Veruschka: Die Geschichte des ersten deutschen Supermodels

Veruschka galt als das erste deutsche Supermodel. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Frau, die ihr Leben lang eine Heimat suchte und sich selbst für unansehnlich hielt, und es dennoch schaffte, mit ihrer Schönheit Karriere zu machen.

Veruschka von Lehndorff, 'Nobody Wants the Night' Premiere - 65th Berlinale International Film Festival | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, 'Nobody Wants the Night' Premiere - 65th Berlinale International Film Festival | Quelle: Getty Images

Sie galt als Kunstfigur der 60er-Jahre. Ihr gebürtiger Name ist Vera Anna Gottliebe Gräfin Lehndorff. Eher bekannt wurde sie jedoch unter ihrem Kunstnamen Veruschka. Mit ihrer Schönheit begeisterte sie die Presse auf der ganzen Welt. 

Ihre Familie

Ihr Vater war Heinrich Graf von Lehndorff und war Widerstandskämpfer unter Hitler. Er wurde im Jahr 1944 hingerichtet und ihre Mutter wurde in ein Arbeitslager geschickt. Dadurch wurchs Veruschka in einem Kinderheim der SS auf. Später kam sie in ein Flüchtlingslager. 

Veruschka von Lehndorff, CHANEL The Little Black Jacket - Exhibition Opening, 2012 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, CHANEL The Little Black Jacket - Exhibition Opening, 2012 | Quelle: Getty Images

"Ich habe von meiner Mutter immer gehört, dass sie eigentlich vor hatten, uns in ein Konzentrationslager zu bringen oder nach Sibirien zu verschleppen. Wir sollten ausgelöscht werden, aus Deutschland verschwinden.", verriet sie.

Als sie 18 wurde, floh sie aus Deutschland und ging nach Italien. Dort malte sie und startete ihre Karriere als international anerkanntes Fotomodell. 

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Backstage - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Backstage - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

"Blow Up"

"Blow Up" war der Film, der sie im Jahr 1966 weltberühmt machte. Doch das Leben als Model sollte keine letzte Wende in ihrem Leben sein. Später arbeitete sie als Malerin und vor einigen Jahren ging sie zudem unter die Autoren und veröffentlichte ihre Memoiren. Sie war auf rund 800 Titelseiten zu sehen, hat einen Großteil ihres Lebens im Augenmerk der Öffentlichkeit verbracht und möchte doch nichts mehr, als "unsichtbar werden". 

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

Mode nicht interessant für sie

"Ich finde, es ist wichtig herauszufinden, was zu einem wirklich passt. An sich ist Mode für mich nicht so wahnsinnig interessant. Seit ungefähr ein, zwei Jahren möchte ich eigentlich immer nur in Blue Jeans gehen oder diese Strumpfhosen tragen, die wie eine zweite Haut sind. Ich habe nicht gerne zu viele Sachen um mich. Wenn ich mich anziehe in meinem Privatleben, dann suche ich immer etwas, das zu mir passt an dem jeweiligen Tag. Manchmal fühle ich mich nach etwas Grauem, das geht dann mit meiner inneren Atmosphäre zusammen.", sagte sie in dem Interview mit Margret Dünser (ZDF). 

 Diese Worte mögen von einem weltberühmten Model überraschen. Doch Veruschka hatte die Vorstellung, sich stets neu erfinden, sich immer wieder wandeln zu können. Allerdings war ihr durch ihr Leben auf dem Laufsteg schnell klar geworden, dass es in der Branche anders lief. 

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, Anja Gockel Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2012 | Quelle: Getty Images

"Ich hatte den Traum, dass ich mich dort verwandeln könnte, und immer wieder neue Gestalten annehmen kann. Das ist ja überhaupt nicht gefragt! Sondern es wird ein Look vorgeschrieben. Und da habe ich gewusst, nein, dass kann ich gar nicht, denn ich habe so viele Ideen, da werde ich ja verrückt, wenn ich nur der Kleiderständer bin."

