
Alexander Zverev bricht Interview abrupt ab – nach dieser Frage herrscht „eisige Stille"

Alexander Zverev bricht Interview ab – „Ich denke, wir sollten aufhören"
Nur einen Tag nach seinem historischen ersten Grand-Slam-Titel geriet Alexander Zverev in einen unerwarteten Interview-Eklat mit der französischen Sportzeitung „L'Équipe" – und das ausgerechnet auf dem Weg zu einem Fotoshooting am Eiffelturm.

Alexander Zverev posiert mit der Coupe des Mousquetaires nach seinem Sieg im Finale der French Open gegen Flavio Cobolli, Paris, 7. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Alexander Zverev hat am Montag nach seinem Triumph bei den French Open ein laufendes Interview mit der französischen Sportzeitung „L'Équipe" abgebrochen. Das Gespräch fand während einer gemeinsamen Autofahrt zu einem Fotoshooting des Französischen Tennisverbands FFT statt – und endete mit einem Seufzer des 29-Jährigen und anschließender Stille im Fahrzeug.
Sieg nach langer Wartezeit
Zverev hatte am Sonntag, dem 7. Juni, seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Im Finale der French Open besiegte er den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7(5) und 6:1 in fünf Sätzen. Es war sein vierter Grand-Slam-Finalauftritt – und der erste, den er für sich entscheiden konnte. Zuvor hatte er 2020 bei den US Open gegen Dominic Thiem verloren, 2024 in Paris gegen Carlos Alcaraz und 2025 bei den Australian Open gegen Jannik Sinner.
Mit dem Sieg in Roland Garros ist Zverev der erste männliche deutsche Grand-Slam-Sieger seit 30 Jahren.

Jannik Sinner (r.) posiert mit der Trophäe nach seinem Sieg bei den Australian Open neben Finalist Alexander Zverev, Melbourne, 26. Januar 2025. | Quelle: Getty Images
Nach dem Finale fuhr Zverev am darauffolgenden Montagnachmittag gemeinsam mit seinem Manager Sergey Bubka junior zu einem Fototermin am Eiffelturm, wo er sich ganz in Weiß mit der Siegertrophäe, dem Coupe des Mousquetaires, ablichten ließ.
Fragen zu früheren Vorwürfen
Auf dem Weg dorthin fand das Interview im Auto statt. Laut „L'Équipe" sei die Atmosphäre zunächst entspannt und herzlich gewesen – Zverev habe über seinen langen Weg zum ersten Grand-Slam-Titel gesprochen, über wichtige Menschen in seinem Leben und über seine Diabetes-Erkrankung.
Die Stimmung kippte, als der Reporter das Gespräch auf einen Vorfall bei den Australian Open 2025 lenkte: Eine Zuschauerin hatte damals während eines Spiels von Zverev gerufen: „Australien glaubt Olga und Brenda." Gemeint waren seine ehemaligen Partnerinnen Olga Sharypova und Brenda Patea, die in der Vergangenheit Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen Zverev erhoben hatten.

Alexander Zverev im Post-Match-Interview nach seinem Sieg gegen Alejandro Tabilo bei den US Open, New York, 26. August 2025. | Quelle: Getty Images
Zverev antwortete zunächst einsilbig, bevor er den Journalisten unterbrach:
„Moment, zunächst mal ist es nicht diese Art von Interview. Und außerdem weißt du, dass die Anschuldigungen für falsch befunden wurden?"
Der Reporter entgegnete laut „L'Équipe", ihm gehe es weniger um die Vorwürfe selbst als um den medialen Umgang damit. Daraufhin schritt Zverevs Manager Bubka in das Gespräch ein.

Alexander Zverev nach der Niederlage gegen Francisco Cerundolo beim Mutua Madrid Open, Madrid, 29. April 2025. | Quelle: Getty Images
Zverev sagte noch: „Es ist nicht meine Entscheidung. Ich habe alles getan, was ich konnte und meine Unschuld wurde bewiesen."
Als der Journalist anschließend nach Zverevs weiteren Turnierplänen fragen wollte, antwortete der Tennisstar nur noch mit einem Seufzer:
„Ich weiß es nicht. Ich denke, wir sollten aufhören, das ist besser."

Alexander Zverev verlässt niedergeschlagen den Platz nach seiner Niederlage gegen Arthur Fils im Viertelfinale der Miami Open, Miami, 26. März 2025. | Quelle: Getty Images
Der rechtliche Hintergrund
Im Juni 2024 war ein Verfahren gegen Zverev vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten wegen angeblicher Körperverletzung im Fall Brenda Patea ohne Urteil eingestellt worden. Mit der Einstellung war eine Geldauflage von 200.000 Euro verbunden – davon flossen 150.000 Euro an die Staatskasse, der Rest an gemeinnützige Organisationen.
Eine Verurteilung gab es nicht; mit der Zustimmung zur Zahlung war kein Schuldeingeständnis verbunden. Zverev gilt als unschuldig.

Brenda Patea, ehemalige Partnerin von Alexander Zverev, trifft am Berliner Gericht ein, Berlin, 31. Mai 2024. | Quelle: Getty Images
Die Vorwürfe von Olga Sharypova aus dem Jahr 2020 hatte Zverev stets bestritten; sie hatte keine Anzeige erstattet. Eine 15-monatige Untersuchung der ATP ergab „unzureichende Beweise", um die Anschuldigungen zu bestätigen – es folgten keine disziplinarischen Maßnahmen.
„L'Équipe" rückt Zverev nicht aufs Titelblatt
Bereits am Tag nach dem Finale hatte die „L'Équipe" auf ihrer gedruckten Titelseite auf das klassische Format verzichtet. Seit Jahrzehnten war es üblich, den French-Open-Champion großformatig in der Mitte des Covers zu zeigen. Diesmal erschien Zverev nur als kleine Miniatur oben links – neben einer Werbung für Anti-Schuppen-Shampoo. Den zentralen Platz bekamen stattdessen die Handballerinnen aus Metz nach ihrem Champions-League-Sieg.
Die Zeitung hatte zuvor online einen Kommentar veröffentlicht mit dem Titel:
„Zverev siegt: Eine Krönung, die die Vorwürfe der häuslichen Gewalt nicht verbirgt."
In ihrer Aufarbeitung des Interviews fragte die „L'Équipe" selbst: „Hätte man den deutschen Champion wie jeden anderen Grand-Slam-Sieger behandeln und die Schatten, die ihn seit den Anschuldigungen zweier Ex-Partnerinnen wegen häuslicher Gewalt umgeben, diskret ausblenden sollen?"