
„Drin lag nicht meine Mutter“: Trauernde Tochter in Bonn findet Fremde im Sarg ihrer Mutter
Es sollte ein leiser, würdevoller Abschied werden. Ein letzter Moment der Nähe am offenen Sarg, bevor die Erde sich schließt. Doch für Alena Krings wird dieser Augenblick zum Albtraum: In dem Sarg liegt nicht ihre Mutter Roswitha Krings – sondern eine völlig fremde Frau. Der Schock ereignet sich kurz vor der Beerdigung in Bonn und erschüttert eine Familie, die ohnehin schon trauert.
Am 20. November verstirbt Roswitha Krings unerwartet in ihrer Wohnung in Rheinbach. Für ihre Tochter beginnt der Tag mit wachsender Sorge.

In the south of North Rhine-Westphalia, not far from Bonn in the Voreifel lies the little town of Rheinbach. | Source: Getty Images Im Süden von Nordrhein-Westfalen, unweit von Bonn in der Voreifel, liegt die Kleinstadt Rheinbach. | Quelle: Getty Images
„Ich habe an diesem Morgen versucht, meine Mutter zu erreichen. Als sie nach Dutzenden Anrufen nicht ans Telefon ging und ich selbst nicht zu ihr fahren konnte, rief ich den Rettungsdienst an“, erzählt Alena Krings. „Der Notarzt konnte vor Ort leider nur noch den Tod meiner Mutter feststellen. Da zunächst nicht festgestellt werden konnte, ob es sich um einen natürlichen Tod handelte, wurde die Polizei hinzugezogen.“
Weil die Todesursache zunächst unklar ist, leiten die Beamten Ermittlungen ein. Die Verstorbene wird durch den Vertragsbestatter der Bonner Polizei abtransportiert. Nachdem die Rechtsmedizin kein Fremdverschulden feststellt, wird der Leichnam am 25. November freigegeben. Die Tochter beauftragt daraufhin einen eigenen Bestatter, der die Mutter vom Vertragsbestatter der Polizei übernehmen und für die Trauerfeier vorbereiten soll.

Facebook-Kommentar | Quelle: facebook.com/bild
Was dann folgt, ist für Alena Krings kaum zu ertragen. Sie möchte sich vor der Beisetzung noch einmal von ihrer Mutter verabschieden – ein verständlicher Wunsch. „Vor der Beisetzung wollte ich unbedingt meine Mutter sehen und begab mich deswegen in den Verabschiedungsraum“, schildert sie.
„Als ich in den Sarg hineinschaute, ergriff mich der Schock. Drin lag nicht meine Mutter. Die Tote, die dort lag, war deutlich älter und hatte andere Haare als meine Mama. Man glaubte mir nicht und sagte mir, dass ich unter Schock stehe.“
Erst ein Abgleich schafft Gewissheit. Um den Vorwurf zu prüfen, werden Aufnahmen aus der Wohnung der Verstorbenen mit der im Bestattungshaus liegenden Toten verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Es handelt sich nicht um Roswitha Krings. Die Tochter hatte recht. Der Fehler liegt nicht bei ihr – sondern im Ablauf.

Nahaufnahme von brennenden Kerzen auf einem Tisch | Quelle: Getty Images
Kurz darauf wird bekannt, wie es zu der Verwechslung kommen konnte. Beim Vertragsbestatter der Polizei sollen die Leichensäcke mit falschen Namen beschriftet worden sein. Dadurch wurden zwei Tote vertauscht. Noch am selben Tag erfolgt der Austausch der Leichen zwischen den beteiligten Bestattern. Ein Video, das den Medien vorliegt, dokumentiert die Übergabe; darauf ist zu hören, wie ein Mitarbeiter einen Fehler einräumt.
Für Alena Krings ist der Schaden jedoch längst angerichtet. „Man kann sich nicht vorstellen, wie es mir an diesem und den folgenden Tagen ging“, sagt sie. „Ich musste nicht nur den Tod meiner Mutter verkraften, sondern auch die Tatsache, dass wir fast eine fremde Frau beerdigt haben.“ Inzwischen ist Roswitha Krings auf einem Friedhof in Rheinbach beigesetzt worden – endlich als die Person, die sie war.

Perspektivische Ansicht der Nischenstraße eines großen Friedhofs | Quelle: Getty Images
Auf mehrfache Anfragen bestreitet der Bestatter Günter Erkens, in den Fall involviert zu sein. Unabhängig davon wirft der Vorfall Fragen nach Kontrollmechanismen, Verantwortlichkeiten und Sorgfaltspflichten auf – besonders in Momenten, in denen Angehörige auf einen respektvollen und fehlerfreien Ablauf angewiesen sind.
Was bleibt, ist der bittere Nachhall eines doppelten Traumas: der Verlust eines geliebten Menschen und der Schock, im entscheidenden Moment eine Fremde vorzufinden. Für Alena Krings ist es ein Erlebnis, das sie ihr Leben lang begleiten wird – und ein Mahnmal dafür, wie verletzlich Trauernde sind, wenn Abläufe versagen.
