
Mordprozess um Fabian: Der Verlauf – Tag 10 bis 16

Ein neuer Auftritt von Matthias R. sorgt rund um den Mordprozess in Rostock erneut für Diskussionen. Fabians Vater hat sich mit einem Statement auf TikTok zu Wort gemeldet — und darin erneut Partei für die Angeklagte Gina H. ergriffen.
Der Fall des achtjährigen Fabian aus Güstrow beschäftigt seit Monaten ganz Deutschland. Vor dem Landgericht Rostock läuft der Prozess gegen die 30-jährige Gina H., der vorgeworfen wird, den Jungen im Oktober 2025 getötet zu haben. Nun meldet sich ausgerechnet der Vater des Opfers erneut zu Wort — mit Sätzen, die viele überraschen dürften.
Ein langer Post nach monatelangem Schweigen
„Jetzt melde ich mich zu Wort, ich habe lange geschwiegen", beginnt Matthias R. seinen Beitrag, wie die Merkur berichtet. Er wolle „einige Dinge loswerden", darunter eine persönliche Botschaft an seinen verstorbenen Sohn: „Ich vermisse meinen geliebten Sohn Fabian jeden einzelnen Tag. Er fehlt mir unbeschreiblich. Auch wenn das nach außen vielleicht anders wirkt. Niemand weiß, wie es wirklich in mir aussieht." Auf TikTok wird er noch deutlicher und stellt sich klar hinter die Angeklagte:
„Ich kämpfe für meinen Sohn Fabian und werde immer hinter ihm stehen wie ein Löwe."
Und weiter:
„Wir alle wollen die Wahrheit wissen. Besonders ich möchte die Wahrheit wissen. (…) Ich kämpfe für meinen Sohn Fabian und werde immer hinter ihm stehen wie ein Löwe."
Wie RTL berichtet, ist das Statement echt und stammt tatsächlich von Fabians Vater. Darin kritisiert er zudem indirekt die Arbeit des Gerichts und verteidigt Gina H.: „Selbst Sachverständige und Gutachter können nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob bestimmte Spuren tatsächlich Gina zugeordnet werden können (…)."
Fabians Mutter widerspricht deutlich
Ganz anders sieht das offenbar Fabians Mutter, Dorina L. Sie äußert sich im Interview kritisch zum Auftritt ihres Ex-Partners:
„Kämpfen sehe ich kein Stück bei ihm. Ich sehe ihn nicht kämpfen. Ich sehe ihn weder bei Fabi, auch wenn er sagt, er ist jeden Sonntag da. Ich sehe davon einfach nichts. Ja, also auch so wie dieses Statement war. Das war absolut nicht seine Wortwahl. Gar nicht."
Und weiter wird sie noch deutlicher:
„Er hat Fabi einfach verraten mit seiner Aussage vor Gericht. Er hat mit uns sehr anders gesprochen, wo die Suche noch war. Deshalb glaube ich, dass er für die Angeklagte da sein will und nicht für Fabi."
Ein Video, das gerade in den sozialen Medien für hitzige Diskussionen sorgt, zeigt genau den Moment, über den jetzt alle sprechen — seht selbst:
Nutzer reagieren gespalten
Unter dem Video auf Facebook hagelt es Reaktionen. Eine Nutzerin schreibt fassungslos:

Nutzer-Kommentar | Quelle: Facebook/Carsten Kulawik
Eine andere kommentiert knapp:

Nutzer-Kommentar | Quelle: Facebook/Carsten Kulawik
Wieder andere zweifeln sogar an der Echtheit seiner Worte:

Nutzer-Kommentar | Quelle: Facebook/Carsten Kulawik
Ein Nutzer richtet seine Kritik direkt an Gina H. und fordern Matthias R. auf, stattdessen an der Seite von Fabians Mutter zu stehen:

Nutzer-Kommentar | Quelle: Facebook/Carsten Kulawik
„Mensch, was ist denn da los?": Tierärztin, die Ginas Pferde behandelte, enthüllt ihr merkwürdiges Verhalten am Todestag von Fabian – Tag 16
Am 16. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian ging es vor dem Landgericht Rostock um das persönliche Umfeld der Angeklagten Gina H. (30). Insgesamt acht Zeugen waren für diesen Tag geladen, unter ihnen auch eine Frau, die die Angeklagte seit über zehn Jahren kennt: ihre Tierärztin.
Während die Angeklagte bei vielen anderen Zeugen im Prozess kaum reagierte und teilnahmslos zu Boden schaute, hörte sie ausgerechnet bei der Aussage der Tierärztin aufmerksam zu.

Die Angeklagte erscheint zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian am Landgericht Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images
Die 37-Jährige betreut seit vielen Jahren die fünf Pferde von Gina H. Eine private Freundschaft habe es zwischen den beiden zwar nie gegeben, trotzdem habe sie über die Jahre viel aus dem Leben der Angeklagten mitbekommen – vieles davon sei ganz offen über Facebook und WhatsApp-Status für alle sichtbar gewesen.
Eine enge Bindung zu ihren Pferden
Wie die Tierärztin berichtete, kam die Angeklagte den finanziellen Verpflichtungen für ihre Tiere über Jahre hinweg zuverlässig nach. Rund 8.000 Euro habe sie für etwa 30 Rechnungen aufgebracht – der Großteil davon fristgerecht, trotz wiederholter Klagen über ihre knappe finanzielle Lage. Lediglich zwei Mal sei es zu einer Ratenzahlung sowie einer Zahlungserinnerung gekommen.
„Es gab nie Probleme damit."
Besonders schwer traf die Angeklagte offenbar der Tod ihres Pferdes „Tiffy". Das Tier sei bei einem Kutschenausflug plötzlich zusammengebrochen und gestorben. Ein Angebot zur Einäscherung habe Gina H. abgelehnt, stattdessen sei später ein Kreuz im Garten als Gedenkstätte aufgestellt worden.

Die Angeklagte und ihr Anwalt Thomas Löcker sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images
Zuvor waren widersprüchliche Berichte im Umlauf, wonach die Angeklagte versucht haben soll, eines ihrer verstorbenen Pferde selbst zu verbrennen. Die zuständige Behörde widersprach dem inzwischen: Das Tier sei nicht verbrannt, sondern vergraben und später fachgerecht entsorgt worden.
Auch die Trennung von Fabians Vater, Matthias R., ging der Angeklagten nahe. In dieser Zeit postete sie öffentlich, sie habe „keinen Grund mehr, für den es sich zu leben lohnt“.
Kein Vergleich zu Fabian
Vor Gericht fiel der Zeugin ein deutlicher Unterschied auf: Während Gina H. beim Tod von „Tiffy" völlig aufgelöst gewesen sei, habe sie ähnlich hysterisch reagiert, als sich im Sommer 2025 ein Fohlen verletzte. Beim Thema Fabian habe sie dagegen kaum Betroffenheit gezeigt.
Die Tierärztin habe deshalb zunächst sogar vermutet, der vermisste Junge könnte sich bei Gina H. im Keller befinden, um Matthias R. „eins auszuwischen".
„Ich fand es deshalb so verwunderlich, weil sie so wenig besorgt wirkte."

