Sterbehilfe: Vincent Lambert, der Mann, der nach jahrelangem Kampf sterben durfte

Ein französischer Koma-Patient, der seit einem Unfall im Jahr 2008 gelähmt und sprechunfähig wurde, durfte nach jahrelangem Rechtsstreit endlich sterben. Während seine Frau sein Leiden im Koma beenden wollte, wollten seine Eltern die lebenserhaltenden Maßnahmen dennoch fortsetzen.

Ein trauriges Ende für Vincent Lambert, der über 13 Jahre im Wachkoma verbrachte. Der Franzose erlitt 2008 bei einem Autounfall eine schwere Kopfverletzung und war seitdem querschnittsgelähmt.

Hand eines Patienten auf Krankenhausbett | Quelle: Getty Images

Hand eines Patienten auf Krankenhausbett | Quelle: Getty Images

Fünf Jahre nachdem der Verletzte im Koma lag, erklärten seine Frau Rachel und einige Familienmitglieder, dass sie die lebenserhaltenden Maßnahmen nicht fortsetzen wollten. Daher wurde die künstliche Ernährung für ihn im April 2013 eingestellt.

Doch seine Eltern waren anderer Meinung. Die katholischen Eltern und andere Familienmitglieder beantragten die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung, was nach einem Monat vom Gericht akzeptiert wurde. Im Jahr 2018 schlugen Ärzte jedoch erneut vor, lebenserhaltende Maßnahmen zu beenden.

Richter mit Hammer am Tisch im Gerichtssaal | Quelle: Shutterstock

Richter mit Hammer am Tisch im Gerichtssaal | Quelle: Shutterstock

Mehrere Jahre lang gab es einen Konflikt zwischen der Entscheidung des Gerichts und der Uniklinik Reims, in dem Lambert hospitalisiert wurde. Seine Mutter Viviane klagte über Verstöße gegen das in der Menschenrechtskonvention verankerte Recht auf Leben.

Lamberts Eltern hatten vor allen Gerichten in Frankreich verklagt, um den Tod ihres Sohnes zu verhindern. Doch sie scheiterten immer wieder und auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Dort ist seit 2005 die passive Sterbehilfe, also das Sterbenlassen eines unheilbar Erkrankten, erlaubt, wenn die Lebensverlängerung unangemessen und nutzlos wirkt. Liegt keine Patientenverfügung vor, zählen die Stimmen von Angehörigen und Ärzten, doch hier herrschte ständig Uneinigkeit.

Im Juli 2019 schließlich beendeten die Ärzte der Uniklinik Reims die Behandlung zum dritten Mal seit 2013, nachdem der Kassationshof den Weg für das Ende der künstlichen Ernährung freigemacht hatte. Leider schloss Lambert am 11. Juli 2019 im Alter von 42 Jahren innerhalb einer Woche für immer die Augen.

Vincent Lambert war selbst Krankenpfleger und seine Frau glaubte, ihr Mann hätte nie so leben wollen. Die Familie des Wachkoma-Patienten war zutiefst zerstritten. Während vier seiner Geschwister seiner Frau zustimmten, glaubten zwei andere Geschwister, dass ihre Eltern recht hatten.

Sogar der französische Präsident Emmanuel Macron wurde von der Familie Lamberts um Hilfe gebeten. Aber er stellte klar, dass er nicht in der Lage sei, die Entscheidung der Ärzte aufzuheben. 

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