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Philipp Raimund am dritten Tag der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 im Skisprungstadion Predazzo am 9. Februar 2026 in Val di Fiemme, Italien. | Quelle: Getty Images
Philipp Raimund am dritten Tag der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 im Skisprungstadion Predazzo am 9. Februar 2026 in Val di Fiemme, Italien. | Quelle: Getty Images

Der Deutsche Philipp Raimund holt sich trotz Höhenangst die Goldmedaille im Skispringen bei den Olympischen Spielen

Maren Z.
10. Feb. 2026
18:53

Deutschland kann sich über eine weitere Gold-Medaille freuen. Phillipp Raimund brachte den Sieg nach Hause – und das trotz ungewöhnlicher Phobie.

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Als die Skisprung-Saison begann, rechneten nur wenige mit diesem Ausgang. Philipp Raimund galt als talentiert, aber nicht als der große Favorit für olympisches Edelmetall.

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Der 25-Jährige hatte bislang noch keinen Einzel-Weltcupsieg gefeiert und stand vor seinen ersten Olympischen Spielen. Umso erstaunlicher war es, was sich auf der Schanze von Predazzo abspielte – und welche persönliche Geschichte hinter diesem Triumph steckt.

Schon die Rahmenbedingungen deuteten auf einen ungewöhnlichen Wettkampf hin. Windböen sorgten für wechselhafte Bedingungen, viele Topfavoriten fanden nicht in ihren Rhythmus. Namen wie Domen Prevc, Ryōyū Kobayashi oder Marius Lindvik rutschten nach dem ersten Durchgang überraschend weit zurück. Das Feld öffnete sich, Fehler wurden sofort bestraft, Mut hingegen belohnt.

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Raimund nutzte genau diesen Moment. Mit einem Sprung auf 102 Meter setzte er sich nach dem ersten Durchgang an die Spitze. Stilnoten und Weite passten zusammen, der Deutsche führte – und wusste, dass er im zweiten Durchgang als Letzter springen würde.

Ein Vorteil, aber auch eine enorme mentale Belastung. Die Entscheidung fiel vor voll besetzten Rängen, begleitet von lautstarken deutschen Fans, die jede Bewegung verfolgten.

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Dabei ist Raimunds Karriere alles andere als geradlinig verlaufen. Noch im Frühjahr 2025 hatte er einen Weltcup-Wettkampf abgesagt – aus einem Grund, der im Skispringen fast paradox wirkt: Höhenangst.

Der Athlet sprach damals offen darüber, dass sein Körper in bestimmten Situationen unkontrolliert reagierte, besonders beim Skifliegen. Mit psychologischer Unterstützung arbeitete er an diesem Thema und fand Schritt für Schritt zurück zu Stabilität und Vertrauen.

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Auf Social Media äußerte er sich zu seiner Angst und schrieb:

„Viele von euch haben schon gefragt, warum ich nicht fliege. Hier kommt die Erklärung. Wie einige von euch vielleicht wissen, hab ich Höhenangst.

Normalerweise hab ich das im Griff und beim Skispringen ist das kein Problem, aber manchmal passiert es (vor allem beim Skifliegen), dass mein Körper reagiert, ohne dass ich ihn kontrollieren kann.

Ich verliere die Kontrolle und für etwa 1 ½ Sekunden beobachte ich mich nur selbst, während ich in der Klaue bin, die mich festhält.“

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Das klingt beängstigend, wenn man gerade auf Brettern durch die Luft segelt. Umso wichtiger war es, diese Angst unter Kontrolle zu bekommen. Kein leichter Job.

In Predazzo zahlte sich diese Arbeit jedoch mehr als aus. Während andere Athleten unter dem Druck zusammenbrachen, blieb Raimund ruhig. Der zweite Sprung trug ihn auf 106,5 Meter.

Als die Wertung erschien, stand fest: Gold für Deutschland, 3,4 Punkte Vorsprung auf den Polen Kacper Tomasiak. Der Jubel kannte keine Grenzen, Teamkollegen hoben ihn auf die Schultern, die Nationalflagge zierte seinen Rücken.

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Später beschrieb Raimund den Moment mit einfachen, aber eindringlichen Worten: „Es fühlt sich absolut unglaublich an. Es ist die größte Errungenschaft meines Lebens.“ In der ARD ergänzte er emotional: „Noch keinen einzigen Weltcup gewonnen und dann auf der größten Bühne ganz oben zu stehen, das ist unglaublich.“

Silber ging an Tomasiak, Bronze teilten sich Ren Nikaidō aus Japan und der Schweizer Gregor Deschwanden. Auch sie profitierten von den offenen Verhältnissen, doch keiner war an diesem Abend konstanter als der Deutsche.

Skisprung-Legende Sven Hannawald sprach von einer Sensation, Bundestrainer Stefan Horngacher von einem Höhepunkt in einer schwierigen Saison. Raimund selbst drückte seine pure Freude am besten aus:

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„Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe. Aber ich bin so, so stolz drauf, dass ich das geschafft habe [...] Jetzt bin ich einfach Olympiasieger. Das ist unglaublich.“

Für Raimund selbst ist die Medaille mehr als ein sportlicher Erfolg. Sie steht für einen Weg, der von Zweifeln, inneren Kämpfen und konsequenter Arbeit geprägt war. Ausgerechnet ein Athlet mit Höhenangst flog weiter als viele seiner Konkurrenten – und bewies, dass mentale Stärke im Skispringen genauso entscheidend sein kann wie Technik und Mut.

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