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EntertainmentAnekdote

06. August 2021

Klassenkameraden hänselten mich in der Schule, beim Klassentreffen bereuen sie es – Story eines Abonnenten

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Die arme Betty wurde während der Schulzeit wegen ihrer Figur gehänselt, auch beim Abiball machte man ihr das Leben schwer. Aber wie das Schicksal so spielt, rächte sich das Jahrzente später.

Es war das Jahr 1995. “Gangster Paradise” war in aller Munde – und wohl jede*r die oder der alt genug war, um mit Alkohol erwischt zu werden, kannte das Lied oder zumindest die Melodie "… I take a look at my life and realize there's nuthin' left …"

Sorry, da ist es kurz mit mir durchgegangen.

Oder vielleicht denkst du bei den 90ern auch an "Cotton Eye Joe" und hast dazu wild getanzt. "Where did you come from—links—where did you go—rechts … where did you come from, Cotton-Eye Joe—und umdrehen …"

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Schon witzig, wie ein Lied einer schwedischen Band um die Welt ging und sogar in den USA, bei den Leuten, über die gesungen wurde, ein Erfolg wurde.

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Alles rächt sich irgendwann auf irgendeine Weise.

Dies ist eine Geschichte über ein Mädchen namens Betty

Betty wuchs ländlich auf und war nicht unbedingt die Sportlichste. Manche Menschen haben einen beeindruckenden Stoffwechsel, aber Betty eher nicht so. Im Sportunterricht hatte sie immer Probleme, mitzuhalten und die anderen machten sich deshalb über sie lustig... und auch aus vielen anderen Gründen.

Aber in den 90ern sprach noch keiner von Fat-Shaming, das kam erst ein oder zwei Jahrzente später. In den 90ern war David Beckham noch Fußballspieler und die Leute sprachen oder Furbies, nicht Furries.

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Aber egal, wie man es nennt, Betty litt jedenfalls darunter, wie sie behandelt wurde.

Sie hatte smaragdgrüne Augen und rotblondes Haar, auf das man nur neidisch sein konnte – aber aus irgendeinem Grund war ihr keine sportliche Figur vergönnt.

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Wenn sie durch die Schulcafeteria ging, hörte sie die anderen oft kichern oder mit einander tuscheln, und das war noch harmlos.

An einem schlechten Tag sagten sie ihr die Gemeinheiten ins Gesicht. Sie hatte aufgehört, zu zählen, wie oft sie irgendwelchen Kram in ihrem Rucksack gefunden hatte, wenn sie den mal unbeaufsichtigt ließ.

"Deine Mutter ist so fett, sie trägt dieselben Klamotten wie du."

Das war eine der schlimmsten Beleidigungen, die sie regelmäßig hörte und die sie auch nach Jahrzenten noch im Ohr hatte.

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Es gab viele Rüpel an ihrer Schule, Jungs und Mädchen, aber die schlimmste von allen war wohl Katja. Es war der Klassiker – Katja war Kapitän des Fußballteams und mit dem coolsten Typ der Schule zusammen, außerdem war sie Tochter eines einflussreichen Politikers der Gegend.

Sie war mit ungeheurer Schönheit ausgestattet, aber auch mit einer schrecklichen Persönlichkeit. Aber darum scherte sich niemand – manchmal sind die Leute einfach so oberflächlich. Sie alle wollten beliebt sein und um beliebt zu sein, musste man mit der Schönheit der Schule abhängen.

Es war oft Katja, die Streiche anzettelte, die Betty gespielt wurden – ihre stolzeste Leistung war es, als sie ein Stück rohen Speck in Bettys Rucksack schummelten. Gut, das, und der Vorfall am Abiball.

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Weil der Ball eine der wichtigsten Abende der Schulzeit ist, waren alle herausgeputzt. Ein einmaliges Erlebnis, das man nie vergisst – und genau das war es für Betty. Sie gab sich wirklich Mühe, an dem Abend hübsch auszusehen. Sie trug ein türkisfarbenes Kleid, das ihre Mutter ihr gekauft hatte, und dazu rote Hackenschuhe, für die sie ihren Lohn eines Nebenjobs gespart hatte.

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Aber dann sah sie Katja, die von Weitem auf sie zu kam.

Nee, mit der rede ich nicht, war ihr erster Gedanke. Dann jedoch hielt sie inne und wandte sich wieder Katja zu, die noch immer ein paar Meter von ihr entfernt war.

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Es war vielleicht der letzte Abend, an dem sie diese Mistkäfer sehen musste..sie sollte sich ihnen endlich entgegenstellen, egal, was sie anstellten. So hätte sie wenigstens für dich selbst eingestanden. Sie hatte keine Lust mehr, wegzulaufen und ihren Tyrannen Genugtuung zu verschaffen.

