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EntertainmentAnekdote

17. August 2021

Mein Mann wurde ein anderer Mensch, als ich überraschend eine Erbschaft machte – Story eines Abonnenten

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Mein Mann und ich hatten eine glückliche Ehe – es war nichts Besonderes, aber es war genug. Eines Tages jedoch machte ich eine unerwartete Erbschaft... Da lernte ich, dass Fortuna uns nicht einfach beschenkt – sie fordert auch immer etwas zurück.

Es ist fast witzig, wie das Geld alles verändert.

Ich weiß, ich weiß, das sagen die Leute schon seit was weiß ich wann, aber erst, als ich es mir selbst widerfuhr, begriff ich, wie wahr es ist.

Oder das Geld offenbart einfach unsere Fehler – das könnte auch sein, aber ich schätze, das werde ich nie erfahren.

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Es ist auch ironisch, wie ein unerwarteter Segen zum schlimmen Fluch werden konnte. Eine unerwartete Erbschaft... Fortuna lächelt uns nicht einfach zu und fordert keine Gegenleistung, das hätte ich wissen sollen.

Ich heiratete Tim, als wir beide noch sehr jung waren – es waren die frühen 2010er, wir waren gerade mit der Uni fertig. Wir dachten beide, dass es besser wäre, jemanden an unserer Seite zu haben, während wir uns durchs Leben schlagen. Du weißt schon, einfach jemanden, mit dem man das Leben teilen kann, bei dem man sich anlehnen kann, wenn es mal schwer wird.

Zumindest hat er mir das immer so gesagt.

Wir hatten nicht viel, als wir heirateten – wie gesagt, wir kamen frisch aus der Uni, wir hatten ein paar Schulden und Rechnungen, um die wir uns kümmern mussten. Rückblickend war es vielleicht keine so gute Idee, nach Hamburg zu ziehen, um dort eine Karriere am Theater anzustreben, aber hey, wir waren jung dachten nicht allzu viel darüber nach. Folge deinen Träumen, heißt es. So heißt es immer.

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Der Vorteil war, dass wir so aus Hessen herauskamen – das zumindest bereute ich nicht.

Du kannst dir vorstellen, dass es für uns nicht leicht war, in Hamburg zu leben – zwei Leute in den 20ern, die keine Ersparnisse hatten und sich ein einziges Zimmer teilen mussten... Und die Miete war noch die kleinste unserer Sorgen. Rechnungen, Bafög Rückzahlungen, tägliche Ausgaben... Und die Tatsache, dass das Theater nicht gerade eine profitable Sparte ist. Wir nahmen beide immer wieder irgendwelche Teilzeitjobs an und so kamen wir Monat für Monat irgendwie über die Runden.

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Aber wir waren glücklich. So ist das, wenn man jung ist, schätze ich. Für uns waren all diese Herausforderungen schlicht Abenteuer. Wir waren zufrieden mit dem Wenigen, das wir hatten. Es war ein bisschen wie ein Ton Steine Scherben Lied – wir hielten uns an dem fest, was wir hatten.

"Halt dich an deiner Liebe fest," so singen die.

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Wie auch immer, es war hart, aber wir waren trotzdem glücklich. Obwohl wir wochenlang mit leeren Taschen leben mussten, fanden wir in den kleinen Dingen noch immer Freude. Wenn wir beide mal frei hatten – was nicht oft vorkam – fuhren wir einfach an den Elbstrand und schauten stundenlang den Schiffen zu.

Manchmal schauten wir einfach aufs Wasser, wie sich die Sonne darin spiegelte. Im Winter schneite es manchmal und die Flocken verschwanden auf der Elbe oder setzten sich tanzend auf die Blätter der Büsche, die das Ufer säumten. Es fühlte sich an wie eine kleine Ewigkeit. Tim erzählte mir von der Geschichte der Gegend und wie die Alster manchmal zufror und einige waghalsige Teufel sich auf die noch knackende Eisdecke wagten. Manche schafften es, die Alster zu überqueren, andere nicht.

