
Fall Inga: Polizei erhält viele neue Hinweise – elf Jahre nach dem Verschwinden

Elf Jahre lang tappten die Ermittler im Dunkeln. Vom Verschwinden eines kleinen Mädchens fehlte jede Spur. Doch jetzt gibt es eine Entwicklung, die den Fahndern neue Hoffnung schenkt – und vielleicht endlich Antworten bringt.
Es ist einer der rätselhaftesten Vermisstenfälle Deutschlands. Seit mehr als elf Jahren ist unklar, was mit der kleinen Inga Gehricke geschehen ist. Nun aber schöpfen die Ermittlerinnen und Ermittler neue Hoffnung. Zahlreiche neue Hinweise sind bei der Polizei eingegangen.

Auf einem Polizeiauto ist die Aufschrift „Polizei“ zu sehen | Quelle: Getty Images
Anlass ist die erneute Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst". Danach meldeten sich offenbar viele Menschen bei den Beamten.
Schon einmal war der Kriminalfall Inga in der bekannten Fahndungssendung vorgestellt worden. Doch diesmal scheint die Resonanz besonders groß ausgefallen zu sein.
Um die Tragweite dieser Nachricht zu verstehen, lohnt ein Blick zurück auf den Tag, an dem alles begann.
Am 2. Mai 2015 war die damals fünfjährige Inga mit ihrer Familie zu Besuch auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt. Dort lebten Freunde der Familie.
Der Wilhelmshof ist eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Er liegt eher abgelegen in einem großen Waldgebiet.
Während die Erwachsenen ein Grillfest vorbereiteten, geschah das Unfassbare.
Gegen 18.40 Uhr wurde das im August 2009 geborene Mädchen zum letzten Mal gesehen. Nach Angaben der Polizei saß Inga zuletzt auf einem Spielzeugpferd, das unweit eines Fußballplatzes und des Grillplatzes stand.
Dann war sie plötzlich verschwunden. Trotz großangelegter Suchaktionen fehlte von dem Kind jede Spur.
Über die Jahre unternahmen die Ermittler enorme Anstrengungen, um das Rätsel zu lösen.
Seit Frühjahr 2023 beschäftigt sich eine eigene Ermittlergruppe der Polizeiinspektion Halle mit dem Fall. Sie wurden dabei sogar von Archäologen und Geologen unterstützt.
Im Waldgebiet gab es Suchmaßnahmen mit GPS-Trackern, mehrere Teiche wurden abgepumpt und durchsucht. Auch mit Angehörigen führten die Beamten noch einmal ausführliche Gespräche.
Trotz all dieser Bemühungen blieb der entscheidende Durchbruch bislang aus. Umso bedeutsamer ist das, was nun geschah. Nach der TV-Ausstrahlung meldete sich Polizeihauptkommissar Michael Ripke mit einer bemerkenswerten Nachricht zu Wort:
„Wir haben tatsächlich sehr viele neue Informationen erhalten und erhoffen uns, dass da der entscheidende Hinweis dabei ist."
Die neu eingegangenen Hinweise gingen dabei in verschiedene Richtungen, so der Beamte. Sie alle würden nun sorgfältig geprüft.
Weitere Details zu den neuen Informationen wollte der Polizist aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Einen Satz aber sprach er voller Zuversicht aus.
„Wir sind guter Hoffnung, dass da was Gutes dabei ist", sagte der Hauptkommissar.
Es sind Worte, die nach so vielen Jahren des Wartens aufhorchen lassen.
Besonders im Fokus der Ermittler stehen dabei mögliche Bild- und Videoaufnahmen. Denn der Wilhelmshof ist nur über eine einzige Straße zu erreichen.
Die Beamten hoffen daher auf in Autos verbaute Kameras, deren Aufnahmen neue Erkenntnisse liefern könnten. Auch Spaziergänger könnten damals Fotos oder Videos gemacht haben, die der Polizei heute weiterhelfen.
Selbst wenn solche Aufnahmen für ihre Besitzer längst bedeutungslos erscheinen, könnten sie für die Ermittler entscheidend sein.
Bemerkenswert ist zudem, woran die Polizei bis heute festhält.

Victoria Gehricke, die Mutter der verschwundenen Inga. Interview, 2023 | Quelle: youtube.com/watch?v=eYBcCyXnt-A
Für die Ermittler ist der Fall keineswegs ein sicherer Todesfall. Da es keine Beweise für das Gegenteil gebe, geben die Beamten die Hoffnung nicht auf, dass Inga noch lebt.
Deshalb sucht die Polizei auch gezielt nach Hinweisen auf Mädchen beziehungsweise junge Frauen, die anderen Menschen aufgefallen sind, weil sie plötzlich irgendwo auftauchten.
Für Ingas Familie bedeutet die neue Entwicklung nach all den Jahren der quälenden Ungewissheit einen erneuten Hoffnungsschimmer. Der Schmerz, nicht zu wissen, was mit dem eigenen Kind geschehen ist, begleitet die Angehörigen seit über einem Jahrzehnt.
Hinweise aus der Bevölkerung nimmt die Polizei weiterhin entgegen. So bleibt die Hoffnung, dass nach elf langen Jahren endlich Licht in einen der bewegendsten Vermisstenfälle des Landes kommt.