie als Zeugin entlassen.
Im Laufe des Nachmittags wurde dann die Polizistin gehört, die nach Fabians Verschwinden zu dem Fall ermittelt hatte. Sie berichtete über ihre Begegnungen mit Gina H. in den Tagen rund um das Verschwinden des Kindes sowie über den Fundort der Leiche. Fabians Mutter Dorina L. verließ während der Aussage weinend den Gerichtssaal – sie konnte die Schilderungen nicht ertragen.
Auf die Frage, wie Gina H. sich am 13. und 14. Oktober verhalten habe, antwortete die Beamtin:
„Frau H. hat nicht viel Gefühlsregung gezeigt. Im Nachgang fragt man sich natürlich, was hat man übersehen an dem Tag. Sie war relativ gleichbleibend in ihrer Stimmung und in ihrer Mimik auch. Sehr kontrolliert."
Als Gina H.s Anwalt Thomas Löcker fragte, wie lange die Beamtin schon in ihrem Beruf tätig sei, antwortete sie klar: „Ich arbeite 25 Jahre in dem Beruf. Ich weiß, was Sie mit der Frage erreichen wollen. Sie wollen meine Aussage unglaubwürdig machen oder meine Arbeit infrage stellen." Zudem wurden bei Gina H. zwei Kanister mit Benzin sichergestellt, wie die Beamtin ausführte.

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M
Auch das Alibi von Fabians Vater war am Donnerstag Gegenstand der Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft grenzt den Tatzeitraum auf die Zeit zwischen 10.50 und 13 Uhr ein.
Matthias R. hatte bereits am zweiten Prozesstag ausgesagt, er sei in dieser Zeit mit seinem Auto in einer Werkstatt gewesen, habe gemeinsam mit einem Förster ein Waldstück besucht und sich zwischen 12 und 13 Uhr an seinem Arbeitsplatz aufgehalten. Eine Polizistin wurde gehört, die dieses Alibi überprüft hatte.
Der Vater selbst bleibt eine der umstrittensten Figuren des Verfahrens. Beim dritten Prozesstag hatte er vor Gericht erklärt:
„Wir sind wieder ein Paar. Das hat sich im Gefängnis im Januar ergeben."

Internetnutzer kommentieren die neuesten Entwicklungen im Mordprozess im Fall Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=GIxmwoHf2_M
Auf die Frage des Richters zu seiner Haltung gegenüber der Angeklagten sagte er: „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr."
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Matthias R. wegen des Verdachts auf Falschaussage. Der Prozess wird mit weiteren Verhandlungstagen bis mindestens September fortgesetzt.
Am fünften Prozesstag im Mordfall Fabian sorgte eine Zeugin für einen der ungewöhnlichsten Momente des gesamten Verfahrens – Fabians Großmutter weigerte sich, Antworten zu geben. Und das auf eine Weise, die den Richter sprachlos zurückließ.
Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow ist längst mehr als ein juristisches Verfahren. Er ist ein Spiegel von Familienverhältnissen, die kaum jemand von außen vollständig durchblickt.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Gerichtsvollzieher sichern den Gerichtssaal des Landgerichts zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Woche für Woche kommen Menschen in den Zeugenstand, die alle auf ihre Weise mit dem Fall verbunden sind – und alle hinterlassen einen anderen Eindruck. Manche erschüttern durch ihre Offenheit. Andere durch ihr Schweigen. Am fünften Verhandlungstag am Landgericht Rostock war es Letzteres, das den Saal in Atem hielt.
Monika R., die Mutter von Fabians Vater Matthias R. und damit die Großmutter des getöteten Jungen, wurde als Zeugin geladen. Was folgte, war ein Verhör, das die Beteiligten im Saal zunehmend fassungslos machte.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte im Mordprozess wird in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. | Quelle: Getty Images
Die 62-Jährige antwortete auf die meisten Fragen mit Schweigen, mit Erinnerungslücken oder mit schlichten Verneinungen. Dass sie dabei ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Don't worry, beer happy" trug, fiel nicht nur dem Gericht auf.
Richter Holger Schütt versuchte zunächst ruhig, die Zeugin zu einer Aussage zu bewegen. Er erinnerte die Frau daran, dass sie vor Gericht zur Wahrheit verpflichtet sei. Er erklärte ihr, wie wichtig ihre Erinnerungen für die Aufklärung des Todes ihres Enkels seien.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Er versuchte es sanft, dann direkter, dann mit wachsender Ungeduld. Doch die Fragen, die er stellte, hätten eigentlich einfach zu beantworten sein sollen – und das machte ihre Reaktion umso schwerer zu begreifen.
„Frau R., was ist los?" , fragt der Richter. „Gar nichts, wenn ich nichts weiß, kann ich nichts sagen", antwortet die Großmutter.
„Was ist mit Fabian passiert?", hackt der Richter nach. – „Das kann ich nicht sagen", bleibt die Frau hartnäckig.

21. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
„Fabian wurde tot gefunden. Er kommt nicht zurück zu Ihnen. Wollen Sie wissen, warum das passiert ist?", fragte der Richter mittlerweile leicht erzürnt. Dann kommt der Schock:
„Nein, das möchte ich nicht."
„Warum möchte eine Oma das nicht wissen?", fragte er ungläubig.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Ein Gerichtsangestellter (v. l. n. r.), Rechtsanwalt Thomas Löcker, der Angeklagte und Rechtsanwalt Andreas Ohm stehen zu Beginn der Fortsetzung des Mordprozesses im Gerichtssaal des Landgerichts. | Quelle: Getty Images
Die Frau gab keine Antwort. Für einen Moment herrschte Stille im Saal. Fabian Mutter Dorina L., die den Prozess seit Beginn nahezu bei jedem Termin im Saal verfolgt, saß Monika R. dabei direkt gegenüber.
Schütt mahnte die Zeugin erneut, dass sie vor Gericht verpflichtet sei, die Wahrheit zu sagen. Monika R. bestand darauf, dass sie sich einfach nicht erinnere.
Etwas aufgebracht und sichtlich überfordert wiederholte sie immer wieder: Wenn sie nichts wisse, könne sie nichts sagen. Richter Schütt versuchte es noch einmal, bat sie, kurz nachzudenken, einfach seine Fragen zu beantworten. Die Antwort kam knapp: „Nö."
Auch sonst lieferte die Rentnerin kaum verwertbare Informationen. Auf die Frage, ab wann ihr Sohn Matthias nach dem Ende seiner Beziehung zu Gina H. wieder bei seinen Eltern gewohnt habe, konnte sie keine Antwort geben. Auf eine Frage des Staatsanwalts schwieg sie so lange, dass das Gericht eine Pause einlegen musste.
Dabei betonte Monika R. auch, dass ihr Verhältnis zur Angeklagten Gina H. stets gut gewesen sei. Eine Aussage, die im Widerspruch zu Sprachnachrichten steht, die in früheren Prozesstagen abgespielt wurden: Darin hatte Gina H. im September 2025 unmissverständlich gesagt, dass sie die Familie ihres Freundes nicht ausstehen könne.
Staatsanwalt Oliver Schley äußerte schließlich den Verdacht, Matthias R. könnte seiner Mutter vor der Befragung Hinweise gegeben haben, wie sie sich vor Gericht verhalten solle. Monika R. widersprach zunächst. „Hat Ihnen Ihr Sohn gesagt, wie Sie sich vor Gericht verhalten sollen?", fragt Staatsanwalt Schley irgendwann. Dann rückte sie doch etwas heraus:
„Er hat gesagt, wenn ich mich nicht erinnere, soll ich Nein sagen."
Ein Satz, der viel sagt. Staatsanwalt Schley sah danach von weiteren Fragen ab. „Das bringt nichts", sagte er leise – und ließ die Zeugin entlassen.
Die Beobachtung, dass Matthias R. Einfluss auf Zeugen nehmen könnte, ist nicht neu. Bereits gegen ihn selbst ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Falschaussage – nach seiner achtstündigen Vernehmung beim zweiten und dritten Prozesstag, bei der er sich wiederholt an nichts erinnern konnte, die Angeklagte in Schutz nahm und fest an ihre Unschuld glaubte. Er besucht Gina H. weiterhin in der Untersuchungshaft. Die beiden sind wieder ein Paar.
Am Nachmittag soll eine Polizistin als Zeugin gehört werden, die das Alibi von Fabians Vater überprüft hat. Außerdem werden zwei weitere Zeugen erwartet, denen damals Fahrzeuge auffielen, die im Fall eine Rolle spielen könnten. Laut Anklage soll Gina H. Fabian mit ihrem auffälligen orangefarbenen Pick-up zum späteren Tatort gefahren haben.
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird mit weiteren Verhandlungstagen bis mindestens September fortgesetzt.
Eine neue Wendung im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Vater des getöteten Jungen eingeleitet. Der Vorwurf wiegt schwer.
Seit Ende April wird vor dem Landgericht Rostock der Fall Fabian verhandelt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die 30-jährige Gina H., Ex-Freundin von Fabians Vater, den Jungen im Oktober 2025 tötete – in der Hoffnung, damit die zerbrochene Beziehung zu reparieren. Gina H. schweigt bislang im Prozess. Ihr Verteidiger ließ von Beginn an mitteilen, sie werde keine Angaben zur Sache machen.
Was das Verfahren von Anfang an belastet, ist das Verhalten von Fabians Vater Matthias R. (35). Bereits bei seinen ersten Auftritten vor Gericht sorgte er für Unruhe – mit Scherzen, die fehl am Platz waren, und Aussagen, die mehr nach Verteidigung der Angeklagten klangen als nach der Aussage eines Vaters, der Gerechtigkeit für seinen Sohn sucht.
Am 30. April und am 5. Mai wurde Matthias R. als Zeuge vernommen – insgesamt rund eineinhalb Tage intensiv befragt. Der Kontrast zwischen dem, was er damals bei der Polizei sagte, und dem, was er nun vor Gericht erklärte, war für viele Beobachter kaum zu fassen. Frühere Angaben zu Eifersucht, Überwachung und Manipulation bezeichnete er nacheinander als Missverständnisse oder als Aussagen, die er in einem emotional aufgewühlten Moment gemacht habe.
Zu Beginn des vierten Verhandlungstages zog die Staatsanwaltschaft die Konsequenz. Oberstaatsanwalt Harald Nowack erklärte, dass Ermittlungen wegen Falschaussage gegen den 35-Jährigen eingeleitet worden seien. Es sei wenig nachvollziehbar, wie ein Zeuge seine Aussage derart ändern könne. Um welche Punkte es konkret gehe, ließ Nowack offen.
Was den Oberstaatsanwalt besonders misstrauisch macht, ist die neue Beziehung. Matthias R. hatte vor Gericht offenbart, dass er und Gina H. inzwischen wieder ein Paar seien. Er besuche sie alle zwei Wochen in der Untersuchungshaft, kümmere sich weiterhin um ihre Pferde und glaube fest an ihre Unschuld. Für Nowack ist das kein Zufall, sondern Ergebnis einer gezielten Einflussnahme.
Die Angeklagte habe aktiv auf ihn eingewirkt und eine Wiederaufnahme der Beziehung angestrebt. Nach der Vernehmung sei festzustellen, dass ihr das gelungen sei. Der Zeuge sei zudem nicht an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert – er habe weder die Möglichkeit der Akteneinsicht genutzt noch als Nebenkläger am Verfahren teilgenommen. Beides hätte ihm als Vater des Opfers offengestanden.
Nowack betonte zudem: Es sei nicht nachzuvollziehen, warum Matthias R. überhaupt wieder eine Beziehung zur Angeklagten aufgenommen habe – einer Frau, die laut Anklage seinen Sohn getötet hat.
Fabians Mutter Dorina L. verfolgt das Geschehen mit wachsender Fassungslosigkeit. In einer Prozesspause hatte sie ihren Ex-Partner angesprochen und ihm gesagt, er solle an seinen Sohn denken. Er drehte sich kurz um – und ging. Für Dorina ist sein Verhalten kaum zu ertragen. Sie sitzt jeden Verhandlungstag im Saal, schaut Gina H. direkt an und macht das, wie sie selbst sagt, für Fabian.
Der Prozess wird fortgesetzt. Ursprünglich waren 17 Verhandlungstage bis zum 2. Juli angesetzt. Der Vorsitzende Richter hat jedoch bereits angekündigt, dass weitere Termine notwendig sein werden – zehn zusätzliche Prozesstage sind in Planung. Wie sich die Ermittlungen gegen Matthias R. auf das Verfahren auswirken, ist noch offen. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Der vierte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow brachte neue, erschütternde Details – durch die Aussagen seiner Freunde und durch Sprachnachrichten, die eine toxische Beziehung offenbaren.
Sechseinhalb Monate nach dem gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian läuft in Rostock der Mordprozess gegen die 30-jährige Gina H., Ex-Freundin von Fabians Vater. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen im Oktober 2025 getötet zu haben, um eine Wiederaufnahme der Beziehung zu seinem Vater zu ermöglichen. Gina H. schweigt bisher zu den Vorwürfen.

13. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten Achtjährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses | Quelle: Getty Images
Zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses kamen am Mittwoch Stimmen zu Wort, die Fabian kannten wie kaum jemand sonst: seine Spielkameraden. Zum Schutz der jungen Zeugen wurden sie nicht in den großen Verhandlungssaal gerufen. Ihre Befragungen wurden per Video aus einem Nebenraum in den Saal übertragen.
Das Gericht wollte unter anderem wissen, ob die Kinder am 10. Oktober 2025 noch Kontakt zu Fabian hatten. Der Junge war an jenem Tag allein zu Hause, weil er krank war. Laut Ermittlern nutzte er sein Handy zuletzt um 10.50 Uhr – danach fehlt jede Spur.

Reaktionen von Internetnutzern auf die Einzelheiten des vierten Verhandlungstages im Fall Fabian | Quelle: facebook.com/watch/?v=976816224836908
Ein elfjähriger Freund berichtete, Fabian habe ihm erzählt, dass er wieder Kontakt zu seinem Vater aufgenommen habe. „Da war was mit einem Streit, dass sie lange keinen Kontakt hatten."
Auf Nachfrage zum Vater sagte er: „Ja. Er sagte, er kommt mit seiner Freundin nicht so gut klar, und deswegen hatten sie so den Kontakt abgebrochen." Und auf die Frage, ob Fabian mit einem Fremden mitgegangen wäre: „Das hätte er nicht gemacht."
Ein weiterer elfjähriger Freund – Nachbar von Fabian – beschrieb gemeinsame Nachmittage voller Leben. „Manchmal gingen wir draußen spielen, oder wir waren im Garten, auf meinem Trampolin eine Straße weiter – dahin sind wir immer mit dem Fahrrad gefahren." Die Jungs spielten regelmäßig Ballstars und Roblox. Bei seiner Befragung saß er neben Mutter und Großmutter.

