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Die bosnische Nationalmannschaft feiert den Sieg im Spiel gegen Katar bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 | Quelle: Getty Images| Quelle: Getty Images
Die bosnische Nationalmannschaft feiert den Sieg im Spiel gegen Katar bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 | Quelle: Getty Images| Quelle: Getty Images

Bosnien schreibt WM-Geschichte – und Deutschland feiert heimlich mit

Edita Mesic
25. Juni 2026
12:23

Ein kleines Land vom Balkan steht plötzlich unter den besten Mannschaften der Welt. Was kaum jemand weiß: Hinter diesem Märchen steckt ganz viel Deutschland – und eine Geschichte, die mitten ins Herz trifft.

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Es war kurz nach Mitternacht, als in Sarajevo, aber auch in Frankfurt, Stuttgart und Wien die Korken knallten.

Tausende Menschen lagen sich in den Armen, Autokorsos zogen durch deutsche Innenstädte, blau-gelbe Fahnen wehten aus den Fenstern. Bosnien und Herzegowina hatte geschafft, wovon ein ganzes Volk seit Jahren träumt.

Kerim Alajbegovic (#19) aus Bosnien und Herzegowina feiert sein Tor in der ersten Halbzeit des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gegen Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington | Quelle: Getty Images

Kerim Alajbegovic (#19) aus Bosnien und Herzegowina feiert sein Tor in der ersten Halbzeit des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gegen Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington | Quelle: Getty Images

In der Nacht zum Mittwoch besiegte Bosnien im letzten Gruppenspiel Katar mit 3:1.

Den Auftakt machte der erst 18-jährige Kerim Alajbegović mit einem Traumtor (29.), kurz darauf fälschte Katars Sultan Al-Brake eine Hereingabe von Edin Džeko unglücklich ins eigene Tor ab (34.). Hassan Al-Haydos verkürzte zwar noch vor der Pause (42.), doch Joker Ermin Mahmić sorgte in der 81. Minute für die Entscheidung.

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Ermin Mahmic #26 (C) aus Bosnien und Herzegowina jubelt nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft im Spiel der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Bosnien und Herzegowina und Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington. | Quelle: Getty Images

Ermin Mahmic #26 (C) aus Bosnien und Herzegowina jubelt nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft im Spiel der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Bosnien und Herzegowina und Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington. | Quelle: Getty Images

Mit vier Punkten und einem Torverhältnis von minus eins zitterten sich die "Zmajevi" (die "Drachen") als einer der besten Gruppendritten ins Sechzehntelfinale.

Für viele große Fußballnationen wäre das Erreichen der K.-o.-Runde eine Selbstverständlichkeit. Für Bosnien ist es ein historischer Moment: Bei erst der zweiten WM-Teilnahme der Landesgeschichte (nach 2014) hat es eine Mannschaft erstmals überhaupt über die Vorrunde hinaus geschafft – und kämpft nun weiter um den großen Traum.

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Edin Dzeko (#11) aus Bosnien und Herzegowina feiert sein Tor gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen in der ersten Halbzeit des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gegen Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington. | Quelle: Getty Images

Edin Dzeko (#11) aus Bosnien und Herzegowina feiert sein Tor gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen in der ersten Halbzeit des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gegen Katar im Seattle Stadium am 24. Juni 2026 in Seattle, Washington. | Quelle: Getty Images

Doch was hat Deutschland damit zu tun?

Eigentlich eine ganze Menge.

Denn wer genau hinschaut, entdeckt im bosnischen Aufgebot überraschend viel Bundesliga. Gleich acht Spieler des Kaders wurden in Deutschland geboren oder stehen bzw. standen bei deutschen Klubs unter Vertrag. Der deutsche Fußball, von den Nachwuchsleistungszentren bis zu den großen Stadien, hat viele dieser Jungs erst zu Profis gemacht.

Die Flaggen von Bosnien und Herzegowina, Deutschland und der Europäischen Union | Quelle: Getty Images

Die Flaggen von Bosnien und Herzegowina, Deutschland und der Europäischen Union | Quelle: Getty Images

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Kerim Alajbegović

Der jüngste der Truppe ist ein echtes Kind Deutschlands: Alajbegović wurde in Köln geboren und ist gerade einmal 18 Jahre alt. Gegen Katar schoss er mit einem sehenswerten Distanzschuss das wichtige 1:0. Aktuell spielt das Offensivjuwel für RB Salzburg – und wechselt schon bald in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen.

