
Gina H. bricht während Befragung am 27. Tag im Mordprozess um Fabian in Tränen aus – Was brachte sie zum Weinen?
Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian steht am 27. Verhandlungstag die Angeklagte selbst im Mittelpunkt. Gina H. wird vor dem Landgericht Rostock ausführlich befragt. Dabei geht es zunächst um ihr Familienleben, ihr Verhältnis zu Fabian und ihre eigene psychische Verfassung.
Bevor die Befragung begann, wies Richter Holger Schütt Gina H. darauf hin, dass sie nicht aussagen müsse. Sie könne einzelne Fragen jederzeit unbeantwortet lassen.
Gleichzeitig erinnerte der Richter sie daran, niemanden zu Unrecht einer Straftat zu bezichtigen.
Schütt stellte außerdem klar, dass die Befragung kein Kreuzverhör werde, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Gina H. solle nicht „auseinandergenommen“ oder vorgeführt werden.

Die Angeklagte Gina H. verdeckt am 27. Prozesstag, den 10. September 2026, vor Gericht ihr Gesicht | Quelle: Getty Images
Für die Befragung plant das Gericht regelmäßige Unterbrechungen. Etwa alle 90 Minuten solle eine Pause eingelegt werden. Sollte die Zeit an diesem Verhandlungstag nicht ausreichen, werde die Befragung am nächsten Prozesstag, dem 15. September 2026, fortgesetzt.
„Wenn Fabi krank war, habe ich mich gekümmert“
Zu Beginn der Befragung ging es um das Familienleben mit Fabian. Gina H. erklärte, der Junge habe abwechselnd eine Woche bei seinem Vater und eine Woche bei seiner Mutter gelebt.
Wenn Fabian während seiner Betreuungszeit bei ihr und seinem Vater Matthias R. krank gewesen sei, habe sie sich um ihn gekümmert. Matthias R. sei dann zur Arbeit gegangen. „Wenn Fabi krank war, habe ich mich gekümmert“, sagte Gina H.
Die Angeklagte beantwortete die Fragen des Richters zunächst ruhig und offen. Allerdings war sie wegen des großen Abstands zum Mikrofon nur leise zu verstehen.
Auch Fabians Verhalten kam zur Sprache. Der Richter fragte nach seinem Verhalten nach den von Gina H. geschilderten Streit- und Gewaltsituationen. Der Junge sei damals „sehr auffällig“ gewesen und habe um sich geschlagen, schilderte sie.
Verhältnis zu Fabians Mutter
Auch die Beziehung zu Fabians Mutter Dorina L. wurde thematisiert. Gina H. beschrieb ihr Verhältnis zu ihr als normal. Eifersüchtig auf die Mutter des Jungen sei sie nach den ersten Monaten ihrer Beziehung mit Matthias R. nicht mehr gewesen.

Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin und Dorina L., die Mutter von Fabian am 10. September 2026 | Quelle: Getty Images
Danach richtete sich der Blick zunehmend auf Gina H. selbst. Sie berichtete, dass ihr der Alltag häufig schwer falle. Ihr Kopf „rattere 24/7“, außerdem leide sie unter Ängsten und einem innerlichen Druck.
Halt habe ihr vor allem die Verantwortung für ihren Sohn und ihre Tiere gegeben. „Wenn ich mein Kind nicht hätte und meine Tiere nicht hätte, dann wäre ich morgens nicht aufgestanden.“, sagte die Angeklagte.
Besonders emotional wurde es bei einem anderen Thema
Schon an dieser Stelle wurde deutlich, wie wichtig ihre Tiere für Gina H. sind. Im weiteren Verlauf der Befragung nahm dieses Thema immer mehr Raum ein. Die Angeklagte erzählte von ihrem Leben mit den Tieren und davon, wie viel Halt sie ihr gegeben hätten. Dann wurde sie plötzlich emotional.
Gina H. berichtete von einem Hund, der überfahren worden sei. Nach ihren Angaben war ein Kollege von Matthias R. betrunken, als es zu dem Vorfall kam. Der Tod des Tieres habe sie schwer getroffen.

