Valérie Bacot: Die Frau, die ihren Ehemann tötete, aber die Solidarität der Menschen hat

Eine Französin wurde angeblich jahrzehntelang von ihrem Stiefvater missbraucht, der sie später auch heiratete und mit ihr vier Kinder bekam. Nun wird die 40-Jährige nach seiner Ermordung im Jahr 2016 angeklagt. Trotz der Strafanzeige erhält die Frau volle Unterstützung von der Öffentlichkeit.

Valérie Bacot war gerade 12 Jahre alt, als sie zum ersten Mal von dem Partner ihrer Mutter und ihrem eigenen Stiefvater – Daniel Polette – körperlich misshandelt wurde. Seitdem soll sie jahrzehntelang immer wieder von ihm vergewaltigt und geschlagen worden sein.

Richter mit Hammer am Tisch im Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

Richter mit Hammer am Tisch im Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

Im zarten Alter von 17 Jahren wurde Bacot von dem damals 25-jährigen Mann zum ersten Mal schwanger und heiratete ihn, nachdem ihre Mutter sie aus dem Haus geworfen hatte. Der Alkoholiker soll seine junge Frau verprügelt und schließlich Lkw-Fahrern zur Prostitution angeboten haben, um mit ihr Geld zu verdienen.

In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch "Tout le monde savait" (Jeder wusste es) behauptete Bacot, dass jeder von der Folter wusste, die sie durchmachte, aber niemand erhob die Stimme oder half ihr.

Die heute 40-Jährige, die von ihrem Mann vier Kinder hat, konnte es nicht mehr aushalten und nahm seine Pistole, mit der er sie oft bedroht hatte, und tötete ihn mit einem einzigen Schuss in den Nacken. 

Als Grund wollte sie ihrer 14-jährigen Tochter Karline das gleiche Schicksal ersparen wie ihr. Bacot droht nun eine lebenslange Haftstrafe, und ihre Anwälte fordern einen Freispruch, da sie 25 Jahre lang extreme Gewalt erlebt hatte.

“Das kann eine verzweifelte Frau zum Töten treiben, um selbst zu überleben,” erklärte ihre Anwältin Janine Bonaggiunta.

Die Tat, die Bacot nicht bestreitet, ereignete sich 2016 und der Prozess findet vom 21. bis 25. Juni 2021 vor dem Schwurgericht von Chalon-sur-Saône statt. Das Außergewöhnliche an dem Verfahren ist nicht nur die Rechtslage, sondern auch die Solidarität, die der Angeklagte erfährt.

Mehr als 650.000 Menschen haben eine Online-Petition mit dem Titel "Freiheit für Valérie Bacot!" unterzeichnet. Mehrere Internetnutzer posten Fotos mit hochgehobenen Schildern, die darauf hinweisen, dass sie Valérie Bacot unterstützen, weil sie das wahre Opfer sei. Darüber hinaus klebten Aktivisten Zettel an die Hauswände und forderten die Freilassung der Frau.

Zu Beginn des Prozesses vor dem Schwurgericht von Chalon-sur-Saône in Ostfrankreich bezeichnete Bacot ihre Erfahrung als “extreme Hölle”, die sie durchgemacht habe. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Celine Therme, ob sie Polette geliebt habe, antwortete sie: “Ich habe immer getan, was er mir gesagt hat” 

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