Reaktionen von Internetnutzern auf die Einzelheiten des vierten Verhandlungstages im Fall Fabian | Quelle: facebook.com/watch/?v=976816224836908
Fabians bester Freund, neun Jahre alt, beschrieb ihn als „klein, pummelig und ein bisschen frech." Gemeinsam spielten sie am liebsten Roblox. „Entweder war er bei mir, und dann haben wir gespielt, oder wir waren bei ihm zu Hause und haben dort gespielt." Über Fabians Mutter sagte er schlicht und ohne zu zögern: „Sie war nett."
Die Mutter eines Freundes zeichnete ein anderes Bild. Sie schilderte Fabian als liebevollen, aber auch verschlossenen und manchmal traurigen Jungen. „Der Junge hat nach Liebe gesucht", sagte sie. Der Achtjährige habe ihr gegenüber geäußert: „Meine Mutti ist froh, wenn ich nicht da bin." Außerdem habe er ihr von häuslicher Gewalt seines Vaters berichtet.

Reaktionen von Internetnutzern auf die Einzelheiten des vierten Verhandlungstages im Fall Fabian | Quelle: facebook.com/watch/?v=976816224836908
Ginas Anwalt Thomas Löcker hakte bei der Zeugin nach:
„Sie sollen über die Mutter von Fabian gesagt haben: 'Ich halte sie für lieblos gegenüber Fabian und auch überhaupt nicht für fürsorglich'."
Die Antwort kam ohne Zögern: „Ja, das hab ich so gesagt. Der Junge wollte nicht nach Hause." Löcker: „Sie sagten, er müsse sich um alles selber kümmern." „Ja. Sich sein Essen alleine kaufen, sich sein Essen alleine zubereiten." Auf die Frage, von wem Fabian sich ungeliebt fühlte, antwortete sie:
„Von seiner Mutter."
Parallel dazu wurden weitere Indizien aus den Ermittlungen präsentiert. Gina H.s orangefarbener Geländewagen wurde von einer privaten Überwachungskamera zweimal nahe Fabians Wohnung aufgezeichnet.
Im Auto sicherten Ermittler Faserspuren, die von einem Pullover Fabians stammen könnten. Am Fundort der Leiche wurden zudem Spuren einer Reithose gesichert – Gina H. ist Reiterin.
Den Abschluss des Prozesstages bildeten Sprachnachrichten von Gina H. an Fabians Vater. Sie soll ihn nach der Trennung bis zu 40 Mal täglich kontaktiert haben. Die Nachrichten zeigen extremes Kontrollverhalten, Eifersucht und verzweifelte Abhängigkeit.
Am 17. August flehte sie in mehreren Nachrichten: „Es tut mir alles so leid. Bitte, bitte Matthias. Ich liebe dich doch über alles und das habe ich schon immer getan. Bitte. Bitte komm her. Bitte. Ich brauch dich. Bitte. Bitte." Weniger als zwei Monate später war Fabian tot. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow bringt nicht nur erschütternde Beweise ans Licht – er offenbart auch eine Zerrissenheit zwischen den Eltern des getöteten Jungen, die kaum in Worte zu fassen ist.
Nach den ersten Prozesstagen steht eine Frage über allem: Warum hält Fabians Vater Matthias R. so beharrlich zur Hauptverdächtigen Gina H.? Seine Aussagen haben nicht nur das Publikum im Gerichtssaal schockiert, sondern ganz Deutschland aufgewühlt. Und Fabians Mutter Dorina L. hat alles aus nächster Nähe erlebt.

Die Internetnutzer äußern ihre Meinungen zum Fall Fabian. | Quelle: facebook.com/oz.rostock/posts/pfbid0F85QdUXnCP8S5WPcTXMxCa5Z1zRJ5CzGWs4yn8S97R6o7jZyz7rSraMxfrV9Swuyl?comment_id=1284149077230797
Die Prozesstage mit den Aussagen ihres Ex-Partners seien sehr anstrengend gewesen – „aufgrund seines Verhaltens", sagte Dorina L. in einem Interview auf dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach". Er wisse immer nichts, „außer alles, was die Tatverdächtige betrifft." Ihr Fazit, das sie mit ruhiger, aber fester Stimme ausspricht: „Er steht halt einfach nicht zu Fabi. Das ist mein Gefühl."
Matthias R. hatte bei seiner Vernehmung vor Gericht offenbart, dass er und Gina H. wieder ein Paar sind. Er besuche sie alle zwei Wochen in der Untersuchungshaft, kümmere sich weiterhin um ihre Pferde. Über die Angeklagte sprach er mit unverhohlener Zuneigung: Sie sei eine sehr liebevolle Frau, einfühlsam, stecke viel Lust und Liebe in die Beziehung. Prozessbeobachter berichteten, dass Gina H. im Saal rot anlief und kicherte. „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr", sagte Matthias R. laut Berichten aus dem Verfahren.