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Ermedin Demirović

Geboren in Hamburg, ausgebildet beim HSV – Demirović ist durch und durch ein Produkt des deutschen Fußballs. Heute ist der Stürmer einer der zuverlässigsten Torjäger des VfB Stuttgart und kam in dieser Bundesliga-Saison auf 13 Treffer. Gegen Katar zwang er Al-Brake zum Eigentor.

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Dženis Burnić

Burnić kam im westfälischen Hamm zur Welt und durchlief die Jugend von Borussia Dortmund. Er lief sogar viermal für die deutsche U21 auf, ehe er sich bewusst für das Land seiner Familie entschied. Zuletzt stand der Mittelfeldspieler beim Karlsruher SC unter Vertrag.

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Nikola Vasilj

Beim FC St. Pauli wurde Vasilj groß: Fünf Jahre lang hütete er am Millerntor das Tor und wurde dort zur unangefochtenen Nummer eins der Nationalmannschaft. Nach dem Abstieg der Hamburger verließ der Torwart den Klub im Sommer 2026 – seine Geschichte aber bleibt eine deutsche.

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Nikola Katić

Der robuste Abwehrchef ist in Deutschland bestens bekannt: Katić verteidigt für den FC Schalke 04 – Seite an Seite mit keinem Geringeren als Kapitän Edin Džeko. Auf Schalke gehört der Innenverteidiger zu den Führungsspielern.

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Haris Tabaković

Tabaković zählt zu den besten Stürmern der Bundesliga: In dieser Saison traf er für Borussia Mönchengladbach 13-mal. Seine Eltern flüchteten während des Krieges aus Bosnien – und als er sein Debüt für die Nationalmannschaft seiner Wurzeln gab, rührte das seinen Vater zu Tränen.

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Sead Kolašinac

Geboren in Karlsruhe, groß geworden beim FC Schalke 04 – Kolašinac ist der erfahrene Anführer der bosnischen Abwehr. Sein einstiger Trainer Arsène Wenger nannte ihn einmal einen der stärksten Spieler, die er je trainiert habe. Heute läuft der Routinier für Atalanta Bergamo auf.

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Edin Džeko

Und dann ist da noch er: die lebende Legende. Mit 40 Jahren ist Edin Džeko Kapitän, Rekordtorschütze und das Gesicht des bosnischen Fußballs – gegen Katar bestritt er sein 150. Länderspiel. In Deutschland feierte er einst als Meister mit dem VfL Wolfsburg große Triumphe; heute ist er der gefeierte Aufstiegsheld des FC Schalke 04.

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Der Trainer, den Deutschland nie vergessen hat

Wer das bosnische Wunder verstehen will, muss über einen Mann sprechen: Sergej Barbarez.

Für eine ganze Generation von Bosniern ist sein Name untrennbar mit Deutschland verbunden – und mit einer der dunkelsten Phasen ihrer Heimat.

1991 besuchte der junge Barbarez seinen Onkel in Hannover. Just in jenen Tagen begannen in der Heimat die Unruhen, die ein Jahr später im Bosnienkrieg gipfelten. Sein Vater verbot ihm die Rückkehr – und rettete ihm damit womöglich das Leben.

Sergej Barbarez, Cheftrainer von Bosnien und Herzegowina, blickt vor dem Spiel der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Bosnien und Herzegowina und Katar am 24. Juni 2026 im Seattle Stadium in Seattle, Washington, auf das Spielfeld. | Quelle: Getty Images

Sergej Barbarez, Cheftrainer von Bosnien und Herzegowina, blickt vor dem Spiel der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Bosnien und Herzegowina und Katar am 24. Juni 2026 im Seattle Stadium in Seattle, Washington, auf das Spielfeld. | Quelle: Getty Images

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Während seine Heimat zwischen 1992 und 1995 blutete, baute Barbarez in der Ferne eine große Karriere auf. Über Hannover, Union Berlin, Hansa Rostock und Borussia Dortmund führte sein Weg zum Hamburger SV, wo er von 2000 bis 2006 zum Publikumsliebling wurde.

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330 Bundesliga-Spiele, 95 Tore, 2001 sogar Torschützenkönig: Barbarez war mehr als ein Fußballer. Er war für viele geflüchtete Bosnier ein Strahlemann, ein Vorbild, ein Botschafter eines Landes mit ungewisser Zukunft. Bei einer Pressekonferenz äußerte Barbarez:

"Ich freue mich auf die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben!"

Heute steht er als Nationaltrainer an der Seitenlinie – sein allererster Trainerjob. Und er hat aus einem am Boden liegenden Fußball-Land wieder eine stolze Mannschaft geformt. In Bosnien ist er längst ein Volksheld.