Die Angeklagte sitzt neben ihrem Anwalt Andreas Ohm im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images
Die lange Funkstille am Tattag
Besonders brisant wurde es vor Gericht, als es um den 10. Oktober ging – den Tag, an dem Fabian verschwand. Die Tierärztin hatte Gina H. an diesem Tag eine Sprachnachricht geschickt und nach dem Gesundheitszustand des Pferdes „Teddy" gefragt.
Normalerweise habe Gina H. "innerhalb von etwa acht Minuten" geantwortet. Diesmal dauerte es über eine Stunde – und als die Antwort schließlich kam, wirkte sie ungewöhnlich, mit einer auffälligen Pause mitten in der Sprachnachricht. Der Zeugin fiel das erst rückblickend richtig auf:
„Das passte im Nachhinein nicht zusammen."

Die Angeklagte sitzt zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (l.) und Thomas Löcker (r.) im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images
Sie erinnerte sich sogar noch an ihre eigene Reaktion von damals:
„Da habe ich sogar zu meinem Mann gesagt: Mensch, was ist denn da los?"
Ein Satz, der hängen blieb
Auch Wochen später blieb ein Detail hängen: Anfang November veröffentlichte Gina H. einen WhatsApp-Status, den die Tierärztin bis heute nicht vergessen hat:
„Manchen Menschen musst du ihre schlechte Seite zeigen, damit sie einfach mal realisieren, wie nett du die ganze Zeit zu ihnen warst."
Seit Gina H. in Untersuchungshaft sitzt, hat Matthias R. die Verantwortung für die fünf Pferde übernommen. Zweimal täglich – morgens und abends – fährt er dafür nach Reimershagen.
Profiler glaubt, Fabian könnte über ein Videospiel weggelockt worden sein – Tag 15
Während die Angeklagte im Gerichtssaal gefasst und beinahe gelöst wirkte, trug ein Sachverständiger Erkenntnisse vor, die den Saal in Stille versetzten. Seine Analyse zeichnet ein erschreckend klares Bild von der Tat.
Am 15. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock stand eine Aussage im Mittelpunkt, die für die Anklage von großer Bedeutung ist: der Auftritt eines Fallanalytikers des Landeskriminalamts.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Gina H. verfolgte den Prozesstag zunächst betont ruhig. Wie schon an den Tagen zuvor wirkte sie gefasst und ließ sich kaum etwas anmerken. Doch was der Sachverständige dann vortrug, ließ viele im Saal aufhorchen.
Insgesamt sieben Personen hatten an der sogenannten operativen Fallanalyse gearbeitet. Ihr Ergebnis fiel eindeutig aus.
Nach Einschätzung des Profilers handelte es sich um eine geplante Tötung. Mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit habe die Täterschaft aus einem persönlichen Motiv gehandelt – es spreche vieles für eine Beziehungstat.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Junge sei gezielt als Opfer ausgewählt worden. Die Täterschaft habe die besonderen Umstände des Kindes gekannt und ausgenutzt.
Ein zufälliges Sexualdelikt schloss der Sachverständige ebenso aus wie eine spontane Gewalttat. Auch andere Motive wie Bereicherung oder Verdeckung passten nicht ins Bild.
Besonders aufschlussreich: Dass der Körper nicht vollständig verbrannt war, deutete der Profiler als Hinweis darauf, dass sich Opfer und Täterschaft gekannt haben könnten.

Die Angeklagte wird in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock geführt zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 12. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Weiter führte der Sachverständige aus, die Tat sei in einem engen Zeitfenster von unter drei Stunden geschehen. Die Täterschaft dürfte den Tatort gekannt haben, aus der Region stammen, an diesem Tag Zeit gehabt und ein Fahrzeug geführt haben.
Ein eigenes Täterprofil wurde nicht erstellt – aus einem bestimmten Grund: Zum Zeitpunkt der Analyse saß bereits eine Person in Untersuchungshaft.
Für die Staatsanwaltschaft ist die Fallanalyse ein zentraler Baustein.
Staatsanwalt Oliver Schley fasste zusammen, dass Fabian als gezieltes Opfer ausgesucht worden sei und der Täter aus seinem Umfeld gestammt habe. Alle herausgearbeiteten Punkte träfen aus Sicht der Anklage auf die Angeklagte zu.
Auch die Tatsache, dass Gina H. direkt bei der Polizeistelle Güstrow angerufen habe, wertete Schley als Indiz – es zeige, dass sie sich zuvor über die Nummer informiert habe.
Die Verteidigung sieht das erwartungsgemäß völlig anders.
Anwalt Andreas Ohm betonte, die Fallanalyse arbeite nicht mit Zahlen, sondern mit Hypothesen. Eigentlich sei der Fall für eine solche Analyse nur bedingt geeignet gewesen, weil es bereits eine Beschuldigte gegeben habe. Das dürfe man nicht vergessen.
Am erschütterndsten waren jedoch jene Passagen, in denen der Sachverständige den mutmaßlichen Ablauf der Tat schilderte.
Der Profiler geht davon aus, dass Fabian kaum eine Chance hatte, sich zu wehren. Der Achtjährige sei ahnungslos gewesen, als er auf seinen Mörder traf.
„Der Junge war arglos", sagte der Sachverständige. Nach seiner Einschätzung habe das Kind keinen Verdacht geschöpft und sei völlig unvorbereitet gewesen.
Und weiter: „Der Junge ist zeitnah überwältigt und erstochen worden." Die Tat sei schnell und gezielt ausgeführt worden.
Diese nüchternen Worte machten im Gerichtssaal noch einmal das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich, die Deutschland seit Monaten bewegt.
Der Profiler zeigte sich zudem sicher, dass eine einzelne Person die Tat allein hätte bewältigen können – ein Mann ebenso wie eine Frau. Fälle, in denen eine Täterschaft einen Menschen tötet und anschließend verbrennt, seien allerdings äußerst selten.
Wie die Täterin oder der Täter überhaupt an Fabian herantrat, ließ der Profiler offen. Denkbar seien zwei Wege gewesen: ein Klingeln an der Tür – oder der Kontakt über Online-Spiele. Dazu passt, dass Fabian als ängstliches Kind galt, das wohl nur mit einer vertrauten Person mitgegangen wäre.
Bereits zuvor hatten Handydaten für Aufsehen gesorgt: Am Tattag war das Telefon der Angeklagten über gut eine Stunde ausgeschaltet. Kurz davor hatte sie ein Bild von einem Waldweg nahe dem späteren Fundort verschickt – und ihr Auto wurde in dieser Zeit rund 120 Meter von Fabians Wohnung von einer Überwachungskamera erfasst.
Zum Abschluss des Verhandlungstages wurden weitere Sprachnachrichten zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R. abgespielt. Darin ging es vor allem um Geldsorgen, Eifersucht und Streit um ihre Pferde.
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn Ende April beharrlich – könnte sich aber im August erstmals zu den Vorwürfen äußern.
Der Prozess wird fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten aussagen und weitere Puzzleteile zu diesem Fall beitragen.
Ginas Anruf bei der Polizei dauerte „nur zwei Minuten" – diesen eiskalten Satz sagte sie dem Beamten
Ein Telefonat von gerade einmal zwei Minuten – und doch ist es einer der zentralen Momente im Prozess um den getöteten Fabian. Was die Angeklagte dem Polizisten am Telefon sagte, lässt bis heute aufhorchen.
Am 15. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock rückte ein entscheidender Moment in den Mittelpunkt: jener Anruf, mit dem Gina H. am 14. Oktober 2025 den Fund von Fabians Leiche meldete.