Harald Nowack, Generalstaatsanwalt, wartet am 10. September 2026 im Gerichtssaal des Landgerichts auf die Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Sie beschrieb, wie schlecht es ihr danach gegangen sei. Erst nach einem Klinikaufenthalt in Röbel habe sich ihr Zustand wieder verbessert.
Während sie davon erzählte, kamen ihr die Tränen.
Warum Gina H. in Tränen ausbricht
Der emotionale Moment im Gericht hatte damit zunächst nichts mit dem eigentlichen Mordvorwurf gegen sie zu tun. Es war die Erinnerung an ihren Hund, die Gina H. sichtlich mitnahm.
Doch im Zusammenhang mit ihrer psychischen Verfassung erzählte sie noch von einer weiteren besonders persönlichen Situation aus ihrem Leben.
Sie berichtete, dass sie damals vorgehabt habe, die Schwangerschaft mit ihrem Sohn zu beenden. Sie sei deshalb bereits im Krankenhaus gewesen und für den Eingriff vorbereitet worden. Dann habe sie ihre Entscheidung geändert: Gina H. verließ das Krankenhaus und behielt ihr Kind.
Der 26. Tag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow brachte neue Aussagen, die nicht zu den bisherigen Ermittlungen passten. Drei Kinder berichteten vor dem Landgericht Rostock, den Jungen am Tag seines Todes gesehen zu haben. Besonders die Aussage eines zwölfjährigen Mädchens sorgte für Fragen.
Im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow stehen am Donnerstag, dem 3. September 2026, neue Zeugenaussagen im Mittelpunkt. Es ist der 26. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock. Drei Kinder sollen schildern, was sie am 10. Oktober 2025, dem Tag von Fabians Verschwinden und mutmaßlichen Todes, beobachtet haben.
Ihre Aussagen passen jedoch nicht zu der bisherigen Rekonstruktion der Ermittler. Denn nach der Überzeugung der Staatsanwaltschaft war Fabian zu einem Zeitpunkt, an dem ihn Zeugen noch gesehen haben wollen, bereits tot.
Angeklagt ist Gina H. (30), die Freundin von Fabians Vater. Ihr wird vorgeworfen, den Jungen mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend in Brand gesteckt zu haben. Vier Tage nach seinem Verschwinden wurde Fabians Leichnam an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.

Die Angeklagte Gina H. sitzt am 26. Verhandlungstag im Gerichtssaal | Quelle: Getty Images
Drei Kinder wollen Fabian gesehen haben
Die drei jungen Zeugen waren den Ermittlern bereits bekannt. Auf Antrag der Verteidigung von Gina H. wurden sie nun im Prozess als Zeugen geladen.
Zwei Mitschüler wollen Fabian am 10. Oktober 2025 gegen 13.30 Uhr vor der Marktbäckerei Hornung an der Plauer Straße in Güstrow gesehen haben. Der Ort liegt schräg gegenüber von Fabians Schule und außerdem in der Nähe der Wohnadresse eines Freundes des Jungen. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte Fabian dort am Tag zuvor seinen Freund getroffen.
Die Aussage der Kinder ist deshalb besonders relevant, weil sie zeitlich nicht ohne Weiteres zu dem Bild passt, das die Ermittler bislang vom Geschehen am 10. Oktober haben. Denn etwa zu der Zeit, zu der die beiden Jungen Fabian vor der Bäckerei gesehen haben wollen, will eine andere Zeugin bereits eine Rauchwolke bei Klein Upahl beobachtet haben. Mutmaßlich war dies der Rauch des brennenden Leichnams von Fabian.
Junge erinnert sich an die letzten Tage mit Fabian
Zu Beginn der Befragung bemühte sich der Richter, den Kindern ihre Angst zu nehmen: „Heute passiert überhaupt nichts Schlimmes, außer dass du einen coolen schulfreien Tag hast.“ Einer der befragten Jungen kannte Fabian. Auf die Frage „Kennst du Fabian L.?“ antwortete er: „Hm, der Fabian jetzt der in der Schule war? Ja, den kannte ich.“ Die beiden seien nicht nur Mitschüler gewesen. „Wir waren ein bisschen befreundet“, sagte der Junge vor Gericht.

