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Richter Schütt | Quelle: Getty Images
Richter Schütt | Quelle: Getty Images

Fabian-Prozess: Das Urteil verschiebt sich erneut – und abgehörte Telefonate sorgen für Aufsehen

Edita Mesic
18. Sept. 2026
16:13

Am 29. Verhandlungstag im Mordprozess um den kleinen Fabian überschlagen sich die Ereignisse: Das Urteil verschiebt sich abermals, ein Beweisantrag nach dem anderen wird abgeschmettert – und am Ende werden zwei abgehörte Telefonate abgespielt, die ein überraschendes Licht darauf werfen, was Fabians Vater über den Fall und über die Angeklagte wirklich denkt.

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Es ist ein Prozess, der ganz Deutschland bewegt – und der kein Ende finden will. Am 17. September 2026 wurde am Landgericht Rostock der 29. Verhandlungstag im Mordfall Fabian verhandelt. Viele hatten gehofft, an diesem Tag zumindest zu erfahren, wann das Urteil fallen könnte. Doch statt Klarheit brachte der Tag vor allem eines: neue Verzögerungen, ein Bündel abgelehnter Anträge – und zum Schluss abgehörte Telefonate, die den Blick auf eine der zentralen Figuren des Falls verschieben.

Angeklagt ist Gina H. (30), die frühere Partnerin von Fabians Vater. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den achtjährigen Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, ihn zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gebracht und dort getötet zu haben. Anschließend soll sie versucht haben, Spuren zu verwischen. Gina H. bestreitet jede Beteiligung. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.

Justizbeamte führen die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Justizbeamte führen die Angeklagte in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

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Ein Fall, der Deutschland erschüttert

Der Fall hatte im Herbst 2025 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Fabian verschwand am 10. Oktober, einem Freitag, aus dem Umfeld seiner Familie im Raum Güstrow. Vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel in einem Waldstück bei Klein Upahl entdeckt – ausgerechnet von der heutigen Angeklagten. Schon dieser Umstand hatte früh Fragen aufgeworfen.

Anfang November 2025 nahmen die Ermittler Gina H. fest. Gegen sie erging ein Haftbefehl wegen Mordes, seither sitzt sie in Untersuchungshaft. Nach Darstellung der Anklage soll ein persönliches Motiv hinter der Tat stehen. Bewiesen ist davon bislang nichts rechtskräftig: Der Prozess, der seit dem 28. April läuft, ist ein reiner Indizienprozess. Dutzende Zeugen wurden bereits gehört, zahlreiche Gutachten vorgelegt. Ein handfestes, eindeutiges Beweisstück, das die Angeklagte zweifelsfrei überführt, fehlt bisher – und genau das macht das Verfahren so zäh und so umkämpft.

Die Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock und hält eine Aktenmappe vor ihr Gesicht, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock und hält eine Aktenmappe vor ihr Gesicht, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

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Für ein Gericht ist ein solcher Indizienprozess eine besondere Herausforderung. Es gibt kein Geständnis und keinen einzelnen, alles entscheidenden Beweis, sondern eine Vielzahl von Mosaiksteinen: Handydaten, Zeitabläufe, Aussagen von Zeugen, Auswertungen von Nachrichten und Videos. Erst wenn sich diese Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild fügen, kann eine Verurteilung tragen – bleiben zu viele Lücken oder Widersprüche, muss im Zweifel für die Angeklagte entschieden werden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Prozess in Rostock. Jede Zeugenaussage, jeder abgelehnte Antrag und jedes abgespielte Telefonat kann das Bild, das sich die Kammer macht, ein Stück weit verschieben. Umso genauer wird beobachtet, welche Beweise das Gericht zulässt – und welche es als unerheblich verwirft.

Die Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock und hält eine Aktenmappe vor ihr Gesicht, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock und hält eine Aktenmappe vor ihr Gesicht, 7. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

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Paukenschlag: Das Urteil verschiebt sich – schon wieder

Die vielleicht wichtigste Nachricht des Tages verkündete der Vorsitzende Richter Holger Schütt kurz vor Schluss: Der Termin für das Urteil verschiebt sich erneut. Mindestens ein bis zwei weitere Verhandlungstage brauche die Kammer noch, so Schütt. Vorsorglich wurden gleich drei zusätzliche Termine abgestimmt – der 29. und 30. Oktober sowie der 10. November, jeweils um 9.30 Uhr.