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images
Aussagen machten gleich zwei Polizeibeamte, die die ersten Notrufe der Angeklagten entgegennahmen. Beide beschrieben sie dabei übereinstimmend als auffallend gefasst.
Zuvor hatte der Profiler des Landeskriminalamts seine Fallanalyse vorgestellt. Sein Fazit: Mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelte die Täterschaft aus einem persönlichen Motiv.

Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten 8-Jährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den zum Tatzeitpunkt achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus sonstigen niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Der Junge sei gezielt aus der Wohnung gelockt, innerhalb weniger Stunden getötet und anschließend angezündet worden. Hinweise auf ein Sexualdelikt oder eine spontane Gewalttat sah der Sachverständige nicht. Vieles spreche dafür, dass sich Opfer und Täterschaft kannten.
Doch im Zentrum des Tages stand der Anruf – und die Frage, wie kühl die Angeklagte dabei gewirkt haben soll.
Bevor jedoch das Telefonat im Detail nachgezeichnet wurde, lohnt ein Blick auf die Vorgeschichte. Denn so zufällig, wie Gina H. den Leichenfund am Telefon darstellte, hatte sich der Tag nach Überzeugung der Ermittler nicht abgespielt.

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten 8-Jährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
An jenem 14. Oktober rief Gina H. von einem kleinen Tümpel in Klein Upahl aus die Polizei – und zwar auf Drängen ihrer Bekannten Heike M., die mit ihr verabredet und vor Ort war.
Heike M. war dabei bereits die dritte Person, die die Angeklagte gezielt zur Leiche des Jungen geführt haben soll. Sie war es auch, die darauf bestand, endlich die Polizei zu verständigen.
Zuvor hatte Gina H. nach Angaben der Ermittler schon zwei Männer zu Fabians Leiche geführt – doch keiner von ihnen rief die Polizei.
Der erste war Christian D. Über den Moment des Leichenfunds sagte er vor Gericht, irgendwie müsse sie gewusst haben, wohin sie wollte.

Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images
Der zweite war ihr Nachbar Olaf K., der Stunden später mit ihr zum Tümpel ging. Er berichtete in seiner Aussage, die Angeklagte habe nach dem Leichenfund sogar gelacht.
Erst danach, am Morgen des 14. Oktober, kam es zu dem entscheidenden Anruf bei der Polizei. Und genau dieser steht nun im Fokus.
Der Polizeihauptkommissar, der den Anruf entgegennahm, gab vor Gericht ein Gedächtnisprotokoll wieder, da das Gespräch nicht aufgezeichnet wurde. Er sei zu diesem Zeitpunkt allein im Wachraum gewesen.

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock | Quelle: Getty Images
Der Beamte schildert den Anruf: Eine aufgeregte Frau habe gesagt:
„Ich glaube, ich habe ihn gefunden."
Auf die Nachfrage, wen sie denn gefunden habe, soll die Antwort von erschreckender Beiläufigkeit gewesen sein:
„Na den Fabi, oder das, was von ihm übrig ist."

Das Landgerichtsgebäude, fotografiert vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Fabian aus Güstrow, der zum Zeitpunkt der Tat acht Jahre alt war, am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Besonders ein Wort ließ den erfahrenen Beamten hellhörig werden. „Da legte sich bei mir der Schalter um", sagte der Polizeihauptkommissar mit Blick auf den Begriff „Leiche".
Die Angeklagte habe ihn zudem gedrängt:
„Kommen Sie schnell her, es ist schrecklich."
Sie habe erklärt, beim Spazierengehen im Wald unterwegs gewesen zu sein – ihre Hunde hätten sich losgerissen und die Leiche offenbar gewittert.

18. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Angeklagte, der eine elektronische Fußfessel trägt, wartet im Landgerichtssaal auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Bemerkenswert ist, wie die Beamten den emotionalen Zustand der Anruferin schilderten. Die Stimme habe zwar erregt und zittrig geklungen, doch von einem echten Schock war keine Rede.
„Aber hier beim Anruf war nicht dieser Schockzustand, sondern eher die Aufregung: Ich hab etwas gefunden", schilderte der Kommissar.
Auch ein zweiter Beamter, der kurz darauf mit Gina H. telefonierte, zeichnete ein ähnliches Bild. Er beschrieb sie als ruhig und sachlich.

16. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Richter Holger Schütt betritt den Gerichtssaal des Landgerichts zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
„Ich habe keine emotionalen Ausbrüche wahrgenommen, in der Hinsicht, dass sie weinte", sagte der Beamte. „Sie war gefasst. Das Gespräch war zielführend, es waren nur zwei Minuten."
Anschließend sei vereinbart worden, dass Gina H. am Ortseingang von Klein Upahl auf die Einsatzkräfte wartet, um sie zum Fundort zu führen.
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn beharrlich – könnte sich aber im August erstmals zu den Vorwürfen äußern. Der Prozess wird fortgesetzt.
12. Verhandlungstag im Fall Fabian: Ginas Verteidiger brachte einen blauen Müllsack mit vor Gericht – was steckte darin?
Am 12. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sorgte bereits der Beginn der Sitzung für Aufsehen: Der Verteidiger von Angeklagter Gina H. betrat den Gerichtssaal mit einem blauen Müllbeutel – und ließ zunächst offen, was sich darin befindet.
Mehr als eine Stunde vor Prozessbeginn hatte sich vor dem Landgericht Rostock eine lange Schlange gebildet – noch länger als am vergangenen Freitag, als der Zeuge Christian D. ausgesagt hatte. Über 60 Menschen warteten im Vorraum auf Einlass, berichtete der BILD-Reporter vor Ort.

Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images"
Faserspuren im Mittelpunkt des Prozesses
Bereits am 7. Verhandlungstag spielten Faserspuren eine zentrale Rolle. Ein Experte des Landeskriminalamts erklärte, dass unter Fabians rechtem Daumennagel eine Faser gefunden worden sei, die zu einem Pullover der Angeklagten passen könnte. Eine weitere Spur an seiner Kleidung könnte von einer Reithose von Gina H. stammen.
Zusätzlich wurde auf einer Küchenrolle in ihrem Fahrzeug Blut entdeckt – die DNA stimmte mit der von Fabian überein. Der Gutachter betonte jedoch, dass eine eindeutige Bewertung kaum möglich sei.
Auf dem Rücksitz ihres Ford Rangers wurden zudem Fasern eines Pullovers entdeckt, den Fabian erst bekommen hatte, nachdem jeglicher Kontakt zu Gina H. bereits abgebrochen war. Das Blut auf der Küchenrolle war zudem mit einer unbekannten Substanz verdünnt – das Alter der Spur konnte nicht bestimmt werden.
Zeuge Olaf K.: Nachbar führte Gina H. zum Tatort
Im Mittelpunkt des 12. Verhandlungstages stand die Befragung von Olaf K., dem Nachbarn der Angeklagten. Der Zeuge schilderte, wie Gina H. ihn am Abend des 13. Oktober kontaktiert und gebeten hatte, mit ihr zu einem Tümpel zu fahren – wo er schließlich die Leiche des Jungen vorfand.
Gina H. habe ihm den Weg diktiert. „Den Weg hätte ich nie im Leben alleine gefunden", erklärte der Zeuge. Auffällig: Noch bevor sie losfuhren, schaltete die Angeklagte ihr Handy aus. „Das hat sie bei mir schon ausgeschaltet, als wir los sind. Keine Ahnung warum", so Olaf K.
Am Fundort habe er eine Taschenlampe auf die Leiche gerichtet. Gina H. habe dann gesagt: „Das ist Fabian." Die Polizei riefen sie in jener Nacht nicht.
Fabians Mutter musste den Saal vorzeitig verlassen
Ein besonders bewegender Moment ereignete sich, als die Befragung sich dem Leichenfund näherte: Dorina L., die Mutter von Fabian, stand auf und verließ gemeinsam mit ihrem psychologischen Beistand den Gerichtssaal.
Bereits am 7. Verhandlungstag war sie dem Prozess ferngeblieben, als Fotos des verbrannten Leichnams gezeigt wurden. Der Richter hatte damals ausdrücklich gewarnt, dass die Aufnahmen nur schwer zu ertragen seien.
Was steckte im blauen Müllsack?
Gleich zu Beginn der Sitzung stellte Verteidiger Thomas Löcker einen Beweisantrag: Er forderte, Fasern von Kleidungsstücken der Angeklagten zu analysieren und mit jenen zu vergleichen, die unter Fabians Fingernagel sowie auf dem Rücksitz ihres Ford Rangers gefunden worden waren. Die Kleidungsstücke hatte er in dem blauen Müllsack mitgebracht.
Konkret legte Löcker eine hellgraue Jacke, zwei hellgraue Jogginghosen, eine blaue Jogginghose sowie eine blaue Pulloverjacke vor – allesamt Kleidungsstücke, die Gina H.s Sohn getragen haben soll.

