
Susen Tiedtke: Ehemalige Weitspringerin, „Miss Olympia“ und Mutter, die um ihren Sohn Max trauert
Über viele Jahre war Susen Tiedtke für die Öffentlichkeit vor allem eines: eine Ausnahmeerscheinung des deutschen Sports. Sie gehörte zu den bekanntesten Gesichtern der Leichtathletik, wurde als „Miss Olympia“ und als besonders attraktive Athletin wahrgenommen und stand damit nicht nur wegen ihrer Leistungen, sondern auch wegen ihrer Ausstrahlung im Mittelpunkt.
Doch hinter diesem Bild einer erfolgreichen und bewunderten Sportlerin liegt eine Lebensgeschichte, die von Brüchen, Neuanfängen und zuletzt von einem besonders schweren Schicksalsschlag geprägt ist.

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Eine Ausnahmekarriere
Geboren wurde Tiedtke am 23. Januar 1969 in Ost-Berlin. Ihre ersten sportlichen Erfolge feierte sie nicht in der Leichtathletik, sondern im Turnen. Schon als Jugendliche machte sie dort auf sich aufmerksam, wurde 1982 Landesmeisterin am Schwebebalken und gehörte 1984 zum ostdeutschen Olympia-Kader. Dass daraus kein olympischer Auftritt wurde, lag nicht an ihr selbst, sondern am Boykott der Spiele durch die Ostblock-Staaten.
Später wechselte sie die Disziplin. Weil sie für den Turnsport körperlich zu groß geworden war, führte ihr Weg zunächst zum Stabhochsprung und schließlich zum Weitsprung. Dort etablierte sie sich in den neunziger Jahren auf internationalem Niveau.
Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona wurde sie Achte, 2000 in Sydney Fünfte. Hinzu kamen laut den vorliegenden Quellen eine Silber- und eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften. In Deutschland blieb sie dennoch meist im Schatten von Heike Drechsler, der prägenden Ausnahmeathletin ihrer Zeit. Zwei deutsche Meistertitel gewann Tiedtke 1993 und 1997.
Parallel dazu entwickelte sich ihr öffentliches Image weit über den Sport hinaus. Bei der Leichtathletik-WM 1991 in Tokio wurde sie in einer Abstimmung zur schönsten Athletin der Wettkämpfe gewählt.
Jahre später rückte sie noch einmal in einem ganz anderen Kontext in den Fokus, als sie als Covermodel des deutschen Playboy Aufmerksamkeit bekam. Tiedtke war damit eine jener Sportlerinnen, bei denen sportliche Leistung und öffentliche Wahrnehmung eng miteinander verknüpft waren.
Doch ihre Laufbahn verlief nicht ohne Tiefpunkte. 1995 wurde sie für zwei Jahre gesperrt, nachdem in einem Dopingtest Spuren von Oral-Turinabol gefunden worden waren. Tiedtke bestritt, die Substanz wissentlich eingenommen zu haben, und vermutete ein mögliches Komplott.
Nach Ablauf der Sperre kehrte sie in den Leistungssport zurück und erreichte wieder ihr früheres Niveau. 2002 beendete sie ihre Karriere, ein späterer Comeback-Versuch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2004 blieb erfolglos.
Auch nach dem Spitzensport fand sie einen neuen Weg. Die gelernte Physiotherapeutin ließ sich zur Heilpraktikerin ausbilden und führt inzwischen eine eigene Praxis in Berlin.
2019 erklärte sie in einem Interview mit dem Stern, dass sie und ihr Vater während ihrer Karriere Behandlungsmethoden aus verschiedenen Ländern kennengelernt hätten und daraus ihr späteres berufliches Interesse entstanden sei. Öffentlich präsent blieb sie dennoch, unter anderem über Instagram und 2015 als Teilnehmerin bei „Promi Shopping Queen“.
Ein schwerer Verlust
Heute steht jedoch nicht mehr ihre Karriere im Mittelpunkt, sondern ein Verlust, der alles überlagert. Vor ziemlich genau einem Jahr starb ihr Sohn Max im Alter von nur 17 Jahren völlig überraschend.
Wie Tiedtke im Interview mit RTL schilderte, meldete sich am 4. März 2025 ein Freund des Jungen und fragte, warum Max nicht ans Telefon gehe. Als sie nach ihm sah, fand sie ihn in seinem Bett. „Und dann bin ich zu ihm ran und dann war er schon steif und blau [...] Das reißt plötzlich das gesamte Leben aus einem heraus. Das ist ja das eigene Fleisch und Blut und dann ist er tot“, sagte Tiedtke rückblickend.
Später wurde festgestellt, dass Max an einer unentdeckten Entzündung am Herzen litt. Für seine Mutter war dieser Tod kaum zu fassen. Nach ihren Schilderungen war sie über Wochen wie gelähmt, konnte ihren Alltag kaum bewältigen und stellte sogar den Sinn des eigenen Lebens infrage:
„Warum soll ich noch leben, wenn mein Sohn tot ist? [...] Ich lag praktisch über einen Monat nur irgendwie so halb im Koma auf dem Sofa und wusste nicht, wo vorne und hinten ist.“
In dieser Phase wurde deutlich, wie radikal sich ein Leben verändern kann, das nach außen lange von Disziplin, Erfolg und öffentlicher Bewunderung geprägt war. Sie verriet:
„Er hatte überhaupt keine Symptome. Trotzdem denke ich mir, ich hätte es erkennen müssen [...] Ich spüre, dass es Max gut geht. Trotzdem vermisse ich ihn unendlich.“
Tiedtke spricht inzwischen offen über ihre Trauer. Hoffnung gibt ihr der Gedanke, dass ihr Sohn nicht vollständig verschwunden sei. Sie sucht weiterhin die Verbindung zu ihm und versucht zugleich, Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden. Dabei geht es auch um etwas sehr Praktisches: um Arbeit, Alltag und die Notwendigkeit, wieder handlungsfähig zu werden. „Man muss jetzt wieder seinen neuen Weg finden“, sagt sie.
Gerade in dieser Haltung liegt vielleicht die stärkste Botschaft ihrer Geschichte. Susen Tiedtke ist nicht nur die frühere Spitzensportlerin, nicht nur die einstige „Miss Olympia“. Sie ist auch eine Mutter, die einen kaum vorstellbaren Verlust ertragen muss und dennoch versucht, nach vorn zu blicken.
Ihr Leben erzählt damit heute weniger von Glanz und Titeln als von der schwierigen Kunst, nach einem schweren Schicksalsschlag nicht aufzugeben.
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