Die Internetnutzer äußern ihre Meinungen zum Fall Fabian. | Quelle: facebook.com/oz.rostock/posts/pfbid0F85QdUXnCP8S5WPcTXMxCa5Z1zRJ5CzGWs4yn8S97R6o7jZyz7rSraMxfrV9Swuyl?comment_id=951554504249551
Besonders schwer wog für viele Beobachter ein weiteres Detail. In einem Gespräch aus der JVA, das von Beamten aufgezeichnet wurde, sagte Matthias R. zu Gina H.: „Ich glaube dir." Drei Worte – und doch ein Satz, der zeigt, wie weit Matthias R. von der Sichtweise der Staatsanwaltschaft entfernt ist.
Dorina L. beobachtet all das mit wachsender Fassungslosigkeit. Sie sitzt im Gerichtssaal direkt gegenüber von Gina H., schaut die Tatverdächtige an, weicht ihrem Blick nicht aus. Gina H. hingegen könne die Blicke kaum erwidern. „Wenn sie gemerkt hat, dass ich sie angucke, dann hat sie meistens nach unten geschaut oder zur Seite weg – oder sie hat mit ihren Anwälten gesprochen."
Was Dorina besonders trifft: Während die Angeklagte bei der Verlesung der Anklageschrift und bei Gesprächen über Fabian keine Träne vergoss, habe sie im Gerichtssaal geweint, als es um ihr verstorbenes Pferd ging. „Das kann ich nicht nachvollziehen."
Und dann kam der Moment, in dem Dorina L. nicht mehr schweigen konnte. „Ich konnte in der einen Pause nicht mehr an mir halten und habe ihn angesprochen. Beim Vorbeigehen habe ich ihm gesagt, er soll an seinen Sohn denken." Sie bemerkte noch, dass sich Matthias R. zu ihr drehte. „Aber dann bin ich einfach rausgegangen."
Die Reaktionen im Netz sind eindeutig. Die Öffentlichkeit zeigt wenig Verständnis für das Verhalten des Vaters. „Und so etwas nennt sich Vater – ich würde mich in Grund und Boden schämen", schreibt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert: „Hat der kein Gewissen?". „Den ‚Vater' sollten sie gleich mit wegsperren. So ein Verhalten ist nicht normal!", sagt jemand. Weitere Stimmen klingen skeptisch: „Hier stimmt was nicht. Riecht ihr es auch. Das is doch nicht normal!"
Dorina L. lässt sich von alldem nicht aufhalten. „Ich mache das einfach für Fabi", sagt sie. „Ich möchte für Fabian Gerechtigkeit. Und das wird sich nicht ändern." Sie will versuchen, jeden Verhandlungstag mitzumachen – „einfach für Fabi."
Am 13. Mai wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden – darunter eine Lehrerin von Fabian, Freunde des Jungen und Augenzeugen, die am Tattag den orangefarbenen Geländewagen von Gina H. beobachtet haben wollen.
Das Fahrzeug wurde im Januar beschlagnahmt. Aussagen zu seinem Standort am Tattag könnten für die Suche nach der Wahrheit entscheidend sein. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Am dritten Verhandlungstag im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow richtet sich der Blick erneut auf den Vater des Jungen. Schon nach seinem ersten Auftritt vor dem Landgericht Rostock war klar, dass seine Aussage das Verfahren nicht nur ergänzen, sondern in Teilen neu aufladen würde.
Denn Matthias R. blieb nicht bei früheren Belastungen gegen die Angeklagte Gina H. – im Gegenteil. Er relativierte, erklärte, ordnete um. Und genau das machte seine Rolle im Prozess für Gericht, Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit so brisant.

5. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Oliver Schley (v. l. n. r.), Staatsanwalt, und Harald Nowack, leitender Staatsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses | Quelle: Getty Images
Die Ausgangslage ist bekannt: Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die bis August 2025 mit Fabians Vater liiert gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, ihn an einem Tümpel bei Klein Upahl mit einem Messer getötet und den Leichnam anschließend angezündet zu haben.
Als Motiv nimmt die Anklage an, dass Gina H. gehofft habe, durch die Tat wieder mit Matthias R. zusammenzukommen. Die Angeklagte äußert sich vor Gericht nicht zur Sache. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Gerade deshalb kommt den Aussagen des Vaters besondere Bedeutung zu. Schon am zweiten Verhandlungstag hatte Matthias R. für Aufsehen gesorgt, weil er sich auffällig zurückhaltend zur Schuldfrage äußerte. Statt seine früheren Aussagen zu bekräftigen, beschrieb er Gina H. teilweise positiv und stellte in den Raum, dass womöglich noch eine weitere Person an der Tat beteiligt gewesen sein könnte. Er erklärte laut Medienberichten, er habe das Gefühl, dass „ein anderer zumindest mitgemacht“ habe.

5. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Amtsgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Dieser Kurs sorgt nun weiter für Diskussionen. Denn aus den Ermittlungen war bislang ein anderes Bild bekannt. Nach den Quellen hatte Matthias R. im November 2025 noch angegeben, Gina H. habe heimlich sein Mobiltelefon kontrolliert, ihn eingeengt und von seinem Umfeld isoliert.
Vor Gericht distanzierte er sich nun von dieser Deutung. „Weil ich Vieles missverstanden habe, habe ich solche Verdächtigungen gehabt“, sagte er. Damit stellte er nicht nur frühere Einschätzungen infrage, sondern auch die Frage, wie stabil und glaubhaft seine Aussagen insgesamt einzuschätzen sind.
Für die Staatsanwaltschaft kam diese Wendung offenbar nicht völlig überraschend. Oberstaatsanwalt Harald Nowack erklärte, der Vater habe frühere Aussagen bereits mehrfach relativiert. Seine aktuelle Haltung schade der Beweisführung aus Sicht der Anklage nicht. Vielmehr habe der Auftritt des Vaters ein deutliches Charakterbild gezeichnet. Zugleich kündigte Nowack vor dem dritten Verhandlungstag an, dass noch weitere Punkte in die Hauptverhandlung eingeführt würden, die öffentlich bislang nicht bekannt seien.

5. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Thomas Löcker (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, die Angeklagte und Andreas Ohm, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Dazu gehören nach den vorliegenden Informationen auch Nachrichten aus dem unmittelbaren Tatzeitraum. Besonders eine Chatnachricht vom 9. Oktober könnte eine Rolle spielen – also vom Tag vor der Tat. Damals soll Matthias R. die Beziehung zu Gina H. endgültig beendet haben, auch um den Kontakt zu seinem Sohn nicht weiter zu gefährden.
Fabian habe Gina H. nach einem miterlebten Streit mit seinem Vater nicht mehr treffen wollen. Genau dieses Beziehungsgeflecht dürfte im Prozess weiter an Gewicht gewinnen.
Hinzu kommt neues Material vom Fundort der Leiche. Laut Staatsanwaltschaft sollen in den kommenden Verhandlungstagen Bilder, Videoaufnahmen und Aufzeichnungen eines 3D-Scanners eine Rolle spielen. Das deutet darauf hin, dass das Gericht nicht nur mit Zeugenaussagen, sondern auch mit technisch dokumentierten Rekonstruktionen arbeiten wird.
Der Fundort selbst gilt als zentraler Punkt des Verfahrens – nicht zuletzt, weil Gina H. es war, die den Fund des toten Jungen der Polizei gemeldet hatte.
Dass die Angeklagte dabei auch körperlich im Fokus steht, zeigen Berichte vom Gerichtssaal, wonach sie ihr Tattoo zeigte. Sie zeigen realistisch aussehende Pferde und Ponys – vermutlich ihre eigenen Tiere.
Dieses Detail wirkt auf den ersten Blick nebensächlich, bekommt in einem derart brisanten Verfahren aber schnell Symbolkraft: Jede Geste, jede Reaktion, jede sichtbare Regung wird registriert und in Beziehung zur Aussage- und Beweislage gesetzt. Gerade in einem Prozess, in dem die Angeklagte schweigt, gewinnen solche Beobachtungen für viele zusätzlich an Gewicht – auch wenn sie juristisch für sich genommen wenig bedeuten.

5. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, und die Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
Für Fabians Mutter bleibt die Situation besonders schwer zu ertragen. Ihre Anwältin fand nach dem Auftritt des Vaters deutliche Worte und kritisierte dessen Aussage scharf. Bereits der zweite Verhandlungstag hatte gezeigt, wie weit die Perspektiven der Eltern inzwischen auseinanderliegen.
Während die Mutter klar auf Konfrontation mit der Angeklagten setzt, wirkt der Vater in seinen Aussagen zurückhaltender, widersprüchlicher und in Teilen sogar versöhnlich. Die Anwältin der Mutter Fabians ließ ausrichten:
„Dieser Auftritt war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Er hat Fabian heute ein zweites Mal sterben lassen.“

5. Mai 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses. | Quelle: Getty Images
So wird der dritte Verhandlungstag nicht nur zum nächsten Schritt in der Aufklärung eines Tötungsdelikts, sondern auch zur weiteren Prüfung eines komplizierten familiären Gefüges. Die Fragen werden mehr, nicht weniger.
Fabians Vater bezeichnet die mutmaßliche Mörderin seines Sohnes als „libevoll“ und „einfühlsam“ – eine „sehr seltsame“ Aussage, die er gemacht hat
Der zweite Verhandlungstag im Mordfall Fabian brachte einen Auftritt, der viele im Saal fassungslos zurückließ. Fabians Vater Matthias R. sagte als Zeuge aus – und verteidigte ausgerechnet die Frau, die laut Anklage seinen Sohn getötet haben soll.
Am 30. April 2026 wurde vor dem Landgericht Rostock zunächst Fabians Mutter Dorina L. als Zeugin befragt. Mehr als vier Stunden beantwortete sie Fragen zu ihrem Sohn und dem Tag, an dem er verschwand. Als sie beschrieb, wie Fabian ihr einst erzählt hatte, dass er beobachtete, wie sein Vater Gina H. schlug, brach sie in Tränen aus. Mehrere Zuschauer weinten mit ihr.

