
Hamburger Paar soll totes Baby jahrelang behalten haben – sie zogen etwa zwölfmal um, bevor die Polizei es herausfand
Der Fall eines in Athen entdeckten toten Babys wirft weiterhin zahlreiche Fragen auf. Ende August fanden griechische Behörden den Säugling bei der Räumung einer Wohnung. Die Mutter, eine 38-jährige Deutsche, und ihr 43-jähriger Lebensgefährte befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.
Nach Angaben des Anwalts der Eltern soll das Baby jedoch nicht erst kurz vor dem Fund gestorben sein. Vielmehr sei der Säugling bereits seit 2022 tot gewesen. Das Paar soll in den darauffolgenden Jahren mehrfach die Wohnung gewechselt haben – und den Leichnam dabei jeweils mitgenommen haben.
Inzwischen prüfen die griechischen Behörden zudem, ob der Fall möglicherweise mit weiteren ungeklärten Vorgängen zusammenhängt. Dabei geht es unter anderem um Fotos, die den Lebensgefährten der Mutter mit anderen Babys zeigen sollen. Die Hintergründe sind noch Gegenstand der Ermittlungen.

Fahrzeuge der griechischen Polizei | Quelle: Getty Images
Am 30. August machten die griechischen Behörden in Athen einen erschreckenden Fund. Bei der Zwangsräumung einer Wohnung wegen Mietschulden wurde ein totes Baby entdeckt. Nach Angaben griechischer Medien befand sich der Säugling in einer Kühltasche. Drei weitere Kinder, die sich in der Wohnung aufhielten, wurden lebend angetroffen und dem Jugendamt übergeben.
Die 38-jährige Deutsche und ihr 43-jähriger Lebensgefährte wurden festgenommen und sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Nun gibt es neue Informationen über den Zeitraum, in dem das Baby bereits tot gewesen sein soll.
Baby soll bereits seit 2022 tot gewesen sein
Wie der Hamburger Anwalt Christos Psarras gegenüber BILD erklärte, sei der Säugling bereits im Jahr 2022 gestorben. Zu diesem Zeitpunkt soll das Kind etwa acht Monate alt gewesen sein. Die Familie lebte damals offenbar nicht dauerhaft an einem Ort. Nach Angaben des Anwalts wechselte das Paar seine Wohnungen regelmäßig.
„Im Durchschnitt wechselten sie alle 4-5 Monate die Wohnung. Sie mieteten über die App Airbnb“, sagte Psarras gegenüber BILD. Nach dieser Darstellung könnte das Paar damit über mehrere Jahre hinweg zahlreiche verschiedene Unterkünfte bewohnt haben. Es wird geschätzt, dass es etwa zehn bis zwölf Umzüge gegeben haben könnte. Dabei soll der Leichnam nach Angaben des Anwalts jeweils von einer Wohnung in die nächste gebracht worden sein. Warum die Eltern nicht schon früher Behörden oder Polizei verständigten, ist eine der Fragen, mit denen sich die Ermittler beschäftigen.

