
20. Verhandlungstag im Fall Fabian: Die Angeklagte sorgt nach der Aussage ihrer Schwester für Unruhe im Gerichtssaal – was ist passiert?

Über viele Verhandlungstage hinweg hatte sie eisern geschwiegen. Doch als ausgerechnet ein Mensch aus ihrer eigenen Familie in den Zeugenstand tritt, verliert die Angeklagte plötzlich die Fassung – und sorgt für einen Eklat im Gerichtssaal.
Der Mordprozess um den kleinen Fabian aus Güstrow geht in eine neue, aufwühlende Runde. Am 20. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock stand eine besonders belastende Zeugin im Mittelpunkt. Denn diesmal sagte die eigene Schwester der Angeklagten aus.

6. August 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte sitzt bei der Eröffnung der Verhandlung vor dem Landgericht, bei der der Mordprozess im Fall Fabian wieder aufgenommen wird, neben ihrem Anwalt Thomas Löcker und hält sich eine Mappe vor das Gesicht. | Quelle: Getty Images
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl getötet und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Die 30-Jährige schweigt seit Prozessbeginn.
Umso mehr Bedeutung kommt den Aussagen jener zu, die die Angeklagte seit ihrer Kindheit kennen.
Bereits im Vorfeld hatte die Schwester beantragt, ihre Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen zu dürfen. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch ab.

6. August 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte erscheint bei der Eröffnung der Verhandlung vor dem Landgericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian und hält sich eine Mappe vor das Gesicht. | Quelle: Getty Images
Wie belastet das Verhältnis der beiden ist, wurde schnell deutlich. Seit rund acht Jahren haben die Schwestern keinen Kontakt mehr zueinander.
Was die Zeugin dann über ihre Kindheit mit Gina H. berichtete, zeichnete ein wenig schmeichelhaftes Bild. Nach Einschätzung der Zeugin habe Gina H. schon früh stark um Aufmerksamkeit gekämpft. Sie berichtet:

6. August 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Mutter des ermordeten 8-Jährigen (rechts) und die Rechtsanwältin Christine Habetha (links) sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts, bevor der Mordprozess im Fall Fabian wieder aufgenommen wird. | Quelle: Getty Images
„Sie hat immer alles getan, um an erster Stelle zu stehen, hat mich schlechtgeredet, versucht Aufmerksamkeit zu kriegen."
Ihr Fazit fällt deutlich aus:

6. August 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Mutter des ermordeten 8-Jährigen sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts, als der Mordprozess im Fall Fabian wieder aufgenommen wird. | Quelle: Getty Images
„Es muss halt alles nach ihrer Nase gehen, das war damals schon so."
Es sind Schilderungen, die tief in die Vergangenheit der Angeklagten blicken lassen. Und sie trafen offenbar einen Nerv. Denn während die Angeklagte an den bisherigen Verhandlungstagen weitgehend regungslos geblieben war, änderte sich das nun schlagartig.
Bei der Aussage von Gina H.s Schwester kam es erstmals zu einem offenen Zwischenruf der Angeklagten.

6. August 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte sitzt bei der Eröffnung der Verhandlung vor dem Landgericht, bei der der Mordprozess im Fall Fabian wieder aufgenommen wird, neben ihrem Anwalt Andreas Ohm und hält sich eine Mappe vor das Gesicht. | Quelle: Getty Images
Auslöser war eine ganz bestimmte Schilderung. Die Schwester berichtete, Gina H. habe eine Ausbildung abgebrochen und gesagt, sie wolle einen Weg finden, nicht arbeiten zu müssen.
Auf diese Darstellung reagierte die 30-Jährige sichtbar verärgert. Plötzlich rief sie in den Saal:
„Hast du einen Dachschaden oder was?"
Für einen Moment war die sonst so beherrschte Angeklagte nicht mehr zu halten. Der Ausbruch zeigte, wie sehr die Worte ihrer Schwester sie trafen.
Es war das erste Mal im gesamten Prozessverlauf, dass Gina H. auf diese Weise die Fassung verlor.
Dabei war ihre Stimme im Gerichtssaal keineswegs neu. An fast jedem Verhandlungstag war sie zu hören gewesen – allerdings nur über Aufnahmen.
Denn die Kammer spielte immer wieder Sprachnachrichten, abgehörte Telefongespräche und Videoaufnahmen aus der Untersuchungshaft ab. Selbst sprechen wollte die Angeklagte bislang jedoch nicht.
Umso bemerkenswerter war dieser spontane Ausbruch mitten in der Aussage ihrer Schwester.

Die Angeklagte sitzt zwischen ihren Anwälten Andreas Ohm (l.) und Thomas Löcker (r.) im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock, 1. Juli 2026. | Quelle: Getty Images
Neben der Schwester trat an diesem Tag auch der Großvater der Angeklagten in den Zeugenstand. Die Aussagen zeichneten das Bild einer über Jahre hinweg zerrütteten Familie.
So habe die gemeinsame Großmutter offenbar schon lange ein persönliches Problem mit der Schwester gehabt. Die familiären Verwerfungen reichen damit weit in die Vergangenheit zurück.
Für die Angeklagte gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil weiterhin die Unschuldsvermutung.

Die Angeklagte wartet im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 18. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Der Prozess hatte am 28. April begonnen und stößt seither auf enormes öffentliches Interesse. Der Zuschauersaal ist regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt.
Inzwischen wurde die Angeklagte bereits zum 20. Mal in den großen Saal 2.002 des Landgerichts geführt. Es sind stets die gleichen Bilder: Kurz vor Verhandlungsbeginn nimmt sie zwischen ihren Verteidigern Platz und hält sich zeitweise einen roten Aktendeckel vors Gesicht.
Nach diesem aufwühlenden Verhandlungstag ist zunächst eine längere Pause geplant. Fortgesetzt werden soll der Prozess erst in einigen Wochen.
Bis dahin bleibt vor allem eine Erkenntnis: Selbst das jahrelange Schweigen der Angeklagten hat an diesem Tag einen ersten Riss bekommen.
Und im Mittelpunkt steht trotz aller Familien-Dramen weiterhin ein kleiner Junge, dessen gewaltsamer Tod eine ganze Region bis heute fassungslos zurücklässt.
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