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Ich schätze, das war eine Art, mir zu sagen, dass manche es im Theater schafften und andere nicht – dass man es aber immer weiter probieren muss.

Das klingt vielleicht blöd, aber nach all den Jahren und allem, was passiert ist, sind mir diese Momente immer noch wichtig.

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Dann kam die Erbschaft – etwa, das keiner von uns sich in den wildesten Träumen ausgemalt hätte.

Es war genau so absurd wie es klingt. Eines Tages erhielt ich einen Brief von einer Anwaltskanzlei, der mir mitteilte, dass eine entfernte Verwandte mir ihr Haus hinterlassen hatte. Wir hielten es zunächst für einen Scherz, aber als ich meiner Mutter den Brief zeigte, bestätigte sie, dass es tatsächlich meine Großtante war – eine sehr zurückgezogen lebende, alte Frau und ziemlich sonderbar, so beschrieb sie meine Mutter, die besagte Tante vielleicht drei oder vier Mal im Leben gesehen hatte. Der Brief lautete:

"Ich, Amanda Sabrina Muncher, hinterlasse der Tochter meiner Nichte Franziska Bulmker (das war der Name meiner Mutter) mein Anwesen, weil ich es bestimmt nicht meinen Kindern hinterlassen werde. Ich hoffe, die schmoren in der Hölle."

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Ich habe keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht hat, als sie ihr Testament verfasste – aber so hatte sie es ihren Anwält*innen aufgetragen und das Dokument war rechtskräftig. So war das also.

Das Haus war irgendwo in Norddeutschland. Wir dachten uns anfangs nicht allzu viel dabei, bis man uns mitteilte, dass es sich um ein Anwesen handelte, dass 4 Millionen Euro wert sei.

Vier. Millionen. Euro.

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Lange Rede, kurzer Sinn: wir beschlossen, das Anwesen zu verkaufen und das Geld zwischen mir und meiner Mutter zu teilen. Tim wusste davon und da wir verheiratet waren, teilten wir natürlich unseren Anteil.

Ich persönlich dachte, dass wir nun endlich in der Lage wären, in eine schönere Wohnung zu ziehen – wir könnten sogar eine kaufen. Wir waren zu dem Zeitpunkt seit fünf Jahren verheiratet und in einer WG ein Zimmer zu teilen war nicht allzu attraktiv für uns, wie du dir sicher vorstellen kannst. Aber was die 2,5 Millionen Euro angeht, die wir am Ende als Anteil für das Anwesen erhielten, das hochpreisiger verkauft worden war, da hatte Tim andere Pläne im Kopf. Ich erinnere mich noch gut an unsere Unterhaltung an jenem Abend.

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Ich weiß noch, dass wir nach der Heimfahrt vom Anwesen auf dem Bett saßen und ich vorschlug, uns in Hamburg eine Wohnung zu kaufen, damit wir ein schöneres Zuhause hätten oder die Wohnung zumindest vermieten könnten.

"Hey, was hältst du von Eppendorf? Wir könnten dort leben oder vermieten," schlug ich vor.

Er dachte einen Moment nach, dann antwortete er: "wie wäre es mit unserem eigenen Stück am Theater?"

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Ich war für einen Moment sprachlos – es ist nicht gerade billig, ein Theaterstück zu produzieren – erst recht nicht in Hamburg.

"Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?", fragte ich, "wie willst du das anstellen?"

"Ich habe Kontakte. Wir können eine Crew zusammentrommeln und das Stück für so 3 Millionen Euro produzieren," sagte er.

"Aber wo kriegst du die fehlenden 500 Tausend her?"

"Wir können doch einen Kredit aufnehmen. Mit 2,5 Millionen auf dem Konto sollte das kein Problem sein."

"Ich weiß nicht. Meinst du nicht, das ist ein bisschen übereilt? Sagen wir mal, wie machen unser eigenes Stück – aber wie käme es bei den Leuten an? Wäre es überhaupt gut?"

