Ein Mann saß bei der Beerdigung meiner Mutter und weinte – niemand in der Familie kannte ihn
20. Februar 2026


In seinem neuen Buch blickt Thomas Middelhoff auf sein Leben zurück. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Geschichte des "Chefs von Bertelsmann".

Thomas Middelhoff, Frankfurt am Main, 2008 | Quelle: Getty Images
Er zählte zu den Top-Managern der Welt, war Vorstandsvorsitzender bei Bertelsmann und Arcandor. Doch im Jahr 2014 kam dann der Absturz. Das Landgericht Essen verurteilte ihn wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu 3 Jahren Gefängnis.
"Ich bin heute Gott dafür dankbar, dass ich ins Gefängnis gekommen bin", sagte Middelhoff.

Thomas Middelhoff, Frankfurt am Main, 2008 | Quelle: Getty Images
Dieser Absturz sei es gewesen, der ihm zu Gott verholfen habe.
"Mein Weg war von der Hölle in den Himmel.", fügte er an.
Obwohl er seit seiner Kindheit Katholik gewesen sei, habe er den Bezug zu Gott verloren. Mit 17 Jahren sei er zuletzt in der Beichte gewesen.

Thomas Middelhoff, Frankfurt am Main, 2008 | Quelle: Getty Images
"Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich damals auch gesagt, dass ich mich als christlich geprägter Manager verstehe. Schon auch aus Marketing-Gründen. In Wirklichkeit habe ich aber nicht als Christ gelebt."
Im Gefängnis hat er angefangen, wieder in der Bibel zu lesen. Zudem begann er, in der Bodelschwingschen Stiftung in Bethel zu arbeiten. Er zeigte sich tief beeindruckt von seiner Arbeit dort mit Behinderten.
"So eine Erfahrung hätte ich als junger Mann machen müssen", sagte er.
Thomas Middelhoff hat sich viele Gedanken gemacht und ist der Meinung, dass Deutschland umdenken muss. Eine besonders starke Meinung hat er heute im Bezug auf eine gerechte Entlohnung.
"Wenn eine Rentnerin einen Nebenjob annehmen muss, um über die Runden zu kommen, ist das nicht in Ordnung.", sagt er.
Im Rahmen seines Absturzes hatte Middelhoff nicht nur 2 Jahre und sieben Monate in Haft sitzen, sondern auch Privatinsolvenz anmelden müssen. Sein Absturz war hart, immerhin konnte er auf eine scheinbar erfolgreiche Karriere zurückblicken. 1998 übernahm er den Vorstandsposten bei Bertelsmann. Im Jahr 2004 wurde er zudem Aufstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG. Nachdem er 2009 diesen Posten niederlegte, meldete Karstadt/Arcandor Insolvenz an.

Thomas Middelhoff, Düsseldorf, 2007 | Quelle: Getty Images
Nach seiner Verurteilung nutzte er die Zeit, um über seine Fehler nachzudenken. Zudem bekam er in jener Zeit eine unheilbare Immunerkrankung und schrieb sein erstes Buch mit dem Titel "A 115 - Der Sturz". Jetzt am 20. August erschien sein zweites Buch ("Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen"). In beiden Büchern zeigt er sich reumütig und geläutert und befasst sich intensiv mit seinem eigenen Leben, seinen Entscheidungen und den Gründen, die ihn schließlich dahin gebracht haben, wo er heute ist.
Er verriet sogar, dass sein Verhalten als Manager so abgehoben war in der Vergangenheit, dass er absichtlich Neid bei Kollegen schürte. In den Kreisen, in denen er sich damals bewegte, schien das eine gängige Praxis zu sein. Doch bei einem Treffen mit der Bundeskanzlerin erlaubte er sich einen Faux-Pas der nicht zu entschuldigen schien.

Thomas Middelhoff, KarstadtQuelle General Shareholders Meeting, 2005 | Quelle: Getty Images
"Nach einer Diskussionsveranstaltung, die Angela Merkel auf dem World Economic Forum in Davos mit prominenten deutschen Wirtschaftslenkern führte, verließ ich als Erster den Konferenzraum. Die Kanzlerin ging unmittelbar hinter mir, (...) Kurz bevor wir Hubert Burda erreichten, zupfte die Kanzlerin von hinten an meinem Jackett und fragte: "Halten Sie es eigentlich für richtig, vor dem deutschen Kanzler zu gehen?“ Ich drehte mich um, lächelte die Kanzlerin freundlich an – und setzte ungerührt meinen Weg an der Spitze der Delegation fort.", verriet er.
Doch seither ist viel Zeit vergangen und heute zeigt sich der ehemalige Spitzen-Manager von einer ganz anderen Seite. Und anstatt seinen "Fall" als etwas Negatives zu sehen, sieht er es vielmehr als seinen "Weg in den Himmel" an. Er habe sich zum besseren gewendet und seinen Weg zu Gott gefunden.
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