
Nach 118 Strafanzeigen wurde die Polizei zur Bewachung einer deutschen Schule geschickt – was ist dort los?
118 Strafanzeigen, 100 Feuerwehreinsätze und immer wieder Berichte über Gewalt und Bedrohungen: Die Lage an einer deutschen Schule sorgt bereits seit Monaten für bundesweites Aufsehen. Nun sorgt ein neuer Vorfall an der Schule für Aufsehen.
Die „BILD“ bezeichnet die Schule als „Deutschlands schlimmste Schule“ beziehungsweise als „Deutschlands gefährlichste Schule“. An der Schule hat es zahlreiche Vorfälle gegeben, was die Behörden dazu veranlasste Maßnahmen zu ergreifen. Auch nach den Sommerferien gibt es bereits wieder einen neuen Fall, bei dem die Polizei ermittelt.
Ein Lehrer der Schule schildert gegenüber BILD einen Vorfall, der sich am 27. August ereignet haben soll. Demnach soll ein 14-jähriger Schüler mit einem Messer bedroht worden sein. „Ein sehr schüchterner, unauffälliger Junge wurde am 27. August laut eigener Aussage mit einem Messer bedroht. Eine Kollegin fand ihn verängstigt im Gang und hat ihn zur Schulleitung gebracht.“
Die Polizei wurde daraufhin eingeschaltet. Thorsten Mischler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, bestätigte, dass die Behörden in dem Fall ermitteln: „Wir können bestätigen, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung in Bearbeitung ist.“

Einer der Eingänge der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen | Quelle: Getty Images
Nach ersten Erkenntnissen soll ein 14-Jähriger einen anderen 14-Jährigen geschlagen und bedroht haben. Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.
Brandbrief sorgte für bundesweites Entsetzen
Ausgangspunkt der öffentlichen Diskussion war Ende 2025 ein zehn Seiten langer Brief von Pädagogen der Schule. Darin schilderten die Lehrkräfte eine Reihe von Problemen. Die Rede war unter anderem von Drohungen, Gewalt, Beschimpfungen und Vandalismus.
Die Schilderungen sorgten über die Landesgrenzen hinweg für Entsetzen. Denn die Vorwürfe betrafen nicht nur einzelne Auseinandersetzungen zwischen Schülern. Vielmehr beschrieben die Pädagogen einen Schulalltag, in dem unterschiedliche Formen von Konflikten und Gewalt immer wieder auftreten sollen.
Die Zahlen, die im Zusammenhang mit der Schule genannt werden, sind ebenfalls erheblich: Die Rede ist von insgesamt 118 Strafanzeigen. Hinzu kamen rund 100 Feuerwehreinsätze.

Ein Schild mit dem Namen der Schule | Quelle: Getty Images
Besonders schwerwiegend war ein Vorfall mit einer damals 16-jährigen Schülerin. Sie soll mit einem Klappmesser auf eine Lehrerin losgegangen sein. Die Staatsanwaltschaft sprach laut BILD davon, dass die Schülerin die Lehrerin „um diese zu töten“ angegriffen habe.
Acht Monate nach dem Angriff stellten das Bildungs- und Innenministerium schließlich ein neues „Präventionspaket“ vor. Innenminister Michael Ebling machte deutlich, dass Gewalt im schulischen Umfeld nicht akzeptiert werden könne: „Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz – und erst recht nicht an unseren Schulen.“ Bildungsminister Sven Teuber betonte: „Jedes Kind hat das Recht, gut und sicher lernen zu können.“
Das neue Konzept soll deshalb nicht nur auf bereits geschehene Vorfälle reagieren. Vielmehr soll die Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und weiteren Fachkräften verbessert werden. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die regelmäßige Präsenz der Polizei.
Polizei soll regelmäßig an der Schule auftauchen
Die geplanten Polizeibesuche sollen ausdrücklich nicht nur dann stattfinden, wenn gerade ein konkreter Vorfall gemeldet wurde. Vorgesehen sind „anlasslos, regelmäßig, befristet, mit festen Zeiten sowie klar benannten Ansprechpartnern“ stattfindende Besuche.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts sind sogenannte Gefährderansprachen. Dabei sollen potenzielle Gewalttäter gezielt angesprochen werden. Teilweise können diese Gespräche auch auf einer Polizeiinspektion stattfinden. Das Ziel besteht darin, mögliche Eskalationen möglichst frühzeitig zu verhindern.

Ein Polizeibeamter steht am 14. März 2018 vor der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen | Quelle: Getty Images
Ein weiteres Problem besteht nach Angaben von Pädagogen darin, dass längst nicht alle Vorfälle bekannt werden. Laut Aussagen aus dem Umfeld der Schule heißt es, dass ältere Schüler von jüngeren Geld verlangen. Demnach sollen jüngere Schüler einen Teil ihres Taschengelds abgeben, damit sie anschließend in Ruhe gelassen werden.
Die Pädagogen erklären, warum die tatsächliche Zahl solcher Vorfälle möglicherweise schwer einzuschätzen ist: „Wir bekommen als Lehrer nur einen Bruchteil davon mit, weil sie sich uns aus Angst und Scham nicht anvertrauen.“
Dabei sorgen längst nicht alle Schüler für Probleme: Unter den rund 750 Kindern und Jugendlichen sollen sich nach Angaben von BILD etwa 100 bis 150 sogenannte Problemschüler befinden. Für die übrigen Schülerinnen und Schüler habe das entsprechend Auswirkungen auf ihren Alltag.
Personalrat fordert mehr Personal und Kameras
Die Pädagogen hatten in ihrem Brandbrief bereits konkrete Forderungen formuliert. Dazu gehörten kleinere Klassen und mehr pädagogisches Personal. Auch zusätzliche Sozialarbeiter wurden gefordert. Darüber hinaus ging es um technische Sicherheitsmaßnahmen. Der Personalrat forderte Kameras auf den Gängen und im Pausenhof.
Eine weitere Forderung waren Metalldetektoren an den Eingängen. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass Waffen überhaupt in das Schulgebäude gelangen. Im vorgestellten Präventionspaket fanden sich Metalldetektoren allerdings nicht.
Bei der betroffenen Haupt- und Realschule handelt es sich um die Karolina-Burger-Schule in Ludwigshafen, die von rund 750 Kindern und Jugendlichen besucht wird. Hier sollen die neuen Maßnahmen nun zunächst umgesetzt werden.

Das Schulgebäude der Karolina-Burger-Schule | Quelle: Getty Images
Die regelmäßigen Polizeibesuche, zusätzliche pädagogische und psychologische Unterstützung sowie die geplante Vertrauensstelle sollen dazu beitragen, die Situation langfristig zu verbessern. In den letzten Monaten wurde die Polizeipräsenz an der Schule bereits verstärkt. Diese Maßnahmen schienen die Lage zunächst zu beruhigen. Der neue Vorfall vom 27. August zeigt jedoch, dass weiterhin Konflikte auftreten.
Weitere Brennpunktschulen könnten folgen
Die Maßnahmen sollen nicht zwingend auf die Karolina-Burger-Schule beschränkt bleiben. Nach den bisherigen Plänen könnten die Erfahrungen dort genutzt werden, um das Konzept anschließend auf weitere Schulen auszuweiten.
Ob die nun angekündigten Maßnahmen dieses Ziel erreichen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht bereits jetzt: Nach 118 Strafanzeigen, rund 100 Feuerwehreinsätzen und zahlreichen weiteren geschilderten Vorfällen soll die Polizei an der Karolina-Burger-Schule künftig eine deutlich sichtbarere Rolle spielen.
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