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"Wir müssen es versuchen. Du wirst es nie wissen, bis du es wagst, Liebling."

"Aber wir sind Schauspieler, keine Produzenten. Wir können nicht einfach daherspazieren und unsere eigen Show produzieren. Man braucht Menschen, Verbindungen, Fachwissen..."

"Orson Welles hat "Citizen Kane" mit nur 25 Jahren gemacht. Schau mal, das hier ist unsere Chance. Manchmal muss man ein Risiko eingehen, solange man die Möglichkeit dazu hat."

Orson Welles war Tims Idol und ich konnte ihm nicht einfach sagen "Du bist aber nicht Orson Welles" und offenbar sah er mein Schweigen als Zustimmung.

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Kurz darauf begann er, das Stück vorzubereiten – irgendwie bekam er das Geld und fing an, das Stück selbst zu schreiben. Er dachte darüber nach, selbst Regie zu führen, aber das konnte ich ihm ausreden.

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Es war unser erster großer Durchbruch und ich hielt es für besser, wenn wir uns auf die Schauspielerei konzentrierten und den Rest den Profis überließen. Ich versuchte auch, ihm auszureden, das Stück selbst zu verfassen, aber er bestand darauf, dass dies "der einzige Weg sei, wie wir uns von unserer besten Seite würden präsentieren können."

Das Ganze war anfangs in Ordnung und ich kann nicht sagen, dass ich von unserem gemeinsamen Projekt nicht begeistert gewesen wäre. Aber nach etwa einem Jahr konnte ich eine gewisse Feindschaft zwischen uns spüren – er wurde immer aggressiver, wenn ich Änderungen vorschlug.

Das war der Anfang vom Ende. Springen wir ein weiteres Jahr in die Zukunft – vorbei an Produktionsaufschüben, Streit zwischen verschiedenen Abteilungen, Streits über die künstlerische Führung...

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Das Stück zerfiel, ehe es den Weg auf die Bühne schaffte.

Das Geld? Alles weg – inklusive der geliehenen 500 Tausend. Ich sollte wahrscheinlich genauer erklären, wie alles den Bach runter ging... Aber ehrlich gesagt will ich nicht mehr drüber reden. Es wurden Fehler gemacht, und ich war sicherlich nicht unschuldig.

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Wir hatten also 450.000 Euro Schulden. 50.000 konnten wir mit unserem Ersparten tilgen, den Rest aber mussten wir irgendwie anders aufbringen. Sagen wir mal, dass wir aus unserem süßen Traum aufwachten, ehe der seinen Höhepunkt erreichte... oder wahrscheinlich hatte es diesen Höhepunkt nie gegeben. Wir hatten einfach in einer Fantasiewelt gelebt, die wir selbst erschaffen hatten.

Und Tim? Der ist jetzt nachts immer lang weg. Er behauptete, er arbeitet die Nachtschicht, aber er riecht immer nach Whiskey, wenn er heimkommt. Vielleicht arbeitet er in einer Bar? Er hat es mir nie erzählt und ich schätze, ich will es gar nicht wissen.

Ich lieh mir 300 Euro von meiner Mutter. Das sollte reichen für zwei Zugtickets zurück nach Hessen – ohne Rückreise.

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Was können wir von dieser Geschichte lernen?

  1. Geld kann nicht alles kaufen. Es kann dir eine Wohnung in Eppendorf verschaffen, oder wo immer du leben willst, aber nicht alles. Zum Beispiel kein Stück am Hamburger Theater.
  2. Höre auf andere. Anstatt sie als Miesepeter zu sehen, lausche ihrer Kritik und nutze sie, um an dir und deinen Plänen zu arbeiten.

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Diese Geschichte wurde inspiriert von einem Beitrag eines Abonnenten, aber geschrieben wurde sie von einer*m professionellen Autor*in. Alle Namen wurden abgeändert, um die Privatsphäre der beteiligten Personen zu wahren.

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