Griechischer Polizeibeamter | Quelle: Getty Images
Anwalt nennt Erklärung der Eltern
Auf die Frage, warum das Paar den Tod des Kindes nicht gemeldet habe, verweist der Anwalt auf die Darstellung seiner Mandanten. „Sie wollten das Andenken an das Kind ehren und es beerdigen“, behauptet Psarras. Dies sei jedoch nach Darstellung des Anwalts nicht möglich gewesen: „Dies konnten sie jedoch nicht tun, da weitere Personen in den Fall verwickelt waren.“
Wer damit konkret gemeint ist und welche Rolle diese Personen gespielt haben sollen, ist derzeit nicht bekannt. Der Anwalt wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter dazu äußern. Auch die Umstände des Todes werden inzwischen anders dargestellt als zunächst.
Gegenüber den Behörden hatten die Eltern zunächst angegeben, das Kind habe ständig geschrien und sei anschließend eines natürlichen Todes gestorben. Der Anwalt erklärt nun, dass der Säugling tatsächlich gesundheitliche Probleme gehabt habe. „Das Baby hatte tatsächlich gesundheitliche Probleme. Das Kind war von einem Arzt untersucht worden, und es liegen Beweismittel hinsichtlich des bestehenden gesundheitlichen Problems vor“, sagte Psarras.
Gleichzeitig räumen die Eltern laut ihrem Anwalt inzwischen ein, dass das Kind nicht eines natürlichen Todes gestorben sein soll. Vielmehr soll der damals etwa acht Monate alte Säugling durch mehrere Messerstiche getötet worden sein. „Diese wurden nach Darstellung meiner Mandanten von einer dritten Person verursacht, die in den vorliegenden Fall verwickelt war“, sagte Psarras. Bei dieser Person soll es sich um jemanden aus der weiteren Verwandtschaft handeln. Weitere Angaben dazu machte der Anwalt wegen der laufenden Ermittlungen nicht.

Das Baby wurde in Athen von den Behörden gefunden. Diese Aufnahme zeigt eine Straße in Athen. | Quelle: Getty Images
Ermittler prüfen mögliche weitere Zusammenhänge
Der Fall könnte unterdessen über den Tod des Säuglings hinausgehen. Griechische Behörden sollen nach Medienberichten Fotos gefunden haben, auf denen der 43-jährige Lebensgefährte der Mutter gemeinsam mit weiteren Babys zu sehen ist.
Die Kinder auf den Aufnahmen sollen teilweise nicht eindeutig zugeordnet werden können. Nach Angaben eines griechischen Onlineportals sollen zwei der abgebildeten Babys inzwischen nicht auffindbar sein. Deshalb wird dem Bericht zufolge landesweit geprüft, ob Krankenhäuser oder Behörden Informationen zu den Kindern haben.

Ein Absperrband. Zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images
Dabei steht auch der Verdacht eines möglichen Kinderhandels im Raum. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein solcher Zusammenhang bereits nachgewiesen wäre. Die Ermittlungen sollen vielmehr klären, wer die Kinder auf den Fotos sind und in welcher Beziehung sie zu dem 43-Jährigen standen.
Viele Fragen sind noch offen
Die Geschichte hat zudem eine Verbindung nach Deutschland. Das Paar soll sich laut seinem Anwalt in Hamburg kennengelernt haben. Nach BILD-Recherchen war Natascha G. bereits 2012 in Deutschland ohne neue Anschrift abgemeldet worden. Vassileios S. war demnach bis 2024 in Hamburg gemeldet.
Natascha G. soll zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mit ihren weiteren Kindern in Griechenland gelebt haben. Diese Information stammt wiederum von ihrem Anwalt. Auch das Landeskriminalamt Hamburg ermittelt inzwischen gegen Natascha G. und Vassileios S.
Der Fall ist damit noch längst nicht abschließend geklärt. Die Ermittler müssen unter anderem klären, wann und unter welchen Umständen das Baby tatsächlich starb, wer für seinen Tod verantwortlich sein könnte und welche Rolle die beiden Inhaftierten dabei gespielt haben.
Auch die Angaben des Anwalts beruhen auf der Darstellung seiner Mandanten. Die Behauptung, eine dritte Person aus der Verwandtschaft habe das Kind getötet, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.
Ebenso ist derzeit offen, ob die auf Fotos abgebildeten weiteren Babys tatsächlich vermisst werden und ob zwischen diesen Fällen und dem Tod des Säuglings ein Zusammenhang besteht.
Fest steht nach den bisherigen Angaben: Das Baby wurde Ende August bei einer Wohnungsräumung in Athen entdeckt. Die Eltern befinden sich in Untersuchungshaft. Die griechischen und deutschen Behörden ermitteln weiter – und versuchen, die Hintergründe des Falls sowie die zahlreichen offenen Fragen zu klären.
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