
Ehemaliges deutsches Model verschwand vor 12 Jahren spurlos im Harz – Polizei erhält plötzlich neue Hinweise
Seit nun mehr als zwölf Jahren fehlt von Jutta Schulz jede Spur. Das frühere Model verschwand im Frühjahr 2014, ohne sich von Familie oder Freunden zu verabschieden. Trotz jahrelanger Ermittlungen blieb das Schicksal der damals 53-jährigen Frau ungeklärt. Nun gibt es jedoch überraschenderweise neue Hinweise, die den Cold Case wieder in Bewegung bringen.
Ausgelöst wurden die neuen Entwicklungen durch einen Aufruf in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“. „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ist eine ZDF-Sendung, in der ungeklärte Kriminalfälle und Vermisstenfälle vorgestellt werden. Ziel ist es, mithilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung neue Ermittlungsansätze zu gewinnen und offene Fälle aufzuklären. Im Fall von Jutta Schulz zeigte der Aufruf Wirkung.

Das Studio von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ | Quelle: Getty Images
Nach der Ausstrahlung meldeten sich mehrere Menschen bei den Ermittlern. Nach Angaben der Polizei gingen inzwischen Hinweise von insgesamt 15 neuen Zeugen ein. Einige von ihnen wollen Jutta Schulz sogar in jüngerer Vergangenheit lebend gesehen und wiedererkannt haben.
Wie die Polizei der „Volksstimme“ mitteilte, beziehen sich mehrere Aussagen auf mögliche Begegnungen mit der Vermissten. Zudem gingen Hinweise auf einen bislang unbekannten Mann ein, der als möglicher Liebhaber von Jutta Schulz beschrieben wurde. Auch diese Spuren wollen die Ermittler nun weiter verfolgen.
Ehemalige Freundin auch unter den neuen Zeugen
Zu den neuen Hinweisgebern gehört auch eine frühere Freundin der Vermissten, die sich bislang nicht bei den Ermittlern zu Juttas Verschwinden gemeldet hatte.
Eine Sprecherin des Landeskriminalamts erklärte nach der Ausstrahlung von „Aktenzeichen XY“ gegenüber dem Sender: „Die Frau kannte Jutta Schulz aus der Zeit, in der sie verschwand.“ Sie habe nun Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten gegeben. Diese Informationen müssten nun sorgfältig überprüft und mögliche Verbindungen zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen hergestellt werden.
Dass sich auch viele Jahre nach dem Verschwinden noch neue Zeuginnen und Zeugen melden, bringt den Fall nun nach Jahren wieder in Bewegung. Obwohl Jutta Schulz seit mehr als einem Jahrzehnt als vermisst gilt, werden neue Hinweise nach wie vor ausgewertet.
Seit 2014 fehlt von ihr jede Spur
Jutta Schulz war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 53 Jahre alt. Nach den Erkenntnissen der Polizei wurde sie zuletzt am 7. April 2014 gesehen.
Als vermisst gemeldet wurde sie allerdings erst einige Wochen später. Am 1. Mai 2014 erstatteten ihre Kollegen aus dem Kölner Laufhaus „Das Bordell“, in dem sie als Barkeeperin arbeitete, eine Vermisstenanzeige. Im Zuge der Ermittlungen kamen die Beamten zu dem Schluss, dass sie bereits seit Anfang April nicht mehr gesehen wurde.
Vor ihrem Verschwinden pendelte Jutta Schulz regelmäßig zwischen Thale in Sachsen-Anhalt und Köln. Neben ihrer Arbeit als Barkeeperin war sie auch als Model tätig.
Sie wird als etwa 1,60 Meter groß und schlank beschrieben. Auffällig waren ihre rotbraun gefärbten, gelockten Haare. Außerdem legte sie großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Tätowierungen auf dem Bauch und dem linken Schulterblatt gehörten ebenfalls zu ihren markanten Merkmalen. Zudem fuhr sie gerne Fahrrad.
Zwei Theorien beschäftigten die Ermittler
Im Laufe der Jahre stellte die Polizei zwei mögliche Theorien zum Verschwinden von Jutta Schulz auf.
Zum einen bestand die Möglichkeit, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden und längst tot sein könnte. Eine Leiche wurde jedoch nie gefunden.
