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Der Mordprozess ging am 9. Juli 2026 weiter | Quelle: Getty Images
Der Mordprozess ging am 9. Juli 2026 weiter | Quelle: Getty Images

Gina H. habe eine „komplexe Erkrankung“ – Psychotherapeut sagte im Mordprozess um Fabian aus

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Von Jasmine Eisenbeil
15. Juli 2026
16:02

Der Mord am achtjährigen Fabian aus Güstrow erschütterte ganz Deutschland. Am 19. Verhandlungstag des Prozesses sagten nun weitere Zeugen aus. Dabei sagte vor dem Landgericht Rostock unter anderem der Psychotherapeut von Gina H. aus.

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Während des Verhandlungstags am 9. Juli 2026 wurden mehrere Sprachnachrichten abgespielt. Diese stammten aus dem Zeitraum vom 12. bis 14. August 2025. Am 13. August hatte sich Fabians Vater (Matthias R.) von Gina H. getrennt. Unter anderem war darin von finanziellen Problemen die Rede. In einer sagte sie:

„Ich hab immer noch Schulden bei dir und weiß gerade nicht, wie ich das bezahlen soll. Ich bin finanziell am Arsch. Matthias hat sich heute getrennt, von jetzt auf gleich und ich hab nichts mehr. Weder Technik, ich hab ja nicht mal Freunde. Also einen Arsch voll Schulden und kein Geld. Ich hab jetzt nichts mehr.“

Die Angeklagte betritt am 9. Juli 2026 den Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte betritt am 9. Juli 2026 den Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

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Anschließend wurde der Psychotherapeut der Angeklagten als Zeuge vernommen. Der 57-Jährige aus Güstrow war seit dem 7. November 2017 ihr behandelnder Therapeut und wurde für seine Aussage von der Schweigepflicht entbunden. Zuvor sei Gina H. bereits anderweitig in Behandlung gewesen.

Vor Gericht beschrieb der Therapeut seine Patientin als an einer „komplexen Erkrankung“ leidend. Zunächst habe er sie tiefenpsychologisch behandeln und dabei insbesondere ihre Familiengeschichte aufarbeiten wollen. Später habe er den Schwerpunkt auf eine Verhaltenstherapie gelegt. „Es ging um aktuelle Konflikte familiärer Natur. Ein wichtiger Aspekt war auch die Arbeitsunfähigkeit“, erklärte der Zeuge.

Auf Nachfrage des Gerichts schilderte der Therapeut die Diagnosen, mit denen Gina H. bereits zu ihm gekommen sei. Dabei habe es sich um eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, eine soziale Phobie sowie Somatisierungstendenzen gehandelt. Letztere äußerten sich unter anderem durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Kopf- und Rückenschmerzen.

Die Angeklagte und Anwalt Andreas Ohm im Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte und Anwalt Andreas Ohm im Gerichtssaal | Quelle: Getty Images

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Im weiteren Verlauf las der Therapeut aus der Patientenakte vor: „Sie erscheint acht Minuten vor der Zeit. Die Patientin ist offensichtlich schwanger. Die Gesichtszüge wirken etwas kindlich, unbeholfen, was durch die Zöpfe unterstrichen wird. Sie wirkt insgesamt reflektiert. Es zeigt sich aber ein Gefühl der inneren Leere und Überforderung.“

Seine eigene Diagnose habe eine rezidivierende depressive Störung sowie eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen und Abhängigkeiten umfasst. Ziel der Therapie sei es gewesen, Gina H. Halt im Alltag zu geben. Sie habe lernen sollen, Grenzen zu setzen und sich vor überfordernden Situationen zu schützen.

Auch das Verhältnis zu ihrem leiblichen Sohn beschrieb der Therapeut anhand seiner Aufzeichnungen als „recht gut“.

Die Beziehung zu Matthias R. sei nach Einschätzung des Therapeuten stabilisierend für Gina H. gewesen. Auf Nachfrage des Richters berichtete er zudem von Konflikten mit dessen Familie. Vor allem Matthias R.s Vater habe die Beziehung abgelehnt und Dinge gesagt wie: „Was ist aus dir geworden? Du kannst nicht mal ein Bier trinken.“

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Die Angeklagte verdeckt am 9. Juli 2026 ihr Gesicht mit einer Akte | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte verdeckt am 9. Juli 2026 ihr Gesicht mit einer Akte | Quelle: Getty Images

Der Therapeut erklärte außerdem, dass Gina H. eine Behandlung mit Medikamenten abgelehnt habe. Der letzte Kontakt zu ihm habe am 4. November 2025 stattgefunden – zwei Tage vor Gina H.s Festnahme. Bereits am 17. Oktober 2025 habe sie ihn telefonisch kontaktiert, nachdem sie erfahren habe, dass sie beim Jugendamt angeschwärzt worden sei. Dort habe jemand behauptet, sie sei nicht in der Lage, sich um ihren Sohn zu kümmern.

Gina H. steht seit dem 27. April 2026 vor dem Landgericht Rostock wegen des gewaltsamen Todes des achtjährigen Fabian vor Gericht. Nach einer vierwöchigen Unterbrechung wird der Prozess am 6. August fortgesetzt.

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