Gina H. steht in Rostock vor Gericht | Quelle: Getty Images
Er schilderte, dass Fabian in den letzten Tagen vor seinem Verschwinden anders gewesen sei als zuvor. „Was ich noch weiß, dass er in den letzten Tagen nicht mehr so viel gesprochen hatte mit mir“, sagte der Junge. Gleichzeitig habe Fabian ihm gegenüber nicht geäußert, dass er Angst vor jemandem habe. Der Richter reagierte auf die Aussage des Kindes mit den Worten: „Du warst ganz tapfer.“
Weitere Sichtung am Nachmittag
Noch größere Fragen wirft die Aussage eines zwölfjährigen Mädchens auf. Sie will Fabian am 10. Oktober gegen 14.30 Uhr an der Schweriner Straße in Güstrow gesehen haben. Dort befindet sich auch Fabians Wohnort.
Nach Informationen von BILD hatte sich das Mädchen nach einem öffentlichen Zeugenaufruf selbstständig bei der Polizei gemeldet. Sie kannte Fabian demnach vom Sehen.
Auch diese Beobachtung liegt zeitlich nach der Sichtung vor der Bäckerei. Und sie steht damit im Widerspruch zu der bisherigen Rekonstruktion der Ermittler. Eine entscheidende Frage des Richters lautete schließlich: „War er allein?“ Die Antwort des Mädchens: „Ja, aber hinter ihm waren zwei Männer.“.
Das Mädchen sprach ursprünglich von einem „arabischstämmigen Mann“, den sie gemeinsam mit Fabian gesehen haben will. In ihrer aktuellen Aussage vor Gericht kamen allerdings mehrere Punkte zur Sprache, die bereits bei einer früheren Befragung anders dargestellt worden sein sollen.
Widersprüche bei der Aussage des Mädchens
So habe es bei der Befragung der zwölfjährigen Zeugin „erhebliche Widersprüche“ gegeben.
Bei der Polizei habe sie zunächst von einem Mann gesprochen. Vor Gericht berichtete sie nun von zwei Männern. Auch bei der Frage, ob Fabian von dem Mann angefasst worden sei, änderte sich ihre Darstellung: Während dies bei der früheren Aussage noch eine Rolle gespielt habe, verneinte das Mädchen nun auf Nachfrage, dass sie eine Berührung gesehen habe.
Laut ihrer Aussage vor Gericht seien es zwei schwarz gekleidete Männer mit schwarzen Haaren gewesen, die hinter Fabian gegangen seien. Dann beschrieb sie, was ihr an Fabian aufgefallen sei: „Ich hab nur gesehen, wie der Mann immer näher kam und Fabian immer schneller gegangen ist und immer nach hinten geguckt hat.“

Die Angeklagte Gina H. (links) und Anwalt Thomas Löcker am 03. September 2026 | Quelle: Getty Images
Damit entsteht erstmals im Prozess das Bild, dass Fabian an diesem Nachmittag möglicherweise nicht allein unterwegs gewesen sein könnte. Ob die beiden Männer tatsächlich mit ihm in Verbindung standen oder ob es sich lediglich um Passanten handelte, ist durch die Aussage allerdings nicht geklärt.
Damit dürfte der Prozess in den kommenden Verhandlungstagen erneut auf die entscheidenden Fragen zurückkommen: Wann starb Fabian tatsächlich? Was geschah an seinem letzten Tag – und wer begegnete ihm in den Stunden vor seinem Tod?
Die Aussagen der drei Kinder haben darauf bislang keine eindeutige Antwort geliefert. Sie sorgen jedoch dafür, dass die bisherigen Abläufe erneut genau überprüft werden müssen.
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