
Mutter und Sohn tot in Solinger Wohnhaus – Polizei schließt ein Verbrechen bislang aus

Mitten in der belebten Ohligser Innenstadt, hinter zwei Wohnungstüren, spielte sich offenbar eine kaum vorstellbare Tragödie ab. Eine Mutter und ihr pflegebedürftiger Sohn wurden tot aufgefunden – und die vielleicht bedrückendste Frage kann die Polizei bislang nicht beantworten: Wie lange lagen die beiden dort schon?
Solingen – Es ist kurz vor 13 Uhr am Montag, als in der belebten Fußgängerzone von Solingen-Ohligs plötzlich Polizei und Feuerwehr auftauchen. Ein Notarztwagen steht vor einem unscheinbaren Wohnhaus an der Düsseldorfer Straße. Passanten bleiben stehen. Doch was die Einsatzkräfte in dem Gebäude finden, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand.
Ein überquellender Briefkasten, der Schlimmes ahnen ließ
Alarmiert hatten die Einsatzkräfte die Nachbarn. Sie hatten sich Sorgen um eine ältere Bewohnerin gemacht, die seit Wochen niemand mehr gesehen hatte. „Der Briefkasten quoll über und im Haus war Gestank zu bemerken", zitiert die Lokalpresse einen Sprecher der Polizei Wuppertal. Die Anwohner befürchteten das Schlimmste – und riefen die Polizei.
Die Beamten verschafften sich Zutritt zur Wohnung der Frau. Dort machten sie eine erschütternde Entdeckung: Sie fanden die Leiche einer 58-Jährigen. Doch der Einsatz nahm wenig später eine noch dramatischere Wendung.

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Zwei Tote im selben Haus
Denn es blieb nicht bei einer Toten. Im selben Wohnhaus, in einer eigenen Wohnung, entdeckten die Einsatzkräfte einen zweiten Leichnam: den ihres 37-jährigen, pflegebedürftigen Sohnes. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen handelt es sich um Mutter und Sohn, die beide in dem Gebäude lebten.
Beide Leichen waren nach Angaben der Polizei bereits so stark verwest, dass eine zweifelsfreie Identifizierung schwierig ist. Genau das führt zur zentralen, quälenden Frage dieses Falls.

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Die Frage, die niemand beantworten kann: Wie lange schon?
Wie lange die beiden Menschen bereits tot in ihren Wohnungen lagen, ist bislang unbekannt. Die Nachbarn hatten sie seit Wochen nicht mehr gesehen – doch einen genauen Zeitpunkt gibt es nicht. Es ist die Vorstellung, die diesen Fall so bedrückend macht: dass zwei Menschen mitten in einer belebten Innenstadt sterben konnten, ohne dass es über einen langen Zeitraum jemandem auffiel.

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Kein Anzeichen für Fremdverschulden – doch der Ablauf gibt Rätsel auf
So schwer die Umstände wiegen: Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gibt es nach Angaben der Polizei nicht. Ein Fremdverschulden zeichnet sich derzeit nicht ab.
Stattdessen gehen die Ermittler bislang von einer tragischen Verkettung aus: Der Verdacht ist, dass zunächst die Mutter in einer Art Notsituation verstarb – und in der Folge dann auch ihr pflegebedürftiger Sohn, weil sich niemand mehr um ihn kümmern konnte. Bestätigt ist diese Annahme allerdings noch nicht; sie ist ausdrücklich Teil der laufenden Ermittlungen.
Ein tragisches Unglück sei nicht auszuschließen, hieß es von der zuständigen Wuppertaler Polizei. Zur genauen Todesursache sollen nun Obduktionen Klarheit bringen. Am Fundort wurden am Montagnachmittag noch Spuren gesichert. Die Ermittlungen dauern an.

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Ein Fall, der über Solingen hinausweist
Der stille Tod zweier Menschen, die aufeinander angewiesen waren, wirft ein Schlaglicht auf ein größeres, oft übersehenes Problem: die Verletzlichkeit pflegebedürftiger Menschen, deren Versorgung an einer einzigen Person hängt. Fällt diese Person aus, kann eine solche Konstellation lebensgefährlich werden.
Was in dem Wohnhaus an der Düsseldorfer Straße tatsächlich geschah, werden erst die Obduktionsergebnisse zeigen. Bis dahin bleibt vor allem eine Erkenntnis: Zwei Menschen starben mitten unter uns – und niemand bemerkte es rechtzeitig.
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