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Susanne Daubner | Quelle: Getty Images
Susanne Daubner | Quelle: Getty Images

„Niemand würde es wagen, dich Oma zu nennen“: Susanne Daubner wird 65

Edita Mesic
26. März 2026
14:13

Wenn Susanne Daubner um Punkt 20 Uhr die Nachrichten spricht, wirkt alles ruhig, klar und selbstverständlich. Ihre Stimme gehört für Millionen Menschen zum Alltag, fast so vertraut wie ein tägliches Ritual. Doch hinter dieser Ruhe verbirgt sich eine Lebensgeschichte, die von Mut, Risiko und tiefgreifenden Entscheidungen geprägt ist.

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Ihr 65. Geburtstag ist deshalb mehr als nur ein persönliches Jubiläum. Er ist auch ein Anlass, auf ein Leben zurückzublicken, das eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist.

Geboren 1961 in Halle an der Saale, wächst Susanne Daubner in der DDR auf. Nach dem Abitur entscheidet sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Kauffrau, ein eher klassischer Weg. Doch das Leben hält für sie etwas anderes bereit.

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Auf dem Berliner Alexanderplatz wird sie angesprochen und zu einer Mikrofonprobe eingeladen. Zunächst zögert sie, doch auf Anraten einer Kollegin nimmt sie die Chance wahr. Es ist der Beginn ihrer journalistischen Laufbahn.

Nach einer intensiven Sprecherziehung beginnt sie beim Jugendradio DT64 zu arbeiten. Dort sammelt sie erste Erfahrungen als Nachrichtensprecherin und entwickelt ihren markanten Stil. Gleichzeitig wächst in ihr jedoch ein Gefühl der Enge.

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„Mit 18 war eigentlich der Punkt erreicht, wo ich gesagt habe, ich möchte jetzt weg.“ Dieser Wunsch nach Freiheit begleitet sie lange, ohne dass sie ihn sofort umsetzen kann. Denn in der DDR bedeutete ein solcher Wunsch immer auch ein Risiko.

Der entscheidende Moment kommt Ende der 1980er-Jahre. Die Staatssicherheit steht plötzlich vor ihrer Tür. „Ich saß in meiner Wohnung mit Herrn Müller und Herrn Schmidt, die sagten: ‚Wir möchten gerne, dass Sie für uns arbeiten‘.“

Eine Situation, die für viele Menschen ausweglos erschien. Doch Susanne Daubner bleibt standhaft. „Ich war nicht erpressbar. Meine Mutter war Krankenschwester, meine Brüder waren noch in der Schule.“

Mit dieser klaren Haltung lehnt sie die Zusammenarbeit ab. Doch der Preis dafür ist hoch. Der Druck wächst, die Kontrolle nimmt zu, und ihr Handlungsspielraum wird immer kleiner.

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Kurz darauf wird sie zusätzlich aufgefordert, ihre Kontakte offenzulegen. Gerade weil sie auch Verbindungen nach West-Berlin hat, wird die Situation immer brisanter. Für sie wird endgültig klar, dass sie diesen Weg nicht weitergehen kann.

„Das Maß an Kompromissen, die ich eingegangen war, war aufgebraucht.“ Dieser Satz markiert den Moment, in dem sie erkennt, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Sie entscheidet sich zur Flucht.

1989 verlässt sie gemeinsam mit einem Freund die DDR. Der Weg führt sie über Ungarn und schließlich in Richtung Jugoslawien. Doch die Flucht ist alles andere als einfach.

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Stundenlang treiben sie durch einen Grenzfluss, mitten im Hochwasser. Die Kräfte schwinden, die Angst wächst. Es ist ein Kampf ums Überleben.

„Aber das hat er mir zwei Stunden lang erzählt. Irgendwann habe ich ihm das nicht mehr geglaubt, habe um Hilfe geschrien, aber da war keiner... Wir waren beide aktiv im Schwimmsport tätig – sonst wären wir wahrscheinlich beide ertrunken.“

Am Ende gelingt ihnen die Flucht über eine halb überflutete Brücke. Vier Monate später fällt die Mauer – doch für Daubner ist das Kapitel DDR bereits abgeschlossen. Zunächst kehrt sie nicht zurück. „Ich hatte eine Art Schwellenangst“, sagt sie später. Diese Distanz zeigt, wie tief der Bruch war, den sie erlebt hatte.

Als sie schließlich doch zurückgeht, ist nichts mehr wie früher. Neue Namen an den Klingelschildern, keine vertrauten Gesichter mehr. Ein Leben, das sie zurückgelassen hat, existiert nicht mehr.

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Im Westen beginnt sie noch einmal von vorn. Sie arbeitet beim Sender Freies Berlin und später beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg. Dort baut sie sich Schritt für Schritt eine neue Existenz auf.