Ein Film für "Veruschka"

Der italienische Fotograf Franco Rubartelli war ihr erster Liebhaber. Er widmete ihr einen Film mit dem Titel "Veruschka". Zu der Zeit hatte sie einen Teil ihrer Unsicherheiten überstanden, die sie ihr ganzes Leben lang im Bezug auf ihr Aussehen begleitet hatten. Denn das Supermodel empfand sich lange Zeit nicht als "schön". Dennoch hatte sie das Gefühl, sich ihr "Leben verdient zu haben". 

Veruschka von Lehndorff, "Blowup" Photography Exhibition Opening, 2003 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, "Blowup" Photography Exhibition Opening, 2003 | Quelle: Getty Images

"Dass ich mich hässlich fühlte, was von der Kindheit kam, dass hatte ich da wohl überwunden, aber dann kamen andere Dinge, wie Unsicherheit im Umgang mit Menschen oder dass ich eigentlich nichts richtiges gelernt hatte. Ich konnte nicht sagen, ich habe mir mein Leben verdient, ich hatte eigentlich ein schlechtes Gewissen.", verriet Veruschka.

Ein Suizidversuch

Das Model litt unter Depressionen, was sie 1974 dazu bewog, in Griechenland von einer Klippe zu springen. Sie wurde bei dem Versuch nur leicht verletzt, versuchte in der darauffolgenden Zeit jedoch weitere Male, ihr Leben selbst zu beenden, bis man sie schließlich in eine Psychiatrie steckte. Ihre inneren Dämonen sind dabei geprägt von den Schatten ihrer Kindheit und der Zeit unter den Nazis. 

Der Schlüssel zu ihrem Erfolg

"Ich war hässlich. Bis ich mich entschied, schön zu sein", sagte sie einst.

Und genau das scheint der Schlüssel zu ihrem herausragenden Erfolg zu sein. Sie wurde nicht zur Diva, sie ist trotz allem eine bodenständige Frau mit Ansichten und Problemen geblieben, mit denen sich so gut wie jede Frau identifizieren kann. Sie wurde nicht nur zum Stilvorbild, sondern auch zum Lebensvorbild einer ganzen Generation. 

Veruschka von Lehndorff, World Of Calvin Klein - Mercedes Benz Fashion Week Spring/Summer 2011 | Quelle: Getty Images

Veruschka von Lehndorff, World Of Calvin Klein - Mercedes Benz Fashion Week Spring/Summer 2011 | Quelle: Getty Images

Sie setzte sich für ein freies Schönheitsbild ein; eine Sicht auf Schönheit, die von Innen kommt und an den Charakter des Menschen gebunden ist. Damit war sie ihrer Zeit weit voraus. Denn obwohl es heute genügend Ansätze und Bewegungen über mehr "Body Positivity" gibt, entsprach Von Lehndorff damals nicht dem Schönheitsideal. In den frühen 60er-Jahren war sie nicht kurvig und extrem weiblich, sondern vielmehr fast schon androgyn. Dennoch schaffte sie es, zu faszinieren und das Frauenbild einer ganzen Generation nachhaltig zu verändern.

Zwar schaffte sie es nicht, ihrem Wunsch zu entsprechen, sich auf dem Laufsteg immer wieder neu zu erfinden, wie sie es sich vielleicht gewünscht hätte, doch sie hat "Veruschka" erfunden und diese Rolle mit einer Identität versehen, die Frauen die Kraft gab, aus den alten "Rollen einer Frau" auszubrechen.

Das macht sie heute

In den letzten Jahren ist Veruschka immer mal wieder für Designerin Esther Perbrandt gelaufen, doch da sie das Modeln schon in den 60er-Jahren langweilte, sind auch diese Auftritte eher selten. 2017 machte sie jedoch eine Ausnahme und ließ sich mit Toni Garrn fotografieren. Auch 2015 bewies sie, dass Alter nichts mit Schönheit zu tun hat, als sie eine alte Vogue-Aufnahme re-kreierte. 2018 war sie zudem das Gesicht für die Resort-Kollektion.

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