
Kabarettist Konrad Beikircher stirbt kurz vor seiner letzten Tour – Was ist bekannt?

Rund 50 Jahre prägte Konrad Beikircher als eine der bekanntesten Stimmen des rheinischen Kabaretts die Bühnenlandschaft der Region. Für das laufende Jahr hatte er sich noch einen letzten großen Auftritt vor seinem Publikum vorgenommen.
Jetzt ist er im Alter von 80 Jahren verstorben — die Nachricht löst im Rheinland tiefe Betroffenheit aus.

Konrad Beikircher in seinem Garten, Bonn, 26. November 2020. | Quelle: Getty Images
Der Tod trat bereits am Montag ein, wie n-tv berichtet. Als Erstes machte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) die traurige Nachricht öffentlich, kurz darauf wurde sie auch von Beikirchers Management gegenüber t-online bestätigt.
Vom Gefängnispsychologen zum Kabarettisten
Zur Welt kam Beikircher 1945 im italienischen Bruneck, wo er in bürgerlichen Verhältnissen aufwuchs und schon als Kind musikalisches Talent zeigte, wie der WDR schreibt. Ursprünglich träumte er nach dem Abitur im Franziskanerkloster von Bozen von einer Karriere als Profi-Geiger — diesen Plan begrub er jedoch, nachdem ein Vorspiel bei einem namhaften Geiger enttäuschend verlief.
Stattdessen führte ihn sein Weg 1965 zum Psychologiestudium nach Bonn, wo er fortan sein Leben verbrachte. Nach Studienende entschied er sich für den öffentlichen Dienst und war 15 Jahre lang als Psychologe in der Justizvollzugsanstalt Siegburg tätig — dort betreute er jugendliche Sexualstraftäter.
Der Weg auf die Kabarettbühne
Parallel dazu sang Beikircher Wiener Chansons in Bonner Lokalen. 1984 wurde der WDR auf ihn aufmerksam und vertraute ihm eine eigene Radio-Kolumne an: „Sarens, Frau Walterscheidt". Mit der von ihm erfundenen Figur der Bäckerin Roleber schuf er ein Denkmal für eine typische Zimmerwirtin, wie t-online festhält.
Ermutigt durch den Erfolg der Sendung, gab er seinen sicheren Beamtenposten auf und wagte den Sprung ins Kabarett. Die rheinische Mundart wurde zu seinem zentralen Thema — mühelos ahmte er zahlreiche Dialekte nach und begeisterte damit sein Publikum. Bis heute gilt er als einer der ersten Künstler, die den Rheinländern ihre eigene Sprechweise als etwas Besonderes präsentierten. Gerade weil er selbst kein gebürtiger Rheinländer war, nahm man ihm das ab, wie er rückblickend im WDR-Interview erklärte.

Konrad Beikircher, Porträt, 1990 | Quelle: Getty Images
Politischer im Alter
In seinen letzten Jahren auf der Bühne widmete sich Beikircher verstärkt politischen Themen, berichtet n-tv. Als praktizierender Katholik setzte er sich im Luther-Jahr 2017 mit dem Glauben auseinander — unter dem ironischen Titel „500 Jahre falscher Glaube". Die Pandemiezeit griff er in seinem Programm „Kirche, Pest und neue Seuchen" auf, das die Geschichte von Seuchen kabarettistisch beleuchtete. Wie berichtet wurde, hatte Beikircher seinen Bühnenabschied bereits 2025 angekündigt: Ab September sollte ihn eine Tour mit dem Programm „Arrivederci" durchs Rheinland führen:
„Gut, einmal noch in die Runde gucken, was es denn alles gegeben hat in diesen 60 Jahren, die ich hier im Rheinland bin, davon 47 auf der Bühne. Dat kölsche Grundgesetz noch einmal mit Leben füllen, zu Ihrer letzten Belustigung."

Konrad Beikircher bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse. | Quelle: Getty Images
Feste Vorstellungen vom eigenen Sterben
Wie er sein Lebensende verbringen wollte, darüber hatte sich Beikircher bereits früh Gedanken gemacht. Sein Wunsch war es, zu Hause in Bad Godesberg zu sterben, umgeben von seiner Familie. Einmal formulierte er es, laut n-tv, so:
„Sterben möchte ich am liebsten auf altmodische Art, zu Haus, die Hand der Frauen in der Hand, die Kinder segnend oder sie zumindest anschauen. Das wäre meine Wunschvorstellung. Wenn ich es mir einrichten kann, dann werde ich das so machen."

Konrad Beikircher beim Auftritt im Senftöpfchen Theater, Köln. | Quelle: Getty Images
Zu weiteren Einzelheiten hat sich die Familie bislang nicht geäußert.
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