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Die Angeklagte im Mordfall Fabian | Quelle: Getty Images
Die Angeklagte im Mordfall Fabian | Quelle: Getty Images

Neunter Verhandlungstag im Mordfall Fabian: Einzelheiten zum Tod des Jungen bekannt gegeben

Edita Mesic
04. Juni 2026
14:58

Rostock – Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian sind am neunten Verhandlungstag weitere Erkenntnisse zur Tat und zu den Ermittlungen bekannt geworden. Im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Landgericht Rostock standen am Donnerstag die Aussagen von Sachverständigen sowie die öffentliche Präsentation des rechtsmedizinischen Gutachtens.

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Zu Beginn des Prozesstages hatte die Mutter des getöteten Jungen beantragt, die Öffentlichkeit während der Verlesung des Obduktionsberichts auszuschließen. Ihre Anwältin begründete dies mit dem Schutz der Menschenwürde und dem postmortalen Persönlichkeitsrecht des Kindes. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch nach kurzer Beratung ab.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (r.) verdeckt ihr Gesicht mit einem Hefter und sitzt neben dem Rechtsanwalt Thomas Löcker im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten sich zuvor gegen einen Ausschluss ausgesprochen. Oberstaatsanwalt Oliver Schlex erklärte im Gerichtssaal: „Das gilt nicht, wenn öffentliches Interesse überwiegt“. Die Inhalte des Gutachtens seien für die Aufklärung des Falls von wesentlicher Bedeutung.

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Richter Holger Schütt erklärte anschließend, dass die Öffentlichkeit trotz der emotionalen Belastung Zugang zu den Ausführungen behalten müsse. Gleichzeitig warnte er Zuschauer und Medienvertreter ausdrücklich vor den Bildern und Inhalten, die während der Sitzung gezeigt würden. Die Stimmung im Gerichtssaal galt während des gesamten Prozesstages als angespannt und emotional.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Christine Habetha, die Anwältin der Mutter des ermordeten Achtjährigen, wartet im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Eröffnung der Verhandlung im Rahmen der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

Während der Präsentation verließ ein Journalist plötzlich den Gerichtssaal. Beobachtern zufolge litt er offenbar unter Kreislaufproblemen. Gerichtsbeamte unterstützten ihn und führten ihn aus dem Saal. Die Verhandlung wurde anschließend fortgesetzt.

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Der Gerichtsmediziner erläuterte danach seine Erkenntnisse zur Tat. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die hohe Gewaltintensität Rückschlüsse auf den möglichen Täter zulasse. Verteidiger Thomas Löcker hatte gefragt, ob eine solche Tat eher einem Mann zuzutrauen sei.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

Der Sachverständige widersprach dieser Annahme deutlich. „Mit dem gewissen Wollen kann das nahezu jeder aufbringen, der nicht hochgradig gelähmt ist“, sagte er. Es gebe keine objektiven Grenzen, die eine Frau als Täterin ausschließen würden.

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Zur Verdeutlichung schilderte der Gerichtsmediziner ein Beispiel aus einem früheren Versuch, bei dem selbst mit einem stumpfen Gegenstand erst durch erhöhten Kraftaufwand ein Erfolg erzielt worden sei. Damit wollte der Gutachter erklären, dass körperliche Kraft allein keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Geschlecht einer tatverdächtigen Person zulasse.

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

4. Dezember 2025, Mecklenburg-Vorpommern, Klein Upahl: In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der achtjährige Fabian aus Güstrow gefunden wurde, durchsuchen Polizeibeamte das Gebüsch am Straßenrand | Quelle: Getty Images

Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Aufgrund der hohen Intensität der Gewalttat ging der Gerichtsmediziner jedoch davon aus, dass Fabian die Verletzungen im Liegen erlitten habe. Zudem erklärte der Sachverständige, dass die Verletzungen von der Vorderseite des Körpers zugefügt worden seien.

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Auch ein Brandsachverständiger sagte vor Gericht aus. Demnach habe sich das Feuer am Tatort bereits in einer fortgeschrittenen Phase befunden, als ein entsprechendes Foto aufgenommen wurde. Eine exakte zeitliche Einordnung sei jedoch nicht möglich.

Außerdem erklärte der Gutachter, dass ein konkretes Zündmittel nicht mehr festgestellt werden konnte. Auch mögliche Rückstände eines Brandbeschleunigers seien nur eingeschränkt nachweisbar gewesen. Nach Angaben des Sachverständigen könnten entsprechende Stoffe nach mehreren Tagen nur noch schwer festgestellt werden, insbesondere wenn nur geringe Mengen verwendet worden seien.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker (l.), die Verteidiger des Angeklagten, warten im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Im Gerichtssaal wurde zudem darüber gesprochen, dass Ermittler zunächst auch andere Szenarien geprüft hatten. Diese Möglichkeiten seien jedoch im Laufe der Untersuchungen verworfen worden. Die Aussagen der Sachverständigen stützten nach Ansicht der Ermittler den bisherigen Stand der Anklage.

Fabian war laut Anklage am 10. Oktober 2025 nahe eines Tümpels bei Klein Upahl getötet und anschließend angezündet worden. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Das Landgerichtsgebäude vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt und in der Region große Betroffenheit ausgelöst. Viele Menschen verfolgen den Prozess seit Wochen mit großem Interesse. Vor dem Gerichtsgebäude versammeln sich regelmäßig Zuschauer und Medienvertreter, um die Entwicklungen im Verfahren zu verfolgen.

