
Sie moderierte eine TV-Show über echte Verbrechen – nun steht Ägyptens berühmteste Moderatorin im Mittelpunkt eines solchen Falls

Sie war einer der bekanntesten TV-Stars Ägyptens: glamourös, erfolgreich, Millionen Follower. In ihrer Sendung klärte sie Verbrechen auf. Doch jetzt hat ein Gericht in Kairo ein Urteil über Sarah Khalifa gesprochen, das das ganze Land erschüttert.
Kairo – Wer in Ägypten den Fernseher einschaltete, kam an ihr kaum vorbei. Sarah Khalifa (39) war ein Star: Moderatorin der beliebten Krimi- und Sicherheitssendung „Mission Impossible" auf dem Privatsender al-Mehwar, in der es Woche für Woche um echte Kriminalfälle ging.
Nebenbei baute sie sich ein kleines Imperium auf – eine Klinik für Schönheitschirurgie, eine Eventagentur, dazu 2,5 Millionen Follower allein auf Instagram. Eine Frau auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.
Doch am vergangenen Samstag saß Khalifa nicht im Studio, sondern auf der Anklagebank eines Strafgerichts in Kairo. Und das Urteil, das dort verkündet wurde, ließ ganz Ägypten aufhorchen.
Ein Urteil, mit dem niemand gerechnet hatte
Die Moderatorin brach im Gerichtssaal in Tränen aus. Videos, die in sozialen Medien kursieren, sollen zeigen, wie sie das Gericht um „Gnade und Menschlichkeit" anfleht. Denn der Richter hatte die höchste Strafe verhängt, die das ägyptische Recht kennt: die Todesstrafe.
Khalifa beteuert ihre Unschuld – bis heute. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht einmal eine Zigarette geraucht", soll sie im Prozess gesagt haben. Gegenüber Medien wird sie mit den Worten zitiert:
„Meine Eltern haben mich gut erzogen. Sie sind Menschen, die beten. Und ich brauche kein Drogengeld."
Drogengeld. Damit kommt der eigentliche Vorwurf ins Spiel.
Der Vorwurf: Kopf eines Drogennetzwerks
Nach Darstellung der Ermittler war Khalifa keineswegs nur Zuschauerin von Kriminalität – sie soll selbst Teil eines organisierten Drogennetzwerks gewesen sein. Die Anklage wirft der Gruppe vor, aus dem Ausland Grundstoffe für die Herstellung synthetischer Drogen importiert und diese in Ägypten weiterverarbeitet und verkauft zu haben.
Khalifas mutmaßliche Rolle laut Anklage: Sie soll Teile der Operation finanziert, ins Ausland gereist sein, um ranghohe Mitglieder des Netzwerks zu treffen, und als Bindeglied zwischen ihnen und weiteren Beteiligten in Ägypten fungiert haben. Belastet ist auch ihr Bruder Mohamed – auch er wurde zum Tode verurteilt.
Insgesamt standen 28 Beschuldigte vor Gericht. Zwölf von ihnen – darunter Khalifa – wurden zum Tode verurteilt, neun zu lebenslanger Haft, sieben wurden freigesprochen. Zusätzlich wurde gegen die zum Tode Verurteilten eine Geldstrafe von 500.000 ägyptischen Pfund (rund 8.000 Euro) verhängt.
Die Ermittler stützen ihren Fall nach eigenen Angaben auf die Aussagen von 20 Zeugen sowie auf digitale Beweise – Nachrichten, Fotos und Videos, die die Aktivitäten der Gruppe dokumentieren sollen. Sichergestellt wurden demnach mehr als 750 Kilogramm Drogen und Ausgangsstoffe. Khalifa wurde bereits im April 2025 in Kairo festgenommen.
Khalifa bestreitet die Vorwürfe vehement. Bei einem früheren Gerichtstermin erklärte sie laut der staatlichen Zeitung „Achbar al-Yaum", sie habe Drogen überhaupt zum ersten Mal gesehen, als sie damit in den Räumen der Anti-Drogen-Behörde fotografiert worden sei.
In einem separaten Verfahren wurde Khalifa zudem in einem Fall verurteilt, in dem es um einen Übergriff auf einen jungen Mann gehen soll – die Angaben zur Strafhöhe schwanken je nach Quelle. Auch diesen Vorwurf weist sie zurück.
Der Kampf ist noch nicht vorbei
Trotz des drastischen Urteils ist der Fall keineswegs abgeschlossen. Vor der endgültigen Entscheidung musste das Gericht – wie in Ägypten bei Todesurteilen gesetzlich vorgeschrieben – die Stellungnahme des Großmuftis einholen. Dessen religiöse Einschätzung ist allerdings nur beratend und für das Gericht nicht bindend.
Khalifas Anwalt Mohamed el-Gendy hat bereits angekündigt, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Die Verurteilten können vor dem Kassationsgerichtshof, Ägyptens höchstem Gericht in Strafsachen, Berufung einlegen. Ein höheres Gericht kann die Beweise und die Rolle jedes einzelnen Angeklagten neu bewerten – und Urteile bestätigen, mildern oder aufheben. Rechtsexperten betonen: Das letzte Wort ist noch längst nicht gesprochen.
Ein Land mit einer der höchsten Hinrichtungsraten der Welt
Der Fall Khalifa fällt in ein Land, in dem die Todesstrafe intensiv angewandt wird. Ägypten verhängt sie unter anderem bei Mord, Terrorismus und Drogenhandel. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden 2025 in Ägypten mehrere Hundert Todesurteile ausgesprochen – eine der höchsten Raten weltweit.
Für Sarah Khalifa, die einst im Fernsehen half, Verbrechen aufzuklären, beginnt nun der wohl wichtigste Kampf ihres Lebens: der Kampf für ein Urteil, das sie für unschuldig erklärt – und der Kampf um ihr Leben.
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