Zum anderen prüften die Ermittler die Möglichkeit, dass sie sich bewusst dazu entschlossen haben könnte, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und unter einem anderen Namen neu anzufangen.
Dabei spielte auch ihr Lieblingsfilm „Eat Pray Love“ eine Rolle. In dem Film beginnt die Hauptfigur Liz Gilbert, gespielt von Julia Roberts, nach einer Trennung eine Reise zur Selbstfindung und lässt im Zuge dessen ihr altes Leben hinter sich.
Nach Angaben der Ermittler hatte es auch im Leben von Jutta Schulz kurz vor ihrem Verschwinden Veränderungen gegeben. Sie soll Streit mit ihrem damaligen Partner gehabt und sich frisch in einen anderen Mann verliebt haben. Außerdem findet sich im Vermisstenfall eine weitere Parallele zu ihrem Lieblingsfilm. So soll sie vor ihrem Verschwinden eine Tasche mit Kleidung gepackt haben.
Freunde zweifelten an freiwilligem Verschwinden
Trotz dieser Umstände konnten sich viele Menschen aus ihrem Umfeld nicht vorstellen, dass Jutta Schulz freiwillig verschwunden sein könnte.
Ihre Freunde erklärten den Ermittlern übereinstimmend, Jutta Schulz wäre niemals einfach gegangen, ohne sich wenigstens bei Vertrauten zu verabschieden und sich zu melden. Auch ihr Verhalten nach dem Verschwinden passte aus Sicht der Freunde nicht zu ihr.
So wurde das Geld auf ihrem Konto nach Juttas Verschwinden nie angerührt. Ebenso meldete sie sich bei niemandem aus ihrem näheren persönlichen Umfeld. Gleichzeitig war bekannt, dass sie Schulden hatte. Welche Bedeutung dieser Umstand für ihr Verschwinden haben könnte, ist bislang ungeklärt.
Vor allem ein weiterer Umstand ließ ihre Freunde an einem freiwilligen Neuanfang zweifeln: Sie sind überzeugt davon, dass Jutta Schulz ihren geliebten Rottweiler Arno niemals einfach so zurückgelassen hätte.
Cold Case ist wieder in Bewegung
Nach jahrelangen Ermittlungen wurde das Verschwinden von Jutta Schulz als Cold Case behandelt. Darunter verstehen Ermittler Altfälle, bei denen sämtliche bisherigen Ermittlungsansätze über lange Zeit ohne Erfolg geblieben sind.
Aufgegeben werden solche Verfahren jedoch nicht. Neue Hinweise können auch viele Jahre später noch dazu führen, dass Ermittlungen wieder aufgenommen oder bislang unbekannte Zusammenhänge überprüft werden.
Genau das geschieht nun im Fall von Jutta Schulz. Für die Ermittler beginnt mit den neuen Zeugenaussagen nun die aufwendige Auswertung der eingegangenen Informationen. Nach Angaben der Behörden müssen die Hinweise zunächst einzeln überprüft und anschließend mit den bereits vorhandenen Erkenntnissen aus den vergangenen Jahren abgeglichen werden. Ziel ist es, mögliche Zusammenhänge zu erkennen und festzustellen, ob sich daraus neue Ermittlungsansätze ergeben.
Besonders bedeutsam ist dabei, dass sich unter den Hinweisgebern auch Menschen befinden, die Jutta Schulz nach eigener Aussage persönlich kannten oder sie in jüngerer Vergangenheit wiedererkannt haben wollen. Zudem könnten die Angaben zu einem bislang unbekannten Liebhaber weitere Anhaltspunkte liefern. Ob sich die einzelnen Aussagen bestätigen lassen, ist derzeit allerdings noch offen.
Ob die neuen Informationen das Schicksal der seit dem 7. April 2014 vermissten ehemaligen Barkeeperin aufklären können, ist derzeit noch offen. Die Polizei prüft nun alle eingegangenen Hinweise und untersucht mögliche Verbindungen zu den bisherigen Erkenntnissen. Dass sich mehr als zwölf Jahre nach dem Verschwinden von Jutta Schulz noch neue Zeugen melden, zeigt, dass selbst lange ungeklärte Vermisstenfälle durch öffentliche Aufrufe wieder neue Dynamik erhalten können.