Ein Löffel in der Unterwäsche kann junge Frauen vor der Entführung oder vor der Zwangsheirat retten

Die schwedischen Behörden raten den jungen Frauen, die Angst haben, ins Ausland entführt zu werden oder weibliche Genitalverstümmelung einen Löffel in die Unterwäsche zu stecken. Darauf sollen später die Flughafendienste aufmerksam werden. Die Mitarbeiter der Flughafen in Schweden haben angeblich nötige Anweisungen bekommen.

„Der Löffel in der Unterwäsche wird die Metalldetektoren am Flughafen ausgelöst. Man wird von der Familie beiseite genommen und kann dann mit den Mitarbeitern privat sprechen,“ sagt Katarina Idegard, die gegen die Gewalt in Göteborg kämpft, in einem Interview mit Reuters.

Es gibt keine Daten, was die Zahl der jungen Frauen angeht, die für Zwangsheirat ins Ausland gebracht wurden. Allerdings behauptet Idegard, dass die nationale Hotline 139 Anrufe bezüglich Zwangsheirat oder Kinderheirat bekommen hat.

Die Aktivisten fördern die anderen Städte, dem Vorbild von Göteborg zu folgen.

Die Idee kommt von der britischen Wohlfahrtsorganisation „Karma Nirvana“, die mit dieser Taktik bereits viele Mädchen in Großbritannien vor der Zwangsheirat gerettet hat. Einen Löffel in der Unterhose zu verstecken, war für die Mädchen ein sicherer Weg, um die Behörden zu verständigen. Das war oft schwierig, weil junge Frauen die ganze Zeit von ihrer Familie umgeben wurden.

Quelle: Wikimedia Commons

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Idegard behauptet, dass der Weg ein Teil des größeren Programms ist, dessen Ziel darin besteht, gegen die geschlechtsbezogene Gewalt zu kämpfen.

Die Schulen und Sozialdienste wurde beauftragt, extra vorsichtig vor den Sommerferien zu sein. Genau in der Zeit werden die Mädchen am häufigsten entführt.

Zwangsheirat und weibliche Genitalverstümmelung sind in Schweden, sowie in Deutschland strafbar. Das letztere wurde in Deutschland 2013 zum Verbrechen heraufgestuft. “Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“, so Strafgesetzbuch. Maximal kann man dafür 15 Jahre Freiheitsstrafe bekommen.

2016 wurde ein Vater verurteilt, der mit seiner Tochter nach Afghanistan fliegen wollte. 2014 ein wurde ein 14-jähriges Mädchen fast nach Äthiopien gebracht, um ihren älteren Cousin zu heiraten. Nach den Schätzungen wohnen allein in Schweden 38.000 Opfer der Verstümmelung.