Anwalt Thomas Löcker wartet im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Löcker argumentierte, dass zwischen den gefundenen Faserspuren und der Kleidung seines Sohnes lediglich eine allgemeine Übereinstimmung bestehe – keine eindeutige.
Sollte ein Gutachten zu demselben Ergebnis kommen, würden die Indizien gegen die Angeklagte nach seiner Einschätzung kaum noch Gewicht haben.

Eine blaue Tasche liegt auf einem Stuhl am Verteidigertisch im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Gina H. führte zwei Männer zu Fabians Leiche – warum rief keiner von ihnen die Polizei?
Nachbar Olaf K. stand am zwölften Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian im Mittelpunkt – der zweite Mann, den Gina H. zur Leiche des Jungen geführt haben soll. Seine Aussagen vor dem Landgericht Rostock hinterließen einen tiefen Eindruck.
Der Tümpel bei Klein Upahl, rund 15 Kilometer vom Zuhause Fabians in Güstrow entfernt, war bereits am 13. Oktober Schauplatz eines nächtlichen Besuchs – einen Tag bevor Gina H. den Fund der Polizei meldete.

Das Landgerichtsgebäude Rostock vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 4. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
„Nicht am Telefon": Gina H. führte Olaf K. zum Tümpel
Am Abend des 13. Oktober rief Gina H. den Zeugen an und sagte, sie müsse mit ihm sprechen – aber „nicht am Telefon". Rund 15 bis 20 Minuten später erschien sie bei ihm und berichtete, sie sei zuvor mit einem anderen Bekannten an einem Tümpel bei Klein Upahl gewesen und habe dort etwas entdeckt. Sie bat Olaf K., mit ihr dorthin zu fahren.
Er zog sich an, nahm eine Taschenlampe mit und fuhr mit ihr dorthin. Den Weg diktierte Gina H. dem Zeugen vollständig. „Auf einem Feldweg angehalten, quer über den Acker gelaufen zu dem Tümpel runter und dann hab ich den Jungen da halt liegen sehen", schilderte Olaf K. vor Gericht.

Die Angeklagte betritt den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
„Das ist zu 100 Prozent Fabian"
Gegen Mitternacht trafen Gina H. und Olaf K. an dem Tümpel ein, den die Angeklagte laut Zeuge als „Schweinesuhle" bezeichnete. Sie bat ihn, mit seiner Taschenlampe auf den Leichnam zu leuchten – direkt ins Gesicht. Olaf K. habe zwar erkannt, dass es sich um einen Menschen handelte, Fabian selbst habe er aber nicht identifizieren können. Gina H. hingegen sei sich sofort sicher gewesen:
„Das ist zu 100 Prozent Fabian", habe sie gesagt.

Thomas Löcker (l.), die Angeklagte und Andreas Ohm warten im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Beide waren laut Zeuge etwa eine Minute am Tümpel, bevor sie zurückfuhren. Zudem erwähnte Gina H. dort, dass der Leichnam gebrannt habe oder angezündet worden sei – eine Information, die Olaf K. nach eigenen Angaben selbst nicht hätte erkennen können. Die Polizei riefen sie in jener Nacht nicht. Olaf K. habe Gina H. gefragt, was sie der Polizei erzählen wolle. „Was willst du der Polizei denn erzählen? Das glaubt uns kein Schwein", habe er gesagt.
Gina H. lachte nach dem Leichenfund
Besonders erschütternd war eine Aussage des Zeugen zur Reaktion der Angeklagten nach dem Fund: Der Richter fragte Olaf K. direkt, ob Gina H. beim Tümpel geweint oder gelacht habe. „Gelacht", antwortete der Zeuge.
Auf der Rückfahrt habe Gina H. erklärt, sie könne nicht mehr weinen – das habe sich bei ihr dann oft in Lachen umgekehrt. Tränen habe er bei ihr aber auch in den Tagen zuvor zu keinem Zeitpunkt gesehen.
Gina H. schickte dem Zeugen freizügige Fotos
Der Richter wollte vom Zeugen wissen, ob Gina H. ihm Bilder geschickt habe. Olaf K. bestätigte: „Ja, freizügig. Teils oben ohne, nackt." Er habe die Bilder immer wieder bekommen, ohne danach gefragt zu haben. Rückblickend sei ihm klar, dass es dazu diente, ihn „bei Laune zu halten".
Fabian war Streitthema – und eine angebliche Affäre
„Fabian war auch ein Streitthema", schilderte Olaf K. In der Zeit, als er die Angeklagte kennengelernt habe, habe Fabian nichts mehr mit seinem Vater zu tun haben wollen. Wenn der Junge bei Gina H. war, sei Matthias R. nicht anwesend gewesen.
Eifersucht sei ein weiteres großes Thema gewesen, berichtete der Zeuge:
„Es soll wohl mal was vorgefallen sein und seitdem hat sie kein Vertrauen mehr gehabt, er soll irgendwann mal fremdgegangen sein. Das soll wohl mit der Mutter von Fabian gewesen sein, angeblich", berichtete der Zeuge – und betonte, das seien Informationen gewesen, die er von Gina H. selbst erhalten habe.
Gina H. sprach Aussage von Olaf K. ab
In einem abgehörten Telefonat gab Gina H. dem Zeugen Uhrzeiten und Orte vor, die er bei der Polizei nennen solle.
„An dem Abend, als wir an dem Tümpel waren, hat sie mir vorneweg die Geschichte erzählt, wie sie mit Christian an dem Tümpel war. Da habe ich schon Ungereimtheiten festgestellt, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Ich habe aber im Hinterkopf gehabt, dass sie sowas nicht macht, auch wenn irgendwas nicht stimmen konnte. Ich wollte es nicht wahrhaben. So eine Festnahme kommt aber nicht grundlos", erklärte Olaf K. vor Gericht.
Bereits am Tag nach dem Verschwinden von Fabian – der Junge wurde noch gesucht – sprachen Gina H. und Olaf K. laut abgehörten Telefonaten über ein Alibi. „Wichtig ist, dass wir zusammen waren, zwecks Alibi", sagte Gina H. in einem der Gespräche. Olaf K. stimmte zu.