Damit zieht sich das Verfahren immer weiter in die Länge. Ursprünglich hätte der letzte Verhandlungstag bereits am 10. September stattfinden sollen. Durch neue Zeugenaussagen und die ausführliche Befragung der Angeklagten in den Wochen zuvor hat sich der Zeitplan jedoch massiv nach hinten verschoben. Neben den neu angesetzten Terminen bleiben zunächst auch der 23. und 25. September sowie der 5. und 8. Oktober bestehen. Ein Urteil ist damit frühestens im November zu erwarten.

Bemerkenswert am Rande: Ein psychiatrischer Sachverständiger, der sich auf einen möglichen Vortrag an diesem Tag vorbereitet hatte, kam nicht zum Zug. Sein Gutachten – das für die Frage der Schuldfähigkeit von großer Bedeutung sein dürfte – wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

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Die Angeklagte erscheint zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian am Landgericht Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte erscheint zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian am Landgericht Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Zwei Zeugen aus Fabians Alltag

Zuvor hatte der Verhandlungstag mit zwei Zeugen begonnen, die Fabian aus seinem Alltag kannten: einem Erzieher und der Leiterin des Horts in Güstrow, in den der Junge zeitweise ging.

Als erster Zeuge sagte der 25-jährige Erzieher Steve E. aus. Er betreute auch die beiden zehnjährigen Jungen, die zuvor als kindliche Zeugen ausgesagt hatten, sie hätten Fabian am Mittag des 10. Oktober – dem Tag seines Verschwindens – in der Nähe der Schule gesehen. Genau dieser Punkt ist für den Prozess von großer Bedeutung: Denn es steht die Frage im Raum, ob sich die Jungen im Tag geirrt haben könnten.

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Der Erzieher schilderte, er habe Fabian am Donnerstag, dem 9. Oktober, gesehen. Der Junge sei ihm auf dem Fahrrad entgegengekommen und habe ihm fröhlich zugerufen – so, wie er es immer getan habe. Fabian habe dabei ein oranges Oberteil getragen, etwas Auffälliges also. Ausdrücklich betonte der Zeuge, dass diese Begegnung am Donnerstag stattgefunden habe, nicht am Freitag. Sollten die beiden Jungen tatsächlich denselben Tag gemeint haben, hätte das Folgen für die Rekonstruktion des Zeitablaufs am Tattag.

Um solche Fragen überhaupt klären zu können, erläuterten beide Zeugen das Zeiterfassungssystem des Horts: Jedes Kind besitzt einen Chip mit einer Nummer, mit dem es sich unter Aufsicht an einem Lesegerät an- und abmeldet; auf einem Bildschirm erscheint dabei ein Foto des Kindes. Laut den Protokollen waren die beiden Jungen sowohl am Donnerstag als auch am Freitag im Hort registriert; am Freitag loggten sie sich gegen 13.40 Uhr gemeinsam aus.

Die Angeklagte und ihr Anwalt Thomas Löcker sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte und ihr Anwalt Thomas Löcker sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

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„Aufgeweckter Junge, fröhlich"

Anschließend sagte die 43-jährige Hortleiterin Silene A. aus. Sie sprach mit spürbarer Anteilnahme über Fabian. Er sei ein aufgeweckter, fröhlicher Junge gewesen, der Nähe und Zuneigung gesucht habe. Sein letzter regulärer Tag im Hort sei der 5. September 2025 gewesen, der letzte Tag der Sommerferien; danach sei er nur noch tageweise zum externen Balltraining dort gewesen. Sie erinnerte sich, dass Fabian stets ein paar Minuten früher gekommen sei, die Kollegen begrüßt und gedrückt habe.

Für die Verteidigung von besonderem Interesse war die Frage, ob Fabian in den Wochen vor seinem Verschwinden verängstigt gewirkt habe. Doch die Hortleiterin konnte das nicht bestätigen: Auf die Nachfrage, ob der Junge berichtet habe, dass ihn etwas belaste oder dass er sich gefürchtet habe, verneinte sie. Auch über seinen Vater und gemeinsame Erlebnisse habe Fabian im Hort nie gesprochen.

