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Leipzig | Quelle: Getty Images
Leipzig | Quelle: Getty Images

Polizei tötet entflohenen Tiger in der Nähe von Leipzig, nachdem ein 73-jähriger Mann in der Anlage der „Tigerkönigin“ Carmen Zander verletzt wurde

Edita Mesic
18. Mai 2026
15:13

Ein 280 Kilogramm schweres Raubtier bricht aus seinem Gehege aus, verletzt einen Mann und löst einen Großeinsatz der Polizei aus. Das Ende ist tödlich – für den Tiger.

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Es war ein ruhiger Sonntagnachmittag in Dölzig, einem Ortsteil der Gemeinde Schkeuditz vor den Toren Leipzigs. Gegen 13 Uhr entkommt ein ausgewachsener Bengal-Sibirer-Mix namens Sandokan aus seinem privaten Gehege auf dem Gewerbegelände der Zirkus-Dompteurin Carmen Zander. Was folgt, versetzt die ganze Region in Alarmbereitschaft.

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Auslöser des Ausbruchs soll laut BILD-Informationen eine Fütterung gewesen sein, die aus dem Ruder lief. Ein 73-jähriger Helfer hielt sich zu diesem Zeitpunkt „berechtigt in der Anlage auf" – und wurde von Sandokan angegriffen. Der Mann wurde verletzt und umgehend ins Krankenhaus gebracht. Wie schwer seine Verletzungen sind, war zunächst unklar.

Sandokan überwand anschließend einen etwa zwei Meter hohen Bauzaun. Das rund 280 Kilogramm schwere Tier bewegte sich durch das Gewerbegebiet und gelangte zu einer gut 300 Meter entfernten Kleingartenanlage – an einem Sonntagnachmittag, als viele Menschen in ihren Gärten saßen.

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Kleingärtnerin Janine N. schilderte gegenüber BILD, was sie erlebte: „Wir hörten erst die Sirene, direkt danach kam ein Hubschrauber und ganz viel Polizei." Schwer bewaffnete Beamte riegelten die Anlage ab und warnten die Anwesenden, drinnen zu bleiben. „Dann fielen plötzlich mehrere Schüsse."

Die Polizei entschied sich für den tödlichen Schuss. Laut einer Polizeisprecherin war keine Zeit mehr, auf einen Tierarzt zu warten – die Gartenanlage war gut besucht, eine Evakuierung keine Option mehr. Das Tier wurde zum Schutz der Bevölkerung erschossen. Ein Maschendrahtzaun trennte die Menschen in der Anlage in jenen Momenten von Sandokan.

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Dompteurin Carmen Zander bestätigte nach dem Vorfall gegenüber BILD, dass es sich um ihr Tier handelte. Sie erklärte auch, warum Sandokan so unberechenbar sein konnte: „Er ist ein Angsthase. Wenn er etwas nicht einschätzen kann, ist er schnell überfordert und wird unsicher. Ein Angriff kann von daher schneller und unerwarteter ausgelöst werden." Sie selbst hätte in einem solchen Fall „keine Chance" gehabt. Nach ein paar Minuten sei Sandokan aber immer wieder „ein ganz lieber Kerl" gewesen.

Zander selbst war zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht auf dem Gelände. Wie genau der Ausbruch möglich war, konnte sie nicht erklären. „Das ist die schlimmste Woche meines Lebens", sagte sie gegenüber BILD. Erst am Montag hatte sie einen anderen ihrer Tiger wegen Nierenversagens einschläfern lassen müssen.

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Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf eine langjährige Debatte. Noch am selben Sonntag hatte der MDR einen Bericht veröffentlicht, in dem die Tierschutzorganisation PETA scharfe Kritik an Zanders Tierhaltung übte. Die Tiere würden dort unter beengten Bedingungen in „kargen Käfigen" leben. PETA-Vertreter Peter Höffken bezeichnete den Vorfall als „eine Tragödie mit Ansage" und warf dem zuständigen Veterinäramt vor, trotz mehrfacher Hinweise nicht gehandelt zu haben.

Zander hielt den Vorwürfen entgegen, dass es ihren Tieren gut gehe – eine Erweiterung der Flächen sei ihr finanziell schlicht nicht möglich. Gegen sie war in der Vergangenheit bereits ein Verfahren eingeleitet worden, das gegen eine Geldauflage eingestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft hat nun neue Ermittlungen gegen sie eingeleitet.

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Nach dem Abschuss kontrollierte die Polizei das Gelände zusätzlich mit einer Drohne, um auszuschließen, dass noch weitere Tiere entkommen waren. Nach derzeitigen Erkenntnissen befinden sich alle übrigen Raubtiere noch in der Anlage.

In sozialen Netzwerken sorgt der Vorfall für geteilte Reaktionen. Viele Nutzer verteidigen die Entscheidung der Polizei. „Völlig zu Recht. Erstens muss sich keine Polizistin/Polizist einer solchen Gefahr aussetzen verletzt zu werden. Da geht Sicherheit vor. Zweitens, hat so eine Haltung nichts zu suchen in Privathand und Nähe zu Siedlungen", schreibt ein Nutzer. Andere hingegen trauern um das Tier: „Armer Tiger. Erinnert mich schwer an unseren armen Wels vom Brombachsee im letzten Jahr. Grüße aus dem fränkischen Seenland."

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