28. April 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v. l. n. r.), Rechtsanwalt, der Angeklagte und Thomas Löcker, Rechtsanwalt, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Dorina L. schilderte auch, wie das Verhältnis zwischen den beiden Frauen einst begann. Ihr Sohn sei es gewesen, der ihr von der neuen Beziehung seines Vaters berichtet hatte:
„Fabi hat mir erzählt, dass Papa eine neue Freundin hat, die sei auch lieb zu ihm."

Die Internetnutzer äußern sich zu dem Prozess. | Quelle: facebook.com/bild/posts/pfbid0NheBkqAamUMAu2h3C6wSnNqThPi2UxG8qAyuc7sxPeijVpPnK4mEKFZcGuiHGt2Ml
Als sie Gina H. dann persönlich kennenlernte, erlebte sie sie als: „Sehr aufgeschlossen, sehr direkt. Wir haben uns nicht lange unterhalten, aber man checkt sich ab." Die Frauen hätten Nummern ausgetauscht, gelegentlich Nachrichten geschrieben. In einer dieser Nachrichten schrieb Gina H. an Fabians Mutter, der Junge habe viel Spaß beim Baden gehabt.
Am Nachmittag betrat dann Fabians Vater, Matthias R. (35), in Baseballjacke den Zeugenstand. Was folgte, sorgte für Unruhe im Saal.

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Matthias R. beschrieb seine frühere Beziehung zu Gina H. in einer Weise, die kaum zum Ernst der Lage passte. Auf die Frage des Richters, ob es Tätlichkeiten in der Beziehung gegeben habe, antwortete er:
„Nein. Nur im Schlafzimmer, falls Sie verstehen, was ich meine."
Der Richter reagierte unmissverständlich: „Nein, ich verstehe nicht. Ich glaube, die Situation ist auch nicht zum Spaßen ausgelegt. Es geht darum, was mit Fabian passiert ist."

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Doch Matthias R. ließ nicht locker. Auf die Frage, die Angeklagte zu beschreiben, geriet er regelrecht ins Schwärmen. Gina H. schaute ihn dabei verträumt an. „Eine sehr liebevolle Frau, einfühlsam, sie hat einen sehr starken Charakter und weiß, was sie will und möchte, was ich sehr klasse finde. Was sie an Lust und Liebe in eine Beziehung reinsteckt, das ist einfach so wunderschön. Sie ist einfach ein Mensch, der gerne draußen in der Natur ist." Dann scherzte er:
„Sie ist lustig … auch wenn sie manchmal meine Späße nicht verstanden hat."
Die Angeklagte lachte. Dabei sah die Situation längst vor dem Prozess anders aus. In einer Chatnachricht an Fabians Mutter hatte Matthias R. im September 2025 geschrieben: „Gina hat über mich und mein Leben bestimmt und das ist vorbei. Meine Ex hat mich manipuliert." Vor Gericht wich er von dieser Einschätzung ab, relativierte frühere Aussagen und erklärte Widersprüche mit Missverständnissen.

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Auch Fabians enge Bindung an den Sohn der Angeklagten beschrieb er gerührt: Die beiden Jungen seien „wie Brüder" gewesen, hätten gern im See zusammen geplanscht. Einen Hinweis auf mögliche Täterschaft von Gina H. wollte er nicht geben.
Auf die direkte Frage des Richters, ob er sich jemanden vorstellen könne, der Fabian mitgenommen hat, antwortete er ausweichend. „Können Sie sich irgendjemanden vorstellen, der Fabian mitgenommen hat?", fragte Richter Schütt.
Matthias R. erklärte, er habe Zweifel an den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und sei enttäuscht von der Polizei. Von Fabians Tod habe er aus den Medien erfahren. Er könne sich vorstellen, „dass da noch irgendjemand anderes dahintersteckt."

Die Internetnutzer äußern sich zu dem Prozess. | Quelle: facebook.com/bild/posts/pfbid0NheBkqAamUMAu2h3C6wSnNqThPi2UxG8qAyuc7sxPeijVpPnK4mEKFZcGuiHGt2Ml
Räumen musste er jedoch ein, Gina H. während der Beziehung am Arm getroffen zu haben. Eine „Meinungsverschiedenheit" sei das gewesen, keine Gewalt. Irgendwann habe er einfach mehr Freiraum gebraucht. Mehr als einmal verwechselte er im Zeugenstand die Namen der beiden Frauen in seinem Leben.
Dass sich Matthias R. noch immer um die Pferde der Angeklagten kümmert und sie laut Berichten in der Untersuchungshaft besucht, macht den Auftritt für viele Beobachter noch schwerer verständlich. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt – dann soll Matthias R. erneut als Zeuge gehört werden.
Am 28. April 2026 begann vor dem Landgericht Rostock der Mordprozess im Fall des achtjährigen Fabian. Für seine Mutter Dorina L. war es ein Tag, auf den sie monatelang gewartet hatte – und den sie gleichzeitig fürchtete.
Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, die Sicherheitsvorkehrungen streng, die Spannung im Raum spürbar. Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, wurde in Fußfesseln und mit einem roten Aktendeckel vor dem Gesicht in den Saal geführt.

