22. Juni 2018

Deutsche Arbeitnehmer gewannen einen Deal, von dem langfristig alle profitieren könnten

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Die Industriearbeiter in Südwestdeutschland haben das Recht auf Kurzarbeit im Rahmen einer Vereinbarung erhalten, die Millionen von Arbeitnehmern im ganzen Land zugute kommen könnte.

Darüber berichtete BBC.

Die Arbeitnehmer können ihre Wochenarbeitszeit von 35 auf 28 Stunden für bis zu zwei Jahre reduzieren, um sich um ihre Familien zu kümmern.

Die Vereinbarung gilt für fast eine Million Arbeitnehmer in Baden-Württemberg und führt auch zu einer Lohnerhöhung.

Quelle: Shutterstock.com

Sie könnte auf die 3,9 Millionen Beschäftigten in der deutschen Industrie ausgedehnt werden.

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Was wurde vereinbart?Eine reduzierte Wochenarbeitszeit für die Betreuung von Kindern, älteren oder kranken Angehörigen war eine wichtige Forderung der IG Metall, der größten Metallgewerkschaft des Landes.

Ihre Forderung, dass diese Arbeitnehmer auch bei einer Arbeitszeitverkürzung gleich bleiben sollten, wurde in den Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall abgelehnt.

Im Gegenzug haben die Unternehmen die Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit auf bis zu 40 Stunden zu erhöhen.

Auch die Mitarbeiter erhalten ab April eine Gehaltserhöhung von 4,3 %, nachdem sie eine Erhöhung von 6 % fordern. Der Pay-Deal erstreckt sich über 27 Monate und sieht auch zusätzliche Einmalzahlungen vor.

Quelle: Shutterstock.com

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IG Metall-Chef Jörg Hofmann sagte:

"Die Vereinbarung ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt."

Unterdessen nannte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf den Kompromiss "erträglich, aber schmerzhaft".

Ist das ein Wendepunkt für deutsche Arbeiter? 

Nach der Wiedervereinigung, während Deutschland wirtschaftlich kämpfte, wurde von den Arbeitnehmern in der Regel mehr Flexibilität gefordert als von den Unternehmen.

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Die Arbeitsmarktreformen von 2003 und die Finanzkrise von 2008 bedeuteten für viele Arbeitnehmer jahrelange Lohnzurückhaltung.

Doch in den letzten Jahren hat sich in Deutschland das Kräfteverhältnis von den Chefs zu den Mitarbeitern verschoben.

Seit der Finanzkrise steigen die Löhne in Deutschland langsam an - vor allem, weil die Rekordarbeitslosigkeit dazu führt, dass die Unternehmen in vielen Branchen Schwierigkeiten haben, Arbeitskräfte zu finden.

Quelle: Shutterstock.com

Eine Vereinbarung, die die Löhne erhöht, war also nicht überraschend. Ungewöhnlicher ist das seit Jahren in Deutschland diskutierte automatische Recht, weniger Stunden zu arbeiten, da man versucht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.

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Wenn dies bei den Arbeitnehmern gut ankommt, könnten wir sehen, dass es sich auf andere Sektoren ausbreitet.

Als größte deutsche Gewerkschaft hat die IG Metall in der Vergangenheit bundesweit Maßstäbe gesetzt. Die Frage ist: Wie viele Arbeitnehmer wollen eigentlich weniger arbeiten, wenn das auch weniger verdienen bedeutet?

Was ist der Kontext des Streits?Die deutsche Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um 2,2 % und damit so schnell wie seit sechs Jahren nicht mehr. Und die Arbeitslosigkeit erreichte im Januar einen neuen Tiefpunkt - nur 5,4% der Menschen sind arbeitslos.

Nach zehn Jahren, in denen die Löhne im Durchschnitt nur um 0,81% gestiegen sind, als die Wirtschaft wieder anzog, spürten die Gewerkschaften, dass sie an der Reihe waren, Forderungen an die Arbeitgeber zu stellen.

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Tausende von IG Metall-Mitgliedern haben in der vergangenen Woche einen Tag lang "Warnstreiks" durchgeführt, die ersten seit 34 Jahren. Betroffen waren unter anderem Porsche und Daimler, die Mercedes-Benz Automobile herstellen.

Beide Seiten sagten, sie würden die Annahme der Vereinbarung in ganz Deutschland empfehlen.

Das Abkommen könnte als Beispiel für andere Sektoren wie das Baugewerbe, die Telekommunikation und die chemische Industrie dienen, in denen die Arbeitnehmer ebenfalls flexiblere Arbeitszeiten gefordert haben.

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