"Hey, Schweinchen Betty, "sagte Katja, als sie mit ihrem Freund auf Betty zukam.

Betty sagte nichts – sie wollte etwas erwidern, aber ihr fiel nicht das Richtige ein.

"Siehst gut aus, heute. Die Schuhe gefallen mir," fuhr Katja fort, "mach dich bereit. In 15 Minuten brauchen wir dich auf der Bühne."

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Das klingt nicht gut, dachte Betty. Sie hatte keine Ahnung, was passieren würde, war aber sicher, dass es nichts Gutes war.

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Eine Viertelstunde später war es Zeit für die Bekanntgabe der Abiballkönigin. Niemals würde Betty Königin werden, sagte sie sich selbst. Irgendwas war hier absolut faul.

Katja betrat mit einer Karte in der Hand die Bühne – sie war kurz davor, die Bekanntgabe zu tätigen: "uuuuuuuunnnd.... es ist Betty!" rief sie.

Alle Lichter wandten sich Betty zu und alle waren mucksmäuschenstill. Sie starrten Betty fassungslos an... oder eher, einer Mischung aus Verwirrung und Ratlosigkeit.

Nach ein paar Sekunden Stille sprach Katja erneue: "oh, sorry, Leute. Es ist eigentlich Bella. Wer immer das geschrieben hat, hat keine gute Handschrift."

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Betty stahl sich kurz darauf vom Ball und verließ ihr Zimmer auch Wochen nach dem Vorfall nicht mehr.

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Springen wir 20 Jahre in die Zukunft. Betty fand sich auf Gibraltar wieder, dem einzigen Ort in Europa, wo es Affen gibt. Diese verflixten Frechdachse – aber Betty musste zugeben, dass sie auch sehr niedlich sein konnten.

Es war an einem Frühlingsabend 2015, als sie am südlichsten Punkt Europas saß. Die Sonne versank langsam hinter dem Horizont, fern vom spanischen Festland, und war drauf und dran, im Atlantik zu versinken, um den Sternen Platz zu machen.

Eine sanfte Brise pustete die Wolken davon und sie konnte den afrikanischen Kontinent sehen, der sich majestätisch am anderen Ufer des Meeres erhob. Schon lustig, wie das Leben einen an all diese sonderbaren Orte führte, dachte Betty bei sich.

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Nach der Schule hatte sie beschlossen, ihren beschaulichen Heimatort für immer zu verlassen. Sie hatte ein Stipendium für Berlin ergattern können und dort Menschen aus aller Welt kennengelernt. Daraufhin hatte sie entschieden, die Welt selbst sehen zu wollen.

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In Belfast hatte sie ein Auslandssemester verbracht, als dort noch große Spannungen herrschten, aber sie hatte die Hoffnung in den Augen der Menschen durch den Nebel des Leids schimmern sehen.

Dann begann sie, für ein Reisemagazin zu schreiben und über verschieden Orte und verschiedene Kulturen zu berichten – alles von den engen Gassen Hong Kongs bis zu den majestätischen Sowjetischen Städten in Minsk war dabei. Orte, von denen kaum jemand je gehört hatte und die dennoch von Leben und unerzählten Geschichten erfüllt waren, die nur darauf warteten, geteilt zu werden. Es war ein gutes Leben.

Aber in jener Nacht las sie ihre E-Mails und fand dabei die Einladung zu ihrem 20-jährigen Klassentreffen.

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Sollte sie für das Treffen dorthin zurückkehren, fragte sie sich selbst. Es war fast 2 Jahrzehnte her, seit sie von dort verschwunden war – es musste mittlerweile ganz anders sein.

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Dann dachte sie an den Abiball und die schrecklichen Jahre davor.. aber das schien alles so lange her und so weit weg. Sie konnte sich kaum noch an die Gefühle von damals erinnern. 20 Jahre sind eine lange Zeit und der Schmerz schien über die Jahre langsam verblasst zu sein.

Was soll’s, dachte sie und buchte noch für denselben Abend einen Flug in die Heimat.

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Zu ihrer Überraschung hatte sich dort in den letzten 2 Dekaden nicht viel verändert, abgesehen davon, dass sie kaum noch die Gesichter um sie her wiedererkannte.

Es war mittlerweile Sommer. Das Klassentreffen wurde in demselben Saal abgehalten, in dem auch der Abiball stattgefunden hatte. Sie sah zwar die Spuren der Renovierungen, die man vorgenommen hatte, aber im Großen und Ganzen sah alles noch aus wie damals.