Die Angeklagte mit elektronischer Fußfessel wartet im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 16. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
In den Tagen nach dem Fund der Leiche brachte Gina H. dem Zeugen mehrere Paar weiße Turnschuhe – offenbar, damit sie bei ihr nicht gefunden würden. „Ich sollte sie wohin tun, wo sie keiner sieht", erklärte Olaf K. Irgendwann sei ihm die Sache aber „zu heiß" geworden und er habe sie aufgefordert, „ihren [Schimpfwort]" wieder abzuholen.
„Immer wenn sie die Unwahrheit sagte, wurde sie laut"
Der Zeuge beschrieb das Verhalten der Angeklagten als manipulativ. „Es war Manipulieren ohne Ende", sagte Olaf K. vor Gericht. Wenn man mit ihr gestritten habe, habe sie danach ein „schönes Bildchen" geschickt – und dann sei wieder alles gut gewesen.

Die Angeklagte wird in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock geführt zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 12. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Auch eine klare Beobachtung teilte er mit dem Gericht:
„Immer, wenn sie die Unwahrheit gesagt hat, wurde sie laut."
Olaf K. unterstützte Gina H. finanziell
Auf die Frage des Richters, ob er Gina H. auch finanziell unterstützt habe, antwortete Olaf K.:.
„Ja. Das waren materielle Sachen, die ich gekauft hab, und ab und zu 10 bis 20 Euro, damit sie sich was zu essen kaufen kann. Sie hat sich mal ein Zelt gekauft für Stroh und solche Sachen, das waren dann 150 Euro. Sie hatte gesagt, dass Matthias kein Geld dagelassen hat und sie was zu essen kaufen will", erklärte Olaf K.
Auf die Frage, wie viel er ihr pro Monat gegeben habe, antwortete er: „Weiß ich nicht, 30 bis 40 Euro."

