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Kind in einer Kita | Quelle: Getty Images
Kind in einer Kita | Quelle: Getty Images

Kita in Hennigsdorf erneut in den Schlagzeilen: Dreijährige von Personal in Kita vergessen

Jasmine Eisenbeil
05. Nov. 2026
16:16

Eine Mutter will ihre dreijährige Tochter aus der Kita abholen und steht plötzlich vor verschlossenen Türen. Die Einrichtung ist offenbar bereits geschlossen, obwohl die reguläre Betreuungszeit noch läuft. Von den Erzieherinnen fehlt jede Spur. Erst auf dem Gelände entdeckt die Mutter ihr Kind allein im Garten.

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Der Vorfall ereignete sich Ende Oktober in Hennigsdorf in Brandenburg. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts einer Verletzung der Fürsorgepflicht. Besonders brisant: Die betroffene Kita war bereits in der Vergangenheit wegen des Umgangs mit Kindern in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um Vorwürfe gegen frühere Mitarbeiterinnen.

Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag, 22. Oktober 2026, in einer Kita in Hennigsdorf. Eine Mutter wollte ihre dreijährige Tochter am späten Nachmittag wie gewohnt abholen. Gegen 16.45 Uhr stand sie jedoch vor verschlossenen Türen. Dabei hätte die Einrichtung zu diesem Zeitpunkt noch geöffnet sein müssen. Die reguläre Schließzeit ist laut Polizei erst um 17 Uhr.

Die Frau informierte daraufhin die Polizei. Als sie auf dem Kita-Gelände nach ihrer Tochter suchte, entdeckte sie das Mädchen im Garten. Die Erzieherinnen waren offenbar bereits gegangen. Das Kind befand sich allein auf dem Außengelände der Einrichtung.

Nur zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images

Nur zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images

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Nach Angaben der Polizei hatten die Mitarbeiterinnen offenbar angenommen, dass alle Kinder bereits abgeholt worden seien. Wie es dazu kommen konnte, ist bislang allerdings unklar. Die Ermittler müssen unter anderem klären, wann genau die Erzieherinnen die Kita verließen und weshalb nicht bemerkt wurde, dass sich noch ein Kind auf dem Gelände befand.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts, dass die Fürsorgepflicht verletzt wurde. Die Mutter erstattete Anzeige. Damit ist der Vorfall nun auch Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.

Wie konnte das Mädchen übersehen werden?

Eine zentrale Frage ist, warum die Dreijährige beim Verlassen der Kita nicht bemerkt wurde. Nach Angaben der Polizei kommen verschiedene Möglichkeiten infrage. So wird unter anderem geprüft, ob sich das Mädchen möglicherweise versteckt hatte oder hinter einem Spielgerät saß.

Der Polizeisprecher erklärte, dass diese Fragen nun beantwortet werden müssten. Bislang ist nicht bekannt, ob das Kind tatsächlich übersehen wurde, weil es sich an einer schwer einsehbaren Stelle aufhielt, oder ob es andere Gründe für das Versäumnis gab.

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Auch die genaue Dauer, in der das Mädchen allein war, ist nicht abschließend geklärt. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass es weniger als eine halbe Stunde gewesen sein dürfte. Wann genau die letzten Mitarbeiterinnen das Gebäude beziehungsweise das Gelände verlassen hatten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Die Stadt Hennigsdorf ist Träger der Einrichtung und prüft den Vorfall ebenfalls. Nach Angaben des rbb geht die Verwaltung derzeit von menschlichem Versagen aus. Die Leiterin des Fachbereichs Soziales, Katharina Bobrowski, erklärte, man habe bereits Gespräche geführt. Hinweise auf Vorsatz sehe die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Zugleich kündigte sie an, die Abläufe in der Kita genauer zu überprüfen. Dabei sollen insbesondere die Abhollisten und die bestehenden Kontrollmechanismen betrachtet werden. Die Verwaltung müsse sich auch selbst fragen, an welcher Stelle etwas schiefgelaufen sei und wie ein solcher Vorfall künftig verhindert werden könne.

Kita stand schon einmal im Mittelpunkt eines Gerichtsverfahrens

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Besonders brisant ist, dass die Kita in Hennigsdorf nicht zum ersten Mal wegen des Umgangs mit Kindern in den Schlagzeilen steht. Anfang 2025 beschäftigte ein Gerichtsverfahren gegen frühere Erzieherinnen der Einrichtung die Öffentlichkeit.

Im Mittelpunkt standen Vorwürfe zu Vorgängen, die sich zwischen 2019 und Anfang 2023 ereignet haben sollen. Damaligen Mitarbeiterinnen wurde vorgeworfen, Kinder in Räume eingeschlossen und sie zum Essen und Schlafen gezwungen zu haben. Daher ging es um den Vorwurf der Nötigung und Freiheitsberaubung.

Eine der Angeklagten wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen zwei weitere wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Die Stadt Hennigsdorf kündigte nach dem Verfahren Konsequenzen an. Wichtig ist dabei: Die damaligen Vorwürfe bezogen sich auf frühere Mitarbeiterinnen und einen Zeitraum, der bereits Anfang 2023 endete. Die Ermittlungen zum vergessenen Mädchen betreffen einen neuen Sachverhalt.