Sergej Barbarez, Cheftrainer von Bosnien und Herzegowina, reagiert während des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen der Schweiz und Bosnien und Herzegowina im Los Angeles Stadium am 18. Juni 2026 in Los Angeles, USA | Quelle: Getty Images

Sergej Barbarez, Cheftrainer von Bosnien und Herzegowina, reagiert während des Spiels der Gruppe B der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen der Schweiz und Bosnien und Herzegowina im Los Angeles Stadium am 18. Juni 2026 in Los Angeles, USA | Quelle: Getty Images

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Auch gegenüber der FIFA fand der Trainer zutiefst emotionale Worte:

"Es ist eine große Ehre und zugleich eine enorme Verantwortung, mein Heimatland als Nationaltrainer zu vertreten. Am meisten stolz bin ich auf die Atmosphäre und den Zusammenhalt, den wir im Team geschaffen haben."

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Die Fans, die jetzt endlich feiern dürfen

Hinter der Mannschaft steht eine Anhängerschaft, die ihresgleichen sucht: die BH Fanaticos.

Ihre eigentliche Stärke liegt in der bosnischen Diaspora. Die größten Gruppen außerhalb des Landes finden sich ausgerechnet in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden – die Ableger in Skandinavien sowie in Österreich und Slowenien gehören seit Jahren zu den aktivsten überhaupt.

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Und eines muss man den Bosniern lassen: Feiern können sie wie kaum ein anderes Volk.

Nach Jahren des Wartens, des Hoffens und der Enttäuschungen lassen sie es jetzt endlich so richtig krachen – auf den Rängen in den USA genauso wie auf den Straßen von Berlin, Wien und Zürich.

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Der Fan-Song, der die großen WM-Hymnen vergessen lässt

Vergesst die pompösen WM-Hymnen vergangener Turniere – Bosniens Anhänger haben ihren ganz eigenen Soundtrack.

Aus nahezu jedem Lokal, jedem Autoradio und Millionen Handys dröhnt derzeit ein Lied der bosnischen Band Dubioza Kolektiv. Auf YouTube hat es längst zweistellige Millionen-Aufrufe gesammelt und ist über TikTok und Instagram zur inoffiziellen WM-Hymne 2026 geworden.

Bekannt ist der Song heute unter dem Titel "I am from Bosnia, take me to America" – erschienen ist er aber bereits 2011 unter dem Namen "U.S.A.".

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Dabei geht es im Lied gar nicht um Fußball. Es erzählt von den Träumen bosnischer Auswanderer, die während des Krieges ihre Heimat verlassen mussten und ihr Glück in Amerika suchten. Am Ende erkennen die Protagonisten jedoch: Der große amerikanische Traum ist oft nur Schall und Rauch – und nichts auf der Welt ersetzt die Heimat.

Zur Hymne wurde der Song, als bosnische Fans im Playoff gegen Wales ein riesiges Banner mit dem Liedtitel entrollten – als Anspielung auf eine mögliche Reise zur WM in die USA.

Die schöne Pointe: Während die echten Migranten im Lied nur davon träumten, nach Amerika zu kommen, haben es die "Drachen" heute tatsächlich geschafft – sie stehen mitten in den USA auf der größten Bühne des Weltfußballs.

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Wie es jetzt weitergeht

Wie weit die Reise noch führt, ist offen.

Im Sechzehntelfinale trifft Bosnien aller Voraussicht nach auf Co-Gastgeber USA – endgültig fixiert ist der Gegner aber erst, wenn alle Gruppen ausgespielt sind. Leicht wird es nicht, doch dieses Team hat in den vergangenen Monaten eindrucksvoll bewiesen, dass es mit niemandem zu rechnen vergisst.

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Ein Herz, zwei Seelen

Am Ende ist dieses bosnische Märchen vor allem die Geschichte junger Männer mit zwei Seelen in der Brust.

Viele von ihnen wurden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz geboren und groß. Sie hätten sich auch für ihre Geburtsländer entscheiden können – und entschieden sich doch für Bosnien.

Denn egal, wie weit das Leben sie weggetragen hat: Irgendwann zieht es jeden zurück zu seinen Wurzeln. Weil kein Ort der Welt sich anfühlt wie die Heimat.

Bist du auch mit den "Zmajevi" durch dieses Turnier gefiebert? Erzähl uns in den Kommentaren, wo du den Sieg gefeiert hast – und teile diesen Beitrag mit allen, deren Herz für Bosnien schlägt! 🇧🇦

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