Symbolbild | Quelle: Getty Images
„Sie hat gelacht": Schlüsselzeuge enthüllt, wie sich Gina H. verhielt, als sie ihn zu Fabians Leiche führte - Tag 11
Auf der Fahrt zu dem Ort, an dem die Leiche des achtjährigen Fabian lag, soll die Angeklagte gescherzt und gelacht haben. Diese Schilderung eines zentralen Zeugen sorgte am elften Verhandlungstag für Aufsehen – und für einen hitzigen Schlagabtausch im Gerichtssaal.
Es war die mit Spannung erwartete Aussage eines der wichtigsten Zeugen im Mordprozess um Fabian aus Güstrow. Christian D., ein 37-jähriger Hobby-Jäger aus Reimershagen, war von der Angeklagten Gina H. zu einem Tümpel bei Klein Upahl geführt worden – noch bevor die Leiche des Jungen offiziell gefunden wurde.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Über fünf Stunden dauerte seine Vernehmung vor dem Landgericht Rostock. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Gina H. in den entscheidenden Momenten verhielt.
Staatsanwalt Oliver Schley fragte den Zeugen nach der Stimmung der Angeklagten, als sie am Abend gemeinsam zum Tümpel fuhren. Seine Antwort ließ aufhorchen.
„Sie hat gelacht, Späße gemacht auf der Hinfahrt", sagte D. Ihre Stimmung sei gut gewesen. Erst beim Aussteigen und beim Hinunterlaufen in Richtung Tümpel sei sie dann angespannt gewesen.
Der Zeuge hatte den Eindruck gewonnen, gezielt zu der Leiche geführt worden zu sein. Gina H. habe ihn benutzt, um seine Spuren am Tümpel zu hinterlassen, vermutete er. „Sie wusste genau, wohin sie wollte", so D. Im Nachhinein müsse er sagen, er sei „schön blöd" gewesen – und es sei falsch gewesen, nicht sofort zur Polizei zu gehen.
Was er an jenem Abend in der Dunkelheit sah, hielt er zunächst für etwas anderes. Erst nach mehreren Nachfragen räumte er ein, dass es sich auch um Fabians Arme oder Beine gehandelt haben könnte, die er mit dem Mittelfinger angetippt habe.
Im weiteren Verlauf übernahm die Verteidigung die Befragung – und der Ton wurde deutlich schärfer.
Verteidiger Thomas Löcker sprach den Zeugen auf eine frühere Aussage an, wonach Gina H. beim Auffinden der Leiche Tränen in den Augen gehabt und sich die Hand vor den Mund gehalten habe. An die Tränen konnte sich der Zeuge nicht erinnern. „Wie soll ich das denn sehen, wenn es stockdunkel ist?", fragte er kopfschüttelnd.
Dann brachte Löcker eine pikante Internetrecherche ins Spiel. Der Zeuge hatte offenbar gegoogelt, ob sich Fingerabdrücke an Brandopfern nachweisen lassen – und ob sich feststellen lässt, ob ein Opfer vor oder nach dem Verbrennen berührt wurde. Hatte er die Leiche also doch angefasst? Der Zeuge entgegnete, er wisse nicht, ob er die Leiche oder etwas anderes berührt habe.
Auch zur Auffindesituation hakte die Verteidigung nach. In der Dunkelheit hatte der Zeuge das, was er sah, zunächst als „zwei schwarze Rohre" gedeutet. Doch in einer früheren Vernehmung soll er etwas anderes gesagt haben.
„Ich hatte schon den Eindruck, dass es menschlich war", hieß es dort laut Verteidiger Andreas Ohm. Vor Gericht konnte sich der Zeuge nicht erinnern, das gesagt zu haben.
Je länger die Befragung dauerte, desto gereizter reagierte der Zeuge auf die Provokationen der Verteidigung. Schließlich kam es zum offenen Schlagabtausch.
Als sich D. an ein Telefonat von Gina H. in seinem Auto nicht erinnern konnte, warf ihm Löcker vor: „Sie eiern hier rum." Der Zeuge entgegnete: „Ich eiere gar nicht rum." Löcker legte nach:
„Sie sind schon verpflichtet, hier die Wahrheit zu sagen."
Im Publikum machte sich Empörung breit. Sichtlich genervt entgegnete der Zeuge: „Ich kann mich halt nicht erinnern!"
Das ließ Löcker schließlich gelten. Zuvor hatte der Zeuge sein eigenes Erinnerungsvermögen mit „70 bis 80 Prozent" angegeben – ein Punkt, den die Verteidigung in ihrem Schlusswort aufgriff.
Staatsanwalt Harald Nowack fasste die aus seiner Sicht wichtigsten Punkte zusammen: Die Angeklagte sei bereits vor dem offiziellen Fund am Tümpel gewesen, die Initiative zur Suche genau dort sei von ihr ausgegangen, und der Zeuge habe sich im Nachhinein ausgenutzt gefühlt.
Verteidiger Löcker hielt dagegen: Der Zeuge habe sein Erinnerungsvermögen selbst mit 70 Prozent angegeben. Die Frage sei, ob man heute die 70 oder die 30 Prozent gehört habe.
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt – dann soll ein weiterer Zeuge aussagen, der ebenfalls von der Angeklagten zum Tümpel geführt worden sein soll.
„Sie hat gesagt, sie will eine Entscheidung treffen": Enger Bekannter von Gina H. enthüllt ihr seltsames Verhalten am Tag vor Fabians Tod
Es war der mit Spannung erwartete Auftritt eines Schlüsselzeugen. Der Mann, der gemeinsam mit Gina H. als Erster an Fabians Leiche stand, schilderte vor Gericht Stunde um Stunde – und zeichnete dabei das Bild einer Frau, die in den Tagen vor der Tat eine folgenschwere Entscheidung ankündigte.
Der elfte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow zog so viele Menschen an wie kein anderer zuvor. Zum ersten Mal war der Besucherbereich des Landgerichts Rostock bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle 150 Plätze besetzt, auch im Pressebereich blieb kaum Raum. Rund 50 Menschen, die als Zuschauer in den Saal wollten, kamen nicht mehr hinein.
Der Grund: An diesem Tag sagte Christian D. aus, 36 Jahre alt, einer der wichtigsten Zeugen des gesamten Verfahrens. Er war als Erster gemeinsam mit der Angeklagten an Fabians Fundort. Von ihm wurde eine entscheidende Aussage erwartet.
Christian D. kannte Gina H. seit rund zehn Jahren aus dem Dorf – zunächst nur vom Sehen. Etwa ab Mitte September, gut vier Wochen vor dem Leichenfund, intensivierte sich der Kontakt. Es begann mit einem versehentlichen „Gefällt mir" unter einem Facebook-Bild, dann folgten Nachrichten über WhatsApp und Telefonate.
Den engeren Kontakt verschwieg der Jäger seinem Umfeld – sogar seiner Ehefrau. Er habe kein Gerede im Dorf gewollt und das Verhältnis als rein freundschaftlich verstanden, sagte er vor Gericht.
Gina H. habe ihm in dieser Zeit viel Privates anvertraut. Sie habe ihm erzählt, dass sie ohne Fabians Vater Matthias R. nicht leben könne. Es sei um Erkrankungen gegangen, um drei Vergewaltigungen, die sie erlebt haben wolle. Auf Nachrichten habe sie meist innerhalb von fünf Minuten geantwortet – außer am 10. Oktober, dem Tag, an dem Fabian verschwand.
Im Zentrum vieler Gespräche stand die schwierige Beziehung zu Matthias R. – und zunehmend auch Fabian selbst.
Über die Beziehung habe Gina H. erzählt, dass Matthias R. viel Alkohol trinke und sie schlage. Seine Familie habe sie nicht gemocht. Und auch mit Fabian habe sie Probleme gehabt.
„Ich zitiere mal ihre Worte: Er hat versucht, einen Keil zwischen die beiden zu treiben", berichtete der Zeuge. Seine eigene Reaktion darauf habe er Gina H. nicht verschwiegen: „Und da habe ich gesagt: Wenn es ein 8-Jähriger schafft, einen Keil zwischen zwei Leute zu treiben, dann läuft da irgendwas falsch."
Fabian habe laut Gina H. Dinge verdreht und gegenüber ihr und Matthias R. unterschiedlich erzählt. Dass sich der Vater nach der Trennung wieder intensiver um seinen Sohn kümmern wollte, kommentierte sie demnach schnippisch: „Jetzt macht er einen auf Super-Daddy." Gleichzeitig beschrieb sie Fabian an anderer Stelle als ihren „Ziehsohn" und behauptete, sie kämen gut miteinander aus.
Dann lenkte Richter Holger Schütt den Blick auf die entscheidenden Tage.
Bereits am 30. September habe es einen großen Streit zwischen Gina H. und Matthias R. gegeben – Themen seien Alkohol, Gewalt, gemeinsame Zeit und Geld gewesen. Trotzdem seien die beiden noch einmal „in der Kiste" gelandet.
Besonders aufschlussreich war für das Gericht der 9. Oktober – der Tag vor der Tat. Zwischen 13 und 14 Uhr trafen sich Gina H. und der Zeuge. Sie habe berichtet, sich mit Matthias R. „gekabbelt" zu haben.
„Sie ist in sich gekehrt gewesen, ruhig. Und sie hat gesagt, sie will eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht", sagte der Zeuge. An anderer Stelle beschrieb er denselben Eindruck noch ausführlicher: „Erst war sie ein bisschen in sich gekehrt, bisschen ruhig. Dann nachher war es so, dass sie etwas ändern wollte. Eine Entscheidung treffen, was sie macht. Ob es zwischen den beiden weitergeht oder nicht."
Gegen 15 Uhr schickte sie ihm zudem eine Sprachnachricht, in der sie sagte, sie müsse eine Entscheidung treffen – oder habe sie sogar schon getroffen. Dazu sagte der Zeuge: „Sie war down, niedergeschlagen, bisschen nervös, hibbelig".
Während dieser Schilderungen lauschte Gina H. mit gesenktem Blick und verschränkten Armen.
Am 10. Oktober, dem Tattag, meldete sie sich erneut. Gegen 12.45 Uhr rief sie beim Zeugen an. „Sie war sehr bedrückt und hat gefragt, ob wir losziehen und reden können", sagte er. Außerdem sei sie wütend gewesen, weil sie beim Autofahren eine Ausfahrt verpasst habe. Bei ihrem Treffen an einem See habe sie kurz mit Matthias R. telefoniert und sich erneut gestritten.
Auffällig: Am Vormittag hatte der Zeuge versucht, Gina H. zu erreichen – die Nachrichten gingen bei WhatsApp nicht durch. Sie sei, so erklärte sie später, mit ihrem Hund im Wald spazieren gewesen und habe keinen Empfang gehabt. Um 11.19 Uhr schickte sie ihm ein Foto aus dem Wald.
„Sie war down, niedergeschlagen, bisschen nervös, hibbelig", beschrieb der Zeuge seinen Eindruck von ihr an diesem Mittag. Am Abend hingegen habe sie ganz normal gewirkt – auf keinen Fall so, als sei etwas Schlimmes passiert.
Im weiteren Verlauf nahm Richter Schütt die Motivation des Zeugen ins Visier. Warum verbrachte er so viel Zeit mit Gina H., kümmerte sich um ihre Probleme? „Wollten Sie mit Frau H. Zweisamkeit haben?", fragte der Richter direkt. Der Zeuge verneinte vehement: Es sei nur freundschaftlich gewesen. Im Publikum gab es leise Lacher, jemand flüsterte: „So ein Quatsch."
Dann kam der Abend, der alles veränderte.
Am 13. Oktober hatte Gina H. vorgeschlagen, mit einer Wärmebildkamera bei Klein Upahl nach Fabian zu suchen – angeblich, weil sie dort früher mit ihm Schlitten gefahren sei. Gegen 21.30 Uhr holte der Zeuge sie ab, es war stockdunkel und nieselte.
Mit der Wärmebildkamera leuchteten sie einen Acker ab, entdeckten Schafe, Füchse und Rehe. Der Zeuge wollte weiterfahren. Doch Gina H. drängte, einen Hang hinunter zu einem bestimmten Tümpel zu gehen. Zielstrebig, ohne Pause, leuchtete sie mit ihrer Handy-Taschenlampe den steilen, rutschigen Weg.
„Im Nachhinein würde ich sagen: Sie wusste genau, wo sie hingeht", sagte der Zeuge. Auf dem Acker habe es mehrere Tümpel gegeben. In andere habe er leuchten wollen – doch dort habe Gina H. nicht hinuntergehen wollen.
An der Böschung blieb sie stehen, etwa fünf Meter entfernt. Der Zeuge ging ans Ufer. Dann rief sie: „Hier ist was, da ist er." Er sah etwas Schwarzes, hielt es zunächst für ein Rohr. Erst später erfuhr er, dass es Fabians verbrannte Leiche war. „Das ist Fabian, das ist er", habe Gina H. gesagt.
Der Zeuge wollte nur noch weg. „Ich wollte da auch nicht mit reingezogen werden", sagte er. Gina H. habe die Polizei rufen wollen. Doch er habe entgegnet: „Und was wollen wir denen erzählen, dass wir mitten in der Nacht Fabian gefunden haben?" Im Auto herrschte anschließend Totenstille.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Fund von Fabians Leiche sei ein „Schockmoment" für ihn gewesen, erklärte der Zeuge, selbst Vater von Kindern in ähnlichem Alter. Heute wisse er, dass es falsch war, sich zu entfernen und die Polizei nicht zu rufen. „Ich habe gegrübelt, was man jetzt macht, was da eigentlich passiert ist", sagte er. Unternommen habe er in jener Nacht nichts – er habe sie auf einem Hochsitz in seinem Revier verbracht.
Nach dem 15. Oktober brach er den Kontakt ab. Er habe sich benutzt gefühlt und gemerkt, dass Gina H. bei der Suche einen Plan verfolgte. „Ich möchte meine Familie schützen. Lass mich in Ruhe", habe er ihr gesagt.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn Ende April. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Der Prozess wird fortgesetzt.
„Wer ist Addi?": Gericht enthüllt den schockierenden Spitznamen, den Gina H. für Fabians Vater benutzte
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian sorgt ein einziger Spitzname für erschrockene Blicke im Gerichtssaal. Was als beiläufige Frage des Richters beginnt, offenbart eine verstörende Seite der Angeklagten.
Es war der elfte Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock – und der Andrang war so groß wie nie. Zum ersten Mal war der Besucherbereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle 150 Plätze besetzt, auch im Pressebereich blieb kaum Raum. Rund 50 Menschen mussten draußen bleiben.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Der Grund für das große Interesse: An diesem Tag sagte einer der wichtigsten Zeugen aus. Christian D., 36 Jahre alt, war als Erster gemeinsam mit der Angeklagten Gina H. an Fabians Fundort. Zudem hatte der Jäger rund um den Tattag viel Kontakt zu ihr.
Doch bevor es um den dramatischen Fund der Leiche ging, lenkte der Richter den Blick auf die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R.
Christian D. und die Angeklagte kannten sich aus dem Dorf seit rund zehn Jahren. Etwa einen Monat vor der Tat intensivierte sich der Kontakt – über Facebook, später per WhatsApp und Handy. Gina H. habe ihm dabei viel Privates anvertraut.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (von links nach rechts), der Verteidiger, und die Angeklagte warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sie habe ihm von ihrer Beziehung erzählt, von Streit und Handgreiflichkeiten. Auch dunkle Details kamen zur Sprache. Doch ein Detail ließ den ganzen Saal aufhorchen.
Der Richter fragte den Zeugen, worüber er und Gina H. sich denn ausgetauscht hätten. Über Pferde, über Gina H.s Sohn – und über „Addi", antwortete Christian D.
Ein Name, der zunächst harmlos klingt. Doch dann hakte der Richter nach.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Oliver Schley (von links nach rechts), Staatsanwalt, und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
„Wer ist Addi?", wollte Richter Holger Schütt wissen. Die Antwort des Zeugen sorgte für hörbares Raunen und erschrockene Blicke im Publikum:
„Na, Mathias R. Gina hat ihn immer so genannt, weil er am selben Tag Geburtstag hat wie der 'Führer'."
Den Spitznamen vergab sie Fabians Vater, wie der Zeuge glaubt, weil er am selben Tag Geburtstag habe „wie der Führer im Zweiten Weltkrieg”. Gina H. grinst bei dieser Aussage.
Doch die Schilderungen des Zeugen gingen noch weiter – und wurden zunehmend bedrückender.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin, und die Mutter des ermordeten Achtjährigen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. berichtete von dem, was Gina H. ihm über ihre Beziehung erzählt hatte. Es sei um Alkoholkonsum, Gewalt und Streitigkeiten gegangen. Eine Geschichte habe sich ihm besonders eingeprägt.
„Eine Sache ist mir besonders im Kopf geblieben: Sie hat erzählt, dass sie schwanger war und Mathias R. sie die Treppe runtergeschubst hat. Dadurch hat sie das Kind verloren", sagte der Zeuge vor Gericht.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper, Sachverständiger, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Trotz dieser belastenden Schilderungen über Fabians Vater hatte Christian D. einen ganz anderen Eindruck von Gina H.s Gefühlen. Zum damaligen Zeitpunkt seien die beiden bereits getrennt gewesen – und dennoch sagte der Zeuge:
„Ich hatte aber den Eindruck, sie will ihn zurück".
Genau dieser Punkt ist im Verfahren von zentraler Bedeutung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. die Beziehung zu Matthias R. um jeden Preis retten wollte – und in Fabian ein Hindernis sah.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Peter Keiper (von links nach rechts), Sachverständiger; Oliver Schley, Staatsanwalt; und Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Auch über das Verhältnis zu dem Jungen sprach der Zeuge. Gina H. habe ihm erzählt, dass Fabian versuche, „einen Keil" zwischen sie und Matthias R. zu treiben. Dass Fabians Vater sich nach der Trennung wieder mehr um seinen Sohn kümmern wollte, habe sie schnippisch kommentiert:
„Jetzt macht er einen auf Super-Daddy."
Während der Zeuge aussagte, schaute Gina H. überwiegend nach unten, schüttelte manchmal den Kopf und stützte ihr Gesicht in die Hand.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Christian D. gilt als einer der Hauptbelastungszeugen. Er ist einer von mehreren Männern, die die Angeklagte zu Fabians Fundort führte, bevor sie die Polizei alarmierte. Im Nachhinein, so sagte er vor Gericht, habe er sich benutzt gefühlt – er sei bewusst von der Angeklagten zu dem Tümpel geführt worden.