Die Angeklagte sitzt zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (l.) und Thomas Löcker (r.) im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte sitzt zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (l.) und Thomas Löcker (r.) im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images

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Ein Antrag nach dem anderen wird abgelehnt

Der eigentliche Kern des Tages aber war ein regelrechtes Trommelfeuer an Entscheidungen: Reihenweise lehnten Gericht und Staatsanwaltschaft Beweisanträge der Verteidigung ab. Die Kammer machte deutlich, dass sie die Beweisaufnahme nicht endlos ausweiten will.

Abgelehnt wurde unter anderem der Antrag, mehrere Mitarbeiter einer Autowerkstatt zu vernehmen, in die Fabians Vater am Tattag sein Auto gebracht hatte. Auch ein IT-forensisches Gutachten zum Fahrzeug von Gina H.s Bekanntem Christian D. soll es nicht geben – ebenso wenig ein Gutachten zur Dauer und Intensität des Feuers, mit dem sich die Verteidigung befassen wollte. Laut Richter Schütt würde eine andere Branddauer die Täterschaft der Angeklagten nicht ausschließen; entscheidend sei ohnehin nur die Zeit, bevor eine Zeugin den Brand fotografierte, und dazu fehlten Anhaltspunkte.

Auch die Vernehmung des Leiters der Hundestaffel, eines selbsternannten Hobby-Ermittlers, des Bruders von Fabians Vater sowie eines Mannes aus Reimershagen, der am Tattag einen orangefarbenen Pick-up gesehen haben will, wurde abgelehnt. Mit diesem Zeugen wollte die Verteidigung belegen, dass ein baugleiches Fahrzeug wie das von Gina H. in der Region unterwegs gewesen sei. Der Richter widersprach: Es könne sich ebenso gut um Gina H.s eigenes Auto gehandelt haben. Die bloße Sichtung irgendeines orangefarbenen Pick-ups sei ohne Belang.

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12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

12. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images

Die abgelehnte Trainerin – und ein Schlüsselsatz des Richters

Zu den abgelehnten Anträgen gehörte auch die Ladung von Fabians Fußballtrainerin. Sie hatte in den Medien behauptet, Fabian habe zuletzt gesagt, er habe vor etwas Angst. Verteidiger Andreas Ohm wollte sie deshalb als Zeugin hören lassen. Doch der Vorsitzende Richter lehnte ab. „Es fehlt eine konkrete Angabe einer Beweistatsache", sagte Schütt.

Der Satz steht sinnbildlich für die Linie des Gerichts an diesem Tag: Vage Andeutungen, Aussagen „vom Hörensagen" und mediale Behauptungen reichen der Kammer nicht als Grundlage für weitere Beweiserhebungen. Auch die Ladung des Vaters eines der zehnjährigen Mitschüler wurde mit ähnlicher Begründung verworfen – er sei nur ein Zeuge vom Hörensagen. Und selbst mehrere YouTuber, Influencer und Hobby-Ermittler, die die Verteidigung aufbieten wollte, blieben außen vor.

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Die Angeklagte wird in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock geführt zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 12. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Die Angeklagte wird in den Gerichtssaal des Landgerichts Rostock geführt zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 12. Juni 2026. | Quelle: Getty Images

Streit um ein Video in den sozialen Medien

Besonders hartnäckig umkämpft war die Frage nach einem Aufruf-Video, das die beste Freundin von Fabians Mutter, Raffaela J., in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Darin bat sie um Hinweise und nannte unter anderem Orte rund um Klein und Groß Upahl.

Die Verteidigung argumentiert, das Video sei bereits am 13. Oktober 2025 gepostet worden – und Gina H. sei erst dadurch überhaupt auf den Ort Klein Upahl aufmerksam geworden, an dem sie später nach Fabian suchte. Die Nebenklage hält dagegen: Das Video sei erst am 18. Oktober um 19.17 Uhr veröffentlicht worden. Wäre das so, hätte Gina H. ihr Wissen über den späteren Fundort nicht aus diesem Video haben können – ein Umstand, der aus Sicht der Nebenklage auf mögliches Täterwissen hindeuten würde.