Der kleine Fabian. | Quelle: youtube.com/watch?v=0HtILDo_TUQ
Die Staatsanwaltschaft verlas die Anklageschrift und nannte erstmals ein mögliches Motiv: Gina H. soll geglaubt haben, durch die Tat die Streitigkeiten mit Fabians Vater beenden und die Beziehung zu ihm fortsetzen zu können.
Dorina L. war als Nebenklägerin im Saal. Neben ihr saß ihre Anwältin Christine Habetha. Für die Mutter war allein die Anwesenheit ein Kraftakt, der alles von ihr abverlangte.

Dorina L. in einem Interview für RTL. | Quelle: yotube.com/watch?v=0HtILDo_TUQ
Schon vor Prozessbeginn hatte ein Kamerateam des Nordkurier Dorina L. gefilmt und mit ihr gesprochen. Ihre Worte zeigten, wie sehr sie dieser Tag innerlich zerriss. „Ich habe so gut wie gar nicht geschlafen. Ich habe natürlich versucht zu schlafen. Ich bin sehr aufgeregt, sehr aufgewühlt. Und ihr jetzt gegenüber zu treten", sagte sie.
Dennoch ließ sie sich nicht abhalten. Was sie antreibt, brachte sie in wenigen Worten auf den Punkt:
„Aber ich mache das wirklich alles für Fabi. Sodass es für Fabi noch gerecht wird."

Dorina L. in einem Interview für RTL. | Quelle: yotube.com/watch?v=0HtILDo_TUQ
Was sie sich vom Prozess erhofft, ist keine Genugtuung – sondern ein Verstehen, das sie bisher nicht finden konnte. „Das Warum ist ganz groß. Ich werde es nie verstehen, aber zumindest, was man für Gedanken haben muss, um sowas zu tun. Es wird mir sehr wahrscheinlich nicht befriedigen, aber um das einmal gehört zu haben, wie man das machen kann."
Als Gina H. den Saal betrat, hielt Dorina L. ihrem Blick stand. Die Angeklagte schaute weg. „Ich habe gemerkt, dass Wut in mir hoch aufgestiegen ist. Ich wollte sie halt die ganze Zeit angucken. Sie konnte mir nicht mal ins Gesicht gucken", sagte Dorina L. nach dem Prozessauftakt im RTL-Interview.

Eine Szene aus einem RTL-Video-Interview mit Dorina H., in dem zu sehen ist, wie die Verdächtige im Mordfall Fabian verhaftet wird. | Quelle: youtube.com/watch?v=0HtILDo_TUQ
Was sie dann beobachtete, machte die Situation für sie noch schwerer zu ertragen. „Sie hat gleich nach unten geschaut. Und sie hat einmal hoch geguckt, hat mich gesehen und hat gleich nach unten geschaut. Und auch während der Verlesung hat sie nach unten geschaut und, so wie es für mich ausgesehen hat, auch zwischendurch nicht mal zugehört. Ich finde das maßlos, was sie dort getan hat, wie sie sich verhalten hat."
Trotz allem hielt Dorina L. durch. „Ich habe versucht, stark zu bleiben, und mir sind auch die Tränen gelaufen. Aber ich werde es schaffen, für Fabi."
Tausende Menschen verfolgen den Prozess aus der Ferne – und viele von ihnen fühlen mit der Mutter. In den sozialen Netzwerken häufen sich Kommentare voller Mitgefühl und Erschütterung.
„So so furchtbar. Muss so weinen. Was können die Kinder dafür wenn es in ener Partnerschaft nicht klappt? Immer diese armen kleinen Menschen müssen leiden. Und jetzt in dem Falle eine liebende Mutter. Viel ganz viel Kraft wünsche ich der Mama von Fabi", schreibt ein Nutzer. Eine andere Person fasst ihren Schmerz in wenige Worte: „Diese arme Frau. Unfassbar. Dieses Leid."
Es sind Stimmen, die zeigen, wie tief dieser Fall in das Empfinden der Öffentlichkeit eingedrungen ist. Dorina L. kämpft nicht nur für sich – sondern für all jene, die mit ihr weinen.
AmoMama.de unterstützt und fördert keine Formen von Gewalt, Selbstbeschädigung oder anderes gewalttätiges Verhalten. Wir machen unsere LeserInnen darauf aufmerksam, damit sich potentielle Opfer professionelle Beratung suchen und damit niemand zu Schaden kommt. AmoMama.de setzt sich gegen Gewalt, Selbstbeschädigung und gewalttätiges Verhalten ein, AmoMama.de plädiert deshalb für eine gesunde Diskussion über einzelne Fälle von Gewalt, Missbrauch, oder sexuelles Fehlverhalten, Tiermissbrauch usw. zum Wohl der Opfer. Wir ermutigen in diesem Sinne alle LeserInnen, jegliche kriminelle Vorfälle, die wider diesen Kodex stehen, zu melden.
