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Der Schauspieler Martin Brambach nimmt am 4. November 2024 im Europäischen Haus in Berlin an einem Fototermin für „Parlament“ teil | Quelle: Getty Images
Der Schauspieler Martin Brambach nimmt am 4. November 2024 im Europäischen Haus in Berlin an einem Fototermin für „Parlament“ teil | Quelle: Getty Images

Martin Brambach erfuhr mit 12, dass sein leiblicher Vater ein anderer war, als er dachte

Maren Z.
04. Mai 2026
18:28

Nach außen wirkte alles geordnet: Mutter, Vater, Kind, ein behütetes Zuhause. Für Martin Brambach war diese Familienwirklichkeit lange selbstverständlich. Erst viele Jahre später sprach der Schauspieler, den heute vor allem viele als Dresdner „Tatort“-Kommissar Michael Schnabel kennen, offen über einen Moment, der dieses Bild mit einem Schlag veränderte. Er war damals zwölf Jahre alt – und stieß eher zufällig auf ein Dokument, das seine Herkunft in ein völlig neues Licht rückte.

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Der Fund geschah nicht im Rahmen eines lange vorbereiteten Familiengesprächs, nicht nach vorsichtigen Andeutungen oder halb ausgesprochenen Wahrheiten. Vielmehr war es eine Gerichtsurkunde zur Vaterfeststellung, die Martin Brambach durch Zufall in die Hände bekam:

„Ich habe eine Vaterschaftsfeststellung gefunden, und da stand ein Name, den kannte ich gar nicht.“

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Darin stand nicht der Name des Mannes, den er bis dahin für seinen Vater gehalten hatte, sondern ein anderer: Jürgen Schöne, ein Architekt aus Dresden. Aus einem unauffälligen Stück Papier wurde in diesem Moment ein Einschnitt, der seine bisherige Familiengeschichte neu ordnen sollte.

Brambach schilderte später, wie direkt er auf diese Entdeckung reagierte: „Da stand Jürgen Schöne als mein Vater – nicht Karlheinz. Ich habe meine Eltern zur Rede gestellt und sie haben allen Mut zusammengenommen und mir erklärt, warum ich das nicht wusste. Ich habe darauf bestanden, Jürgen offiziell kennenlernen zu dürfen.“ In diesem Satz steckt bereits fast die ganze Dramatik der Situation: das Erschrecken über die Erkenntnis, der spontane Wunsch nach Aufklärung und gleichzeitig die Einsicht, dass hinter dem Verschweigen keine bloße Willkür stand.

Nach seinen Angaben wollten seine Eltern ihm eine stabile, heile Familie bieten. Er verriet selbst:

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„Meine Mutter hat versucht, mir eine heile Familie zu bieten und die hat halt ohne meinen richtigen Vater stattgefunden.“

Diese Vorstellung, so erklärte Brambach in einem Interview, habe eben ohne den leiblichen Vater stattgefunden. Darin liegt eine Ambivalenz, die viele solcher Familiengeschichten prägt: der Versuch, ein Kind zu schützen, und zugleich das Risiko, dass genau dieses Schweigen später zu einem tiefen Bruch führen könnte. Für Martin Brambach war die Wahrheit dennoch nicht das Ende familiärer Sicherheit, sondern der Beginn einer zweiten, zunächst unbekannten Verbindung.

Denn das Kennenlernen mit Jürgen Schöne kam zustande – und es blieb nicht bei einer einmaligen Begegnung. Medienberichten zufolge entwickelte sich zwischen beiden ein gutes Verhältnis, das bis heute anhält. Brambach beschreibt seinen leiblichen Vater sogar in ausgesprochen warmen Worten. Dieser habe ihn nicht nur gesucht, sondern ihn zeitweise auch heimlich beobachtet. Später sagte der Schauspieler über ihn, er sei „ein ganz toller Vater“ gewesen und sei es bis heute.

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Mit diesem Treffen veränderte sich Brambachs Familienbild noch in einer zweiten Hinsicht. Denn mit dem leiblichen Vater kamen zugleich weitere Verbindungen ans Licht, die ihm bis dahin verborgen gewesen waren. Plötzlich gab es nicht nur einen zusätzlichen Vater in seiner Biografie, sondern auch Geschwister, von deren Existenz er vorher nichts wusste:

„Als ich ihn dann tatsächlich kennengelernt habe, habe ich auch drei weitere Geschwister direkt dazu geschenkt bekommen, zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder.“

Auch diese Formulierung ist bemerkenswert: Sie klingt nicht nach Verlust oder Bitterkeit, sondern nach Erweiterung. Gerade das macht seine Erzählung so besonders.

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Denn Geschichten über späte Wahrheiten in der Familie sind häufig von Entfremdung, Vorwürfen oder langanhaltenden Verletzungen geprägt. Bei Martin Brambach scheint der Fund des Dokuments zwar ein Schockmoment gewesen zu sein, aber nicht der Ausgangspunkt einer endgültigen Zerrüttung. Eher wirkt es so, als sei aus der Irritation mit der Zeit eine zusätzliche Form von Zugehörigkeit entstanden.

Diese biografische Wendung ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, wie präsent Herkunft und Heimat im öffentlichen Bild Brambachs bis heute sind. Er wurde 1967 in Dresden geboren und ist der Stadt auch beruflich eng verbunden. Seit 2016 spielt er im Dresdner „Tatort“, und auch für sein Buch „Nice to meet you, Dresden!“ beschäftigte er sich intensiv mit der Stadt.

Bei dieser Recherche half ihm ausgerechnet Jürgen Schöne. So wurde aus dem spät kennengelernten leiblichen Vater nicht nur ein Teil der privaten Geschichte, sondern auch ein Begleiter bei einem Projekt, das unmittelbar mit Brambachs Herkunft zu tun hatte.

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Auffällig ist dabei, dass Brambach seine Familiengeschichte nicht als Sensation erzählt, sondern mit einer Mischung aus Klarheit und Gelassenheit. Er benennt das Geheimnis, ohne daraus nachträglich ein Drama zu formen.

Er schildert die Motive seiner Eltern nachvollziehbar, ohne sie dafür öffentlich hart zu verurteilen. Und er spricht über seinen leiblichen Vater nicht als fremde Figur, sondern als jemanden, mit dem über die Jahre eine tragfähige Beziehung gewachsen ist.

Heute ist Brambach längst ein etablierter Schauspieler, der in Film und Fernsehen ein großes Publikum erreicht. Doch gerade solche persönlichen Einblicke zeigen, warum seine Interviews oft besonders nahbar wirken. Hinter dem bekannten Gesicht aus dem „Tatort“ steht eben auch ein Mann, dessen eigenes Familienbild sich erst mit zwölf Jahren grundlegend verschob.

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kraft dieser Geschichte: Dass sie nicht nur von einem lang gehüteten Geheimnis erzählt, sondern auch davon, dass Wahrheit, selbst wenn sie spät kommt, nicht zwangsläufig nur trennt und für Streit sorgt, wie es leider oft im Augenmerk der Öffentlichkeit vorkommt. In Brambachs Fall hat sie offenbar auch neue Nähe geschaffen.

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