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Das Gericht wies die entsprechenden Anträge zurück. Selbst wenn das Video schon am 13. Oktober kursiert hätte, ergebe sich daraus kein Hinweis auf exklusives Täterwissen: Raffaela J. habe in ihrem Aufruf nicht nur Klein und Groß Upahl, sondern eine ganze Reihe von Ortschaften genannt. Zudem habe Gina H. ihre Suche in Klein Upahl gegenüber Christian D. gar nicht mit einem Video begründet, sondern damit, dass sie dort früher schon einmal mit Kindern spazieren gewesen sei. Damit war auch der Antrag der Nebenklage, Raffaela J. selbst als Zeugin zu laden, vom Tisch. Für die Freundin der Mutter, das ist wichtig festzuhalten, ergab sich in all diesen Erörterungen kein belastbarer Anhaltspunkt – sie war diejenige, die öffentlich um Mithilfe bei der Suche gebeten hatte.

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images

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Gina H. wirkt gelöst

Während der Richter Beschluss um Beschluss verlas und die Anträge der Verteidigung reihenweise scheiterten, zeigte sich die Angeklagte auffällig gefasst. Beobachter im Saal beschrieben, wie Gina H. zwischendurch den Kopf in die Hand stützte, in ihren Unterlagen las und sich immer wieder mit ihren Verteidigern unterhielt. Als besonders bemerkenswert wurde empfunden, dass sie zeitweise gut gelaunt wirkte und ihren Anwalt anlächelte – ausgerechnet in jenen Momenten, in denen es um die Rekonstruktion des Tattags ging. Richter Schütt beobachtete die Reaktionen der Angeklagten mehrfach über längere Zeit.

Dieser Kontrast – die gelöste Angeklagte auf der einen, die bedrückende Schwere des Falls auf der anderen Seite – prägte den Verhandlungstag. Und dann kam der Moment, der dem Tag seine eigentliche Wucht verlieh.

Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten 8-Jährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den zum Tatzeitpunkt achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus sonstigen niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images

Christine Habetha (von links nach rechts), Rechtsanwältin und Mutter des ermordeten 8-Jährigen, im Gerichtssaal des Landgerichts vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den zum Tatzeitpunkt achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus sonstigen niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images

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Der Moment, der alles überstrahlt: die abgehörten Telefonate

Zum Ende der Beweisaufnahme spielte das Gericht zwei abgehörte Telefongespräche ab, die Fabians Vater Matthias R. (35) im November 2025 geführt hatte – und zwar mit einem Mann namens Markus R., der in der Berichterstattung als selbsternannter Hobby-Ermittler bekannt ist. Wichtig zur Einordnung: Die Polizei hat erklärt, dass dieser Markus R. mehrfach gelogen habe, indem er öffentlich behauptete, an den offiziellen Ermittlungen beteiligt gewesen zu sein.

In diesen Gesprächen offenbart sich, was der Vater des getöteten Jungen über den Fall dachte – und es ist alles andere als das, was man erwarten würde. Denn Matthias R. glaubt nicht an die Schuld seiner Ex-Partnerin. Auf die direkte Frage, ob Gina H. mit der Tat nichts zu tun habe, antwortet der Vater klar mit „Nein" – das würde alles nicht zusammenpassen. „Es war irgendein anderer, der wusste, dass Fabian zu Hause war", spekuliert Matthias R.

Seine Überzeugung von Gina H.s Unschuld begründet er mit den Jahren, die er sie kenne. Über die Angeklagte sagt er: „Ich weiß, wie sie ist. Das traue ich ihr nicht." Fabian sei für Gina H. wie ihr eigenes Kind gewesen, die beiden hätten ein gutes, liebevolles Verhältnis gehabt. Wer ein bisschen logisch nachdenke und alles zusammenzähle, so der Vater weiter, bei dem kämen am Ende „nur Fragezeichen raus".

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Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images

Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock. | Quelle: Getty Images

Der Vater lenkt den Verdacht in eine andere Richtung

Noch heikler wird es, als das Gespräch auf die Frage kommt, wer denn sonst infrage käme. Der Hobby-Ermittler bringt die Vermutung ins Spiel, es könne jemand aus dem Umfeld von Fabians Mutter gewesen sein, und fragt nach einem Anfangsbuchstaben – „Mit R?". Matthias R. entgegnet, das könne gut möglich sein. Aus dem Zusammenhang der Gespräche geht hervor, dass damit offenbar auf die beste Freundin von Fabians Mutter angespielt wird – also jene Frau, die mit ihren Aufruf-Videos öffentlich nach Hinweisen gesucht hatte.