Nur zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images

Nur zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images

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Die erneute Aufmerksamkeit für die Einrichtung wirft nun die Frage auf, ob die bisherigen organisatorischen Veränderungen ausgereicht haben. Schließlich geht es bei der Betreuung kleiner Kinder nicht nur um pädagogische Konzepte, sondern auch um ganz grundlegende Abläufe: Es muss jederzeit klar sein, welche Kinder noch in der Einrichtung sind und wer für ihre Betreuung verantwortlich ist.

Stadt überprüft Anwesenheitslisten und Kontrollmechanismen

Nach dem aktuellen Vorfall hat die Stadtverwaltung angekündigt, die internen Abläufe umfassend zu überprüfen. Dazu gehören auch die Anwesenheitslisten, mit denen festgehalten wird, welche Kinder sich in der Kita befinden.

Katharina Bobrowski erklärte gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung, dass die Stadt den Vorfall sehr ernst nehme. Es sei nicht akzeptabel, dass ein solches Versäumnis passieren konnte. Der Schutz und das Wohl der betreuten Kinder hätten höchste Priorität.

Die Verwaltung will deshalb untersuchen, wie es trotz der vorgesehenen Kontrollmechanismen dazu kommen konnte, dass ein Kind beim Verlassen der Einrichtung offenbar nicht mehr berücksichtigt wurde. Dabei sollen sowohl die Zuständigkeiten als auch die organisatorischen und pädagogischen Abläufe betrachtet werden.

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Auch die zuständigen Stellen innerhalb der Stadtverwaltung und das Bildungsministerium des Landes Brandenburg wurden nach Angaben der Stadt informiert. Zudem stehe die Verwaltung mit den Eltern des betroffenen Kindes in Kontakt. Zu möglichen dienstlichen Konsequenzen für die beteiligten Erzieherinnen äußerte sich die Stadt zunächst nicht. Sie verwies auf die laufenden Ermittlungen und die noch ausstehende vollständige Aufarbeitung.

Bauarbeiter wird zum wichtigen Helfer

Dass der Vorfall nicht noch schlimmer ausging, ist auch einem Bauarbeiter zu verdanken, der auf einer angrenzenden Baustelle tätig war. Er bemerkte das allein gelassene Mädchen und kümmerte sich um die Dreijährige.

Nach Angaben der Polizei gelangte er durch eine Öffnung im Zaun auf das Kita-Gelände. Dort blieb er bei dem Kind und wartete mit ihm auf die Mutter. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet, setzte er sich mit dem Mädchen auf ein Klettergerüst und machte auf sich aufmerksam, als die Mutter eintraf.

Der Bauarbeiter war zu diesem Zeitpunkt regulär auf dem Kita-Gelände beziehungsweise an der angrenzenden Baustelle tätig. Durch seine Aufmerksamkeit musste das Mädchen nicht weiter allein bleiben.

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Die Polizei geht davon aus, dass das Kind weniger als 30 Minuten ohne die Erzieherinnen war. Entscheidend ist auch: Der Dreijährigen ist nichts passiert. Der Polizeisprecher fasste den Ausgang des Vorfalls mit den Worten zusammen: „Es ist alles glücklich ausgegangen.“

Damit endete die Situation für das Mädchen glimpflich. Die strafrechtlichen und organisatorischen Fragen sind damit allerdings noch nicht geklärt. Die Polizei ermittelt weiter, und auch die Stadt muss aufarbeiten, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass eine Dreijährige nach dem Ende des Betreuungstages allein in der Kita zurückblieb.

Nur zu Illustrationszwecken. | Quelle: Getty Images

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Ermittlungen sollen klären, wie es dazu kommen konnte

Im Mittelpunkt der weiteren Untersuchungen steht nun die Frage, wie die Kontrollabläufe versagt haben. Die Ermittler müssen feststellen, wann die Mitarbeiterinnen die Kita verlassen haben, weshalb das Mädchen nicht bemerkt wurde und ob eine strafbare Verletzung der Fürsorgepflicht vorliegt.

Parallel dazu prüft die Stadt, welche organisatorischen Veränderungen notwendig sind. Die Verwaltung will mögliche Schwachstellen identifizieren und verhindern, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt.

Für die Kita ist es damit ein weiterer schwerer Einschnitt. Nach den früheren Vorwürfen gegen Mitarbeiterinnen und der Kritik von Eltern steht die Einrichtung erneut unter besonderer Beobachtung. Der aktuelle Fall betrifft zwar einen anderen Zeitraum und einen neuen Sachverhalt. Dennoch dürfte er die Fragen nach den Abläufen, der Verantwortung und dem Schutz der Kinder in der Einrichtung erneut verstärken.

Für das dreijährige Mädchen selbst nahm die Geschichte glücklicherweise einen guten Ausgang: Es blieb unverletzt und konnte schließlich von seiner Mutter abgeholt werden. Nun müssen Polizei und Stadt klären, warum es überhaupt so weit kommen konnte.

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