In dieser Zeit trifft sie auch Jens Riewa wieder. Beide hatten ihre Ausbildung bei derselben Sprecherzieherin absolviert, deren Einfluss sie über Jahrzehnte begleiten sollte.

Diese Ausbildung war außergewöhnlich intensiv und legte die Grundlage für eine Karriere, die auf Präzision und Disziplin basiert. Viele Jahre später wird deutlich, wie sehr diese gemeinsame Schulung beide geprägt hat.

Jahre nach ihrer Flucht begegnen sie sich zufällig auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Riewa arbeitet bereits im Westen und erkennt sofort ihr Potenzial. Er holt sie zunächst zum ORB und später zur „Tagesschau“.

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1999 wird Susanne Daubner Teil des Sprecherteams der „Tagesschau“. Es ist der endgültige Durchbruch. Seitdem gehört sie zu den bekanntesten Stimmen Deutschlands.

Mehr als 11 Millionen Zuschauer verfolgen regelmäßig die Hauptausgabe um 20 Uhr. Ihre Stimme steht für Verlässlichkeit, ihre Präsenz für Stabilität in einer oft unruhigen Welt.

Neben der „Tagesschau“ ist sie auch in anderen Formaten zu sehen. Sie tritt in Unterhaltungssendungen auf, wirkt bei Kulturprojekten mit und engagiert sich im sozialen Bereich.

Dabei bleibt sie stets zurückhaltend und konzentriert sich auf ihre Arbeit. Sie nutzt ihre Bekanntheit nicht für Selbstdarstellung, sondern für Inhalte.

Susanne Daubner beim Bürgerfest des Bundespräsidenten am 12. September 2025 im Schloss Bellevue in Berlin. | Quelle: Getty Images

Susanne Daubner beim Bürgerfest des Bundespräsidenten am 12. September 2025 im Schloss Bellevue in Berlin. | Quelle: Getty Images

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Auch ihr Privatleben ist eng mit der deutschen Geschichte verknüpft. Ihre Tochter wird 1990 geboren, im Jahr der Wiedervereinigung.

„Mein Kind ist ein Einheitskind von einem Ossi und einem Wessi. 1990 geboren. Das war mein Beitrag zur deutschen Einheit.“ Dieser Satz verbindet persönliche Erfahrung mit historischer Bedeutung.

Abseits des Studios zeigt sich eine andere Seite von ihr. Als Kind wollte sie Balletttänzerin werden, interessiert sich bis heute für klassische Musik und denkt sich Choreografien aus.

Diese kreative Seite bildet einen spannenden Kontrast zu ihrer strukturierten Arbeit als Nachrichtensprecherin. Sie zeigt, dass hinter der sachlichen Fassade auch Fantasie und Leidenschaft stehen.

Die deutsche Moderatorin Susanne Daubner bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2018, Berlin | Quelle: Getty Images

Die deutsche Moderatorin Susanne Daubner bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2018, Berlin | Quelle: Getty Images

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Ihr Kollege Jens Riewa beschreibt sie mit großer Wertschätzung. Besonders ein Satz bleibt im Gedächtnis: „Niemand würde es wagen, dich Oma zu nennen. Und doch bist du genau das gerade sehr gerne. Du hast den Status erreicht, selbst entscheiden zu dürfen, wann es genug ist. Möge es noch dauern.“

Diese Worte spiegeln ihren Status wider. Sie ist eine Persönlichkeit, die Generationen verbindet und gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit bewahrt hat.

Mit 65 Jahren hat Susanne Daubner eine Position erreicht, die nur wenige erreichen. Sie kann selbst entscheiden, wann sie aufhört – oder ob sie überhaupt aufhören möchte. Und dennoch wirkt sie nicht wie jemand, der sich zurückziehen will. Im Gegenteil: Sie strahlt Ruhe, Stärke und Präsenz aus.

Ihr Leben ist geprägt von Brüchen und Neuanfängen. Von der DDR über die Flucht bis hin zur Karriere im Westen musste sie sich immer wieder neu orientieren. Diese Erfahrungen haben sie geformt und ihr eine besondere Tiefe verliehen. Eine Tiefe, die man in jeder ihrer Moderationen spüren kann.

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Daubner, Susanne, 2009 | Quelle: Getty Images

Daubner, Susanne, 2009 | Quelle: Getty Images

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Erfahrung und Authentizität, die sie so besonders macht. Sie wirkt nicht inszeniert, sondern echt. In einer Medienwelt, die sich ständig verändert, bleibt sie eine Konstante. Eine Stimme, die Orientierung gibt.

Susanne Daubner ist mehr als eine Nachrichtensprecherin. Sie ist eine Zeitzeugin, eine Grenzgängerin und eine Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist.

Und während sich vieles verändert hat, bleibt eines gleich: ihre Fähigkeit, Menschen zu erreichen – ruhig, klar und mit einer Stärke, die aus einem bewegten Leben gewachsen ist.

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