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Holger Schütt, Richter, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Sie schweigt seit Prozessbeginn Ende April. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Der Prozess wird fortgesetzt – und schon der elfte Verhandlungstag zeigte, dass weiterhin mit erschütternden Details zu rechnen ist.
Zehnter Prozesstag im Fall Fabian: Neue Details zum Abend vor der Tragödie
Was tat Gina H. in den Stunden, bevor Fabian verschwand? Am zehnten Verhandlungstag werteten die Ermittler ihr Handy aus – und förderten Suchanfragen und Nachrichten zutage, die einen Schatten auf den Abend zuvor werfen.
Über 33.000 Ereignisse hatten die Ermittler auf dem Smartphone von Gina H. in nur viereinhalb Tagen protokolliert – darunter rund 1.100 Sprachnachrichten, vor allem an Fabians Vater Matthias R. Ein Kriminalbeamter wertete diese gewaltige Datenmenge aus und präsentierte sie am zehnten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v.l.n.r.), Andreas Ohm, Anwalt, und Thomas Löcker, Anwalt, warten im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Mittelpunkt: der 9. Oktober 2025 – der Abend, bevor Fabian verschwand.
An diesem Tag war Fabian morgens in der Schule, am Vormittag zu Hause. Gina H. traf sich mit einem Freund am Krebssee. Am Nachmittag war Fabian bei einem Freund und im Jugendclub. Soweit ein normaler Tag.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Doch dann verschickte Gina H. am Abend eine Nachricht an einen Freund, die das Gericht aufhorchen ließe:
„Sie muss einen Weg finden für die komplette Zukunft."
Kurz darauf folgten Suchanfragen, die im Kontext des nächsten Tages eine düstere Bedeutung bekommen. Gina H. googelte am Abend des 9. Oktober nach „Testament aufsetzen", „Testament schreiben ohne Notar" und „Testament verfassen".
Am selben Abend schrieb Fabians Vater ihr eine Nachricht, die im Rückblick schwer zu ertragen ist:
„Es gibt auch Dinge wie Fabian, die mir bisschen Hoffnung und Kraft schenken."
Am nächsten Tag, dem 10. Oktober, verschwand Fabian. Laut Anklage wurde er an diesem Tag getötet.
Die Handyauswertung zeichnet auch die Tage danach detailliert nach. Am Morgen nach Fabians Tod googelte Gina H., ob Wildschweine tote Menschen fressen – zuvor hatte sie nach „Polizei" und „Polizei news" gesucht. Mit einem Freund schrieb sie immer wieder über Spuren und Ermittlungen.
In einer Nachricht schrieb sie: „Ich wünschte, ich hätte es nie gefunden." Bemerkenswert: Sie nannte Fabian dabei nicht beim Namen, obwohl sie ihn am Fundort selbst identifiziert hatte. In anderen Nachrichten sprach sie beim Fund der Leiche immer wieder von einem Zufall.
Der Ermittler beschrieb das Kommunikationsverhalten der Angeklagten als auffällig empathielos. Es sei in den Nachrichten fast ausschließlich um ihre eigenen Sorgen und Probleme gegangen – um Finanzen, um Eifersucht, um Fabians Mutter. Mitgefühl für das getötete Kind habe er kaum gefunden.
Als besonders empathielos hob der Beamte eine Sprachnachricht vom 2. November an Fabians Vater hervor:
„Du bist derjenige, der traurig ist. Du bist derjenige, der sein Kind verloren hat. Du bist derjenige, der arme, arme Matthias. Wie es mir geht mit der ganzen Situation, interessiert weder dich, noch sonst wen!"
Auch andere Details kamen zur Sprache: Gina H. hatte nach Fabians Tod eine Trauerrede von der KI ChatGPT verfassen lassen und an Fabians Vater geschickt – mit dem Hinweis, dass eines ihrer großen Talente das Schreiben sei.
Gina H. und Fabians Vater waren bis August 2025 rund vier Jahre lang ein Paar. Er trennte sich einen Tag vor Fabians Verschwinden von ihr. Acht Wochen später waren beide wieder zusammen. Der Vater glaubt an ihre Unschuld.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Sprachnachricht von Gina H. an Fabians Vater sorgt für Gelächter im Gerichtssaal – Was wurde gesagt?
Am zehnten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow ging plötzlich ein Lachen durch den Saal. Auslöser war eine Sprachnachricht, die einen tiefen Einblick in die Beziehung der Angeklagten gewährte.
Der Tag stand im Zeichen der Handyauswertung. Ein Kriminalbeamter präsentierte vor dem Landgericht Rostock Tausende Nachrichten von Gina H. – Sprachnachrichten, Chats, Suchanfragen.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Über 33.000 Ereignisse hatten die Ermittler allein in viereinhalb Tagen auf ihrem Smartphone protokolliert, darunter rund 1.100 Sprachnachrichten, vor allem an Fabians Vater Matthias R.
Doch es waren ältere Aufnahmen aus dem Jahr 2024, die am Ende des Verhandlungstages für einen unerwarteten Moment sorgten.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v.l.n.r.), Andreas Ohm, Anwalt, und Thomas Löcker, Anwalt, warten im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Vorgespielt wurde eine Sprachnachricht von Gina H. an Matthias R.: „Bist du heute durch die Gegend gefahren und warst nicht den ganzen Tag auf Arbeit?" Seine Antwort fiel harmlos aus:
„Ich war einmal kurz beim Aldi und hab mir was zu trinken geholt, sonst, nicht dass ich wüsste."

