Magdeburg: Adam, 2, ertrank bei Kita-Ausflug - seine Familie kann den Angeklagten vergeben
In einer Kindertagesstätte ereignete sich im vergangenen Jahr eine schreckliche Tragödie. Ein kleine Junge kam bei einem Ausflug ums Leben. Die Familie des Verstorbenen zeigt sich nun bereit, den Schuldigen zu verzeihen.
Es hatte ein schöner Herbstausflug werden sollen. Drei Erzieherinnen der "integrativen Kita Neustädter See" in Magdeburg machten sich mit 17 Kindern auf dem Weg zum nahe gelegenen See.
Die Kinder waren im Alter von zwei bis vier Jahren. Als Fortbewegungsmittel benutzten acht von ihnen Laufräder, während sechs in einem Bollerwagen gefahren wurden. Drei Kinder liefen zu Fuß.
Gegen 10 Uhr vormittags brach die Gruppe auf. Am See angekommen hatten die Kinder Zeit, ausgelassen im Sand des Seeufers zu spielen. Etwa 90 Minuten darauf kehrten die Kinder mit den Erzieherinnen zur Kita zurück.
Dort erst bemerkte man, dass der kleine Adam fehlte. Sogleich setzte eine große Suchaktion nach dem 2-Jährigen ein. Kurz nach ein Uhr am Nachmittag wurde sein lebloser Körper im See gefunden.
Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Adam konnte nicht mehr gerettet werden. Nun läuft das Gerichtsverfahren gegen die drei Erzieherinnen.
Den Frauen, die 23, 31 und 60 Jahre alt sind, wird Vernachlässigung der Aufsichtspflicht vorgeworfen, schließlich hatten sie nicht bemerkt, dass Adam nicht mehr bei der Gruppe der Kinder war. Dass ihm an einem Seeufer Gefahr drohte, sei offenkundig gewesen.
Im Zuge des Verfahrens äußerte sich auch die Zeugin, die Adams Leichte entdeckt hatte. Unter Tränen schilderte sie die Ereignisse des Tages. Außerdem äußerte sie sich zu den Zuständen in der Kita, wo sie selbst zwischendurch arbeitete.
Ihrer Aussage nach sei es ihr schon öfter aufgefallen, dass bei Ausflügen die Aufsicht über die Kinder nicht optimal organisiert sei. Von den Angeklagten bezog bisher nur eine über den Anwalt Stellung.
Sie räume die Anklagepunkte ein und mache sich schwere Vorwürfe. Sie verstehe immer noch nicht, wie es zu dem Unfall kommen konnte, aber er sei eben geschehen.
Der Anwalt des Vaters des Jungen gab bekannt, dass die Familie bereit sei, den Frauen zu verzeihen. Sie verstünden, dass es ein Unfall gewesen sei und niemand aktiv versucht habe, Adam zu schaden.
Diese Art der Einsicht sei sehr selten, so der Anwalt. Hoffentlich hilft es der betroffenen Familie, ihren Frieden zu finden und Adam in Liebe zu gedenken.