Der Prozess wird fortgesetzt. In den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere Sachverständige und Ermittler aussagen.

Wie bereits berichtet:

Am achten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückten Schuhabdrücke und das Verhalten der Angeklagten am Fundort in den Mittelpunkt. Was ein Polizist vor Gericht schilderte, ließ aufhorchen.

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Bereich für Zeugenaussagen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

4. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Der Bereich für Zeugenaussagen im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

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Der achte Prozesstag

Am Dienstag, 2. Juni 2026, fand vor dem Landgericht Rostock der achte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian statt. Über 150 Fotos vom Fundort der Leiche unweit von Klein Upahl wurden gezeigt – darunter auch detaillierte Aufnahmen des nahezu vollständig verbrannten Leichnams.

Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauer im Gerichtssaal vorab vor den belastenden Bildern. Wer dies nicht ertragen könne, solle den Saal besser verlassen.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Hinzu kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion, durch die Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Als der Leichnam Fabians auf den Fotos zu sehen war, vergrub die Angeklagte zeitweise ihr Gesicht in ihren Händen.

„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor"

Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussage des Polizisten, der am 14. Oktober 2025 als erster Beamter am Fundort der Leiche war. Gina H. hatte an diesem Tag die Polizei informiert, dass sie den Leichnam des Achtjährigen zufällig bei einem Spaziergang mit einer Freundin entdeckt habe.

Der Beamte schilderte vor Gericht, dass Gina H. und ihre Begleitung aufgeregt gewesen seien.

„Beide wirkten nicht tief betroffen", ergänzte er. Das habe ihn gewundert.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

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Doch ein Detail ließ den Polizisten nicht los: Gina H. habe vor Ort mehrfach ungefragt darauf hingewiesen, dass möglicherweise Spuren von ihr am Tümpel zu finden seien – weil sie dort das Kind gefunden habe.

„Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja. Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt", zitiert Bild.de den Beamten aus dem Gerichtssaal laut merkur.de.

Ein weiteres Detail: die Begleitung mit Krücken

Ein zweites Detail beschäftigte die Ermittler ebenfalls. Gina H. hatte angegeben, gemeinsam mit ihrer Begleitung einen Hundespaziergang gemacht zu haben. Der Polizist berichtete dem Gericht jedoch, dass die zweite Frau „nicht gut zu Fuß" gewesen sei.

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Schuhabdrücke nahe der Leiche

Am Nachmittag wurde Gutachter Hans-Joachim L., Experte für Schuhabdrücke, aufgerufen. Die Spurensicherung hatte rund um den Tümpel Abdrücke festgestellt, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Besonders auffällig: rosa-weiße Sportschuhe der Marke „Pammys" – deren mutmaßliche Abdrücke sich nahe des Leichnams fanden.

Allerdings waren die Abdrücke zu undeutlich für eine eindeutige Zuordnung.

„Das ist ein Allerweltsschuh und lässt keine Rückschlüsse auf die Angeklagte zu", so ein Pflichtverteidiger.

Insgesamt untersuchte Gutachter L. fünf Schuhpaare. Zwei Paare der Größe 43 wiesen keine individuellen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung erlaubt hätten.

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Anders verhielt es sich bei einem schwarzen Paar Gummistiefel mit Profil – deren abgelaufene Sohlen passten laut Gutachter genau zu den Abdrücken. Diese fanden sich jedoch nur im Feld rund um den Tümpel, nicht in der Nähe des Leichnams.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

Fabian kam lebend am Tümpel an

Auch mehrere Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten, wurden am Tümpel gefunden. Da die Schuhe des Jungen fast vollständig verbrannt waren, hatten die Ermittler neue Exemplare bestellt und mit den Abdrücken im Ufersaum verglichen.

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Die Staatsanwaltschaft schloss daraus, dass Fabian noch am Tümpel herumgelaufen ist – und keineswegs bereits tot von einem anderen Tatort dorthin gebracht wurde.

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

Symbolfoto | Quelle: Getty Images

Dass die Angeklagte am Tümpel war, stellte auch die Verteidigung nicht in Abrede. Einen konkreten Zeitpunkt ließen die Spuren aber nicht erkennen.

Prozess wird verlängert – bricht Gina H. ihr Schweigen?

Der Prozesstag endete mit einer unerwarteten Ankündigung: Die Verteidigung schloss nicht aus, dass Gina H. noch in diesem Monat ihr Schweigen brechen könnte – allerdings erst, nachdem sie weitere Zeugenaussagen abgewartet hat.

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Richter Holger Schütt hatte bereits zuvor angekündigt, dass mindestens zehn weitere Verhandlungstermine nötig seien – nun sollen zusätzliche Termine bis Anfang September festgelegt werden.

Am Donnerstag soll der Gerichtsmediziner den Obduktionsbericht vorstellen. Die Anwältin von Fabians Mutter beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Verweis auf die postmortalen Persönlichkeitsrechte des Jungen. Das Gericht wird erst zu Beginn des neunten Prozesstages darüber entscheiden.

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Ein Justizbeamter begleitet den Angeklagten in den Sitzungssaal des Landgerichts Rostock, 2. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Wie wir bereits zum achten Verhandlungstag berichteten: Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian brachte Bilder, die kaum jemand ertragen konnte – und eine Angeklagte, die sich wegdrehte, aber auf eine Art, die auffiel.

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