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An dieser Stelle ist größte Vorsicht geboten – und das machte auch das Gericht deutlich. Bei diesen Äußerungen handelt es sich um die private Spekulation eines verzweifelten Vaters, geäußert im Gespräch mit einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit die Polizei ausdrücklich in Zweifel zieht. Gegen die angedeutete Person liegt kein belastbarer Beweis vor; das Gericht hat, wie beschrieben, jeden Versuch abgelehnt, aus ihrem Verhalten oder ihrem Video ein „Täterwissen" abzuleiten, und sie nicht als Beschuldigte, sondern allenfalls als mögliche Zeugin behandelt – und selbst das verworfen. Die Telefonate sagen also vor allem etwas über die innere Haltung des Vaters aus, nicht über die Schuld irgendeines Dritten.

In einem weiteren Gespräch geht es zudem um Details, die in den Medien kursierten. So erklärt Matthias R. etwa eine sogenannte Feuertonne auf Gina H.s Gelände damit, dass sie dort Pappkartons verbrenne, wenn sie Tierfutter zubereite – vieles, was in den Medien stehe, sei schlicht falsch. Und mit Blick auf die Ermittlungen sagt er, es gebe keine handfesten Beweise, sondern nur Indizien.

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock | Quelle: Getty Images

26. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Prozess wegen des Mordes an Fabian aus Güstrow sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock | Quelle: Getty Images

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Zwei Elternteile, zwei Haltungen

Gerade im Kontrast zu einem früheren Verhandlungstag entfalten diese Telefonate ihre ganze Tragik. Denn wenige Tage zuvor hatte sich Fabians Mutter, Dorina L. (32), im Gerichtssaal direkt und unter Tränen an die Angeklagte gewandt und sie gefragt, warum ihr Sohn habe sterben müssen. Auf der einen Seite steht damit eine Mutter, die in Gina H. die mutmaßliche Mörderin ihres Kindes sieht – auf der anderen ein Vater, der seiner früheren Partnerin die Tat nicht zutraut und den Verdacht lieber anderswo verortet.

Diese gegensätzlichen Haltungen der beiden Elternteile ziehen sich wie ein Riss durch den gesamten Fall. Sie zeigen, wie tief das Verbrechen nicht nur eine Familie, sondern ein ganzes Umfeld gespalten hat – und wie schwer es dem Gericht fällt, aus einem Geflecht aus Indizien, Emotionen, Gerüchten und Halbwissen ein tragfähiges Urteil zu formen.

Das Landgerichtsgebäude, fotografiert vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Fabian aus Güstrow, der zum Zeitpunkt der Tat acht Jahre alt war, am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images

Das Landgerichtsgebäude, fotografiert vor der Wiederaufnahme des Mordprozesses im Fall Fabian. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Fabian aus Güstrow, der zum Zeitpunkt der Tat acht Jahre alt war, am 10. Oktober 2025 auf heimtückische Weise und aus niederträchtigen Motiven getötet zu haben. | Quelle: Getty Images

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Wie es weitergeht

Nach dem 29. Verhandlungstag ist klar: Der Mordprozess um Fabian wird sich noch über Wochen hinziehen. Frühestens im November könnte ein Urteil fallen, möglicherweise erst danach. Bis dahin muss die Kammer noch offene Beweisanträge klären, das psychiatrische Gutachten hören und schließlich die Plädoyers abwarten.

Für die Öffentlichkeit bleibt ein zwiespältiges Bild. Da ist eine Angeklagte, die jede Schuld bestreitet und sich im Saal zuletzt erstaunlich gelöst zeigte. Da ist ein Berg an Indizien, aber kein eindeutiger Beweis. Und da sind nun auch die Worte eines Vaters, der öffentlich nicht an die Schuld der Frau glaubt, die vor Gericht steht. Ob das Gericht diese Zweifel teilt oder die Indizienkette am Ende doch für eine Verurteilung reicht, wird sich erst in den kommenden Verhandlungswochen entscheiden.

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