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Dann kam Gina H.s Reaktion, die den Saal zum Lachen brachte:
„Und warum erzählst du mir das nicht?"
Im Zuschauerraum sorgte dieser letzte Satz für Lachen und Gemurmel. Die Angeklagte selbst wirkte unzufrieden und sprach mit ihrem Anwalt. Zuschauer fragten sich, was das für eine Beziehung gewesen sein muss – eine, in der selbst ein kurzer Einkauf beim Discounter zum Streitpunkt wurde.
Doch der Verhandlungstag hatte auch ernste, bedrückende Momente.
Der Beamte berichtete über die Auswertung des Handys von Matthias R. Demnach habe dieser am 21. August 2025 von einem Suizidversuch von Gina H. berichtet. Es ist ein Detail, das die angespannte Dynamik der Beziehung verdeutlicht, die sich durch die gesamte Kommunikation zieht.
Die Auswertung der Daten förderte auch andere persönliche Recherchen zutage. So habe Gina H. zu einem früheren Zeitpunkt nach Möglichkeiten gesucht, im Internet zusätzliches Geld zu verdienen.
Einem Mann schrieb sie demnach, dass sie freizügige Fotos, die dieser von ihr gemacht habe, im Internet verkaufen wolle. Zu einer konkreten Umsetzung kam es laut Ermittler jedoch nie – eine entsprechende Anmeldung wurde nicht festgestellt.
Insgesamt zeichnete der Beamte das Bild einer Beziehung, die von wiederkehrenden Streitthemen geprägt war: Finanzen, Eifersucht, Fabians Mutter und der Wunsch nach mehr Zweisamkeit.
Die Erkenntnis der Ermittler: In den Nachrichten ging es fast ausschließlich um die Sorgen und Probleme von Gina H. selbst.
Gina H. und Fabians Vater waren bis August 2025 rund vier Jahre lang ein Paar. Er trennte sich einen Tag vor Fabians Verschwinden von ihr. Acht Wochen später waren beide wieder zusammen.
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
AmoMama.de unterstützt und fördert keine Formen von Gewalt, Selbstbeschädigung oder anderes gewalttätiges Verhalten. Wir machen unsere LeserInnen darauf aufmerksam, damit sich potentielle Opfer professionelle Beratung suchen und damit niemand zu Schaden kommt. AmoMama.de setzt sich gegen Gewalt, Selbstbeschädigung und gewalttätiges Verhalten ein, AmoMama.de plädiert deshalb für eine gesunde Diskussion über einzelne Fälle von Gewalt, Missbrauch, oder sexuelles Fehlverhalten, Tiermissbrauch usw. zum Wohl der Opfer. Wir ermutigen in diesem Sinne alle LeserInnen, jegliche kriminelle Vorfälle, die wider diesen Kodex stehen, zu melden.