In dem Moment erkannte sie ein bekanntes Gesicht – oder besser, einen bekannten, fiesen Ausdruck auf Katjas Gesicht. Katja trug an jenem Abend ein weißes Kleid, aber Betty war sicher, zu erkennen, dass die lokale Küche ihre Spuren hinterlassen und Katja über die Jahre einige Kilos zugelegt hatte.

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Aber von der Art, wie sie sprach, wurde klar, dass sich aus der Gewichtszunahme nicht viel verändert hatte. Dieselbe hässliche Persönlichkeit, der Stolz in ihren Augen, obwohl ihre Jugend sie schon vor ein oder zwei Jahrzehnten verlassen hatte. Sie tat alles, um ihre goldenen Jahre wieder aufleben zu lassen.

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Sie tat Betty tatsächlich leid.

Ehe sie sich versah, kam Katja auf sie zu. "Hey Betty! Hast es geschafft, deine Pfunde bei dir zu behalten, was?" lallte Katja betrunken.

"Ich sehe, dass es dir auch geschmeckt hat, Katja," erwiderte Betty frech und konnte sehen, dass Katja das gar nicht passte und dass sie versuchte, das Thema zu wechseln.

"Wo hast du dich all die Jahre herumgetrieben? Habe dich lange nicht gesehen," sagte Katja.

"Och, nichts Wildes. Ein Paar Jahre Spanien, einige in Frankreich, manchmal anderswo," antwortete Betty. "Arbeit," fügte sie hinzu.

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Jemand hatte mitgehört und klinkte sich dazu.

"Wie ist es so in Spanien? Soll schön sein. Mein Mann und ich wollen da nächstes Jahr in den Urlaub hin. Unser erstes Mal Mittelmeer," sagte jemand.

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"Ich wünschte, sie hätten dort ein besseres Zeitgefühl," scherzte Betty.

"Und Frankreich? Sprechen die da echt nur Französisch?" fragte eine andere Person.

"Nee, das kommt drauf an. Aber ansonsten stimmt wahrscheinlich alles, was ihr so über die Franzosen gehört habt," sagte Betty.

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"Was ist mit London? Tragen die Soldaten da echt diese Fellhüte?" fragte eine wieder andere Person.

Ehe Betty sich versah, war sie umringt von einer neugierigen Menschentraube. Sie war eben auf dem Dorf, viele kamen nie von dort weg. Genau wie ihre Eltern und die Eltern der Eltern.. oft begannen und endeten ihre Leben am selben Ort, oder gar derselben Kirche.

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Aber eine Frage stach hervor.

"Warum bist du weggegangen? Ist doch ein schöner Ort hier," sagte eine Frau.

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Für einen kurzen Moment hatte sie keine Antwort. Schämte sie sich für ihre Wurzeln? Oder für das, was sie ihr früher angetan hatten? Sie war nicht sicher.

"Hat sich so ergeben," antwortete sie schlicht, "So spielt das Leben. Und meine Eltern sagen immer: 'die Wege des Herrn sind unergründlich'. Das stimmt wohl."

Zu ihrer Überraschung waren die Leute sehr an ihrem Leben interessiert und fragten sie sogar nach ihrer E-Mailadresse, um mit ihr in Kontakt bleiben zu können. Natürlich genoss sie die Aufmerksamkeit, aber der Unterschied in der Art, wie sie behandelt wurde, überraschte sie. Und auch, wie das, was ihr mal Schmerzen bereitet hatte, so einfach verschwunden war.

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Gleichzeitig bemerkte sie, wie Katja sich etwas abseits mit einer Flasche billigem Whiskey in den Händen davonstahl und in die laue Sommernacht stolperte.

Alles rächt sich eben irgendwann.

Was können wir von dieser Geschichte lernen?

1. Glaube an dich, egal, was andere sagen. Wenn du nicht im Fitnessstudio schwitzen willst, um abzunehmen, wunderbar! Solange es deine Gesundheit nicht beeinträchtigt, versuche, dich mit deinem Körper und deinem Charakter wohl zu fühlen. Wenn du erwartet hast, dass Betty abnimmt und wunderschön wird... tja, das war nicht der Sinn der Geschichte.

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2. Sei zufrieden. Es gibt Dinge, die wir ändern können und jene, die wir nicht ändern können. Manchmal ist es besser, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind.

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Diese Geschichte wurde inspiriert von einem Beitrag eines Abonnenten, aber geschrieben wurde sie von einer*m professionellen Autor*in. Alle Namen wurden abgeändert, um die Privatsphäre der beteiligten Personen zu wahren.

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